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Abschieben, aber trotzdem einmal streicheln: Merkels harte Reaktion auf ein Flüchtlingsmädchen

Angela Merkel versucht die 14-jährige schülerin Reem zu trösten und „streichelt“ ihr dabei über den Kopf
Angela Merkel versucht die 14-jährige schülerin Reem zu trösten und "streichelt" ihr dabei über den Kopf

Harte Kritik an der Bundeskanzlerin: An einer Rostocker Schule hatte sie einem Mädchen aus dem Libanon erklärt, dass nicht alle Flüchtlinge in Deutschland bleiben können. Als die Schülerin daraufhin anfing zu weinen, reagierte Angela Merkel mit den Worten: "Das hast du doch prima gemacht" und streichelt ihr über die Wange. Bei Twitter ist die Empörung groß, etliche Nutzer werfen der Kanzlerin Gefühlskälte vor.

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Reem ist 12 Jahre alt und vor vier Jahren aus dem Libanon nach Deutschland geflüchtet. Sie hat ehrgeizige Ziele, möchte studieren – doch sie soll abgeschoben werden. Damit konfrontiert sie Angela Merkel beim Bürgerdialog „Gut leben in Deutschland“ an einer Schule in Rostock und betont in sehr gutem Deutsch, dass sie doch „einfach ihr Leben genießen“ wolle.

Die Bundeskanzlerin ringt mit den Worten und erklärt dem Mädchen, dass Politik manchmal „hart“ sei. Reem sei zwar ein „sympathischer Mensch“, aber es gebe noch Tausende und Tausende weitere Flüchtlinge im Libanon. „Wenn wir jetzt sagen: Ihr könnt alle kommen, das kann Deutschland auch nicht schaffen“, so Merkel.

Als Reem daraufhin anfängt zu weinen, gerät die Bundeskanzlerin offensichtlich aus dem Konzept. Sie geht auf Reem zu und tröstet sie mit den Worten: „Das hast du doch prima gemacht.“ Der Moderator weist sie darauf hin, dass es wohl eher nicht darum gehe, es „prima zu machen“, sondern um die „sehr belastende Situation“. Angela Merkel unterbricht ihn, betont, das wisse sie und sie wolle Reem deshalb „trotzdem einmal streicheln“.

In den Sozialen Netzwerken hagelt es Kritik: „Mutti“ sei alles andere als warmherzig gewesen und so könne man doch nicht mit einem verzweifelten Kind umgehen. Die Bundesregierung selber begründet das Weinen der Schülerin mit ihrer Aufregung: „Vor lauter Aufregung musste das Mädchen schließlich weinen und wischte ihre Tränen mit einem Taschentuch weg. Angela Merkel ging auf die Schülerin zu und tröstete sie mit den Worten: ‚Du hast das ganz toll gemacht‘. Daraufhin gab es großen Applaus für die junge Libanesin.“

Update, 16.07.2015. 12.10 Uhr
Die Bundesregierung hat die entsprechende Passage, das Mädchen habe vor Aufregung geweint, inzwischen geändert:

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Alle Kommentare

  1. Was mich wundert: Die Bundesdauerempörte hat sich noch nicht zu Wort gemeldet. Oder kommt das noch?
    Was mich interessiert ist : Wie ist das Kind vor 4 Jahren nach Deutschland gelangt? Mit 8 Jahren? Mir kam das ganze zu aufgesetzt vor – die Medien taten und tun das übrige. Was Frau Merkel der jungen Dame hätte antworten sollen, weiß ich nicht. Sie entscheidet weder über Asylanträge noch macht sie allein die Gesetze. Und dann noch eins – liebe Hass-Twitterer und -Kommentatoren: Wieviele Asylantragssteller habt ihr denn schon bei euch aufgenommen? In Eurem Haus, in Eurem Wohngebiet oder neben der Schule eurer Kinder? Uns werden im Fernsehen immer wieder nur Familien oder Kinder/Jugendliche gezeigt, in Wirklichkeit kommen doch fast nur junge Männer her. (Deshalb schrieb ich ja auch …antragsteller und nicht gender mainstreaming – like -antragstellerInnen).

  2. Gehen wir mal davon aus, dass ein Flüchtling tatsächlich flüchtet, weil seine Existenz massiv bedroht ist. Und hier bin ich – entgegen der allgemeinen Auffassung – der Meinung, dass auch wirtschaftliche Gründe eine Rolle spielen, da es dem Flüchtling vermutlich egal ist ob er an Armut oder durch eine Schusswaffe ausgelöscht bzw. gequält wird.

