Man ist sich grün: Gruner + Jahr steigt über ein Joint Venture bei der Landlust ein

Landlust-Geschäftsführer Hermann Bimberg, G+J-Chefin Julia Jäkel: Gruner meets Landlust
Landlust-Geschäftsführer Hermann Bimberg, G+J-Chefin Julia Jäkel: Gruner meets Landlust

Die Zeitschrift Landlust aus dem Landwirtschaftsverlag Münster ist DIE Print-Erfolgsstory der vergangenen Jahre. Jetzt hat es Gruner + Jahr geschafft, als Partner bei dem überaus erfolgreichen Titel einzusteigen. Gemeinsam mit dem Landwirtschaftsverlag gründet Gruner ein 50:50-Joint Venture, in das neben der Landlust noch weitere Titel eingebracht werden.

Anzeige

Von Seiten des Landwirtschaftsverlag wird neben dem Millionen-Seller Landlust noch das Kochmagazin Einfach Hausgemacht in das Joint Venture eingebracht. Gruner steuert seine Titel essen + trinken, essen + trinken für jeden Tag, Living at Home sowie Flow bei. Hinzu kommen Sonderhefte, Lizenzprodukte und die Online-Auftritte der genannten Titel. Die verantwortlichen Mitarbeiter, insbesondere die Redaktionen, bleiben an ihren jeweiligen Standorten. Beide Seiten erhoffen sich einen noch größeren Aufschlag bei der gemeinsamen Vermarktung der Zeitschriften. Außerdem sollen neue Produkte für das Segment „Land, Living und Food“ entwickelt werden.

Das Kartellamt und die Aufsichtsgremien der beiden Verlage müssen den Deal allerdings noch absegnen. Die Landlust hat in einer Zeit rückläufiger Print-Auflagen in den vergangenen Jahren eine beispiellose Erfolgsgeschichte geschrieben. In der jüngsten IVW-Auflagenanalyse kam die Landlust auf 1.027.080 verkaufte Exemplare – und das mit fast ausschließlich hart verkaufter Auflage auf Abos und Einzelverkauf.

Das zweimonatlich erscheinende Magazin rund um „die schönen Seiten des Landlebens“ bedient ein Bedürfnis nach Eskapismus und Entschleunigung und missachtet dabei konsequent vermeintliche Grundregeln des Magazinmachens. So sind auf den Titeln der Landlust fast nie Menschen zu sehen, sondern fast immer Landschaften und Gegenstände. Bislang haben die Macher Versuchungen widerstanden, das Erfolgsmodell überzustrapazieren. So wurde beispielsweise an der zweimonatlichen Erscheinungsweise festgehalten und auch was die Zahl der Ableger betrifft, hielt man sich sehr zurück. Neben dem Kochmagazin Einfach Hausgemacht startete der Landwirtschaftsverlag noch das Reisemagazin Himmelblau, dem ein ähnlich großer Erfolg allerdings verwehrt blieb.

Zahlreiche Verlage haben versucht, den Erfolg zu kopieren und es gab eine regelrechte Flut an Land-Magazinen, die teilweise auch erfolgreich am Markt platziert wurden. An den Erfolg des Originals kam jedoch keines heran. Die Landlust weckte natürlich Begehrlichkeiten bei den Großverlagen. In Münster wurden immer wieder Vertreter von Medienhäusern vorstellig, die die Landlust gerne gekauft hätten oder am Erfolg der Zeitschrift partizipiert hätten. Dies ist Gruner nun gelungen.

Das Team der Landlust um Chefredakteurin Ute Frieling-Huchzermeyer bleibt bestehen, Gruner wird in erster Linie Erfahrung und Know-how bei der Vermarktung einbringen.

Anzeige
Anzeige

Alle Kommentare

  1. Es erstaunt mich, dass einige in einer dosierten Wachtstums-Strategie beider Seiten Dinge lesen wie Übervorteilung, Gier, ungleiche Rollenverteilung.

    Unfug. Ich lese davon nichts – auch nicht zwischen den Zeilen.

    Vielmehr sehe ich hier zwei starke Partner, die konsolidieren und ausbauen – aus einer Position der Stärke heraus.

    Und das, Herrschaften, ist heutzutage fast schon ein Unikat.

    Ich bin gespannt!

  2. Na endlich in der Einheitssoße angekommen.
    Da will einer mit den Großen pinkeln, aber man darf nicht vergessen, dass man dafür das Bein auch verdammt hoch heben muss.
    Dabei fällt man gerne auch mal um.

  3. Schöner Vertipper: „So sind auf den Titeln der Landlist fast nie Menschen zu sehen, sondern fast immer Landschaften und Gegenstände.“

  4. Ein Meisterwerk der Denglifizierung: Hat den Marketingstrategen bei G&J und dem Landwirtschaftsverlag noch niemand verraten, dass das angepeilte Themengebiet von Land(lust usw.) im Englischen nicht etwa „land“, sondern „country“ heisst? Oder strebt man tatsaechlich eine Kombination publizistischer Aktivitäten in den Bereichen „Living“, „Food“ plus, übersetzt: Kontinentalmasse, Acker und Bodenbeschaffenheit an?

  5. Das fände ich schade, dann wird möglicherweise auch die „Landlust“ ein Sammelsurium verschiedener Foodzeitschriften etc. – ob da die Verkaufszahlen dann langfristig nicht zurückgehen? Ich habe zwei Abonnements – ich werde mit dem Verlängern abwarten. Das Positive an der „Landlust“ war ja auch immer die begrenzte Anzahl an Werbeseiten….

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige