Die Top-Sieben-Ärgernisse wegen mieser Digital-Werbung

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Marketing Der Online-Vermarkterkreis (OVK) im Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW) schlägt Alarm: Die Nutzungsrate von Adblocker-Software liegt mittlerweile bei über 20 Prozent. Der Verband konstatiert einen “erheblichen Schaden für die digitale Wirtschaft” und sieht sogar “das freie Internet in Gefahr”. Dabei ist der Einsatz von Adblockern oft nur eine Form von Notwehr der Nutzer. MEEDIA zeigt die sieben größten Ärgernisse bei der Online-Werbung.

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1. Nicht wegklickbare Preroll Ads

Video ist einer der Mega-Trends im Digitalen. Entsprechend gibt es einen großen Bedarf an Videowerbung. Aber leider, leider ist Video-Werbung in den allermeisten Fällen überhaupt nicht smart, sondern oftmals dumm und nervig. Auf Medien-Websites ist es der Normalfall, dass vor jedes Video ein Werbespot geschaltet wird. Schaut man sich mehrere Videos an, stehen die Chancen gut, dass man jedesmal denselben Werbespot vorgesetzt bekommt. Wenn man zum zehnten mal einen Hochglanz-Audi-Spot anschauen muss, ohne ihn wegklicken zu können, sorgt auch bei dem Automobil freundlich zugewandten Zeitgenossen für Grummeln. Die Software ist offenbar nicht schlau genug um zu erkennen, dass ein Nutzer exakt diesen Spot gerade schon einmal gesehen hat. Endgültig pervers wird es, wenn man gezwungen wird, vor winzigen Videoschnippseln Werbung anzuschauen, die viel länger dauert als das eigentliche Video. Oder wenn man vor dem Anschauen eines witzigen Werbespots erst einen unwitzigen Werbespot anschauen muss.

Wie es besser gehen würde:

Smarte Software einsetzen, die erkennt, welche Werbung der Nutzer bereits gesehen hat. Preroll-Ads nach dem Vorbild von YouTube wegklickbar machen. Die daraus gewonnen Daten könnten Aufschluss darüber geben, welche Werbung ankommt und welche nur nervt.

2. Automatisch startender Ton

Ultranervig wird es, wenn man eine Website besucht und ohne Vorwarnung geht eine kreischende Musik los oder eine laute Stimme preist ein x-beliebiges Produkt an. Es dauert nervenzerfetzende Sekunden, bis man die Quelle der plötzlichen Geräuschbelästigung gefunden und abgestellt hat. Manchmal geht das auch gar nicht und man muss den Ton am PC leise stellen. Das ungefragte Zudröhnen der Nutzer grenzt an Körperverletzung. Wer das ein-, zweimal erlebt hat, versteht jeden Adblocker-Nutzer.

Wie es besser gehen würde:

Auf automatisch startenden Ton komplett (!) verzichten.

3. Penetrante Layer und hässliche Wallpapers

Man fährt mit dem Mauszeiger unachtsam über eine Werbung und die Anzeige breitet sich ungefragt über große Teile des Bildschirms aus. Jeder kennt das Problem. Manchmal breitet sich die Werbung auch ganz von alleine über dem Bildschirm aus. Die Einführung der so genannten Wallpaper-Ads war zudem ein Anschlag auf das Ästhetik-Empfinden jedes sehenden Menschen. Die Anzeigen, die eine Website von oben und rechts “einrahmen”, sehen per se meist nicht besonders gelungen aus. Manchmal schiebt sich der obere Teil des “Wallpaper” zwischen den Kopf der Seite und die Inhalte, was eine Internetsite optisch komplett zerhackt. Eine Zeitschrift würde eine solche optische Vergewaltigung durch ein Werbemittel niemals zulassen. Zurecht!

Wie es besser gehen würde:

Auf Wallpaper und Layer verzichten und wenn es sein muss, wenigstens so programmieren, dass sie das Layout einer Internet-Seite nicht zerstören.

