„Warschau ’44“ erreicht im ZDF nur wenige Zuschauer, „Terra X“ stark mit „Geschichte der Tiere“

Kriegsdrama „Warschau 44“ im ZDF
Kriegsdrama "Warschau 44" im ZDF

Ins sonntägliche Sommer-Entertainment aus Krimis und "Katie Fforde" setzte das ZDF einen Film über den Warschauer Aufstand 1944 und irritierte damit offensichlich das Publikum, das sich lieber weiter unterhalten lassen wollte. Bei den jungen Zuschauern lag RTL mit "Hangover 2" vor ProSiebens "Phantom Protokoll".

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Das sind die fünf Dinge, die Sie über die Quoten vom Sonntag wissen müssen:

1. Geringes Interesse an polnischem „Unsere Mütter, unsere Väter“ über den Aufstand in Warschau 1944

Am Sonntagabend zeigte das ZDF sozusagen Polens Antwort auf den deutschen Erfolg „Unsere Mütter, unsere Väter“: das Kriegsdrama „Warschau ’44“ über den Aufstand gegen die deutsche Besatzung am 1. August 1944 und dessen brutale Niederschlagung. Doch im Gegensatz zu dem erfolgreichen Dreiteiler aus deutscher Sicht interessierte das Publikum die polnische Kriegsperspektive nur in Maßen, um’s mal zurückhaltend zu formulieren. Lediglich 1,06 Mio. sahen den Film von Jan Komasa, das entsprach gerade einmal 5,6% Marktanteil und reichte nicht mal für einen Platz in den Top 30. Für die „ZDF History“-Doku zum selben Thema blieben nachher noch 0,71 Mio. dran (7,8%). Die meisten Zuschauer waren am Sonntag wohl eher auf Entertainment eingestellt.

2. „Tatort“ gewinnt den Sonntag, „Immer wieder sonntags“ gleichauf mit „Fernsehgarten“

5,63 Mio. wollten auf ihre Wochenend-Tradition nicht verzichten und entschieden sich am Abend für den „Tatort“ im Ersten, trotz Wiederholung. „Kaltblütig“ lautete der Titel, und bei 20,9% lag der Marktanteil. Einmal mehr folgt „Katie Fforde“ im ZDF mit deutlichem Abstand, „Ein Teil von dir“ sahen 3,39 Mio. (12,6%). Bei den Nachrichtensendungen setzte sich die „Tagesschau“ gegen das spätere „heute journal“ durch (4,9 vs. 3,33 Mio.). Als im ZDF „Warschau ’44“ lief, zeigte das Erste noch mehr Krimi und hielt damit noch 3,07 Mio. Zuschauer vor dem Schirm: „Inspector Mathias – Mord in Wales: Die Schöne im Moor“ holte 14,0% und Platz 5. Am Vormittag lagen „Immer wieder sonntags“ im Ersten und der „Fernsehgarten“ im ZDF quasi gleichauf, nämlich mit 1,63 Mio. und 1,61 Mio. (18,3% bzw. 15,9%).

3. ProSieben vs. RTL: „Mission: Impossible – Rogue Nation“ kommt nach RTLs „Hangover 2“ ins Ziel

In den Kinos startet an diesem Donnerstag Tom Cruise mit „Mission: Impossible – Rogue Nation“, und da dachten sich die Programmplaner bei ProSieben: Wäre doch ein guter Zeitpunkt, nochmal Tom Cruise in „Mission: Impossible – Phantom Protokoll“ zu zeigen. 1,21 Mio. 14- bis 49-Jährige sahen das genauso und entschieden sich am Sonntag, ProSieben einzuschalten (14,0%). Das reichte aber nur für Platz 4, weil RTL mit „Hangover 2“ den Geschmack des Publikums noch besser traf und sich sehr gute 18,4% sicherte. 1,64 Mio. junge Zuschauer hatten dort eingeschaltet. Auch der „Tatort“ im Ersten kommt noch vor „Mission Impossible“ ins Ziel – aber nur knapp mit 1,25 Mio. und 13,9%. Gute Nachrichten gab’s für RTL nach 22 Uhr: Da spielten Barbara Engel, Eike Immel und Julia Biedermann um ihre Wiederkehr in den australischen Dschungel und ließen sich von 1,29 Mio. 14- bis 49-Jährigen zusehen – knapp mehr als „Ich bin ein Star – Lasst mich wieder rein!“ am Samstag überzeugen konnte. Mit 18,5% und Platz 2 dürfte RTL weiter sehr zufrieden sein.

