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Tageszeitungs-MA: Überregionale und Boulevardzeitungen leiden massiv unter Leserschwund

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Während die Radiosender und Publikumszeitschriften bei der akruellen MA recht glimpflich davon gekommen sind, fielen die Reichweiten zahlreicher Tageszeitungen massiv. Vor allem die überregionalen Titel und die Boulevardblätter litten deutlich. Die Hamburger Morgenpost büßte als größter Verlierer 21,5% ein.

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Wie bei der ma 2015 Pressemedien II und der ma 2015 Radio II gilt auch für die ma 2015 Tageszeitungen, dass erstmals die Bevölkerungsdaten des Zensus mit in die Berechnungen einbezogen wurden. Weil diese Änderung so wichtig für die aktuellen Media Analysen der AGMA ist, auch an dieser Stelle ein paar Erläuterungen zum Zensus: Erstmals wurden diese für 2011 erhobenen Bevölkerungsdaten in die MAs einberechnet. Dadurch schrumpfte die für die Tageszeitungs-MA relevante Zahl der deutschsprachigen Menschen im Alter von mindestens 14 Jahren beispielsweise von 70,52 Mio. um 1,8% auf 69,24 Mio. Der Grund für den Bevölkerungsschwund waren u.a. vorher doppelt gezählte Leute, die mehrere Wohnsitze haben, Ausländer, die Deutschland schon wieder verlassen hatten, etc.

Nun ist es aber so, dass nicht einfach gesagt werden kann, dass jeder Reichweiten-Verlust, der unter 1,8% liegt, automatisch eigentlich ein Gewinn ist – und jeder, der über 1,8% liegt, ein echter Verlust. Zum einen können die Zensus-bedingten Veränderungen und die tatsächlich Befragungs-bedingten Veränderungen nicht getrennt werden, zum anderen sind die Zensus-bedingten Bevölkerungsverluste regional sehr unterschiedlich. So gab es in Berlin und Hamburg mit einem Minus von 4,6% bzw. 4,4% viel größere Verluste als Rheinland-Pfalz (-0,4%) oder Bremen (-0,9%).

Ein Vergleich der aktuellen Daten mit denen der früheren MAs ist somit nur sehr bedingt möglich. Wie die großen Vermarkter bieten aber auch wir diesen Vergleich an, da er durchaus ein paar interessante Erkenntnisse liefert.

So gehen die meisten Verluste der überregionalen Tageszeitungen deutlich über das durch den Zensus ausgelöste Minus hinaus. Marktführer Bild büßte im Vergleich zum Vorjahr – die ma Tageszeitungen erscheint ja nur einmal im Jahr – fast 1 Mio. Leser bzw. 8,6% ein. Die 10,35 Mio., die täglich Bild lesen, sind natürlich dennoch weiterhin eine eindrucksvolle Zahl.

Sogar mehr als 10% verloren die Süddeutsche Zeitung, die F.A.Z., das Handelsblatt und die taz, der heftige 15,6% ihrer Leser abhanden kamen. Einzig Die Welt kam mit einem Minus von 4,1% relativ glimpflich davon.

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ma 2015 Tageszeitungen: Überregionale Tageszeitungen
RW in Mio. 2015 vs. 2014
1 Bild 10,35 -0,97 -8,6%
2 Süddeutsche Zeitung 1,12 -0,16 -12,8%
3 Frankfurter Allgemeine Zeitung 0,68 -0,08 -10,3%
4 Die Welt Gesamt 0,67 -0,03 -4,1%
5 Handelsblatt 0,42 -0,06 -11,9%
6 die tageszeitung 0,20 -0,04 -15,6%
Aufgrund von Änderungen der Grundgesamtheit durch den Zensus ist ein Vergleich mit der vorigen MA nur eingeschränkt möglich. Siehe dazu die Erläuterungen im Artikel
Quelle: ma 2015 Tageszeitungen / Tabelle: MEEDIA

Ähnlich dramatische Zahlen gibt es für die meisten regionalen Boulevardzeitungen. So verlor die Hamburger Morgenpost dramatische 21,5%, rutschte um 70.000 Leser auf 270.000. 18,2% gingen der tz abhanden, 15,2% der Morgenpost für Sachsen. Die Abendzeitung, die nach dem Verkauf ihre Auflage bereinigt hat, ließ ihre Reichweite lieber gar nicht erst messen. Weniger als 10% verloren der Express und die B.Z., warum der Berliner Kurier, der laut IVW in den vergangenen zwei Jahren mehr als 12% seiner Auflage verloren hat, im Gegenzug 5% Leser hinzu gewonnen hat, bleibt ein Geheimnis der MA-Methodik.

