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„Rückständiges Frauenbild“: Bravo entschuldigt sich für Flirt-Tipps

Die Bravo entschuldigt sich für den Beitrag „100 Tipps für eine Hammer-Ausstrahlung“
Die Bravo entschuldigt sich für den Beitrag "100 Tipps für eine Hammer-Ausstrahlung"

Die Bravo im Shitstorm: Nachdem das Jugendmagazin "100 Tipps für eine Hammer-Ausstrahlung" veröffentlichte, hagelte es Kritik. Mädchen würden durch den Flirt-Ratgeber auf ihr Aussehen reduziert und gleichzeitig unterschwellig aufgefordert, sich den Jungs unterzuordnen. Jetzt hat sich die Bravo für die "unglücklichen" Tipps entschuldigt.

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Lipgloss, offene Haare, rausblitzende Schultern und jeden Tag ein neues Make-up – so wickeln Teenie-Mädels Jungs um den Finger. Zumindest wenn es nach der Bravo geht: Das Jugendmagazin veröffentlichte Anfang Juli „100 Tipps für eine Hammer-Ausstrahlung“ und sorgte damit für reichlich Empörung: Die Mädchen würden durch Ratschläge wie „Guck Jungs eher immer leicht von unten an. Das wirkt am süßesten auf Typen!“ degradiert und ermutigt, sich für ihren „Schwarm“ zu verbiegen; sich ihm anzupassen und ihre eigene Individualität so zu unterdrücken.

Dass die Redaktion sich bei den 100 Tipps für die „Hammer-Ausstrahlung“ so intensiv dem äußeren Erscheinungsbild der Teenager widmet, ist womöglich nicht nur Zufall: Immerhin bieten sich so zahlreiche Möglichkeiten, auf Haarpflege und Kosmetik einzugehen und auf diesem Wege auf entsprechende Produktseiten zu verlinken. Beispiel Tipp Nr. 14: „Benutze eine Glanzspülung. Damit sieht Dein Haar gepflegter aus. Und Jungs achten besonders auf schöne Haare.“ Der Begriff „schöne Haare“ ist dabei mit einem Link unterlegt, der via Klick auf einen Bravo Girl-Ratgeber führt, dessen zugehörige Bildergalerie auch zahlreiche Produktwerbungen u.a. für Glanz-Shampoo und Pflege-Spülungen aufweist.

Die Medienjournalistin Sonja Álvarez wirft der Bravo im Tagesspiegel vor, ein „Frauenbild aus den fünfziger Jahren“ widerzuspiegeln: „Dass die ‚Bravo‘ Teenie-Mädchen Tipps für mehr Selbstbewusstsein geben will, ist ja an sich eine gute Idee. Nur geht es in der Liste leider eben nicht darum, wie sie sich mit ihrem Körper am wohlsten fühlen, sich am besten auf Beruf und Studium vorbereiten oder Netzwerke bilden, sondern das einzige und wichtigste Ziel im Leben einer Frau scheint demnach zu sein: Männern zu gefallen und sich ihnen unterzuordnen.“ Wie rückständig das Frauenbild des Heftes sei, würde auch die Bildsprache des Artikels vermitteln: „Die weiblichen Models schauen zu den Jungs auf, verzückt und mit lieblichem Blick“, so Álvarez.

Auch auf Twitter hagelte es Kritik:

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Die Bravo-Redaktion löschte den Artikel daraufhin von ihrer Webseite – dank des Google Caches sind die 100 Tipps jedoch immer noch abrufbar.

Am Mittwoch reagierte die Bravo in einer offiziellen Stellungnahme auf die Kritik. Der Beitrag habe ein „rückständiges Frauenbild“ transportiert, heißt es in einem auf der Website Bravo.de veröffentlichten Statement: „Tatsächlich sind einige der Tipps absolut unglücklich, und insgesamt genügt der Beitrag nicht dem Qualitätsanspruch, den wir an uns selber stellen. Hierfür möchten wir uns ausdrücklich entschuldigen.“ Nicht nur in der „breiten Medien-Öffentlichkeit“, sondern auch bei den Leserinnen und Lesern habe der Beitrag für Diskussionen gesorgt. Und weiter: „Wir stellen uns dem Vorwurf und werden in diesem Zusammenhang in einen offenen Dialog mit unseren Kritikern sowie Fachleuten treten“, betont die Redaktion.

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Alle Kommentare

  1. Interessant, dass strahlende, glücklich aussehende Frauen wie Michelle Hunziker, Sylvie Meis, Helene Fischer oder Nazan Eckes regelmässig aus anderen Kulturkreisen stammen, während deutsche Frauen inzwischen alle aussehen wie Katja Riemann oder Elke Heidenreich.
    Traurig, dass diese Generation „brav und angepasst“ sich sogar um den Sex bringt.

  2. Es geht hier einfach darum: Wie angele ich mir einen Mann?
    Dabei geht es nicht um ein ein sexistisches, anachronistisches Frauenbild, sondern im Gegenteil, um eine sexistische anachronistische Männerdarstellung!
    Männer wollen nur das eine, Männer stehen auf Äußerlichkeiten, Männer wollen devote Frauen!
    Diese Tipps zeigen auf, wie sich Frauen verhalten (verstellen) sollen, wenn sie diesem anachronistischen »Beuteschema« von Männern entsprechen wollen, frei nach dem Motto: »Der Wurm muss dem Fisch schmecken (und nicht Frau Álvarez)«.
    Ich versteh auch nicht wie Meedia Berufsaufregern wie Frau Álvarez ein Forum bieten kann. In der Überschrift des Bravo-Artikels steht ganz klar: »So fällst du Jungs auf«. Aber sie meckert rum, das Tipps für Studium, Beruf und Netzwerken fehlen. Genauso gut könnte sie sich aufregen, dass in der Liste Tipps fehlen, wie Frauen sich den Werkstattbesuch sparen, indem sie ihre Autos selbst reparieren.
    Auch die Twitter-»Kritik« ist eher eine Ansammlung von argumentationsloser Aufregung von wichtigtuerischen Moralaposteln.
    Würde Bravo (oder Bild) einen großen Artikel bringen »Die biologischen Unterschiede zwischen Frauen und Männern« fänden sich bestimmt genügend Berufsaufreger, die laut »Sexismus« schreien würden.

    Was ich eher herabsetzend empfinden würde, wäre ich ein Mädel oder eine Frau, dass Angehörige dieses Geschlechts von der Bravo anscheinend immer als »Girl« bezeichnet werden. Aber daran stört sich anscheinend keiner.

  3. Das Paar auf dem Stockfoto des Aufmacherbildes sind doch noch nicht mal mehr Teenager. Die Bildauswahl des Beitrages ist sowieso gruselig, ist das die neue Online-Professionalität der BRAVO? Dann lieber gar keine Bilder.

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