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Nach der Absage der Fusion mit Springer: Wird ProSiebenSat.1 zum Übernahme-Kandidaten?

P7S1-Vorstandschef Thomas Ebeling muss sich nicht nur schwache Konzernzahlen befassen, sondern auch noch ein selbstverschuldetes PR-Fiasko „einfangen“
P7S1-Vorstandschef Thomas Ebeling muss sich nicht nur schwache Konzernzahlen befassen, sondern auch noch ein selbstverschuldetes PR-Fiasko "einfangen"

Was wurde nicht alles spekuliert in den vergangenen Tagen: Axel Springer könnte mit ProSiebenSat.1 (P7S1) fusionieren. Springer könnte die Financial Times kaufen. P7S1 könnte Scout24 kaufen. Wird alles wohl nix. Bei der Bilanzvorlage von P7S1 fürs 2. Quartal tauchte eine interessante neue Frage auf: Könnte ProSiebenSat.1 vielleicht selbst zum Übernahme-Kandidat werden?

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Statt der großen Giga-Mega-Fusion zwischen Springer und ProSiebenSat.1 gibt es nun bloß eine eher lockere Kooperation in Sachen Startups. Springer wurde die Financial Times von der japanischen Nikkei-Group weggeschnappt. Und aus einem Großkauf der Scout24-Gruppe durch ProSiebenSat.1, von dem in der Wirtschaftspresse vor wenigen Tagen noch geraunt wurde, wird vermutlich auch nichts. P7S1-Vorstandschef Thomas Ebeling äußerte sich zum Thema Scout24 bei der Bilanz-PK äußerst zurückhaltend. Zukäufe oder Zusammenschlüsse, die den gesamten Konzern umwandeln würden, erwäge man derzeit nicht, sagte er. Ein solcher Zukauf wäre die Übernahme von Scout24 allerdings.

Im Digitalgeschäft konzentriert sich ProSiebenSat.1 bisher auf Reise- oder Preisvergleichsportale und Kosmetik. Scout24 wäre mit seinen Rubrikenportalen zum Auto- und Immobilienmarkt Neuland für den Konzern. Außerdem übe ProSiebenSat.1 Disziplin bei der Bewertung von Unternehmen, so Ebeling. Sein Finanzvorstand Gunnar Wiedenfels erklärte außerdem, der TV-Konzern könne gegenwärtig bis zu 500 Millionen Euro für Zukäufe ausgeben. Das würde für eine Übernahme von Scout24 nicht im Ansatz reichen. Die komplette Scout24-Gruppe wird mit über zwei Mrd. Euro bewertet. Schon Springer hat Kaufabsichten bezüglich Scout 24 wegen des hohen Preises ad acta gelegt.

Es geht also weiter wie bisher bei ProSiebenSat.1. Das ist nicht das Schlechteste, denn das Geschäft läuft nach wie vor rund. Der Zuschauermarktanteil erreichte mit fast 30 Prozent im zweiten Quartal sogar den höchsten Wert seit zehn Jahren – aber Fernsehwerbung bringt inzwischen nur noch 64 Prozent des Umsatzes, was durchaus gewünscht ist. Die Digitalsparte wächst zweistellig.

Im Juni übernahm die Sendergruppe die Mehrheit am Stromvergleichsportal Verivox. Vorstandschef Thomas Ebeling: „Das Fernsehen ist der Motor unseres Digitalgeschäfts und bietet uns die Möglichkeit, Produkte mit geringen finanziellen Aufwendungen bei einem Millionenpublikum zu vermarkten.“ Klingt fast so, als betreibe ProSiebenSat.1 Fernsehen nur noch als Mittel zum Zweck. Das Wachstum stammt aus dem Digitalen.

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Und wo Wachstumschancen sind, da gibt es Fantasie. Interessant ist darum eine Frage, die bei der Bilanz-PK auftauchte, ob ProSiebenSat.1 denn selbst zum Übernahme-Kandidat werden könnte. Das solide Wachstum der Digitalsparte könnte ProSiebenSat.1 für Käufer attraktiv machen. Im zweiten Quartal steigerte der Medienkonzern seinen Umsatz um 12 Prozent auf 773 Mio. Euro. Der Betriebsgewinn stieg um 8 Prozent, unterm Strich legte der Gewinn um fast ein Drittel auf 118 Millionen Euro zu. Das Unternehmen ist überwiegend in Streubesitz. Häufig sind kleinere Investoren zu einem Verkauf ihrer Anteile zu überreden, wenn ein Bieter genug Geld auf den Tisch legt. Zu dieser Frage gab es von Ebeling keinen Kommentar.

(Mit Material von der dpa)

 

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Alle Kommentare

  1. Naja, RTL dürfte nicht dürfen. Rupert Murdoch ist in Rente. Berlusconi? 🙂 Die Franzosen? Es würde nur einen Sinn ergeben, wenn jemand einen europäischen TV-Konzern bauen wollte. Das wiederum würde einen Helden brauchen, der so noch nicht geboren ist. 🙂

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