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Zwischenbilanz: enttäuschende Quoten für das Tour-Comeback des Ersten

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Nach einer dreijährigen Pause im öffentlich-rechtlichen Fernsehen überträgt Das Erste derzeit erstmals wieder die Tour de France. Doch die vielen Doping-Skandale der Vergangenheit zeigen ihre Wirkung: Mit 9% liegt der Marktanteil der Übertragungen bisher deutlich unter dem Normalniveau des Ersten.

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In den Jahren 2012 bis 2014 verzichteten Das Erste und das ZDF angesichts der vielen Skandale auf Live-Bilder von der Tour. Zuvor hatten sie das wichtigste Radrennen der Welt jahrelang mit großem Erfolg übertragen. Der Höhepunkt waren dabei die Jahre, in den Jan Ullrich vorn mitgeradelt ist.

Als sich die Jubiläums-Tour zum 100. Geburtstag in einem Einzelzeitfahren der 19. Etappe zwischen Lance Armstrong und Jan Ullrich entschied, saßen am 26. Juli 2003 z.B. sage und schreibe 6,11 Mio. Radsport-Fans vor den Fernsehern – Das Erste freute sich über einen Fabel-Marktanteil von 47,4%. Das ist inzwischen zwölf Jahre her. Lance Armstrong wurde der Tour-Sieg inzwischen aberkannt, zahllose Doping-Skandale haben den Sport erschüttert.

In diesem Jahr dachten sich die ARD-Verantwortlichen aber, dass die Zeit wieder reif sei für die Tour de France im Ersten. Zwar zahlt die ARD dafür laut Spiegel weniger als 5 Mio. Euro, doch auch bei einer solchen Summe lässt sich über den sportlichen Wert des Radsports streiten. Ob die Fahrer wirklich weniger dopen als vor Jahren – oder nur klüger – das weiß niemand.

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Die Skepsis ist offenbar auch im TV-Publikum noch nicht gewichen. So sehen derzeit nicht 6 Mio. Fans zu, sondern gerade mal 1,09 Mio. Bei dieser Zahl liegt der Durchschnitt der ersten neun Etappen im Ersten – der Marktanteil kam dabei nur auf 9,0%. Zum Vergleich: Der 12-Monats-Durchschnitt des Ersten liegt derzeit bei rund 12%. Nur zwei Etappen – die erste und die achte vom Samstag – schafften den Sprung über die 10%-Marke.

Da es an Sport-Übertragungen im öffentlich-rechtlichen Fernsehen nicht gerade mangelt, muss sich die ARD angesichts dieser Zahlen schon fragen, ob es wirklich nötig ist, täglich 90 Minuten und mehr Platz für einen Sport frei zu schaufeln, der die Menschen weitgehend nicht mehr interessiert.

Bei Eurosport liegt die Tour de France im Übrigen – mit bisher 2,7% im Gesamtpublikum – weiterhin klar über dem Sendernormalniveau (12-Monats-Durchschnitt: 0,6%). Die ARD-Übertragungen haben dem Sender kaum geschadet, vor einem Jahr lagen die ersten neun Etappen bei 2,9%.

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Alle Kommentare

  1. ….die beiden Kommentatoren in Eurosport sind sehr angenehm und kompetent und unaufgeregt. Schlimm aber die beiden Smilys: Juan ganz besonders! Gibt es etwas, was ihn nicht zum Lächeln bzw Grinsen bringt, selbst Stürze kommentiert er mit bleckenden Lächeln-Zähnen. Die beiden englischen Kommentatoren sind unnötig. Vor allem, dass Eurosport englische Texte übersetzt, die Originalversion mitlaufen lässt so dass man weder das Englische noch das Deutsche versteht..,.ätzend.
    Ich gucke gern, aber alle die ständig quasseln, sind nervig. Karsten und Jean-Claude machen eine tolle Ausnahme.

  2. Ich finde die Entscheidung sehr gut die Tour wieder zu übertragen.
    Nur kann man mit einer schlechten Berichterstattung weder erwarten den gestandenen Radsportfan zu überzeugen, noch wird es gelingen neue Zuschauergruppen zu gewinnen. Hierfür wäre deutlich mehr notwendig, um sich vom Konkurrenten Eurosport abzusetzen.
    Möglichkeiten gäbe es viele! Mehr „Mensch“ und Material, dass hat schon mal geklappt und dem einen oder anderen privatem Sender Erfolgsquoten in Sportarten beschert, die bei ARD und ZDF über Jahrzehnte ein Nischendasein führten.
    P.s. von einem politisch korrektem Sender wie der ARD erwarte ich nach en letzten Enthüllungen, natürlich auch den Rückzug aus der Leichtathletik.

  3. Eurosport überträgt live ca. 4 Stunden lang, hat vorher mit „Lemond auf Tour“ eine Sondersendung und anschließend eine Kommentar-Sendung, die vom Sachverstand von Greg Lemond und den witzigen Fragen von Juan Antonio Flecha lebt. Das Sprachtalent Flecha schwimmt immer noch wie ein Fisch im Wasser zwischen den ex-Kollegen und bekommt diese so zu unerwartet lockeren Aussagen. Warum soll ich da zu ARD & ZDF wechseln? Echte Hintergrundinfos zu Doping bekomme ich nicht in den mühsamen Interviews, sondern z.B. bei den Journalisten von Correctiv.org. Gut von ARD & ZDF war in diesem Jahr nur das Mannschaftszeitfahren mit Paul Voss am Gast-Mikro.

  4. Wenn die Quoten bei Eurosport „klar über dem Sendernormalniveau“ liegen, können die miesen Quoten der ARD wohl kaum allein daran liegen, dass dieser Sport „die Menschen weitgehend nicht mehr interessiert“. Vielleicht solltet ihr auch mal nach der Qualität der Berichterstattung fragen. Ich habe auch früher schon immer Eurosport geschaut, weil die „Reportagen“ der ARD (und des ZDF erst recht) auch damals schon nur schwer erträglich waren.

  5. Als Fan und GEZ-Zahler finde ich die Entscheidung und Umsetzung der ARD sehr gut, vor allem auf http://social.ard.de/
    Leistungssport wird eh erst interessant wenn deutsche Hoffnungsträger dabei sind, siehe Tennis/Wimbledon.

  6. Für das erste Jahr der Wiederausstrahlung der Tour sind die Quoten doch ordentlich. Für den deutschen Radsport war diese Tour (von Marcel Kittels Ausfall) abgesehen sehr gut. Fahrradfahren ist aktuell im Trend, der Radsport an sich profitiert auch davon und steigt wieder in der Beliebtheit. Für mich also kein Grund an der Ausstrahlung der Tour zu zweifeln.

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