ma 2015 Tageszeitungen: Regionale Kaufzeitungen
RW in Mio. 2015 vs. 2014
1 Express 0,48 -0,04 -6,8%
2 B.Z. 0,39 -0,04 -8,9%
3 Berliner Kurier 0,28 0,01 5,0%
4 Hamburger Morgenpost 0,27 -0,07 -21,5%
5 tz 0,21 -0,05 -18,2%
6 Morgenpost für Sachsen 0,19 -0,03 -15,2%
Aufgrund von Änderungen der Grundgesamtheit durch den Zensus ist ein Vergleich mit der vorigen MA nur eingeschränkt möglich. Siehe dazu die Erläuterungen im Artikel
Quelle: ma 2015 Tageszeitungen / Tabelle: MEEDIA

Bei den regionalen Abo-Tageszeitungen, bei denen die Zahlen vornehmlich in Vermarktungseinheiten veröffentlicht werden, ging es bei den Buchstaben A bis M vor allem für die Berliner Morgenpost und die Berliner Zeitung nach unten. Auch die NRW-Zeitungen von Funke (Waz & Co.), sowie die Mitteldeutsche Zeitung büßten mehr als 10% ihrer Vorjahres-Reichweite ein. Leser gewonnen haben die DreiLänderKombi (u.a. Frankenpost, Neue Presse, Südthüringer Presse) und die Märkische Allgemeine.

ma 2015 Tageszeitungen: Ausgewählte regionale Abozeitungen (1)
RW in Mio. 2015 vs. 2014
ACN-Gesamt Abozeitungen 2,85 -0,05 -1,7%
>>> Rheinische Post 0,83 -0,03 -3,5%
>>> Zeitungsgruppe Köln 1,01 -0,03 -2,9%
Augsburger Allgemeine/Allgäuer Z. 0,78 0,00 0,0%
>>> Augsburger Allgemeine 0,57 0,00 0,0%
Berliner Morgenpost 0,24 -0,04 -14,3%
Berliner Zeitung 0,34 -0,04 -10,5%
Braunschweiger Zeitung 0,40 -0,01 -2,4%
Bremer Anzeigenblock – Weser Kur. 0,46 0,00 0,0%
BY-Reisekombi Bayern 3,27 -0,06 -1,8%
DreiLänderKombi 0,44 0,02 4,8%
Freie Presse 0,59 -0,04 -6,3%
Funke Medien NRW 1,76 -0,24 -12,0%
Hamburger Abendblatt Gesamtausgabe 0,54 kein Vergleich möglich
HAZ-Total 1,22 -0,08 -6,2%
>>> HAZ/NP-Hannover 0,45 -0,04 -8,2%
HNA Hess./Nieders. Allgemeine 0,63 -0,01 -1,6%
Leipziger Volkszeitung 0,46 -0,01 -2,1%
Main-Post 0,37 -0,04 -9,8%
Märkische Allgemeine 0,40 0,01 2,6%
Mediengruppe Thüringen 0,74 -0,05 -6,3%
Mitteldeutsche Zeitung Gesamt 0,51 -0,06 -10,5%
Mittel Hessen Presse 0,56 kein Vergleich möglich
mrw Mediaregion Ruhrgeb./Westf. 0,73 -0,08 -9,9%
>>> Ruhr Nachrichten-Hellweger Anzeiger 0,46 kein Vergleich möglich
Münchner Merkur Gesamtausgabe 0,97 0,00 0,0%
Aufgrund von Änderungen der Grundgesamtheit durch den Zensus ist ein Vergleich mit der vorigen MA nur eingeschränkt möglich. Siehe dazu die Erläuterungen im Artikel
Quelle: ma 2015 Tageszeitungen / Tabelle: MEEDIA

Bei den Buchstaben N bis Z unserer Übersicht ging es zudem für die Passauer Neue Presse, den Tagesspiegel und die Zeitungsgruppe Münsterland, die von der Übernahme der Münsterschen Zeitung profitierte, nach oben. Mehr als 10% eingebüßt haben hingegen die Nordwest-Zeitung/Zeitungsregion NW, die Stuttgarter Zeitung & Nachrichten, die Volksstimme und die Zeitungsgruppe Neue Westfälische.

