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Von Buzzfeed und Co. inspiriert: Zeit Online launcht Jugendableger Ze.tt

ze.tt von Zeit Online
ze.tt von Zeit Online

An diesem Montag ist Ze.tt, das Zeit-Online-Projekt für die junge Zielgruppe, in seine offene Betaphase gestartet. Wohl deshalb kommt das Portal zu Beginn in recht schlichtem Gewand, thematisch dafür umso vielfältiger daher. Inspiration dürften sich die Macher um Redaktionsleiter Sebastian Horn bei Portalen wie Vice und Buzzfeed geholt haben.

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„Nachwuchs“ haben sie bekommen bei Zeit Online. So kündigt Chefredakteur Jochen Wegner das neue Onlineprojekt für eine junge Zielgruppe an. Man wolle sich selbst Konkurrenz machen, „etwas Unordnung in unseren geordneten Online-Journalismus bringen“.

Das ist auf Anhieb gelungen. Ze.tt, für junge Leute „zwischen Schulabschluss und erstem Jobwechsel“ gemacht, kommt zwar mit schlichter Oberfläche, dafür aber mit einer prall gefüllten Thementüte daher: Schönheitsideale, Liebe, Homosexualität, Flüchtlinge, US-Wahlen und natürlich das World Wide Web. Nicht erst seit LeFloids Merkel-Interview wissen wir, dass die Jugend mehr bewegt als Smartphones und Spielekonsolen.

ze.tt

Das Redaktionsteam: Leiter Sebastian Horn (l), Gina Schad, Isabell Prophet, Mark Heywinkel, Marieke Reimann

Den thematischen Anforderungen dieser doch sehr heterogenen Zielgruppe wird Ze.tt schon mal gerecht. Doch gerade wegen der Vielfalt wäre eine Navigation oder eine Schwerpunktleiste wünschenswert – aber das kommt ja vielleicht noch. Worauf die Redaktion verzichtet sind Themen zu Job- oder Studienauswahl. Denn hier würde sich Zeit Online tatsächlich selbst Konkurrenz machen.

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Gesellschaftliche Themen versucht das fünfköpfige Team möglichst unkonventionell an seine Leser heranzutragen. In den Texten heißt es oft und gerne „ich“. Und das an Stellen, an denen diese besondere Erzählperspektive gar keinen Sinn ergibt. So protokollierte eine Autorin die Gedanken einer jungen Frau, die keinen festen Freund haben will. Wieso gab es keinen Gastbeitrag? An anderer Stelle schreibt eine Autorin aus Ich-Perspektive über Schönheitsideale und ihre Figur – jedoch ohne persönliche Betroffenheit. Aufhänger ist das Schlagwort hinter dem Hashtag #Curvy, der bei Instagram zeitweise verboten war.

Ze.tt hat sich offensichtlich von den erfolgreichsten digitalen Storytellern inspirieren lassen: Headlines wie „Obdachloser Blogger wird Millionär und hört auf zu schreiben“ erinnern stark an die Huffington Post. „Mit der Ische zu den Maccabi Games – Wie viel Jiddisch steckt im Deutschen? könnte auch eine Headline von den Vice-Machern sein. „Fünf YouTuber, die Merkel hätten interviewen können“ klingt verdächtig nach Buzzfeed. Vom Viral-Portal haben sich die Ze.tt-Autoren auch die Einbindung von Sozialen Medien ins Storytelling abgeschaut.

Bildschirmfoto 2015-07-27 um 14.11.47Die Betaphase lässt vermuten, dass Ze.tt noch einige Luft nach oben hat. Für die Weiterentwicklung gibt Zeit-Online-Chef Wegner den jungen Wilden Zeit: Erst für September ist der Regelbetrieb angekündigt. Bis dahin sollten die Macher ihren Jugend- und Viralstil perfektioniert haben. Denn auch andere Digital-Größen stehen mit Jugendangeboten in den Startlöchern.

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