LeFloid „abgekanzlert“: vom YouTube-Star zum Merkel-Fanboy

Bundeskanzlerin Merkel, YouTube-Held Mundt alias LeFoid: eigene Positionen im Interview geduckt und konsequent zerstört
Bundeskanzlerin Merkel, YouTube-Held Mundt alias LeFoid: eigene Positionen im Interview geduckt und konsequent zerstört

Publishing Vergangenen Freitag traf Florian Mundt, 27, alias LeFloid, Kanzlerin Angela Merkel, 60, zum Gespräch im „Bürgerdialog“ der Veranstaltungsreihe "Gut leben in Deutschland". Hoffnungen auf Kontakt und kontroversen Austausch, Hoffnungen auf Begegnung allerdings wurden radikal enttäuscht. Ohne Position keine Begegnung: LeFloid – ein Fluid. Vielredner Mundt blieb wortreich mundtot.

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Von Christopher Lesko

2,6 Millionen Abonnenten auf LeFloids YouTube-Kanälen. Sieht man seine Beiträge, denkt man: Der Nuhr hat doch was machen lassen, faltentechnisch. Er sieht zwanzig Jahre jünger aus. Auf Speed ist er auch, scheinbar. Nun verkauft er ausgewählte News bei Youtube wie früher Opa die Heizdecken auf der Butterfahrt und dreht, so scheint es, irgendwie anders um sich selbst: hipper und atemlos bindungsloser als im linearen TV.

Bis man merkt, es ist gar nicht der Nuhr. Es ist Florian Mundt. LeFloid. Jener Bürger LeFloid also, der im Bürgerdialog mit der Kanzlerin die „neue Welt“, die Zukunft repräsentiert und die Netzgemeinde um Fragen für sein Gespräch gebeten hatte..

Mundts Gesprächspartnerin, Kanzlerin Angela Merkel, selbst keine ausgewiesene Göttin frühlingsleichten Small-Talks, repräsentiert im Bürgerdialog nicht nur die Politik. Sie repräsentiert auch jene „alte Welt“, die zukünftig gerne auch die neue repräsentieren möchte.

Das könnte, so denkt man, spannend werden: Ein hochfrequenter Vielredner mit Übertaktungsneigung spricht also mit einer eher wortkargen 60-jährigen Kontrollfrau. Etablierte Politik als Zentrum politscher Macht begegnet jener Generation, die lange schon abgehängt ist von allem, was Politiker durch ihre Tage treibt. Was für eine Chance auf ein spannendes, kontroverses Gespräch, eine Begegnung unterschiedlicher Haltungen zu ernsten Themen. Raum für einen kulturellen Clash vielleicht. Für Annäherung. Raum für zarte Ansätze jenes Kontaktes, der generationsübergreifend durch Unterschiede und ihre Konflikte entstehen könnte. Raum für Lebendigkeit, für eine andere Qualität von Fragen und Antworten, als jene gewohnt-seelenloser Statements von Politik-Robotern oder redundanter Kommentare in endlos lahmen Polit-Talk-Shows. Was für eine Chance!

Um das Fazit vorwegzunehmen: Was Kontakt angeht, war das Gespräch keines. Bei allem Verständnis für die schwierige Situation eines aufgeregten, jungen Mannes im Angesicht der Mutter der Nation: Kaninchen vor Schlangen sind selbstbewusster als Florian vor Angela. Selten war in bewegten Bildern jemand zu sehen, der eigene Positionen so geduckt und konsequent zerstörte, bevor er sie auch nur ansatzweise beziehen konnte.

Die ersten Minuten

In den ersten Minuten jeden Gespräches wird unterhalb der Ebene gesprochener Worte das Niveau des Kontaktes verhandelt, werden erste Spuren in Fragen von Augenhöhe, Einfluss und Begegnungsbereitschaft gelegt. Wer hier einknickt, so weiß man, hat es schwer.

Nach Sekunden wird klar: Florian Mundt ist fürchterlich unsicher. Er hält den Blick der Kanzlerin nicht. Seine Augen irren umher. Auch die Sprache fokussiert nicht das Gegenüber, sondern zieht erklärende Kreise und Schleifen, als spräche Mundt letztlich mit sich selbst.

