Radio-MA: die fünf Top-Sender aus allen 16 Bundesländern

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Der spannende Radio-MA-Blick in die Bundesländer: Während einige Marktführer deutlich Reichweite verloren haben - und andere wie Radio Hamburg oder Hit Radio FFH ihren Vorsprung noch ausgebaut haben, gibt es in Brandenburg eine neue Nummer 1 - und in Berlin ist ohnehin wieder alles anders als beim letzten Mal.

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Weil es so wichtig für die aktuellen Media Analysen der AGMA ist, auch an dieser Stelle ein paar Erläuterungen zum Zensus: Erstmals wurden diese für 2011 erhobenen Bevölkerungsdaten in die MAs einberechnet. Dadurch schrumpfte die für die Radio-MA relevante Zahl der Deutschsprachigen Menschen im Alter von mindestens 10 beispielsweise von 73,5 Mio. um 1,8% auf 72,2 Mio. Der Grund für den Bevölkerungsschwund waren u.a. vorher doppelt gezählte Leute, die mehrere Wohnsitze haben, Ausländer, die Deutschland schon wieder verlassen hatten, etc.

Nun ist es aber so, dass nicht einfach gesagt werden kann, dass jeder Hörer-Verlust, der unter 1,8% liegt, automatisch eigentlich ein Gewinn ist – und jeder, der über 1,8% liegt, ein echter Verlust. Zum einen können die Zensus-bedingten Veränderungen und die tatsächlich Befragungs-bedingten Veränderungen nicht getrennt werden, zum anderen sind die Zensus-bedingten Bevölkerungsverluste regional sehr unterschiedlich. So gab es in Berlin und Hamburg mit einem Minus von 4,4% bzw. 4,3% viel größere Verluste als Rheinland-Pfalz (-0,2%) oder Bremen (-0,7%).

Ein Vergleich der aktuellen Daten mit denen der früheren MAs ist somit nur sehr bedingt möglich. Wie die großen Vermarkter ARD und RMS bieten aber auch wir diesen Vergleich an, da er durchaus ein paar interessante Erkenntnisse liefert.

Beginnen wir unsere traditionelle Reise durch Radio-Deutschland wie immer im hohen Norden. Der große Verlierer in Schleswig-Holstein heißt NDR 2. Ein Minus von 13,3% kann dabei auch nicht allein durch den Zensus erklärt werden. R.SH baute mit einem Mini-Rückgang von 0,9%, der ohne Zensus wohl ein Plus geworden wäre, seinen Vorsprung auf NDR 2 noch aus, zulegen konnte auch delta radio, das Radio Hamburg aus der Top 5 schmiss. Noch deutlicher im Plus: Radio Nora auf Platz 7 mit einem Gewinn von 15,9% auf 159.000 Hörer pro Werktag.

Auch in Hamburg baute der Marktführer seinen Vorsprung aus: Radio Hamburg gewann satte 10,3% an Tagesreichweite hinzu, verfügt nun über 353.000 Hörer. NDR 2, in Schleswig-Holstein dick im Minus, konnte in Hamburg aber ebenfalls zulegen, genau so wie NDR 90,3 und NDR Info, das sich mit +22,8% vorbei an N-Joy auf Rang 4 schob. Um noch deutlichere 42,8% verbesserte sich Energy Hamburg – mit 76.000 Hörern nun auf Platz 6. Interessant ist, dass fünf der Top-6-Sender in der Elb-Metropole zulegen konnten, obwohl die Grundgesamtheit ja in Hamburg durch den Zensus – neben Berlin – am deutlichsten schrumpfte.

Nur Verlierer gibt es hingegen in der Top 5 Niedersachsens. Mit einem Minus von 2,6% noch recht glimpflich davon gekommen ist die Nummer 1, NDR 2, deutlichere Verluste gibt es für NDR 1 Niedersachsen, radio ffn und vor allem N-Joy, das wie in Hamburg deutlich nach unten fiel. Der erste Gewinner findet sich auf Platz 7 der Niedersachsen-Charts: Radio 21 steigerte sich um 8,8% auf eine Tagesreichweite von 303.000.

In Bremen steigerte sich radio ffn hingegen um tolle 18,1% und zog in die Top 5 ein. NDR 1 Niedersachsen fiel dafür trotz 12,9%-Plus von 4 auf 5, NDR 2 rutschte aus der Top 5 heraus. Vorn bleiben aber die einheimischen Sender Bremen Eins, Bremen Vier und Energy Bremen.