    Da ich nie in einer solchen Situation stecken musste, fällt es mir auch recht schwer mich hier in letzter Kosequenz reinzudenken. Wie viel Unterwäsche, Hygieneartikel, Wechselklamotten, Bilder von Angehörigen, Büchern (Sprachkurse, Kulturratgeber, etc.), Essen, Telefon, Ausweis nimmt man da wohl mit auf diese Reise? Wie viele Hotels, Campingplätze, Kojen passiere ich wohl auf der mehrtägigen, -wöchentlichen???, monatelangen??? Flucht? Wie kann ich mich und meine Familie vor Übergriffen schützen? Wo finde ich medizinische Hilfe wenn eine Krankheit ausbricht? Und … womit bezahle ich das Ganze – ich habe ja meine materialistische Existenz größtenteils zurücklassen müssen? …

    Gehen wir also davon aus, ich komme ohne Ausweis oder sonstige Papiere an mein nächstes sicheres Ziel, bin froh überlebt zu haben und rechne mit Solidarität und werde überraschenderweise angefeindet, meine mögliche Unterkunft wird in Brand gesteckt und eigentlich schlägt eine permanente Welle des Hasses und der Ablehnung entgegen … dann soll ich teils wütend, verängstigt, ohne Sprachkenntnisse und erschöpft mich anpassen bzw. mich demütig durchs Leben schleichen und dankbar dafür sein, dass ich kein „Zuhause“ mehr habe, die Familie auseinandergerissen ist. Zudem werde ich – ohne dass mich jemand wirklich kennt – ausgegrenzt und ich bin dann nicht mehr eine Person sondern ein Asylant … ein Begriff, der im Volksmund einem Schimpfwort gleichkommt und nicht etwa Anteilnahme an das Erlebte wiederfahren lässt.

    und wenn ich nun daran denke, dass irgendwelche Personen in einem schön geordneten Büro darüber entscheiden oder bestimmen, ob ich überhaupt ein Anrecht darauf habe „Gleich“ zu sein bzw. ohne Angst vor Folter, Tot, Hunger, Durst … leben zu dürfen bin ich verwirrt. Ganz voller Vorurteile unterstelle ich meinem Sachbearbeiter, dass er meine Heimat maximal aus den Nachrichten oder Filmen kennt und nicht im Traum daran denken würde auch nur einen Tag Urlaub dort zu verbringen – die Stornos der vielen Reisenden nach dem Tunesien-Attentat lassen mich das jetzt einfach mal annehmen. Aber er begleitet mich professionell durch meinen Antrag und bestimmt (woher auch immer Informationen über meine Umstände erhält), ob ich gerechtfertigt in diesem Land bleiben darf … und wieso dauert das im Durchschnitt (angeblich) 8 Monate. Woher kommen nach dieser Zeit (teils auch mehrere Jahre) Beweise oder Anhaltspunkte, die ein Bleiberecht JETZT NACH ALL DER ZEIT rechtfertigen?

    Wieso durfte ich nicht schon die vielen Monate zuvor kein vollwertiges Mitglied der Gesellschaft werden und mich um meine Existenz (via eines Arbeitsrechts) kümmern um die Kosten die ich zwangsläufig verursachen muss abzuwenden? Wieso muss ich mein Leben im „Pausemodus“ verwirken, nur weil es meine Heimat mir nicht ermöglicht meine Grundrechte (Recht auf Leben, Recht auf körperliche Unversehrtheit usw.) in Anspruch zu nehmen. Da kommt man sich doch eher wie ein Täter, denn ein Opfer vor, wenn man doppelt bestraft wird …

  3. Ich finde es sehr traurig zu sehen, dass es immer noch Menschen gibt, die nicht verstehen, was in so einem kleinen Menschen vorgeht. Diese Kinder sind nicht von der Denkensweise, wie Kinder die unbeschwert aufwachsen und es gewohnt sind jeden Tag morgens aufzustehen, wobei Mama das Frühstück macht, Papa zur Arbeit geht und Kind zur Schule. Alleine zur Schule zu gehen ist was besonderes. Sie denken bereits wie Erwachsene.. Eine Nacht durch zu schlafen ohne Angst zu haben, das man morgen vielleicht nicht mehr so viel zu essen hat oder viel schlimmer, fängt morgen wieder die Schießerei an?.. Das sind Dinge worüber diese Kinder schon nachdenken müssen in diesen Ländern.. Selbstverständlich ist es unmöglich alle Menschen den es schlecht geht in dieses Land einwandern zu lassen. Wir sprechen hier aber über ein Mädchen, die einfach verzweifelt ist, weil sie nichts tun kann.. Selbst wenn wir davon ausgehen würden, dass dies alles lediglich eine „Inszenierung“ wäre.. Denkt doch mal nach, warum würde ein Kind so etwas tun, ausser aus Verzweiflung.. Sie hat die Hoffnung, dass unsere „tolle Kanzlerin“ sie rettet. Ist das wirklich so schlimm?? Was würdet ihr tun? Würdet ihr es einfach hinnehmen, gehen zu müssen. Ich weiß nicht, ob ihr fähig seid euch hinein zu versetzten. Ich kann euch nur sagen. Ja, es kann nicht jeder hierher, ABER man sollte nicht die falschen Menschen weg schicken. So etwas muss man individuell betrachten.. Und noch eins.. Es gibt viele Menschen denen es schlecht geht, seid dankbar für das was ihr habt und denkt auch mal ans teilen.. Vielleicht könntet ihr zumindest in solchen Ländern spenden oder zumindest einwenig Mitgefühl zeigen und nicht alles so „sachlich“ sehen. Wir reden über Menschen und Menschenleben!!