Merkel ist angestrengt locker und zunehmend souverän. Schnell versteht sie: Hier droht keine Gefahr. Nach drei Minuten hat Merkel in Beantwortung einer ganz anderen Frage mit den Themen Nachhaltigkeit, Gerechtigkeit und Umwelt potentielle Reizthemen besetzt und Mundt gegenüber vorab schon einmal Pflöcke in den Boden des Kontaktes getrieben.

Getrieben wird auch Mundt: Nach guten vier Minuten will er das Thema gleichgeschlechtlicher Ehe besetzen. Dass dies nicht spürbar gelingt, liegt an seiner Unsicherheit: Statt wirklich zu fragen und innerhalb einer Frage jene Ansätze einer eigenen Haltung zu zeigen, an der sich Merkel reiben könnte, nutzt Mundt in den ersten Minuten hochfrequent Weichmacher wie „ist es nicht im Prinzip..?“, „eigentlich“, usw.

Ein routinierter, eher harmloser Konter Merkels auf Mundts Bemerkung zur Gleichberechtigung beim Thema gleichgeschlechtlicher Ehe ist bereits zu viel für ihn: Noch während ihres Konters stimmt Mundt ohne Not – „Absolut!“- zu, anstatt Merkel zuzuhören und die eigene inhaltliche Position der Ursprungsfrage zu halten. Nach weiteren „Absolut!“ verlässt Mundt das Thema gleichgeschlechtlicher Ehe. Ohne Haltung, ohne auch nur den leisen Ansatz einer möglichen Auseinandersetzung. Schon jetzt wirkt Mundt überflutet, sobald Merkel nur ausatmet. Nach wenigen Minuten sind alle Karten gemischt: Bereits an dieser Stelle ist das Gespräch eine Einbahnstraße, aus der Mundt nicht mehr herausfinden kann. Merkel weiß dies und wird im weiteren Gesprächsverlauf zunehmend entspannter, an einigen Stellen fast gönnerhaft staatsmännisch jovialer.

Tragisch: Die Mutti und der kleine Junge

Nach guten zehn Gesprächsminuten erreicht Mundt das Thema NSA und Snowden.

Ein Thema mit mehrdimensionalem Konfliktpotential: Snowden als Identifikationsfigur für viele, die Mobiltelefone und das WWW als sozialen Raum nutzen. Die NSA als Symbol der Zerbrechlichkeit aller Grundrechte auf Privatsphäre. Mittendrin und einen Meter von Mundt entfernt diese Kanzlerin, die einerseits Griechenland durch Europa schiebt wie Mutti den Müll rausbringt und andererseits nicht einmal ihre eigene Privatsphäre vor der NSA schützen konnte. Ein multiples Sprengstoffthema also.

Man hätte Merkel eine Reihe sehr direkter Fragen stellen können. Alle wären interessant gewesen: Nach der Waage des Bündnisses mit der USA einerseits und dem Abhören von Kanzlerin-Mobiltelefonen andererseits. Wie genau sich das wohl angefühlt haben mochte, Obama erstmalig nach der NSA-Enthüllung in die Augen zu schauen. Oder, ob Merkel denn nie Angst verspürte, mit vertraulichen, privaten Details erpressbar für Weißdergeierwen zu werden. Vieles hätte Mundt fragen können, hätte er nur die Fähigkeit und den Mut gehabt, eine Minute lang bei möglichen Unterschieden, bei der Differenz zu verweilen, sich wirklich zu interessieren für die Zwischenräume und mit ihnen für die Frau vor ihm. Mundt schaffte es nicht. Das mögliche Konflikt-Potential des Themas muss ihn fürchterlich geängstigt haben:

„…Würden Sie jetzt beispielsweise die Taten oder auch die Person Edward Snowden anders betrachten oder in einem anderen Fokus setzen, als zu der Zeit, als es so akut war, als es quasi rauskam?“

Kann man so machen. So wird das nichts, denkt man. Tragisch.

Merkels antwortet mit relativierenden Phrasen, und in der bangen Sorge um einen Konflikt unterbricht Mundt ihre Abwehr-Phrasen mit Zustimmung: „Ja, natürlich!“ . Mehr desselben also: die vorauseilende Auflösung einer Position, die Mundt selbst schon in der Frage nie bezogen hatte.

