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Nach nur zehn Monaten: Samwer-Einkaufsportal Shopwings am Ende

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Rocket Internet zieht für sein jüngstes Online-Start-up im Handel mit Lebensmitteln in Deutschland die Notbremse. Nur zehn Monate nach dem Start soll die Einkaufsplattform Shopwings kommende Woche ihren Dienst einstellen, erfuhr das Wirtschaftsmagazin Capital aus Branchenkreisen.

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Die Eigner wenden sich in einem überraschenden Strategiewechsel vom deutschen Markt ab und suchen Wachstum stattdessen in Südostasien und Australien. Als Gründe gelten kostenträchtige Auflagen für Verbraucherinformationen und die mangelnde Kooperation mit dem Einzelhandel.

Die Start-up-Schmiede von Oliver Samwer hatte den Branchen-Neuling erst vergangenen Herbst als Teil ihrer E-Food-Offensive auf die Schiene gesetzt. Shopwings war im Börsenprospekt mit dem neuartigen Modell angekündigt, Online-Bestellungen aus Supermärkten noch am selben Tag von persönlichen Einkäufern zustellen zu lassen. Neben Rocket sind inzwischen Tengelmann und Holtzbrinck-Ventures beteiligt.

Noch im Juni hatte der Geschäftsführer der Berliner GmbH, Conrad Bloser, ehrgeizige Wachstumspläne verkündet. Bald sollten in Hamburg, Frankfurt, Köln und anderen Ballungsräumen Shopwings-Boten in Supermärkte ausschwärmen. In München und Berlin konnte der Kunde sich je nach Postleitzahl zwischen den Einzelhandelsketten Aldi, Lidl, Edeka und Alnatura entscheiden, aus deren Sortimenten Shopwings knapp 20 000 Artikel listet.

Ob allein mit Liefergebühren von 4,90 Euro aufwärts und Online-Aufschlägen pro Artikel Geld zu verdienen sei, hatten Handelsexperten schon bezweifelt. Die Boten arbeiten wie bei dem in Europa umstrittenen amerikanischen Fahrdienst Uber freiberuflich. So dürften vor allem Probleme bei der geplanten dritten Einnahmequelle dazu geführt haben, die Reißlinie zu ziehen: Shopwings wollte große Einzelhandelsketten dazu bewegen, für den über die Plattform zusätzlich generierten Umsatz eine Art Marktplatzgebühr zu zahlen. Doch darauf ließen sich die Ketten bisslang nicht ein.

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Außerdem stolperte das Geschäftsmodell über die seit Januar geltende Lebensmittelinformationsverordnung (LMIV). Danach müssen auch Online Verbraucherinformationen wie Herkunft, Nährwert und Zutaten ausgewiesen werden. Shopwings hatte dies mit Verweis darauf, ein Bringdienst und kein Lebensmittelhändler zu sein, unterlassen.

Nach einer einstweiligen Verfügung, die ein bayerischer Webshop erwirkte, arbeitete Shopwings zuletzt zwar für rund 10 000 Artikel nach. Diesen Aufwand der Produktdarstellung künftig an allen neuen Standorten zu betreiben, dürfte aber zu kostenträchtig geworden sein – zumal der etablierte Handel die Zusammenarbeit und damit einen möglichen Datenaustausch verweigert.

Nun soll das Heer der Einkäufer nach dem Willen der Investoren stattdessen in Südostasien wachsen. Entsprechende Domains hat sich Rocket Internet schon weltweit gesichert. In Australien, wo auch Aldi sehr erfolgreich Fuß fasst, ist das Startup schon unter Shopwings.com.au aktiv.

(dpa)

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