LeFloids Gameshow „1080 NerdScope“, oder: Warum Fernsehen einfach kein YouTube ist

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Am kommenden Dienstag wird beim ARD-Spartensender EinsPlus das laufen, was die eigentliche Zielgruppe bereits vergangenen Samstag bei YouTube gesehen hat: "1080 NerdScope", ein vom SWR finanziertes Talk-Format über Games und Filme mit den YouTube-Bekanntheiten Frodo, LeFloid und RobBubble. Aber nach der ersten Folge bleibt vor allem eine Frage: wieso das Ganze?

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„Fuck, Fuck, Fuck. Was haben wir uns denn bei der Nummer gedacht?“ Das, lieber LeFloid, ist eine sehr gute Frage. „1080 NerdScope“ hättet ihr nämlich auch ohne den angestaubten öffentlich-rechtlichen Südwestrundfunk im Rücken umsetzen können. Seit vergangenem Wochenende ist das Talk-Format der YouTuber LeFloid, Frodo und RobBubble online, am kommenden Dienstag soll es dann bei EinsPlus im Spätprogramm (22.45 Uhr) versendet werden. So hat es der SWR gewollt, weshalb er das Format (das dafür ohne Werbung daher kommt) finanziert. Um die Verwirrung noch steigern, zeigt der Südwestrundfunk die Sendung erst gar nicht.

Aber die junge „Zielgruppe schläft doch um diese Zeit?“; „Der Sendeplatz ist so schlecht“; Das Format „funktioniert nur im Internet“, lauteten vorab Kritiken, die die YouTuber in ihrer ersten Folge wiedergeben. Stimmt wohl. Aber für die drei aus diesem Internet trifft die Kritik dennoch nicht zu. „1080 NerdScope ist eine wöchentliche YouTube-Show.“ Das aber stimmt so nicht, wie sie am Ende des Formats selbst eingestehen müssen. Das „Nerd“-Format erscheint zwar zuerst online bei YouTube, produziert wird es aber von einem Fernsehsender. Diesem lässt sich durchaus vorwerfen, dass er sich zu dem Format nicht mal bekennt. Bei YouTube läuft „1080 NerdScope“ über den Channel DoktorFroid, nicht bei dem des SWR. Auch fehlt ein Senderlogo.

Darüber hinaus wird durch die Produktion für das Fernsehen auf Elemente verzichtet, die ein YouTube-Video ausmachen. Es gibt kein „Gebt uns einen Daumen nach oben, wenn Euch unsere Show gefällt“ oder ein „Lasst uns zahlreiche Kommentare da“. Im linearen Fernsehen wäre das auch komisch. Auch mangelt es an Einspielern, beispielsweise zu Rezensionen oder Previews. Wenn es einen gibt, ist er – sicher bewusst – in YouTube-Machart stilistisch flach gehalten, für’s Fernsehen gar unprofessionell. Fernsehen ist nunmal kein YouTube, und auch nicht andersherum.

Da macht es die Sache auch nicht besser, dass die YouTuber mit ihrem Auftritt im öffentlich-rechtlichen und den Vorabkritiken sarkastisch und selbstironisch umgehen. Auch ihr Auftreten in Abendgarderobe, das sicher witzig gemeint sein soll, ist einfach nicht lustig, eher affig. Inhaltlich lässt sich über die Qualität kaum etwas sagen, zu speziell ist das Gamer-Thema. Definitiv machen die Moderatoren den Eindruck, als wären sie auf ihre Moderationskarten angewiesen, das kennt man aus ihren Videos anders. Ein Höhepunkt ist ganz sicher der Umgang mit dem eigenen Film „Kartoffelsalat“, dessen Trailer sie gewitzt parodieren.