Natürlich war die Situation für LeFloid unkomfortabel. Klar hat man Angst, der mächtigen Frau zu begegnen. Aber: So begegnen Söhne nach der x-ten Fünf in Mathe der Mutti zuhause, damit sie nicht zuhaut. Schade. Auch und gerade, weil Merkel selbst in ihrer Antwort auf das NSA-Thema spürbar unsicher wird und immer weitere, unpräzisere Kreise zieht.

Spätestens nach elf Minuten ist ganz verstanden, was nach Sekunden schon klar war: Mundt kann keinen Kontakt. Gar nicht. Kontakt allerdings ist die zentrale Voraussetzung für jedes Gespräch. Mundt zahlt Lehrgeld: Es macht einen Unterschied, ob man anonym im unterhaltsamen Selbstgespräch Youtube-Kameras bespielt und sich Kontakt ausschließlich in der eigenen Phantasie abspielt. Oder, ob man richtige Menschen vor der Nase hat und Beziehung mit allen Unterschiedlichkeiten und Unsicherheiten bauen muss. Das Leben ist halt nicht billig. Nicht für Mundt an jenem Freitag. Nur für Angela Merkel.

Schmerzen beim Zusehen

Die Eingangsfrage zum Thema Freihandelsabkommen beantwortet Merkel in gewohnter Manier: routiniert, mit zunehmend weiteren Kreisen, die sich Stück für Stück von der Frage entfernen. Am Ende ihrer Antwort steht Deutschland als Gewinner am Weltmarkt da. Keine LeFloid-Frage nach den wirklich sensiblen Aspekten des TTIP, etwa dem Klagerecht von Unternehmen gegen demokratische beschlossene Regeln einzelner Staaten. Stattdessen die Unterwerfung und Selbst-Demontage eines Fragenden, der seine Rolle nie auszufüllen bereit und fähig war: Am Ende der Kanzlerinnen-Antwort kommentiert Mundt wie ein Merkel-Fanboy, so eine klare Antwort, wie er sie gerade gehört habe, habe er noch nirgendwo lesen können.

Inzwischen schmerzt und quält das Gespräch: Lange schon hat man jede naive Hoffnung auf eine positive Wendung aufgegeben. Mundt als Fragender hat sich ohne Not selbst jeden Raum genommen. Unerträglich zu sehen, wie sich ein schlecht vorbereiteter, völlig überforderter, geduckter Junge gegenüber Angela Merkel kleiner und kleiner macht.

Es war damit zu rechnen, dass Steffen Seibert und seine Kollegen ihre Chefin durch Auswahl ihres Gesprächspartners nicht vor unüberwindbare Hürden stellen würden. Dass Merkel selbst nicht in euphorischer Begeisterung und großer Offenheit konfrontative Fragen begrüßen würde, war Mundt vor dem Gespräch sicher klar: Gerade unter diesen Voraussetzungen jedoch einem Gesprächspartner, der Offenheit eher verhindern möchte, durch Verzicht auf die Klarheit eigener Positionen jede Herausforderung und Orientierung zu entziehen, ist im Sinne eines guten Gespräches unterlassene Hilfeleistung Angela Merkel gegenüber.

Auf die die Frage nach der Legalisierung von Cannabis lässt Merkel Mundt gewohnt cool abfahren. Und, als habe einzuknicken, mangelnde Präzision der Fragen und Anwieseln LeFloid nicht genug beschädigt, stimmt er Merkel zu und kommentiert: “Also, ich bin in der glücklichen Lage, dass es mich nicht betrifft und ich deswegen mit dieser Meinung auch ganz gut leben kann.“

Jeder Youtuber (Mundt: „ Das war eine unglaublich oft gefragte Frage“), der seinem Idol Fragen für die Kanzlerin übermittelt hatte, hätte Anspruch auf ein Mindestmaß an Loyalität ihm als LeFloid-Follower und der von ihm gestellten Frage gegenüber.

Kontakt, Loyalität, das ganze Zeug? Mag sein, alles eitel Tand und Flitterkram in Zeiten, die modern geworden sind. Vielleicht hätte für LeFloid etwas erfunden werden müssen, um auf die wirkliche Angela vor seiner Nase draufklicken zu können. Oder etwas, um drüber zu wischen über die Kanzlerin. Ne App oder so.