4. ZDF punktet vorabends mit der „Geschichte der Tiere“, „Helena Fürst“ verliert bei RTL Zuschauer

Tiere gehen ja immer im deutschen Fernsehen, das ZDF näherte sich dem Thema am Sonntagvorabend in seiner „Terra X“-Reihe aus historischer Sicht und wurde belohnt: Mit 2,6 Mio. war „Die Geschichte der Tiere“ mit der fantasievoll betitelten Episode „Der Hund“ nämlich sechstmeistgesehene Sendung des Tages mit einem Marktanteil von 12,3%. Gar nicht weit dahinter folgte im Gesamtpublikum Sat.1 mit „Julia Leischik sucht: Bitte melde dich“ und der ebenfalls fantasievoll betitelten Episode „Julias schwierigster Fall“. Für 2,19 Mio. war das ein eindeutiges Einschaltsignal (11,7%). „Helena Fürst – Kämpferin aus Leidenschaft“ musste sich zur selben Zeit bei RTL mit 1,61 Mio. begnügen. In der Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen lagen die beiden Damen übrigens mit 0,67 Mio. gleichauf – wobei Sat.1 mit 11,4% für „Bitte melde dich“ ganz zufrieden sein wird, und RTL mit 10,7% für „Helena Fürst“ (die im Vergleich zur Premiere vor einer Wochen über 200.000 Zuschauer verlor) eher nicht. „Galileo“ schaffte parallel dazu 0,66 Mio. und 10,4%.

5. „Die spektakulärsten Kriminalfälle“ immer schwächer, RTL II und Vox mit hauchdünnem Vorsprung

Nach einem guten Start und einem Dämpfer in Woche 2 sind „Die spektakulärsten Kriminalfälle“ inzwischen auf kabel-eins-Sonntagsniveau angekommen: 4,6% Marktanteil stehen unterm Strich, 410.000 junge Zuschauer schalteten ein. Immerhin: „Abenteuer Leben“ steigerte sich mit gleich großem Publikum nachher auf 6,3%. Etwas mehr Zuschauer hatte RTL II für „Sleepers“ (430.000, 5,0%), mit 0,42 Mio. und 5,0% positionierte sich Vox mit der „Promi Shopping Queen“ im hauchdünnen Abstand dazwischen. Erfolgreicher war vorher „Biete Rostlaube, suche Traumauto“ (0,48 Mio., 9,5%).

Hier finden Sie bei MEEDIA täglich die Top 20 des Gesamtpublikums und der 14- bis 49-Jährigen. Eine Liste aller Quoten-Analysen der Vergangenheit lesen Sie immer an dieser Stelle.

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Alle Kommentare

  1. Kriegsdrama „Warschau 44“ im ZDF

    Ich war begeistert von dem Film. Schade dass sich nicht mehr Menschen dafür interessieren, wie es damals war. Der Film als solches war sehr modern produziert und die Story ist auch nicht am Geschehen vorbei gegangen. Klasse gemacht, lob an Alle, die daran beteiligt waren. Auch nach dem Film, musste ich mir die Doku dazu ansehen. Sehr informativ, toll. Im allgemeinen Frage ich mich nur, was wäre gewesen, wenn Russland damals eher ins Geschehen eingegriffen hätte? Ist das auch das Markenzeichen der russischen Regierung, seine Vereinbarungen zu brechen?
    Eines ist gewiss, aus dieser Sicht, kann ich die Menschen verstehen, denen dieses Leid zugetragen wurde, dafür schäme ich mich. Jedoch ist es doch auch so, dass die Bürger auch unterdrückt wurden von diesen Regime. Auch sie hatten Todesängste!!! Sie mussten gehorchen und Befehle befolgen, sonst wäre auch ihnen das Leben genommen worden. Im Hinblick dieser damaligen Situation ist es schade, dass wir immer noch, auch Generationen danach, dafür unseren Spott erhalten, aber ich war nicht dabei und doch tut es mir leid. Es kann nicht mehr ungeschehen gemacht werden. Wir können es niemals wieder gut machen, wir können nur versuchen, damit um zu gehen. Sieht man sich die Zeitgeschichten einmal an, war es immer schon so, das die Herrscher und danach die Politiker das kleine Bürgertum dazu nahm, ihre Macht auszuüben, leider.

    1. Super Beitrag:) Den Film habe ich schon in Polen gesehen und es hat mich umgehauen, vielleicht, weil es kein klassisches Kriegsdrama ist. Hier spielt die Stadt und deren Bewohner die Hauptrolle und obwohl alles Dargestellte den Fakten entspricht, hat der junge Regisseur die Realität kreativ gestalltet. Dadurch wirkt der Film spektakulär, naturalistische, apokalyptisch und gleichzeitig lyrisch. Manche Szenen (auch in Dupstep-Rhythmus) kriegt man nicht mehr aus dem Kopf weg. Es ist aber auch ein Film für junge Menschen und ich denke viele würden ihn noch gerne sehen. Sonntag, 22 Uhr war keine gute Zeit fur Apokalypse;) Und es sollte keine Antwort auf „Unsere Mütter…“ sein. Der Regiesseur, Warschauer, hat sich lange mit dem Thema beschfätigt und über Warschauer Aufstand 44 darf man in Polen erst seit c. 25 Jahren offen reden und schreiben.

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