Alles in allem bleibt aber die Frage, was dieses für YouTube durchaus gemachte Format im Fernsehen verloren hat? Wenn Süddeutsche den Eindruck gewinnt, der TV-Sendeplatz für die Games-Show auf YouTube wirke wie ein Alibi, um Gebührengelder für YouTube-Videos zu rechtfertigen, dann ist dem kaum etwas hinzuzufügen. Wieso nur werden hier Gelder verprasst, wieso überhaupt spielt EinsPlus ein Format aus, das doch auch für den öffentlich-rechtlichen „Jugendkanal“ infrage käme (bei dem LeFloid bekanntlich als Berater fungiert)? Auf „1080 NerdScope“ hat TV-Deutschland gewiss nicht fieberhaft gewartet. Und auch in der YouTube-Szene dürfte das Format trotz der drei erfolgreichen Protagonisten – auch im Vergleich mit etablierten Gamer-Channels – kein Klick-Hit werden. In den ersten beiden Tagen sammelte das Video knapp über 100.000 Views. Öffentlich-rechtliche Senderverantwortliche dürften mit diesen Abrufzahlen allerdings mehr als zufrieden sein.

Den YouTubern wird mit der „Show“ – so scheint es – aber schlicht und ergreifend ein Gefallen getan. Ihnen wird ein YouTube-Format ermöglicht, für das sie keine Werbung schalten brauchen. Es ist eine sichere Einnahmequelle. Am Ende bleibt die gleiche Frage wie zu Beginn: wieso das Ganze?

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Alle Kommentare

  1. Meiner Meinung nach ist das mit den Moderationskarten nicht so übertrieben wie es hier dargestellt wird. Natürlich ist es so Paul Müller schon sagte, aber es ist ja auch so dass jeder andere Nachrichtensprecher immer wieder auf seine Karten guckt. Ich nehme mir ja die Zeit um jede Woche diese Show zu schauen. Und mir kommt es keines falls so vor als wären sie von diesem Stück Papier abhängig. Zudem ist da noch die Sache mit dem Humor den ihr kritisiert habt. Ich dachte immer dass Ironie und Sarkasmus sehr von Erwachsenen gemocht wird. Und da diese drei Herren davon sehr viel besitzen müsste es eigentlich sehr gut auch bei Erwachsenen ankommen. Außerdem kritisieren Lefloid, Frodoapparat und RobBubble mit ihren Witzen auch gleichzeitig die Sachen die sie nicht so sehr mögen (nicht bei allen Witzen ist es kritik! Manche sind auch nur so zum Spaß). Und so versteckte Nachrichten und Verschwörungtheorien mag die Gesellschaft doch sehr (zumindestens macht sie so einen Eindruck). Ach und so nebenbei, die Show heiß 1080NERDScope. Natürlich geht es da hauptsächlich um Games. Und diese Nerd die diese Games spielen, spielen diese ja immer sehr lang. Das heißt, bis spät in die Nacht. Also wäre die Uhrzeit da kein Problem. Und zum Schluss noch zu Papalapubs `Frage`. Ich könnte mir jetzt die Mühe machen es zu erklären, es würde aber sowieso nicht klappen. Ich denke nämlich nicht dass eine Zwölfjährige Erwachsenen sowas verständlich erklären könnte. Also leite ich alle mit dieser Frage einfach zu dem DoktorFroid Chanel weiter. Mit ein bisschen Verstand (den ihr hoffentlich aufbringen könnt) und den Willen zu Verständnis (also dass ihr auch wirklich bereit seid Verständnis aufzubringen) könnte das vielleicht wirklich klappen.
    Ja, eine 12-Jährige kritisierte gerade Erwachsene. Ich weiß nämlich auch was von Politik, nicht so wie man es von Kindern denkt. (Danke an LeFloid mit seinen LeNews dafür).
    PS
    Ich weiß nicht ob ihr dafür bezahlt werdet oder es eure Pflicht ist, oder jemand sich diesen Artikel wünschte, aber meiner Meinung war er ein wenig überflüssig. Ich finde es war eine Analyse wo wirklich jeder kleinste Mangel ausgenommen und kritisiert wurde (Nobody`s perfect!). Ich stelle mich ja auch nicht hin und hate (das heißt wenn man eine Person und alles was sie acht runtermacht) Dieter Bohlen oder das Super Talent oder so. Ich meine YouTuber tuen wenigstens nicht so als würden sie alles nicht bearbeiten. In Carstingshows gibt es sogar einen Typen der sagt wenn man klatschen soll! Naja. Das war jetzt mein Beispiel. (Ich war gegen Carstingshows) Ich denke ihr habt es verstanden. Bei Fragen bitte an mich wenden. Danke (Sorry wenn ich irgendwann mal respektlos wurde)

  2. Die Moderatoren machten den Eindruck, als seien sie auf ihre Moderationskarten angewiesen, das kenne man aus ihren Videos anders. Hä? Hat sich der Autor nur einen YT-Video der Herren mal angesehen? Die sind dermaßen zusammengeschnitten, dass zwischendrin genügend Zeit bleibt, die zwei Sätze auswendig zu lernen. Viel mehr bekommen sie auch freihändig nicht hin, wie man nun gesehen hat. Kein Wunder, wenn sich Endzwanziger mit Krampf auf ein Niveau begeben, das sie Teenagern unterstellen. Ob YT oder TV, es bleibt peinlich.