Fazit

Kaum eine Brieftaube hätte lausigere Ergebnisse für die Fragen der Youtuber erzielen können:

Wo genau war bei LeFloid die vermutete und erwünschte Energie einer jungen Generation, die eigene Wege fordert, sie erkämpft gegen alles, was tradiert, vorgegeben und eingefahren scheint? Die Energie der Bereitschaft, den Unterschied machen zu wollen? Wo war die Kraft, anders zu sein, wo waren jene Ansätze von Hoffnung und Haltung innerhalb des Gespräches, die emotional auch nur eine Idee von Zukunft in Richtung der Kanzlerin transportierten?

Die Antwort lautet: nirgendwo. Mundt sprach mit der Kanzlerin, als wolle er ihr einen Bausparvertrag verkaufen und ging selbst mit einem Zeitschriften-Abo und drei Bausparverträgen aus dem Gespräch.

Aus Sicht der Kanzlerin mögen die Ziele erreicht worden sein: Sie ist nie auch nur für eine Zehntelsekunde ansatzweise gefordert worden, durfte aus der Tasche plaudern ohne konkret werden zu müssen. In eigenartig schriller Weise waren beide Gesprächspartner verbunden: Auch der Kanzlerin ist es Freitag im Bürgerdialog mit Florian Mundt so ergangen, wie Mundt bei Aufzeichnung seiner Youtube-Videos: Virtueller Kontakt ohne ein Gegenüber.

Angela Merkel wird das Gespräch als Erfolg bezeichnen. Sie selbst hat durch Ihre generelle Bereitschaft für das Format etwas abgeliefert, das von jenen, die mit ganz, ganz wenig zufrieden sind, mit Kontakt und Nähe zur jungen Generation verwechselt werden darf. Allein: Das Gespräch war keines. Leider.

Die Verantwortung dafür trägt primär ein – bei allem Verständnis für die Herausforderung – ein ängstlicher, unsicherer und tragisch überforderter junger Mann. Über Welpenschutz-Impulse und Zuschauer-Beißhemmung hinaus: Man hätte Mundt gewünscht, er hätte mutiger auftreten können. Man hätte es erwarten dürfen. Müssen. Für ihn selbst und für viele junge Menschen, die lange schon in Politikern und ihren Themen keine Identifikationsfiguren mehr sehen.

Man hätte dies auch Angela Merkel als wichtigster Repräsentantin einer Generation von Politikern gewünscht, die parteiübergreifend seit Jahren schleichend den Kontakt zu jungen Menschen abreißen lassen. Politiker, die neue Welten mit alten Mitteln und Routinen beantworten und daran unbemerkt scheitern statt aufzuwachen: Pegida, AFD &Co sind ein Übel. Aber sie sind auch ein Zeichen dafür, dass Menschen in politischen Steuerungsrollen lange schon auf ihrem Wege professioneller Deformation verlernt haben, Bindung zu jenen herzustellen, die außerhalb der Elfenbeintürme leben.

Denn Menschen wollen und brauchen Führungskräfte und Politiker, die sagen, was sie denken und die tun, was sie sagen. So einfach ist das. Nicht für Angela Merkel allerdings.

Und erst recht nicht für Florian Mundt, den sie LeFloid nennen.

 

 

 

Mehr über den Autor: www.leadership-academy.de

 

 

 

 

 

 

 

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Alle Kommentare

  1. Natürlich ist LeFloid damit überfordert gewesen. Jung („jung & naiv“) wäre da vielleicht anders rangegangen, mit mehr Distanz.

    Woher soll LeFloid das auch können? Das Bundeskanzleramt und der Pressesprecher wickelten den ein, nahmen ihn vermeintlich ernst, gaben ihn Wertschätzung mit der Message, dass er einer von den Großen ist, solange er tut, was man unausgesprochen von ihm verlangt – das können sie.

    Als Interviewer ist LeFloid auch noch nicht aufgefallen, er lebt von stakkatohaften Momenten in seinen Clips – das hat Tempo, Feuer, Witz. Bei einem Interview mit Merkel kann er da nichts anwenden. Und wer hat schon den Mut, der großen Staatslenkerin Paroli zu bieten? Das können doch die ARD/ZDF-Mikrofonhalter auch nicht, Raab vielleicht, aber der ist nicht Target gewesen.

