Kontroverse Sex-Enthüllungsstory spaltet Gawker – Chefredakteure treten zurück

Langes Gesicht: Gawker-Chef Nick Denton
Langes Gesicht: Gawker-Chef Nick Denton

Das Klatschportal Gawker ist wieder einmal über das Ziel hinausgeschossen: Eine Enthüllungsgeschichte über einen vermeintlich schwulen Medienmanager, der Escort-Dienste in Anspruch nehmen wollte, sorgte Ende vergangener Woche erst für reichlich Kontroversen. Das Stück wurde gelöscht, daraufhin hat die Redaktionsleitung gekündigt. Der notorisch umstrittene Gründer Nick Denton steht unter Druck.

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Wie viel Moral mag man dem Gründer eines Klatschportals zubilligen, das Millionen von Werbegeldern damit verdient hat, das Leben anderer Menschen durch den Dreck zu ziehen? Das ist eine Frage, die der britische Gawker-Gründer Nick Denton schon oft gehört haben dürfte.

Unvergessen ist etwa die Enthüllungsgeschichte über Tim Cooks Homosexualität vom Januar 20011, als Cook während Steve Jobs’ letzter Auszeit interimsmäßig zum zweiten Mal die Amtsgeschäfte bei Apple übernahm – und Gawker sich die Vorlage nicht nehmen ließ, zu titeln: „Tim Cook, der mächtigste Schwule im Silicon Valley“. 4,5 Jahre vor Cooks eigenem Coming out war das.

Gawker arbeitet profitabel

Dass sich Nick Denton in der Rolle des Coming out-Machers gefällt, ist nichts Neues – entsprechend vorhersehbar war eine neuerliche Enthüllungsgeschichte am vergangenen Freitag, in der Gawker das Privatleben eines ranghohen, verheirateten Managers von Condé Nast in der Öffentlichkeit ausbreitete. Vor allem jenen Teil, der vermeintliche Brisanz besaß: nämlich, dass der besagte Medienmanager angeblich die Dienste eines männlichen Escorts, bei dem es sich um einen Pornostar handelte, in Anspruch nehmen wollte.

Es sind jene klickgetriebenen Abgründe, die Gawker zu dem gemacht haben, was es heute ist: ein kleines, aber durchaus erfolgreiches digitales Verlagshaus, das ebenfalls das noch viel reichenweitenstärkere Techportal Gizmodo betreibt. Und das profitabel: Im vergangenen Geschäftsjahr blieben bei Gawker Media bei Umsätzen von 44,3 Millionen Dollar immerhin 6,53 Millionen Dollar hängen.

Siebenstellige Umsatzeinbußen drohten 

In anderen Worten: Denton hat einiges zu verlieren, wenn Werbekunden ausbleiben – und genau dieser Fall drohte in der vergangenen Woche nach der Escort-Enthüllungsgeschichte. Also nahm Denton den kontroversen Artikel von der Seite.

„Wenn der Beitrag online geblieben wäre, hätten wir diese Woche Anzeigeneinbußen in siebenstelliger Höhe hinnehmen müssen“,  erklärte Denton in einem offenen Brief an die Mitarbeiter. Der 48 Jahre alte Journalist  erklärte ebenfalls, er würde sich „schämen, dass sein Name mit der Geschichte assoziiert wird“ und hätte daher vor allem „als Gründer und Verleger gehandelt.“

Rücktritt der Chefredaktion 

Andere Gawker-Journalisten beurteilten die Sache indes etwas anders. Tommy Craggs, geschäftsführender Chefredakteur der Gawker Media-Gruppe und Gawker.com-Chefredakteur Max Read traten zurück, weil sie nach der Einflussnahme in den Redaktionsalltag keine Vertrauensbasis mehr sahen. 

Vorausgegangen war eine Abstimmung im Aufsichtsrat, die mit 4:2 für eine Löschung des Artikels endete. Die entscheidenden Stimmen kamen dabei von Managern aus der Werbeabteilung. Craggs reichte noch am Freitag seine Kündigung ein, Read folgte einen Tag später.

Craggs zürnte gegenüber Mitarbeitern, die Löschung sei „Nicks Reichstag“ und ließ es sich nicht nehmen, zum Abgang noch einmal auf Firmenkosten 400 Dollar für ein Frühstück zu verschleudern – 150 Dollar Trinkgeld exklusive. 

Ein von Tommy (@tcraggs22) gepostetes Foto am

Bei Medienkritiker und Internet-Guru Jeff Jarvis sorgte Craggs Geisteshaltung unterdessen für gehöriges Kopfschütteln.

Und bei Nick Denton? Der hat am Ende ganz andere Sorgen: Der Wrestler Hulk Hogan verklagte Gawker zuletzt auf 100 Millionen Dollar Schadensersatz, nachdem das Klatschportal ein Sex-Video des Wrestlers publik gemacht hatte. Denton räumte in seinem Schreiben an die Mitarbeiter ein, dass der anstehende Prozess bei der Entscheidung zur Löschung des Escort-Posts eine maßgebliche Rolle gespielt habe.

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Alle Kommentare

  1. @Klaus Niemann: Ich kenne Gawker nicht gut, aber wenn Sie es besser zu wissen glauben, dann schreiben Sie doch, was Gawker ist oder nicht ist. Mich interessiert Ihre Meinung dazu.

  2. „Es sind jene klickgetriebenen Abgründe, die Gawker zu dem gemacht haben, was es heute ist: ein kleines, aber durchaus erfolgreiches digitales Verlagshaus, das ebenfalls das noch viel reichenweitenstärkere Techportal Gizmodo betreibt.“

    Sagenhafter Unsinn. Vielleicht einfach jemanden Artikel schreiben lassen, der sich mit der us-amerikanischen Onlinejournalismuslandschaft auskennt und nicht mit Hilfe des deutschen Wiki-Artikels irgendeinen Unsinn von wegen Klatschportal schreibt? Einfach nur peinlich.

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