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Unbefriedigende Sex-Doku „Make Love“ im ZDF – was von der Erregung übrig blieb

Die Sexologin Ann-Marlene Henning hilft seit Dienstag im ZDF frustrierten Paaren
Die Sexologin Ann-Marlene Henning hilft seit Dienstag im ZDF frustrierten Paaren

Der Wirbel war groß um die dritte Staffel "Make Love ". Bevor die neue Folge am Dienstag erstmalig im ZDF ausgestrahlt wurde, titelte die Bild-Zeitung "Popo-Sex-Unterricht im ZDF". Kai Diekmann twitterte Mainzelmännchen beim Analverkehr. Zwar war die Sendung deutlich erwachsener als die Erregung im Vorfeld, dafür aber vor allem eines: schlaff.

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Das ZDF darf sich über gute Quoten freuen: Die Doku-Reihe „Make Love – Liebe machen kann man lernen“ hatte nach dem Wechsel vom MDR ins Hauptprogramm der Mainzer mit 2,44 Mio. so viele Zuschauer wie nie. Von der jungen Zielgruppe schalteten stolze 9,5 Prozent ein – die wohl vor allem nach der Bild-Titelgeschichte mit dem „Popo-Sex“ einiges erwartet haben: vielleicht neues Wissen, zumindest aber ordentlich nackte Haut. Doch die krasse „Sex-Aufklärung“ fiel aus, das ZDF will sich dem Thema schließlich erwachsen und ganz unverkrampft widmen. Auch stand natürlich nicht der „Popo-Sex“ im Vordergrund, sondern ein Paar, dessen sexuelle Leidenschaft irgendwo zwischen Arbeit und Alltag auf der Strecke geblieben ist.

Daniela und Fritz sind seit elf Jahren ein Paar und haben drei Kinder. Er arbeitet sechs Tage in der Woche, sie ist Hausfrau. Sie will Sex, er ist immer zu müde. Das Ende vom Lied: Daniela ist frustriert, weil sie sich nicht mehr begehrt fühlt. Fritz ist frustriert, weil er seine Frau nicht mehr befriedigen kann.

Nicken und lächeln

Helfen soll die Sexologin Ann-Marlene Henning, die sich der Problematik gewohnt gut gelaunt nähert und dem Paar wohl so das Gefühl vermitteln will, es sei ja alles halb so wild. Dafür besucht sie Daniela und Fritz Zuhause, spricht mit mit ihnen getrennt voneinander und gemeinsam, lacht aufmunternd und malt hoch motiviert allerhand Achsen, Pyramiden („Ihr seid das A und das B, doch was ist das C?“) und Tortendiagramme („Die Torte ist euer Sex, wer isst euch Stücke weg?“). Die frustrierten Liebhaber nicken und lächeln und schauen die Therapeutin mit großen Augen an.

Als Zuschauer bleibt man auf der Strecke: Was soll da jetzt genau helfen? Warum säuseln Daniela und Fritz schon wieder „Aaaaah ja, danke!“ und wann kommen die neuartigen Praktiken? Dass man zwischendurch mit allerlei Statistiken zu „dem“ Sexualleben der Deutschen bombardiert wird, sorgt für noch mehr Fragezeichen: Woher kommen diese Zahlen? Wer wurde befragt? Haben die Deutschen wirklich so furchtbaren Sex? Warum nur wird das Gesicht eines Sexualwissenschaftlers, der Dinge sagt wie „Wenn der Mann keine Lust hat, passt das nicht in das klassische Männer-Bild“ auf eine Häuserwand projiziert?

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Als Ann-Marlene Henning nach viel Gesprächen, sehr viel Lachen und noch mehr Nicken ihr Tablet herausholt, scheint es endlich konkret zu werden: Ein nacktes Modellpaar soll Sex-Tipps veranschaulichen. Die bahnbrechende Erkenntnis nach den ersten beiden Kurzfilmchen, die sich Paar und Therapeut zusammen auf dem Sofa ansehen: Auch Kuscheln kann schön sein. Fritz, der unter Leistungsdruck steht, stellt fest: Das kann man ja mal ausprobieren.

Nach viel Gerede wird es schnell und hart

Kurz vor Schluss – RTL II hätte mit Sicherheit vorher noch einmal Werbung gebracht – kommt endlich der „Popo-Sex“: Das Paar aus den Videos zeigt, wie eine Prostatamassage funktioniert, sowohl beim Mann als auch bei der Frau. Nachdem die Folge zunächst für 20 Minuten soft, pastellfarben und mit leiser Fahrstuhlmusik vor sich hingeplätschert ist, sind die Nahaufnahmen der nackten Körper und die ergänzenden Zeichnungen überraschend medizinisch – und wirken deshalb peinlich. Ästhetisch geht anders.

Anschließend räumt Henning noch schnell mit einem Mythos auf („Die weibliche Prostata gibt es sehr wohl“), wirft Paar und Zuschauer ein paar Fakten an den Kopf („Auch Frauen können ejakulieren“) – und dann ist es auch schon wieder vorbei. Fazit: Viel Gerede, viele Allgemeinplätze („echte Kerle mögen auch mal einen Quickie“), viele unbelegte Fakten. Und Kai Diekmann dürfte ebenfalls enttäuscht sein: „Popo-Sex“ gab es nicht wirklich zu sehen. Auch nicht mit Mainzelmännchen.

Daniela und Fritz sind trotzdem froh. Am Ende der Folge strahlen sie sich und die Sexologin an und versichern, ganz viele neue Dinge ausprobieren zu wollen. Fragt sich nur, welche.

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Alle Kommentare

  1. Genau! Gut beobachtet und kommentiert. So habe ich es auch empfunden. Und dazu kamen dann noch die Fußballer, denen in der Umkleidekabine belanglose Fragen gestellt wurden, auf die sie noch belangloser (nicht) antworteten. Ich habe mittendrin abgeschaltet.

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