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Wie RTL mit dem Sommer-Dschungelcamp seine beste Marke beschädigte

Sonja Zietlow, Brigitte Nielsen, Daniel Hartwich (v.l.) im Sommer-Dschungelcamp von RTL
Sonja Zietlow, Brigitte Nielsen, Daniel Hartwich (v.l.) im Sommer-Dschungelcamp von RTL

Am Wochenende war das das Sommer-Dschungelcamp “Ich bin ein Star - lasst mich wieder rein!” mit mäßigen Quoten zu Ende gegangen Gottseidank! Die Idee der Programmmacher bei RTL, die immer noch glänzende Marke Dschungelcamp in den Sommer auszudehnen, ging erwartbar nach hinten los. Mit möglichen Folgen für das Original.

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Die Dschungelshow “Ich bin ein Star – holt mich hier raus!”, die im Januar bei RTL regelmäßig zwei Wochen lang für Spitzen-Einschaltquoten sorgt, ist immer noch beste Fernseh-Unterhaltung auf sehr hohem Niveau. (Selbst)ironisch, witzig getextet, perfekt produziert, exzellent moderiert ist das Format eine Oase in der Wüste der so genannten TV-Unterhaltung. Das gilt selbst für eine vergleichsweise schwache Staffel wie die vergangene mit Walter Freiwald und Maren Gilzer.

Bei der Suche nach neuen Quotenerfolgen war die Verzweiflung der Programmmacher nun offensichtlich so groß, dass sie der Versuchung nachgaben, die bislang gut gepflegte Marke Dschungelcamp in das Sommerprogramm zu erweitern. In Marketingsprech heißt das Markendehnung und das macht man am besten, wenn die Marke, die “gedehnt” werden soll, besonders stark ist. Nicht, wenn sie gerade ohnehin eine Schwächephase durchläuft. Nach Ansicht des Sommer-Dschungels muss man festhalten: Das mit der Markendehnung war keine gute Idee. Bestenfalls wurde die Marke Dschungelcamp nur leicht ramponiert, schlimmstenfalls irreparabel beschädigt.

Bei RTL wählten sie für das Sommer-Dschungelcamp den Weg des Offensichtlichen: Bekannte Kandidaten aus allen bisherigen neun Staffeln. Viele alte Ausschnitte. Ein paar mehr oder weniger originell ausgedachte Spielchen, ein bisschen Studiotalk. Telefonabstimmung. Fertig. Offenbar war das Kalkül, dass es reicht, das Label “Dschungelcamp” irgendwo draufzupappen und die Zuschauer würden folgen. Das Irre ist, dass das teilweise sogar funktioniert hat. Die Auftaktsendung war quotenmäßig ein schöner Erfolg, ebenso die Ausgabe, in der mit Sarah Knappik, Jay Kahn und Mathieu Carrière wesentliche Protagonisten des legendären Krawall-Camps aus dem Jahr 2011 erneut aufeinandertrafen.

Andere Folgen mit Dschungel-Adabeis wie Barbara Engel oder “Mausi” Lugner interessierten weit weniger. Und das Finale mit der Rumpf-Besatzung des Langeweiler-Camps 2015 ging schließlich mit enttäuschenden Quoten zu Ende. Schlimmer noch: Mit Brigitte Nielsen wurde eine Profi-Reality-Darstellerin erneut ins Camp gewählt, die keine Überraschungen oder interessante Entwicklungen verspricht. Ihre Sprüche (“Was geht los da rein?”) und Lagerfeuer-Geschichten über Sylvester Stallone und Arnold Schwarzenegger gab sie bereits bei ihrem ersten, siegreichen Dschungel-Aufenthalt in Staffel 6 zum Besten. Was soll da noch kommen?

Eine Chance für die kommende Ausgabe wäre es gewesen, wenn die unberechenbare Borderline-Person Sarah Knappik erneut eingezogen wäre oder der weinerliche Wendler. Für die Wahl der Zuschauer kann RTL zwar nichts, für die Ausrichtung des Formats dagegen schon. Das lieblose Setting in einem austauschbaren Studio, die Sinnlosigkeit der Spiele und Herausforderungen, bei denen es schlicht egal war, ob sie geschafft wurden oder nicht – das sprach für eine gewisse Egal-Mentalität. Hauptsache Dschungelcamp, dann werden sie schon einschalten.

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Was sie bei RTL vielleicht unterschätzen ist, dass es Zuschauer gibt, die dieses Format tatsächlich heiß und innig lieben. Der Dschungel ist eine der ganz wenigen TV-Shows auf die man sich schon Monate im voraus freut oder die man aus tiefstem Herzen ablehnt, die aber kaum jemandem egal ist. Zu Beginn war das Dschungelcamp hoch umstritten, galt fälschlicherweise in vielen Kreisen als unterstes Trash-TV. Dabei war es schon immer das genaue Gegenteil. Dem Format hat es allerdings gut getan, dass nach der ersten und der vierten Staffel pausiert wurde. Die Pausen waren freilich nicht der klugen Markenpflege von RTL zu verdanken, sondern es waren Zwangspausen, wegen massiver Kritik am Format und zu geringer Werbe-Einbuchungen. Der Effekt war aber heilsam: Dank der Pausen gab es einen größeren Kreis möglicher Kandidaten, die Dschungelfans hatten sich nicht sattgesehen. Die begehrte TV-Ware Dschungelcamp war verknappt worden. Umso größer war der Ereignischarakter, als das Camp dann 2011 fortgesetzt wurde.

Seitdem hat sich die Rezeption des Dschungelcamps fundamental geändert. Das Camp ist mit der Psycho-Perfomance der 5. Staffel (Knappik & Co.) zum Liebling der Feuilletons avanciert, die Quoten erreichten ungeahnte Höhen, Sondersendungen wurden eingeplant, die Werbepausen waren gut gebucht, weil sich mittlerweile auch in diesem Kreisen herumgesprochen hatte, dass durchaus auch viele Akademiker gerne Dschungelcamp schauen.

Bei diesem Erfolg war von einer Verknappung des Formats natürlich keine Rede mehr. Nun musste Jahr für Jahr ein Camp gesendet werden. Auch der überraschende Tod von Moderator Dirk Bach wurde nicht zu einem Innehalten genutzt, sondern mit Daniel Hartwich schnell ein Nachfolger aus dem RTL-Stall  installiert (der seine Sache allerdings ordentlich macht). Zu Schlechterletzt erfolgte nun, nach einer besonders schwachen regulären Staffel, auch noch die Erweiterung in den Sommer hinein. Statt die Marke Dschungelcamp zu pflegen, wird sie inflationär ausgeweitet. Für das 10. Jubiläum im kommenden Januar lässt das Schlimmes befürchten.

Entweder sie wissen bei RTL gar nicht, was sie da für einen Schatz im Programm haben. Oder aber sie haben das Dschungelcamp insgeheim schon aufgegeben und melken die Marke nun bis zum Gehtnichtmehr. Als Dschungelfan würde man im Januar sehr gerne eines Besseren belehrt werden.

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Alle Kommentare

  1. was mich besonders geschockt hat das man spiele macht mit lebensmittel wo es doch genug hunger auf dieser welt gibt ….!!!!

  2. So schlimm fand ich die Sendungen gar nicht. Gut, nach der ersten hat es etwas abgeflaut und ich habe nicht mehr jede Sendung verfolgt, aber als gut gemacht empfand ich sie dennoch.

    Allerdings haben mich ein paar Dinge gestört.

    Zum Beispiel Brigitte Nielsen. Frau Nielsen halte ich für fehl am Platz im Camp und wundere mich ehrlich gesagt, dass gerade sie ins Camp gewählt wurde. Bis zuletzt bin ich auch davon ausgegangen bzw. habe gehofft, dass alle Kandidaten, die bei den ersten Shows ausgewählt wurden, wieder ins Camp kommen. Empfinde ich als weitaus sinnvoller.

    1. Leider beschleunigen Sie durch den Konsum dieses Schwachsinns,
      den Untergang des Abendlandes. Goethe, Schiller, Fichte, Hesse, Mozart, Beethoven, bis hin zu Wagner oder den Brüdern Grimm,
      drehen sich sicherlich, ob Ihres Kommentars im Grabe um.

      Sind diese Leute etwa Ihre Vorbilder? Früher kannte die Jugend
      noch einen Albert Schweizer, heute steht sie auf Dumm-Dösbaddel-
      Popo, mit den Niveau einer Heftzwecke.

      1. Na, dann drehen Sie doch einfach ein Dschungelcamp mit Goethe, Schiller, Fichte, Hesse, Mozart, Beethoven, Wagner und den Brüder Grimm zusammen mit Albert Schweitzer (wird übrigens mit tz, nicht mit z geschrieben, Frau Klarinette) als Bewohner. Dann sind Sie glücklich und wir haben unsere Ruhe von diesem ewigen „früher war alles besser“ Kulturgenösel. Würde mich nicht wundern, wenn sich manch einer der oben genannten als Dumm-Dösbaddel, als Camp-Zicke oder als Heftzwecke entpuppen täte.

  3. Meine Güte, ist so ein Schwachsinn überhaupt eine Meldung wert?

    Unterbelichtete, mediengeile DarstellerInnen, verkörpern den Untergang
    des Abendlandes. Nichts Neues in der Welt, der sich selbst verherrlichenden,
    obszönen Egomanen. Flach-Fernsehen für Flach-Geister…

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