4. Hilfe, meine Produktsuche verfolgt mich!

Das angeblich so schlaue Re-Targeting ist in Wahrheit ziemlich doof. Kaum sucht man nach einem x-beliebigen Produkt, wird man im Web fortan von diesem und ähnlichen Produkten in Werbeanzeigen regelrecht verfolgt. Suchen Sie nach einem Wanderschuh: Plötzlich überall Wanderschuhe! Suchen Sie nach einem Küchengerät: überall Küchengeräte! Die Werbung “merkt” natürlich nicht, dass Sie längst einen Kauf getätigt haben. Sogar die Ober-Datenschlaumeier von Amazon verfolgen einen weiter mit Verkaufsanzeigen für genau das Produkt, das man bei Amazon gekauft hat. Wie war das nochmal mit Digital-Werbung, die auf die Bedürfnisse der Verbraucher zugeschnitten sein soll?

Wie es besser gehen würde:

Verzicht auf Re-Targeting! Oder: Mit Einverständnis der Nutzer ein solches Tracking ermöglichen, das erkennt, wann welche Kaufvorgänge getätigt wurden.

5. Pop-up U-Boote

Beim Aufrufen einer Seite werden Pop-ups gestartet, die man aber gar nicht richtig zu Gesicht bekommt, weil sie sich sofort auf Tauchstation begeben und in den Hintergrund legen. Was soll das? Damit man die Werbung nicht sofort wegklickt, wird sie auf dem Bildschirm erst einmal versteckt? Und wer schaltet überhaupt noch Pop-ups? Die meisten Browser unterdrücken dieses XXL-Nerv-Werbemittel mittlerweile standardmäßig. Neuster Pop-up-Trend des Grauens: Pop-ups, die in der Mitte einer Seite stehen bleiben und erst nach einer Weile von alleine verschwinden.

Wie es besser gehen würde:

Pop-ups ersatzlos streichen! Punkt!

6. Das Kreuz mit dem Kreuz

Will man penetrante Layer oder fiese Pop-ups weghaben, dann beginnt das beliebte Kreuzchen-Suchspiel: Wo ist bloß das “X” versteckt auf das man klicken muss, damit die Werbung wieder verschwindet? Manchmal taucht es erst nach einigen Sekunden auf, manchmal erscheint das X an ganz anderer Stelle versteckt auf dem Bildschirm. Es ist ein Kreuz mit dem Kreuz! Die Verantwortlichen für diesen Unfug werden irgendwann hoffentlich in der Online-Werbe-Hölle schmoren.

Wie es besser gehen würde:

Das X klar und deutlich da platzieren, wo es gelernt ist. Also oben recht oder links am Rand der Anzeige.

7. Der traurige Klassiker: die Camouflage-Anzeige

Es ist ein offenbar unausrottbares Ärgernis: Werbe-Anzeige, die sich als redaktionelle Inhalte tarnen, in Mikroschrift mit dem Wort “Anzeige” oder “Sponsoring” versehen. Diese Anzeigen lauern gerne in Ansammlungen wie “Das könnte Sie auch noch interessieren” zwischen Verweisen auf tatsächliche redaktionelle Inhalte. Die Camouflage-Anzeige ist der kleine Bruder der Schleichwerbung. Wer einmal aus Versehen draufklickt, ärgert sich schwarz und es dürfte nicht verwundern, sollte der Ärger auf das Medium und den Anzeigenkunden abstrahlen.

Wie es besser gehen würde:

Finger weg! Nutzer-Täuschung zahlt sich weder für das Medium noch für den Anzeigenkunden aus.

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Alle Kommentare

  1. Guter Beitrag, nur beim letzten Punkt musste ich grinsen. Denn war es nicht eben diese Camouflage-Anzeige, auf die ich hier in ihrem Artikel reingefallen bin? Direkt unter der Einleitung. Getarnt als Anfang des eigentlichen Inhalts, bis man merkt, dass es nichts mit dem Artikel zu tun hat.

