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Zenit bald überschritten: Apple als Bastian Schweinsteiger der Tech-Branche

Was haben die Marke mit dem Apfel und Bastian Schweinsteiger gemeinsam?
Was haben die Marke mit dem Apfel und Bastian Schweinsteiger gemeinsam?

Apple legt eine Quartalsbilanz vor, um die praktisch jedes andere Unternehmen der Welt den iKonzern beneiden würde – und die Wall Street reagiert doch mit Preisabschlägen. Warum ist das so? Aus demselben Grund, warum der deutsche Nationalmannschaftskapitän Bastian Schweinsteiger zum Schnäppchenpreis zu Manchester United wechseln konnte: Der Markt preist ein, dass der Zenit bald überschritten sein dürfte. 


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Das Kopfschütteln setzte wieder einmal reflexartig ein: 47,5 Millionen iPhones in drei Monaten verkauft – 35 Prozent mehr als vor einem Jahr. Gesamtumsätze: 49,6 Milliarden Dollar erlöst – 33 Prozent mehr als im Vergleichszeitraum vor einem Jahr. Nettogewinn: 10,7 Milliarden Dollar in den 92 Tagen zwischen Anfang April und Ende Juni verdient – 39 Prozent mehr als zum gleichen Zeitpunkt vor einem Jahr.

Superlative, wie sie nur Apple liefern kann. Was dann an der Wall Street passierte, kann ebenfalls nur dem iKonzern passieren. Nicht zum ersten Mal in der bewegten Börsenhistorie kam Apple nach an sich beeindruckenden Quartalszahlen an den Aktienmärkten hart unter die Räder – 68 Milliarden Dollar gingen in der Spitze vorgestern im nachbörslichen Handel verloren. Im regulären Handel gestern legte sich die Aufregung etwas, doch die Wertvernichtung betrug nach einem Minus von über 4 Prozent immer noch über 31 Milliarden Dollar.

Apple und die Wall Street – es war immer kompliziert

Wie ist die fast regelmäßige Enttäuschung an der Wall Street nach Quartalsbilanzen, die sich in deutlichen Preisabschlägen äußert (vor drei Monaten war dieselbe Reaktion zu besichtigen) mit dem tatsächlich Geschäftsverlauf in Einklang zu bringen?

Es ist ein bisschen wie zuletzt bei Bastian Schweinsteiger, dem immer wieder kritisierten Nationalmannschaftskapitän, dem die Presse in all den Jahren gern attestierte, unter seinen Möglichkeiten zu bleiben. Den jüngsten Wechsel zu Manchester United für kolportierte 15 bis 18 Millionen Euro haben nicht nur Bayern-Fans nicht verstanden.

Apple wird seit jeher mit einem Discount an der Börse gehandelt

In beiden Fällen hat der Preisabschlag seinen Grund im Reifegrad. Schweinsteiger, so begnadet der Mittelfeldmotor der deutschen Nationalelf sein mag, hat mit einem Alter von fast 31 Jahren maximal noch drei Jahre auf höchstem Niveau vor sich – im DFB-Dress und bei Manchester. Einen Wiederverkaufswert hat Schweinsteiger für Manchester kaum noch – entsprechend der ermäßigte Preis beim Transfer.

Nicht anders sieht die Wall Street Apple: Seit Jahren wird der iPhone-Hersteller beim maßgeblichen Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) mit einem Discount an der Börse gehandelt, obwohl Apple bis heute eine größere Wachstumsdynamik vorweisen kann als etwa Google und Amazon – sogar Facebook dürfte nächste Woche Probleme bekommen, Apples Gewinnwachstum zu toppen.

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Nur noch das iPhone zählt

Allein: Die Gesetzmäßigkeit von Wachstum und seinen Grenzen dürfte schon sehr bald gegen Apple arbeiten. 31,4 von 49,6 Milliarden Dollar erlöst Apple heute bereits mit dem iPhone – das entspricht 63 Prozent der Umsätze. Die Nettogewinne dürften inzwischen zu mindestens 70 Prozent vom margenstarken Kultsmartphone generiert werden.

In anderen Worten: Die solide Mac-Sparte, die schwindsüchtige iPad-Unit, die ertragsschwache iTunes-Division und die bislang völlig irrelevante Apple Watch, die auch nach der gestrigen Analystenkonferenz den Flop-Verdacht nicht entkräften konnte, spielen für Apples Bilanz in der Zukunft weiter eine untergeordnete Rolle.

Wie viel Steigerung ist mit dem iPhone 6s noch drin?

Mehr denn je ist Apple die iPhone-Company. Lässt jedoch das Kernstück von Apples Geschäftstätigkeit Anzeichen der Schwäche erkennen, reagiert die Börse entsprechend dramatisch. Die Ausschläge könnten in Zukunft noch heftiger werden, wenn klar wird, dass die neuen iPhones das iPhone 6 und 6 Plus nur noch marginal toppen können, wie Apples eigene Vorbestellungen nahelegen – wenn überhaupt.

Der erste Showdown steht bereits in zwei Monaten mit dem Launch des iPhone 6s und 6s Plus an. Ein Quartal noch dürfte der iKonzern exorbitante Wachstumsschübe wie in den vergangenen drei Bilanzen verbuchen können – dann droht Apple wieder einmal zum Opfer des eigenen Erfolgs zu werden, wenn der Techpionier im Fiskaljahr 2016 nämlich die Rekorde der vergangenen 12 Monate schlagen muss.

