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Twitter-Bilanz: solide Zahlen, schlechter Conference Call

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Twitter konnte bei Vorlage seiner jüngsten Quartalsbilanz die ermäßigten Schätzungen der Wall Street schlagen. Die Umsätze zogen um 61 Prozent an und durchbrachen erstmals die 500 Millionen-Dollarmarke. Der Löwenanteil wurde der Erlöse wurde durch mobile Werbung erzielt. Ein Problem bleibt aber das Nutzerwachstum: Gegenüber dem Vorquartal konnte Twitter kaum neue aktive Mitglieder verbuchen. Der Conference Call geriet dann erneut zum Debakel – die Aktie fällt auf neue Jahrestiefs.

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Twitter kann die Wall Street weiterhin nicht versöhnen. Dabei sah es zunächst so gut aus: Nach immer neuen Bilanzenttäuschungen, dem Rücktritt des langjährigen, aber an der Wall Street ungeliebten CEOs Dick Costolo und den ungelenken ersten Auftritten von Interims-CEO Jack Dorsey überraschte der 140-Zeichen-Dienst mit einer besser als erwarteten Bilanz für das zweite Kalenderquartal.

Die Umsätze legten um stolze 64 Prozent auf 502 Millionen Dollar zu. Den Löwenanteil davon machten wenig überraschend Erlöse durch Anzeigen aus, die allein 452 Millionen Dollar betrugen und zum überwältigenden Anteil (88 Prozent) auf mobilen Endgeräten erzielt wurden.

Twitter verliert weiter massiv Geld

Unterm Strich arbeitet Twitter weiter hoch defizitär: Zwischen Anfang April und Ende Juni verlor der 140-Zeichen-Dienst 136 Millionen Dollar. Die positive Lesart: Im Vergleichsquartal im Vorjahr waren es  sogar 144 Millionen Dollar, im März-Quartal betrug das Minus sogar 162 Millionen Dollar.

Das angepasste Ebitda, das Abschreibungen, Zinszahlungen und Aufwendungen für Mitarbeiteroptionen außer Acht lässt, lag unterdessen bei 120 Millionen Dollar – der Nettogewinn nach Non-GAAP-Bilanzierungsstandard hätte 48,5 Millionen Dollar (nach 14,59 Millionen Dollar im Vorjahresquartal) oder 7 Cent je Aktie betragen. Analysten hatten lediglich mit 4 Cent je Anteilsschein gerechnet.

Nutzerwachstum bleibt das Problem

Twitters eigentliches Problem bleibt indes weiter ungelöst: Der 140-Zeichen-Dienst will einfach nicht im Mainstream ankommen und wächst viel zu langsam – man könnte gar sagen: kaum noch. Nach 308 Millionen Mitgliedern  im März-Quartal zählte CEO Jack Dorsey nunmehr 316 Millionen aktive Twitterer.

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Allein: Der Großteil der Neuzugänge verschickt Tweets als SMS! (Dorsey nennt diese Nutzer SMS Fast Followers.) Ohne die SMS-Versender wäre Twitters organisches Nutzerwachstum fast zum Erliegen gekommen: Der Social Media-Dienst räumte ein, dass das die aktiven Mitglieder, um den SMS-Versand bereinigt, lediglich von 302 auf 304 Millionen gewachsen  ist.

Analystenkonferenz entgeistert Aktionäre 

In der anschließenden Analystenkonferenz, die Twitter über Persicope streamte, nahm Finanzchef Anthony Noto Aktionären zudem die Hoffnung auf baldige Besserung. „Erwarten Sie nicht, dass das Nutzerwachstum sich verbessert, bis wir den Massenmarkt erreichen, was wir in absehbarer Zeit nicht tun werden“, erteilte Noto in ungewöhnlicher Deutlichkeit Turnaround-Hoffnungen eine Absage.

Auch Interims-CEO Jack Dorsey, der der Frage nach seiner Nachfolge aus dem Weg ging, vermochte erneut nicht Aufbruchsstimmung zu verbreiten und erklärte, dass Twitter viel Arbeit vor sich habe, um das Nutzungsszenario für den 140-Zeichen-Dienst für den Mainstream klarer aufzuzeigen.

Minus 10 Prozent: Aktie fällt auf neue Jahrestiefs zurück

Aktionäre hatten genug gesehen und wendeten sich von der Twitter-Aktie in einer nach Handelsschluss selten erlebten Achterbahnfahrt, in der die Anteilsscheine nach Bilanzverkündung zunächst um 11 Prozent auf über 40 Dollar hochgeschossen waren, reflexartig wieder ab und schickten die Papiere um mehr als 10 Prozent auf unter 33 Dollar nach unten.

Damit notiert der 140 Zeichen-Dienst auf frischen Jahrestiefs. Es bleibt dabei: Twitter und die Wall Street – es ist eine hochkomplizierte Beziehung.

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