Tippt Franz-Josef Wagner in seiner Freizeit Pressemitteilungen für frauenverachtende News-Apps?

Banzai!
Banzai!

Der Bieter-Krimi um die Financial Times bei dem Springer am Ende mal wieder ohne was dastand. Warren Buffett, der keine griechische Insel gekauft hat., der Spiegel, der weder Angst vor der Wahrheit noch vor Todesdrohungen hat. FJW, der in diesem Leben kein Feminist mehr wird. Der MEEDIA-Wochenrückblick.

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Der Bieter-Wettstreit um die Financial Times zwischen Axel Springer und der japanischen Mediengruppe Nikkei wirkte aus der Ferne betrachtet fast wie eine XXL-eBay-Auktion, bei der in letzter Minute noch die Preise hochschießen. Aus der Nähe betrachtet war es vermutlich noch aufreibender – vor allem für die Springer-Seite. Dass Springer-Boss Döpfner seit vergangenem Jahr wegen der FT rumverhandelt und dann in buchstäblich letzter Minute die Japaner ihm das Renommierstück vor der Nase wegschnappen, dürfte ihn nicht amüsiert haben. Springer hat mit großen Einkäufen kein glückliches Händchen. Der erste Anlauf für die Übernahme der ProSiebenSat.1 AG scheiterte damals am Kartellamt. Die Übernahme des Daily Telegraph scheiterte am Preis – Springer zog zurück. Auch bei den Verhandlungen um die Scout24-Gruppe zog Springer wegen der hohen Preisvorstellungen zurück. Will Mathias Döpfner einen Deal von globalem Format tatsächlich mal durchziehen, muss er wohl bereit sein, dafür auch globale Preise zu zahlen. Ob das dann am Ende immer klug ist, sei dahingestellt. Wenn es ein Objekt aber wert gewesen wäre, dafür auch einen überzogenen Preis zu zahlen, dann wohl die FT.

Der britische Guardian findet übrigens, dass es gut für die FT ist, dass sie nun zu Nikkei gehört und nicht zu Axel Springer. Auf der Titelseite leisteten sich die sonst eher zurückhaltenden Guardian-Leute aber einen unangenehm nationalistischen Seitenhieb gegen die neuen FT-Besitzer:

Das war doch mal ‘ne Meldung, dass die US-Investorenlegende Warren Buffett eine griechische Insel gekauft haben soll. Die Story machte am vergangenen Wochenende die Runde durch diverse Agenturen und Medien. Blöd halt, dass die Geschichte von vorne bis hinten nicht stimmte. Eine windige Insel-Verkaufsagentur hatte die Ente in die Welt gesetzt. Wie das kam, hat Christian Kirchner in seinem Blog “menschen.zahlen.sensationen” wunderbar aufgeschlüsselt und auch Warren Buffett selbst hat die Meldung dementiert. Nun wurde bei den Medien natürlich fleißig korrigiert. D.h. nicht bei Focus Online. Dort steht die Ente von der Buffett-Insel an diesem Freitag immer noch unverändert online. Inklusive zusammengeschustertem Video, in dem orakelt wird, ob Buffetts “Deal” ein “Zeichen der Hoffnung für Griechenland” sei. Dass man sich nicht einmal die Mini-Mühe macht, den komplett falschen Bericht offline zu stellen, ist schon traurig.

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“Keine Angst vor der Wahrheit” lautet der aktuelle Werbespruch des Spiegel. In der dazugehörigen Kampagne sehen wir u.a. Spiegel-Online-Reporter Hasnain Kazim. Daneben prangt das Zitat aus einem Leserbrief an ihn: “Wenn wir dich auf der Straße sehen, schneiden wir dir die Kehle durch.” Da muss man erstmal schlucken. Der Spiegel will mit dem Zitat unterstreichen, dass der Reporter “keine Angst vor der Wahrheit” hat, selbst wenn er mit dem Tode bedroht wird. Beim Betrachten der Anzeige kamen mir aber Zweifel, ob es eine so gute Idee ist, mit Todesdrohungen Werbung zu machen. Gerade so, als sei es eine besondere Leistung, dass ein Wirrkopf einen mit dem Tode bedroht. Bietet man diesen schlimmen Leuten damit nicht eine Bühne? Oder ist es ein mutiges Statement für die Unbeugsamkeit des Reporters? Ich bin unschlüssig, habe bei der Anzeige aber ein ungutes Gefühl.

Franz Josef Wagner wird in diesem Leben vermutlich kein Feminist mehr. Insofern war seine Kolumne diese Woche über Karriereweiber, die Hosen tragen und Smoothies trinken statt Babies zu gebären, keine sonderliche Überraschung. Für einen veritablen Netz-Aufreger hat es trotzdem gereicht. In diesem Zusammenhang muss die Frage erlaubt sein, ob Bild-Briefe-Onkel FJW in seiner Freizeit vielleicht auch die Pressemitteilungen der Firma News360 tippt:

Nachrichten-Apps helfen Frauen den Überblick zu bewahren

Berlin (ots) – Gerade für die Frau von heute ist es wichtig, die vielfältigen Aufgaben und Interessen unter einen Hut zu bringen und möglichst schnell und unkompliziert aktuelle Nachrichten und Meldungen zu persönlichen Interessengebieten zur Hand zu haben. Hier hilft die intelligente Nachrichten-App News360, die für smarte Nutzerinnen eine individuelle Nachrichten-Zusammenstellung kreiert.

Ne, kann ja gar nicht sein, dass der Franz-Josef das geschrieben hat. Die Pressemitteilung von News360 ist zwar frauenverachtend, aber FJW hätte das viel geschliffener formuliert.

Schönes Wochenende!

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Alle Kommentare

  1. Schlimm ist nur, dass jemand nach so einem Brief noch frei rumläuft und wie lang sich Deutschland das treiben der Nazis noch tatenlos angucken will.

  2. Statt diese hochphilosophischen Diskurse zu zelebrieren – Ärmel hoch — und

    voller Einsatz für das letzte lineare familientaugliche Lagerfeuer der Neuzeit –

    „WETTEN DASS „

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