  4. „Mutti“ war weder überfordert noch vom Weinen irritiert. Ein normaler Mensch würde alles was er in den Händen hat weglegen um das Mädchen zu versuchen zu beruhigen oder zu trösten. Das hat diese Frau nicht gemacht. Sie hat das Mikro in der Hand und sich vor den Mund gehalten, genau wissend dass dann ihre Menschlichkeit bzw. das was sie dafür hält aufgezeichnet wird. Sie wollte dass kein Wort von dem was sie sagt verloren geht. Nur dumm dass sie nur Politikergebrabbel zu bieten hatte.

  5. Frau Merkel ist in erster Linie Poltikerin und muss die Interessen des Landes vertreten. Nun wird sie teilweise „gesteinigt“, weil sie z. B. gestreichelt gesagt hat und nicht das Wort trösten. Das Thema wird nun in den Medien gepuscht und bis zur Schmerzgrenze ausgereizt. Aber das ist ja nichts Neues …. gibt dem Affen Futter ….
    Sie hat sich doch mit ihren Aussagen sehr professionell Verhalten. Was sollte sie denn in dieser Situation machen? Hätte Frau Merkel das ignoriert, dann wäre es doch auch falsch gewesen. Da kann man nur verlieren!

  6. Die Kommentare hier zeigen leider mehrheitlich blanken Zynismus und Hass.

    Wie sich Merkel hätte verhalten sollen? Vor dem Mädchen niederknien wie einst Brandt in Warschau, sie um Vergebung bitten und ihre Schuld am Tode Tausender Flüchtlinge eingestehen. Das wäre das mindeste, was man von einem aufrichtigen, integren Menschen erwarten könnte.

  7. Ganz billige Empörung, passt aber gut in die Zeit.

    Naja, kommt der erste Nachfrost werden wir ja sehen wie es um die WIllkommenskultur der Refugee Welcome Fraktion bestellt ist.

    Denn ganz egal ob man PEGIDAs oder Blabla-ist-BUNT zuneigt, der deutsche November nasskalt mit Stürmen und der Winter kommen. Da können noch so viele heulende Mädchen gespint werden.

  8. Ich kann da keine harte Reaktion der Kanzlerin erkennen. Sie erklärt sachlich, was verbessert werden muss und zeigt dann im entscheidenden Moment Mitgefühl ohne dass es aufgesetzt oder künstlich wirkt.

    Was soll sie alternativ machen? Ihr versprechen, dass sie bleiben darf, weil sie so niedlich ist, nur damit die User auf Twitter zufrieden sind?

  9. Was soll das denn jetzt?
    Jahrelang wirft man der deutschen Teflon-Kanzlerin vor
    – keine Regung zu zeigen,
    – keine Meinung zu haben,
    – keine Führungsqualitäten / -stärke zu zeigen und
    – einfach alles nur auszusitzen,
    – um sich dafür dann von der Friede-Springer-Journaille wöchentlich beweihräuchern zu lassen.

    Und dann hat sie einen dieser inszenierten, unsäglich überflüssigen Eigen-PR-Termine und zeigt – aus dem Konzept / aus dem Drehbuch geworfen – für Sekunden einmal ihr wahres, ungeschöntes Gesicht – und dann?
    Dann ist das auch wieder niemandem recht.
    Als eiskalte Teflon-Merkel wäre ich an diesem deutschen Volk längst verzweifelt. Neee aber auch …

  10. Das Mädchen ist seit immerhin vier Jahren in Deutschland, spricht sehr gut Deutsch und ist offensichtlich gut integriert. Solche Menschen abzuschieben, ist nicht nur herzlos, sondern ziemlich dumm angesichts der demografischen Entwicklung, gerade in Ostdeutschland.