  3. Lieber Marvin Schade,

    nette Argumentation, netter Ausdruck. Doch leider nicht nur mit einem (Logik) Fehler bestückt. Sie schreiben, dass wohl “Zielgruppe schläft doch um diese Zeit?”, “Der Sendeplatz ist so schlecht” und “funktioniert nur im Internet” treffende Kritiken für dieses Format sind, die die YouTube-„Stars“ gekonnt – nennen wir es mal – ignorieren. Okay. Sie schreiben dann auch weiter von „Inhaltlich lässt sich über die Qualität kaum etwas sagen, zu speziell ist das Gamer-Thema“ . Weiterhin sehr spaßig, denn dieser Satz sagt mehr über Sie aus, als über Ihren Artikel. Es ist doch irgendwie komisch. Sollte man nicht halbwegs geeignete Redakteure heraussuchen, die zumindest ein Fünkchen mehr Kompetenz in diesem Thema ausstrahlen als Sie , Herr Schade, ohne das auf Sie denunzierend zu beziehen? Wenn man sich das Video, auch als Redakteur, mehr als eine Minute angeschaut hätte, könnte man erkennen, dass dieser Artikel nichtssagend ist. Denn bei einer doch speziellen Sendung mit „zu speziell“ zu argumentieren, mag sicherlich von der Rhetorik gut hinhauen, mehr jedoch nicht. Apropos „Gamer-Thema“ – mir ist es freilich nicht bewusst, dass Filme auch in dieses Thema hineingehören. Ich werde dann mal versuchen, einen Artikel zu verfassen in dem beschrieben wird, mit welchem Add-On „Casablanca“ oder auch „Ein Hauch von Nerz“ flüssiger laufen.

    Desweiteren zweifele ich daran, wie man sich, nicht nur auf Sie bezogen, Herr Schade, als Redakteur tituliert, wenn man als Rezipient sofort mitbekommt, dass der Herr Redakteur wohl kein zweites Mal über seinen eigenen Text geschaut hat. Probier ich daher auch mal, vielleicht spricht euch das ja an.

    Schade eigentlich. Auch der Schluss mit der hinführenden Schlussfolgerung für die Leser ist nicht unbedingt brilliant, geschweige denn gut. Die Auseinandersetzung mit dem Monetarisierungsverfahren bei YouTube hat hier scheinbar nicht stattgefunden. Nur weil eine Person YouTube-Abonnenten-Millionär ist, heißt es nicht, dass er auch im wahren Leben Miliönar ist. Dass hier aber mehr Aufklärung stattfinden sollte, bei Wortgruppen, wie „diesem Internet“, steht außer Frage. Doch wer bin ich schon, nicht wahr, Herr Schade 😉

  4. Wieso das Ganze?

    Ich vermute, weil man auf diesem Weg zum einen den Kontakt mit Jugendlichen sucht, die vom „normalen“ Fernsehen nicht mehr viel halten, insbesondere den ÖR-Programmen. Zum anderen könnte es auch ein kleines „Dankeschön“ für die beteiligten Youtuber sein, damit sie neben dem vielen Geld, das sie durch ihre Klickzahlen bekommen, auch noch ein fixes Einkommen haben, das weniger Schwankungen unterworfen ist.

    Vielleicht hat auch das Kanzleramt das Ganze angeregt und der SWR hat als erster Sender die Ressourcen frei gehabt – schließlich hat LeFloid die Kanzlerette ja ganz brav befragt und die wurde damit auch bei der Generation U30 plötzlich bekannter und vielleicht sogar populärer.

    Wenn also 2017 schon etliche Stammwähler verschieden sein werden, hat man hier gleich den passenden Nachwuchs an die Hand genommen, sehr praktisch.

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