Apple kämpft in Zukunft mit den Geistern der glorreichen Vergangenheit – genau wie Bastian Schweinsteiger bei Manchester mit den Spitzenauftritten im anderen roten Jersey gemessen werden wird. In beiden Fällen tickt die Uhr gegen die Platzhirsche ihrer Branche. An der Wall Street sind solche Perspektiven Gift: Alles, was bekanntlich zählt, ist die Zukunft. Und die wird von Apple-Aktionären nach schwächerem iPhone-Wachstum als erhofft seit gestern wieder skeptischer bewertet.

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Alle Kommentare

  1. @All

    Mein Punkt ist: Das Wachstum sieht aktuell besser aus als es ist. Apple hat noch genau ein Quartal mit exorbitantem Wachstum vor sich – nämlich den Vergleich zwischen iPhone 5s und iPhone 6. Im Oktober sehen wir noch einmal Zuwächse in der Range 30 bis 40 Prozent – dann ist Schluss. Apple wird sich ab dem Weihnachtsquartal gehörig anstrengen müssen, mit dem iPhone 6s überhaupt die starken Vorgaben dieses Jahres zu toppen. Wenn es etwa gelingt, das letzte Rekord-Weihnachtsquartal zu toppen, muss Apple mehr als 75 Mio. iPhones verkaufen. Wenn Apple etwa 80 bis 90 Mio. verkauft, wie die Vorbestellungen nahelegen (von denen aber etwa 10 Mio. für den Start im September zählen), würde die Steigerung auch nur 7 bis 20 Prozent betragen. D.h.: Das Wachstum dieses Fiskaljahres war eine letzte Anomalie, die dem Zusammentreffen von iPhone 6-Boom und dem China Mobile-Deal geschuldet ist. Das war die beste aller Welten. Besser wird es nicht mehr – nicht in 2016, 17 oder 18, solange bis Apple ein neues Produkt der Güteklasse iPhone erfunden hat. Entsprechend für Schweinsteiger: Max. 3 Jahre noch auf Topniveau, dann ist es vorbei. Das ist der Grund für die Preisabschläge – auf dem Transfermarkt wie an der Wall Street.

  2. Guter Artikel und sehr schöner Vergleich! Natürlich kann es Apple mit einem beeindruckende Gerätevorstellung im Herbst allen Kritikern zeigen wo der Hammer hängt. Aber zur Zeit liegt die Konkurrenz weit, aber auch nicht uneinholbar, vorne. Da ist die Argumentation von Herrn Jacobsen nachvollziehbar, auch gibt es gerade in der IT/Handy Branche immer wieder ähnliche Beispiele, wenn man sich die Vergangenheit näher anschaut.

  3. Ausnahmsweise muss ich Nils Jacobsen mal Recht geben. Apple ist zwar eine perfekte geölte Marketing-Maschine, aber was hilft das, wenn die Produktpalette schwächelt. Die treuesten Kunden werden durch überraschende Produkteinstellungen u.a.m. vergrätzt und es kommt nichts Neues außer modischer Schnickschnack wie die Apple Watch…

  4. Apple wurde dies ja schon in der Vergangenheit bescheinigt und der Untergang wurde gleich mit prognostiziert.Es gibt viele Gründe die auch in der heutigen Zeit wieder gegen solche Einschätzungen sprechen.Selbst wenn wie schon angeschrieben , Apple hat genug Speck um harte kalte Winter „unbeschadet“ hinter sich bringen zu können.Das iPhone mag zwar ein Zugpferd sein , Apple ruht sich unterdessen jedoch nicht darauf aus.Auch wird sich das iPhone noch genügend weiterentwickeln und der Platzhirsch bleiben , bis der in das kritische alter kommt werden noch einige Monde folgen.Sorgen sollte man sich eher um Samsung,Microsoft und Co machen.

  5. Jedes Jahr das Gleiche. Seit 2009 liest man immer wieder aufs neue solche Szenarien und trotzdem ist Apple immernoch erfolgreich. Wichtiger als Marketing, ist das Timing – und bekommt Apple einwandfrei hin.

  6. Moin moin,
    na besonders aufschlussreich scheint das nicht. Der Beitrag hätte genau so vor 2 oder 3 Jahren geschrieben sein können, und dann hätte sich die Aktie in den folgejahren super entwickelt. Schon lange macht Apple nichts anderes als iPhone und voraussichtlich wird das so noch weiter gehen, dennoch ist ein kurzes Abwatschen im Kurs überhaupt nichts besonderes. Apple is to big to fail, auch an der Wallstreet.

  7. Sorry, aber: Was hat ein Fussball-Star mit einer Tech-Company zu tun? Die Parallelen erscheinen doch sehr konstruiert.

    Die Abhängigkeit vom iPhone bei Apple sind groß. Dem kann man folgen. Wovon ist Schweinsteiger besonders abhängig (vielleicht von seiner Leistung als Fussballer)? Hier fehlt die Parallele.

    Ein Unternehmen kann potentiell neue Produkte auf den Markt bringen, ein Fussball-Star nicht – er ist selber das Produkt und kann seine „Lifetime“ nicht verlängern. Auch hier passt der Vergleich schlecht.

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