    Da sollte man nicht auf Gesetze verweisen, sondern sie ändern und flexibler handhaben. Wie man das macht, wissen die Juristen am besten, sonst wäre SS-Mann Gröning nicht erst gestern verurteilt worden. Aber Deutschland regiert ja das kleine Karo…

  11. Was erwarten die Leute denn? Frau Merkel kann auch nicht zaubern.
    Ich finde sie überhaupt nicht herzlos, ich glaube, sie war in dem Moment überfordert. Das gestehe ich ihr als Mensch zu.

    1. Es war niemand herzlos. Die Wahrheit sagen ist Liebe.
      a) Frau Merkel hat nur gesagt, daß das Mädchen sich tapfer zu Wort gemeldet hat und das eben gelobt. Trotzdem bleibt Frau Merkel dabei, daß wir nicht alle Welt aufnehmen können. Gilt das nicht für kleine weinende Mädchen?
      b) Wie doof sind manche eigentlich? Soll man alle Mädchen aus aller Welt aufnehmen, aber die Jungen nicht? Die weinen weniger. Und Erwachsene? Ab wann die? Ab wann ist das Land voll? Bei mir in meiner Wohnung passen höchstens noch einer rein. Oder ein kleines Mädchen.
      c) Wie rassistisch von München zu sagen, man sei voll. Diese Nazis. Nazis raus. Mein Beitrag gegen Fremdenhass! (c ist ironisch, falls es jemand nicht merkt.)

  12. Solche Sachen sind problematisch. Es geht aber in Wirklichkeit immer auch ums Geld, vor dem 1. Irakkrieg wurden angeblich Babys aus den Brutkästen geworfen, was sich aber letztlich als Propagandalüge erwies. Es lässt sich auch ein Kind, dessen Sorgen durchaus echt sein mögen, bei so einer Veranstaltung lancieren, um daraus eine PR Aktion zu machen. Viel interessanter ist doch die Frage, wer verdient alles in Deutschland und vorher an den Flüchtlingen. Ist diese Art der Hilfe tatsächlich für die Menschen selbst oder vor allem für die dahinterstehende Logistikkette, beginnend bei den Schleusern und endend bei den (bezahlten) Betreuern der Sozialindustrie lukrativ. Dass solche Leute dann an allen Stellen ihre Trolle losschicken, um Empörung zu generieren ist doch klar. Bei jedem sogenannten Shitstorm muss sich doch heute jeder intelligente Mensch fragen, wer steckt dahinter und was sind seine Motive und angestrebten Vorteile. Man betrachte bloß beide Seiten des Ukraine Konflikts oder jüngst Griechenland als Lehrbeispiel, wie man Trolle und finanziell vernetzte Politiker als Vulkane der Empörung platzieren kann. Goebbels hätte seine Freude am Internet.

  13. In Zeiten, wo in jeder Systemgazette Homestories über Flüchtlinge veröffentlicht werden, damit Michel ja auch alles schön und schick findet, ist hier das Verhalten der Kanzlerette natürlich kontraproduktiv.

    1. @Rudi: Bitte erklären Sie mir das: Also die Presse ist systemgelenkt, aber die Kanlerin nicht Teil davon? das ist ein sehr…nunja…komplexes Weltbild was sie da haben.

      1. @Erwin: sehr gutes Argument. Leider voll ins Leere. Weder Walldorf, noch bürgerlich.

  14. Das arme Mädchen stottert eine gelernte Frage vor, die sie selbst nie so gestellt hätte und fängt dann vor Nervosität an zu weinen, ein Gefühl das jeder kennt, der ohne Erfahrung schon mal öffentlich aufgetreten ist und nicht weiss, was andere nun denken.

    Die wurde instrumentalisiert und nun machen ein paar Medien daraus auch noch „Merkel und das weinende Flüchtlingsmädchen“. Nur ein weiters Beispiel von Manipulation.

  15. Theater. Die Information das nicht alle bleiben können ist ja normal, gesetzlich so geregelt und im Sinne der Mehrheit der Einwohner dieses Landes. Theatralisch weinen… Nun ja- nette Show im Fernsehen.

    Vielleicht sollte man die Berufsempörer bei Twitter ignorieren.
    Morgen haben die ein neues Thema. Das Medium und die Leutchen sind eigentlich nicht wichtig.

    1. >und im Sinne der Mehrheit der Einwohner dieses Landes.

      Gewagte Behauptung bei einer Wahlbeteiligung von 71%. Von Menschen ohne Wahlrecht ganz zu schweigen.

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