Radio-MA 2015 II: Die Top-Sender in den Bundesländern*
Platz Sender 2015 II vs. 2015 I
Schleswig-Holstein
1 R.SH Radio Schleswig-Holstein 602.000 -6.000 -0,9%
2 NDR 2 521.000 -80.000 -13,3%
3 NDR 1 Welle Nord 478.000 -22.000 -4,4%
4 N-Joy 317.000 -4.000 -1,3%
5 delta radio 196.000 3.000 1,5%
Hamburg
1 Radio Hamburg 353.000 33.000 10,3%
2 NDR 2 262.000 16.000 6,4%
3 NDR 90,3 239.000 5.000 2,0%
4 NDR Info 106.000 20.000 22,8%
5 N-Joy 102.000 -8.000 -7,2%
Niedersachsen
1 NDR 2 1.539.000 -41.000 -2,6%
2 NDR 1 Niedersachsen 1.471.000 -106.000 -6,7%
3 radio ffn 1.217.000 -116.000 -8,7%
4 Antenne Niedersachsen 880.000 -44.000 -4,8%
5 N-Joy 588.000 -86.000 -12,7%
Bremen
1 Bremen Eins 130.000 -1.000 -0,6%
2 Bremen Vier 124.000 -6.000 -4,8%
3 Energy Bremen 106.000 3.000 2,8%
4 radio ffn 53.000 8.000 18,1%
5 NDR 1 Niedersachsen 52.000 6.000 12,9%
*Tagesreichweiten (Mo.-Fr.)
Aufgrund von Änderungen der Grundgesamtheit durch den Zensus ist ein Vergleich mit der vorigen MA nur eingeschränkt möglich. Siehe dazu die Erläuterungen im Artikel
Daten-Quelle: ma 2015 Radio II / Tabelle: MEEDIA

Alles beim Alten geblieben ist auf den ersten fünf Rängen in Nordrhein-Westfalen. Alle fünf Sender finden sich auf den Rängen, die sie auch beim letzten Mal inne hatten. Ganz vorn führt natürlich konkurrenzlos der Lokalsenderverbund radio NRW die Tabelle an: Mit einem kleinen Verlust von 0,7%, der ohne Zensus wohl ein Plus geworden wäre, baute man den Vorsprung auf 1 Live noch aus. Großer Gewinner ist WDR 5 auf Platz 5, das sich um satte 25,3% steigerte.

Auch in Hessen baute die klare Nummer 1, Hit Radio FFH, ihren Vorsprung weiter aus. 83.000 neue Hörer begrüßte der Sender trotz geschrumpfter Grundgesamtheit – ein Plus von 6,0%. hr3 und hr4 büßten hingegen Hörer ein, hr1 und planet radio komplettieren die Top 5 mit Zuwächsen. Zwei große Verlierer folgen auf den Rängen 6 und 7: You FM brach um 18,0% ein, Radio Bob! um 19,2%.

In Rheinland-Pfalz verbesserten sich SWR4 RP und bigFM Hot Music Radio jeweils um einen Platz, weil SWR1 RP 7,8% an Tagesreichweite einbüßte und daruch von 3 auf 5 rutschte. Ganz vorn bleibt hier SWR3. SWR4 RP ist gleichzeitig mit einem Plus von 11% der größte Gewinner innerhalb der Top 5.

Auch in Baden-Württemberg verteidigte SWR3 seine Spitzenposition – trotz eines 5,5%-Verlustes. SWR4 BW hat einen Rückstand von fast einer Millionen Hörer. Leicht zulegen konnte antenne 1 auf Platz 4, abseits der Top 5 findet sich mit DasDing (-11,3%) noch ein großer Verlierer.