    Auch die Interviewistuation selber ist nicht zuträglich. LeFloid hätte den Ort und Rahmen bestimmen können müssen. Das lässt das Bundespresseamt nicht zu. Und: LeFloid bekam Geld dafür, vermutlich, da bin ich sicher. Dann ist doch klar, wer der bestimmende Faktor ist.

  2. moin, moin,

    prima geschriebene Analyse. Genau das ist das Thema von LeFloid gewesen. Unerfahren im Kontakt mit den wirklich Großen, Angst, sich dem Konflikt auszusetzen. Nur rotzig in der einsamen Situation des Alleinunterhalters, aber nicht dann, wenn es gelten würde, sich der harten Auseinandersetzung zu stellen.

    Zugegeben: Das ist hart. Das ist schwer bei Politikern, die auf Medientauglichkeit geeicht sind und wissen, wie sie ausweichen können. Da braucht es Mut, Selbstvertrauen, Standing, Schlagfertigkeit, Wissen.

    Jan-Bernd Meyer

  3. Florian, ich hab mir das jetzt mal angesehen, und ich muss sagen: Ich bin überrascht. Das war doch schon recht gut. Ich meine, auch die Kanzlerin war ja zu Beginn ein wenig aufgeregt und hatte ein paar Wortfindungsschwierigkeiten.

    Lies Dir aber auch mal durch, was der Herr Lesko schreibt. Sicher, sicher, das ist so ein superschlauer Medienfuzzi, der gern dicke Kinder prügelt. Absolut! Doch Du kannst ne Menge cooles Zeug von ihm lernen. Absolut! Dann könnte das mit Dir klappen. Ich wünsche es Dir jedenfalls.

    Ach, und noch was. Dein kleiner epileptischer Anfall während der anfänglichen 17 Sekunden kommt voll lustig rüber und unterstreicht schon mal die anschließende Ernsthaftigkeit Deiner Anliegen; genau so kenne ich Dich ja noch aus meinem SoWi-Unterricht. Und versprich mir bitte: Guck besser mal bei nem Neurologen vorbei. Ist meist nichts Ernstes.

  4. Es ist eben etwas anderes, auf Facebook herumzumosern als Auge in Auge wohl-abgewogene Antworten zu bekommen, die so leicht nicht zu entkräften sind. Deshalb ist LeFloid auch nicht Kanzler!

  5. Lieber Herr Lesko,
    gerade erst habe ich Ihren mehr als 12.500 Zeichen langen Text über ein über das Mundt-Merkel-Interview gelesen – und bin erschrocken über all die Polemik. Dann habe ich mal gegoogelt, wer Sie sind. Wenn es stimmt, was ich gelesen habe, sind Sie ein ausgebildeter Trainer und Coach. Da bin ich nochmals erschrocken, weil ich noch nie einen Trainer oder Coach sich so ausdrücken „hören“ habe. Aus Respekt Ihnen gegenüber unterlasse ich weitere Ausführungen zu dazu. Nur einen wichtigen Hinweis noch: Sie wissen ja, dass Sie nur ent-täuscht werden können, wenn Sie falsche Erwartungen hatten. Waren Ihre Erwartungen vielleicht zu hoch, naiv oder gar einzig für Ihren meedia-Beitrag konstruiert? Ich zitiere Ihre Erwartungen an dieses Interview (ich vermute, mit dem folgenden „man“ meinen Sie sich): „Was für eine Chance auf ein spannendes, kontroverses Gespräch, eine Begegnung unterschiedlicher Haltungen zu ernsten Themen. Raum für einen kulturellen Clash vielleicht. Für Annäherung. Raum für zarte Ansätze jenes Kontaktes, der generationsübergreifend durch Unterschiede und ihre Konflikte entstehen könnte. Raum für Lebendigkeit, für eine andere Qualität von Fragen und Antworten, als jene gewohnt-seelenloser Statements von Politik-Robotern oder redundanter Kommentare in endlos lahmen Polit-Talk-Shows. Was für eine Chance!“ Verstehen Sie mich nicht falsch, das ist ja wirklich schön geschrieben. Aber Sie haben das von einem Interview mit Frau Merkel (!) erwartet – nicht mit Franz-Josef Strauß oder so. Wie viele Prozent der Interviews, die sie gibt, sind nur annähernd spannend oder gar ergiebig? Und wie viele Journalisten machen es besser (am Gesprächsergebnis gemessen, denn das ist entscheidend). Herr Lesko, etwas sachlich kämen Sie besser rüber. Zumindest bei mir.
    Beste Grüße, Mario Müller-Dofel, Leiter des Portals „Gesprächsführung“ der Akademie der Zeitungsverlage

