20 Jahre Amazon: ein Plädoyer für den (kunden)freundlichen Monopolisten aus dem Netz

Heute schon bestellt?
Heute schon bestellt?

Heute vor 20 Jahren verkaufte Amazon sein erstes Buch übers Internet. Mittlerweile ist der Online-Riese aus den USA zum weltumspannenden Alles-Händler mutiert. Amazon steht auch oft in der Kritik: wegen Arbeitsbedingungen, wegen rüder Verhandlungsmethoden, weil der Konzern Buchhändler verdrängen würde. Aus Perspektive der Kunden ist Amazon jedoch ein Glücksfall.

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Amazon macht die schnuckeligen, kleinen Buchläden kaputt. Amazon knechtet seine Mitarbeiter in den Vertriebszentren. Amazon bedroht die geistige Kultur, indem es Verlage mit seinen E-Book-Programmen überflüssig macht. Amazon strebt nach der Weltherrschaft.

Die Kritik am Online-Händler aus Übersee ist allgegenwärtig und teilweise vielleicht berechtigt. Aber, Hand aufs Herz, selbst der flammendste Amazon-Kritiker hat in einer dunklen Stunde bestimmt doch mal kurz online gestöbert und dort etwas bestellt, das er anderswo nicht bekommen hätte … Unvergessen auch, als der Enthüllungs-Journalist Günter Wallraff über Amazon herzog und dann schockiert feststellen musste, dass seine eigenen Bücher auch beim Großkapitalisten aus Seattle verkloppt werden. Dem Buchreport erklärte Wallraff daraufhin, dass er durchgesetzt habe, dass seine Bücher nicht mehr dort verkauft werden.

Naja. Über Drittanbieter waren Wallraffs Werke trotzdem weiter bei Amazon zu beziehen und mittlerweile gibt es das Wallraff-Oeuvre auch wieder direkt von Amazon, inklusive Prime-Lieferung am nächsten Tag. Es scheint, als könne man sich dem digitalen Fachgeschäft für Alles und Jedes nicht leicht entziehen. Das hat seinen ganz Grund: Amazon ist für Kunden schlicht zu gut, um es zu boykottieren.

Das US-Unternehmen hat mit dem angegammelten Slogan vom “König Kunde” kompromisslos ernst gemacht. Waren-Umtausch wegen Nichtgefallen? Keine Fragen! Geld-Rückerstattung, weil ein Drittanbieter nicht liefert? Amazon kümmert sich. Fragen zur Lieferung? Echte Menschen rufen in kürzester Zeit zurück. Ein E-Book gefällt nicht? Rückgabe möglich und man bekommt noch eine Mail, in der sich ein Mitarbeiter entschuldigt und nach den Gründen fürs Nichtgefallen fragt.

Amazon zeigt sich seinen Kunden gegenüber so großzügig und zuvorkommend, wie es Karstadt, Quelle niemals waren. Dazu kommt ein unschlagbar riesiges Warenangebot und eine am Markt orientierte Preispolitik. Und gerade als Bewohner einer ländlichen Region mag man die Auswahl dank Amazon nicht mehr missen. Man fühlt sich als Kunde bei Amazon ernst genommen. Das ist das wahre Geheimnis des Erfolgs von Big A.

Als Kunde kann man also nur gratulieren: Herzlichen Glückwunsch zum 20. Geburtstag, Amazon. Und weiter so!

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Alle Kommentare

  1. Wer bei Amazon kauft, muß schon wissen, was er sucht. Bücher kauft man im Buchladen. Beim Stöbern kommt die Inspiration. Vor allem im Kontakt mit der hübschen Verkäuferin. Mein Buchhändler verdient sich an mir eine goldene Nase.

    Amazon, das ist eine Bergbesteigung mit dem Auto. Man rast rauf, trinkt den Kaffee und rast runter. Was hast du erlebt? Och jo, das Cafe war ganz nett. Aber Parkplätze sind da Mangel.

    Verreisen Sie doch im Netz! Rät die Telekom.

  2. Ach: Amazon tauscht Waren bei Nichtgefallen ohne Fragen um? Ist ja unglaublich kundenfreundlich. Könnte es sein, dass das alle Onlineshops tun, die in Deutschland tätig sind? Weil es hier schlicht gesetzlich vorgeschrieben ist?

    1. Kann nicht sein, denn bei manchen Strategen des Handels, die zu blöd zum korrekten Versenden sind, hilft es erst, wenn man die Amazon- Garantie zieht. Und dubiosen Fahrern der Paketdienste wird auch auf die Sprünge geholfen.

  3. Außerdem gibt es bei Amazon oder über Amazon auch die „unmöglichsten“ Dinge, die es woanders schon gar nicht mehr gibt! Ersatzteile für Haushaltsgegenstände und Heimwerkermaschinen, die ich weder in Fachgeschäften noch in Baumärkten fand… Amazon ist überhaupt immer dann die beste Wahl, wenn man genau weiß, was man haben möchte. Ich möchte es nicht mehr missen und kann mich als Landbewohnerin Herrn Winterbauer nur anschließen. Amazon spart Zeit, Geld – und vor allem Nerven.

  4. Nicht zu vergessen: Wenn ich Zeit (und Lust) zum Shopping hätte, haben normale Läden zu. Amazon hat immer offen. Also auch ein Dank an Kirche und Gewerkschaften, dieses kundenfreundliche Geschäftsmodell groß gemacht zu haben

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