Radio-MA 2015 II: Die Top-Sender in den Bundesländern*
Platz Sender 2015 II vs. 2015 I
Nordrhein-Westfalen
1 radio NRW 5.209.000 -37.000 -0,7%
2 1Live 3.424.000 -235.000 -6,4%
3 WDR 2 3.295.000 -169.000 -4,9%
4 WDR 4 1.908.000 -11.000 -0,6%
5 WDR 5 732.000 148.000 25,3%
Hessen
1 Hit Radio FFH 1.459.000 83.000 6,0%
2 hr3 939.000 -38.000 -3,9%
3 hr4 618.000 -18.000 -2,9%
4 hr1 528.000 32.000 6,4%
5 planet radio 433.000 13.000 3,1%
Rheinland-Pfalz
1 SWR3 873.000 17.000 2,0%
2 RPR1. 569.000 34.000 6,3%
3 SWR4 RP 501.000 50.000 11,0%
4 bigFM Hot Music Radio 423.000 -8.000 -1,9%
5 SWR1 RP 423.000 -36.000 -7,8%
Baden-Württemberg
1 SWR3 2.303.000 -134.000 -5,5%
2 SWR4 BW 1.388.000 -76.000 -5,2%
3 SWR1 BW 1.269.000 -64.000 -4,8%
4 antenne 1 805.000 15.000 1,9%
5 Radio Regenbogen 787.000 0 0,0%
*Tagesreichweiten (Mo.-Fr.)
Aufgrund von Änderungen der Grundgesamtheit durch den Zensus ist ein Vergleich mit der vorigen MA nur eingeschränkt möglich. Siehe dazu die Erläuterungen im Artikel
Daten-Quelle: ma 2015 Radio II / Tabelle: MEEDIA

Bei den Hörern pro Durchschnittsstunde war Antenne Bayern mit einem Minus von 12,6% der große Verlierer, bei der Tagesreichweite kam der Sender mit einem Rückgang von 3,9% glimpflicher davon. Die Nummer 1 in Bayern bleibt man ohnehin, der Vorsprung auf das Bayern-Funkpaket und die Öffentlich-Rechtlichen ist zu groß. Apropos Öffentlich-Rechtliche: Hier überholte Bayern 3 Bayern 1 auf Platz 3. Erwähnenswert sind noch die Plätze 7 und 9: Radio Arabella verbesserte sich um 21,4%, Rock Antenne um 27,3%.

Im kleinen Saarland verlor Das Ding / 103,7 Unser Ding massiv: Fast ein Viertel der Tagesreichweite ging dem Jugendsender abhanden. Auch Marktführer Radio Sälü büßte ein, bleibt aber vorn. Zulegen konnten vor allem bigFM Saarland, das dem Ding näher rückt, sowie auf Platz 6 RTL Radio, das mit einem Plus von 38,3% auf 63.000 Hörer den Einzug in die Top 5 nur knapp verpasste.

Wild durcheinander gemischt wurden wie so oft die Berliner Radio-Charts. Nur die Nummer 1 hielt ihren Platz: 104.6 RTL verlor allerdings deutliche 14,8% ihrer Tagesreichweite der vorigen MA. Einen großen Satz nach oben machte hingegen der Berliner Rundfunk 91.4: Dank 9,4% zusätzlicher Hörer sprang man von 4 auf 2. radioBerlin 88,8 rutschte dafür von 2 auf 3. Neu in der Top 5 sind radioeins, das dank eines Zuwachses von 4,8% in die Liste zurück kehrt, sowie das Inforadio, das sich sogar um heftige 20,7% verbesserte. Es hat damit auch 105’5 Spreeradio und 94,3 rs2 überholt, die sich durch Verluste von 18,7% bzw. 15,5% aus der Top 5 verabschiedeten.

Die einzige neue Nummer 1 der 16 Bundesländer gibt es in Brandenburg: Antenne Brandenburg überholte BB Radio knapp und führt nun den Markt des Landes an. Gelungen ist das nicht mit einem tollen Plus, sondern nur wegen des geringeren Minus. Satte 8% büßte der neue Marktführer ein, die vorige Nummer 1 BB Radio sogar 14,1%. Auch das drittplatzierte 104.6 RTL musste einen kräftigen Verlust erdulden, Fritz auf Platz 5 mit -16,5% einen noch größeren.

Radio-MA 2015 II: Die Top-Sender in den Bundesländern*
Platz Sender 2015 II vs. 2015 I
Bayern
1 Antenne Bayern 3.697.000 -150.000 -3,9%
2 Bayern-Funkpaket 2.826.000 207.000 7,9%
3 Bayern 3 2.576.000 61.000 2,4%
4 Bayern 1 2.537.000 -35.000 -1,4%
5 B5 aktuell 551.000 24.000 4,6%
Saarland
1 Radio Salü 274.000 -13.000 -4,5%
2 SR 1 Europawelle 218.000 2.000 0,8%
3 SR 3 Saarlandwelle 191.000 5.000 2,6%
4 Das Ding / 103.7 Unser Ding 75.000 -24.000 -24,7%
5 bigFM Saarland 64.000 10.000 18,3%
Berlin
1 104.6 RTL 357.000 -62.000 -14,8%
2 Berliner Rundfunk 91.4 260.000 22.000 9,4%
3 radioBerlin 88,8 249.000 -23.000 -8,4%
4 radioeins 215.000 10.000 4,8%
5 Inforadio 198.000 34.000 20,7%
Brandenburg
1 Antenne Brandenburg 438.000 -38.000 -8,0%
2 BB Radio 430.000 -70.000 -14,1%
3 104.6 RTL 244.000 -44.000 -15,2%
4 94,3 rs2 175.000 -5.000 -2,7%
5 Fritz 171.000 -34.000 -16,5%
*Tagesreichweiten (Mo.-Fr.)
Aufgrund von Änderungen der Grundgesamtheit durch den Zensus ist ein Vergleich mit der vorigen MA nur eingeschränkt möglich. Siehe dazu die Erläuterungen im Artikel
Daten-Quelle: ma 2015 Radio II / Tabelle: MEEDIA