ma 2015 Tageszeitungen: Ausgewählte regionale Abozeitungen (2)
RW in Mio. 2015 vs. 2014
Neue Osnabrücker Zeitung/Ztgr Sw. 0,72 0,00 0,0%
Nordwest-Ztg/Zeitungsregion NW. 0,59 -0,10 -14,5%
Nürnberger Nachrichten/Zeitung 0,82 -0,04 -4,7%
Passauer Neue Presse-Gesamt 0,48 0,02 4,3%
RheinMainMedia Gesamt 0,66 -0,03 -4,3%
Rhein Main Presse 0,50 -0,03 -5,7%
Die Rheinpfalz 0,72 -0,04 -5,3%
Sächsische Zeitung 0,57 -0,06 -9,5%
Schleswig-Holstein Presse 0,59 -0,01 -1,7%
>>> sh:z Gesamtausgabe 0,52 -0,01 -1,9%
Schwäbische Zeitung 0,40 0,00 0,0%
Stuttgarter Zeitung Anzeigengem. 1,10 -0,07 -6,0%
>>> Stuttgarter Zeitung & Nachricht. 0,45 -0,06 -11,8%
Südwest Presse 0,76 -0,01 -1,3%
Der Tagesspiegel Gesamt mit PNN 0,25 0,02 8,7%
Volksstimme 0,47 -0,08 -14,5%
Zeitungsgruppe Neue Westfälische 0,55 -0,10 -15,4%
Zeitungsgruppe Rhein-Neckar 0,71 -0,01 -1,4%
zeitungs kombi hessen 1,40 -0,05 -3,4%
Zeitungsregion Rheinland-P. / Saar. 1,23 -0,04 -3,1%
>>> Saarbrücker Zeitung 0,42 -0,03 -6,7%
>>> Rhein-Zeitung 0,59 -0,01 -1,7%
ZGW-Klassik 0,86 kein Vergleich möglich
>>> Zeitungsgruppe Münsterland 0,72 0,04 5,9%
Aufgrund von Änderungen der Grundgesamtheit durch den Zensus ist ein Vergleich mit der vorigen MA nur eingeschränkt möglich. Siehe dazu die Erläuterungen im Artikel
Quelle: ma 2015 Tageszeitungen / Tabelle: MEEDIA
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Alle Kommentare

  1. Frage: Berücksichtigen die Zahlen auch die Online-Angebote der jeweiligen Zeitungen oder beziehen sie sich nur auf die gedruckten Inhalte?

  2. Mich wundert der massive Leserverlust gar nicht. Schade, das die Zeitungsverantwortlichen die Zeichen der Zeit und die Leserkommentare in den on-line-Rubriken nur wenig beachten. Zumal ich früher gedruckte Zeitungen gern und reichlich konsumiert habe. Aber wer möchte schon Zeitungen kaufen, die bei wichtigen politischen Themen identische Ansichten vertreten und dabei zum Teil unlogische Leitlinien (der Politik) Ihren Lesern vermitteln wollen. Als Beispiel sei die Anzahl der weltweit existierenden Militärstützpunkte der USA und Russlands und der daraus abzuleitenden Bedrohugslage genannt. Wer daraus ableitet, dass sich die USA bedroht fühlen muss und mehr für die Verteidigung tun muss, unterschätzt doch stark die intellektuellen Fähigkeiten seiner Leserschaft. Der mündige Bürger informiert sich dann eben über das Internet. Ich lebe in Berlin. Das Niveau der Berliner Zeitung, der Berliner Morgenpost und des Berliner Tagesspiegels finde ich unterirdisch. Ich kaufe mir hin und wieder die Märkische Oderzeitung.

    1. Wie gut das Sie bei „unterirdisch“ den Tagesspiegel ausgelassen haben – da finden Sie nämlich, auch in Berlin, Qualitätsjournalismus

      1. oh – übersehen. Der TS war mit in Ihren Aufzählungen. Gerne senden wir Ihnen ein 14-tätiges Probeabo zu – und Sie können sich über die Distanz von 2 Wochen ein Bild machen, was Sie evtl. überzeugen kann.

  3. Auch auf die Gefahr hin, dass ich etwas übersehe: Woher kommt die (teilweise immense) Abweichung von den Zahlen AWA? Bei den überregionalen Titeln war beispielsweise die Süddeutsche mit einer stabilen Reichweite (0,0% Änderung) ausgewiesen. Hier sind es nun ganze -12,8%!

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