    1. Sehr geeherter Herr Müller-Dofel,
      vielen Dank für die Mühe, die Sie sich innerhalb Ihres Kommentares gemacht haben.
      Sie sind scheinbar ein schreckhafter Mensch. Wer und was auf welchem Niveau Coach ist, und wem Sie begegnet sein mögen, möchte ich nicht kommentieren. Wenn Sie daran fachliches Interesse haben sollten, rufen Sie mich an.
      Und, wenn Ihnen der Sinn nach einem Austausch über die Qualität von Gesprächsführung und das unterhalb der Oberfläche von Themenfeldern oder Worten erfolgskritische Bündel unterschiedlichster Kontakt- und Konfliktkompetenzen stehen sollte, versuchen Sie es auch mit einem Anruf.
      Ich widerspreche Ihnen – hier – in zwei Punkten: Für die Qualität der Nutzung einer Option / Chance ist der Vergleich mit dem Niveau anderer Interviews irrelevant. Hier gab es eine Chance, und sie ist aus einem Bündel unterschiedlicher Phänomene vertan worden. Daran ändert der Verweis auf andere Gespräche nichts, und das hier kommentierte wird bezogen auf LeFloid dadurch nicht besser.
      Der zweite Punkt meines Widerspruchs bezieht sich auf Ihr abenteuerliches „Erwartungs“-Konstrukt und auch auf die aus meiner Sicht gesprächs- und kontakttechnisch sehr eindimensionale Bemerkung „Gesprächsergebnisse“ seien entscheidend. Mindestens ebenso entscheidend, lieber Herr Müller-Dofel, sind Klarheit in der Gestaltung der eigenen Rolle, Arbeit an und Gestaltung von einer sinnvollen Atmosphäre und eine ganzer Reihe anderer Aspekte, die lange vor (!!) „Ergebnissen“ innerhalb der Beziehungsdynamik für jedes Interview und Gespräch zentral erfolgskritisch sind. Zum Bespiel Kontaktfähigkeit, auch und gerade in schwierigen Situationen.
      Bei Interesse könnten Sie in meiner Meedia-Interview-Reihe (auch unter „Veröffentlichungen auf unserer Website, rechte Spalte) in dem einen oder anderen Gespräch meine Vorstellung von Gesprächen nachlesen. Sie lernten darüber hinaus meine Gesprächpartner und ihre Entwicklung sehr intensiv kennen.
      Dass ich „bei Ihnen“ nicht so gut „rüberkomme“ trage ich. Möglicherweise sind Ihnen „Ergebnisse“ wie Phänomene des „Rüberkommens“ wichtiger als mir.
      Freundliche Grüße, Christopher Lesko

      1. Hallo Herr Lesko,
        vielen Dank für Ihre Antwort. War ja fast so lang wie Ihr Text ;-). Okay, ich oute mich: Meiner Ansicht nach hat der YouTuber gemessen an seiner Unerfahrenheit, an seiner Jugend, an den TV-Format-Zwängen, an seiner Zielgruppe und an der Raffinesse unserer Frau Bundeskanzlerin einen richtig guten Job gemacht. Wenn ich Sie richtig verstehe (da bin ich mir leider nicht sicher), haben Sie von dem jungen Mann ein bisschen zu viel erwartet. Da fehlt mir der Sinn für die Situation, die Realität und (Mundts) Zielgruppe. Also ich halt’s weiter mit Gabor Steingart: „Die teils ätzende Kritik der klassischen Medien an dem Erstling war absehbar. … Keiner seiner Kritiker hat in so jungen Jahren einem Bundeskanzler auch nur die Hand geschüttelt.“ Ihr nächstes Interview lese ich gern. Bis später, Mario Müller-Dofel, Leiter des Portals „Gesprächsführung“ der Akademie der Zeitungsverlage

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