Deutlich verkürzt hat NDR 1 Radio MV den Rückstand auf die Nummer 1 in Mecklenburg-Vorpommern. Die Ostseewelle verlor nämlich 50.000 Hörer, bzw. 9,1%, NDR 1 hingegen steigerte sich um immerhin 1,5%. Noch deutlichere Zuwächse gab es für Antenne MV, Verlierer ist hingegen wie in Hamburg und Niedersachsen N-Joy.

Einige Verschiebungen gab es in Sachsen. Zwar bleibt mdr 1 Radio Sachsen trotz eines 12,3%-Minus klarer Marktführer, doch dahinter überholte das Sachsen-Funkpaket Radio PSR und auf Platz 4 zog mdr Jump an R.SA vorbei. Radio PSR und R.SA sind dementsprechend zusammen mit mdr 1 auch die großen Verlierer der MA.

Keine Verschiebungen gab es in Sachsen-Anhalt: radio SAW führt weiter vor Radio Brocken, mdr Sachsen-Anhalt, 89.0 RTL und mdr Jump. Jump ist hier allerdings mit einem Minus von 16,9% der große Verlierer innerhalb der Top 5. Noch schlechter sieht es dahinter für mdr Sputnik aus: Mit einem Rückgang von 25,1% fiel der Sender auf eine Tagesreichweite von 138.000.

Abgerundet wird unsere Deutschlandreise in Thüringen. Hier ist der Tabellenführer mdr Thüringen gleichzeitig der einzige Sender innerhalb der Top 5, der sich steigern konnte. Dadurch wuchs der Vorsprung auf Antenne Thüringen natürlich auch. Zu den Verlierern gehört auch hier mdr Jump, 89.0 RTL büßte auf Platz 5 aber dramatische 40,6% ein.

Radio-MA 2015 II: Die Top-Sender in den Bundesländern*
Platz Sender 2015 II vs. 2015 I
Mecklenburg-Vorpommern
1 Ostseewelle Hit-Radio MV 499.000 -50.000 -9,1%
2 NDR 1 Radio MV 438.000 6.000 1,5%
3 Antenne MV 328.000 19.000 6,0%
4 NDR 2 176.000 -18.000 -9,4%
5 N-Joy 152.000 -24.000 -13,8%
Sachsen
1 mdr 1 Radio Sachsen 1.004.000 -141.000 -12,3%
2 Sachsen-Funkpaket 540.000 29.000 5,6%
3 Radio PSR 512.000 -62.000 -10,8%
4 mdr Jump 475.000 -13.000 -2,7%
5 R.SA 421.000 -67.000 -13,8%
Sachsen-Anhalt
1 radio SAW 609.000 -42.000 -6,5%
2 Radio Brocken 482.000 12.000 2,7%
3 mdr Sachsen-Anhalt 456.000 14.000 3,3%
4 89.0 RTL 229.000 -35.000 -13,3%
5 mdr Jump 213.000 -43.000 -16,9%
Thüringen
1 mdr Thüringen 570.000 18.000 3,3%
2 Antenne Thüringen 469.000 -26.000 -5,2%
3 mdr Jump 348.000 -62.000 -15,1%
4 LandesWelle Thüringen 206.000 -13.000 -5,7%
5 89.0 RTL 103.000 -70.000 -40,6%
*Tagesreichweiten (Mo.-Fr.)
Aufgrund von Änderungen der Grundgesamtheit durch den Zensus ist ein Vergleich mit der vorigen MA nur eingeschränkt möglich. Siehe dazu die Erläuterungen im Artikel
Daten-Quelle: ma 2015 Radio II / Tabelle: MEEDIA
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