  2. Gratuliere – hervorragende Zusammenfassung! Und ein sensationeller Kommentar von @Naddy… 🙂

    Diese Werbe-„Trends“ liefern den Grundstoff dafür, dass auch nicht-nervtötende Werbung unterdrückt wird. Würden alle 7 Punkte flächendeckend umgesetzt werden – die Chance dafür sehe ich bei ca. 0,001% – würde es allerdings noch immer Monate bis Jahre dauern, bis sich die Zahl der Adblocker-Installationen reduziert, denn: wer erst einmal einen installiert hat, wird ihn nicht deinstallieren nur um zu sehen, ob die Werbung zwischenzeitlich weniger nervig geworden ist.

    Es täte dem OVK sehr gut sich nicht nur mit den Auswirkungen, sondern, vor Allem, mit den Ursachen für die von ihm gesehenen „erheblichen Schaden für die digitale Wirtschaft“ auseinander zu setzen.

    Auf jede Aktion erfolgt eine Reaktion – die Reaktion zu beklagen, aber an der Aktion nichts zu ändern, wird nichts ändern.

  3. alle jahre wieder die gleichen „klagen“ über werbeblocker, die gleichen artikel, die die notwendigekeit der blocker begründen … und nie eine änderung.

    solange irgendwer für diese strunzdummen werbeformen bezahlt, werden die nicht aussterben, da helfen auch alle „so wäre es besser“-artikel nix.

  4. … da war ich doch letztens in einem Gespräch mit einem Freund vertieft, hebt er plötzlich eine Papptafel zwischen uns beide hoch, sodass ich ihn nicht mehr sehe.

    Auf der Tafel steht irgendeine Werbung von einem verunstalteten Sportwagen mit Stern, Ringen oder was weiß ich, vielleicht war es auch eine Bank, die mit hohen Prämien lockt, egal.

    Stolz erzählt er mir von jenseits des Pappschildes, dass er für jedes Mal, bei dem er die Tafel hochhält, einen Euro bekommt – toll, ne?

    Übrigens, die Werbe“fachleute“ von MEEDIA können sich beglückwünschen, denn auch sie verwenden diesen unausrottbaren Übergriff wie im Artikel oben beschrieben wurde.

    Hallo Stefan Winterbauer,

    den Nagel auf dem Kopf getroffen, leider nur 7 Nägel erwischt. Denn Ärgernisse gibt es weit aus mehr. Das Ärgernis Nr. 8 wäre z. B. flimmerne Werbung, die ältere Rechner gnadenlos ausbremst und somit nicht nur die Ressourcen eines Rechners missbraucht, sondern auch die Aufnahmefähigkeit der ohnehin überanstrengten Augen.

    Anscheinend wird Respektlosigkeit zur Umgangsform des Miteinanders in Zukunft durch eine Sorte von Werbefuzzis vorweggenommen, bzw. gefördert, die jeden Bezug zum achtsamen Umgang miteinander verloren haben und auch noch fürstlich bezahlt werden.

    Dabei geht es auch anders, siehe Sie mit Ihres Vorschlägen oben erwähnten.

    Sei anzumerken, dass statt respektlosem Überschreibens einer besuchten Webseite es meiner Meinung nach wirkungsvoller wäre, wenn ein oder mehrere Felder auf der Webseite frei blieben, auf denen dann verzögert die Einladung zum Newsletter oder irgendwelcher Angebote erscheinen könnte.

  5. Ich möchte noch weiter gehen. Werbemanöver haben auf dem Smartphone nichts zu suchen. Es ist schon stressig genug, auf dem kleinen Bildschirm zu navigieren, erst recht, wenn die Verbindung nicht 100 % arbeitet.

  6. Die souveränen Staaten müssen den Internetzugang in ihre Staatssphäre stellen, so dass der jeweilige Statt entscheiden kann, was er zulässt oder was er ablehnt.
    Abzulehnen wären die derzeitigen nicht abschaltbaren Werbungen, die eine Attacke auf die Freiheit eines jeden Menschen sind.
    Ausserdem muss der Staat bestimmen, was insofern und darüber hinaus strafbar ist und entsprechende Bestimmungen ins Strafgesetzbuch (Bundesrepublik Deutschland) nehmen bis hin zu Freiheitsstrafen.

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