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Bauers neue Dualität: Bekenntnis zu Print und Kampfansage im Digitalen

Optimistischer Blick in die Zukunft: Bauer Media Group-Geschäftsleiter Jörg Hausendorf (li.) und Andreas Schoo
Optimistischer Blick in die Zukunft: Bauer Media Group-Geschäftsleiter Jörg Hausendorf (li.) und Andreas Schoo

Der Umsatz ist gegenüber dem Vorjahr leicht gesunken, die Gewinn und Rendite werden wie stets im Familienunternehmen nicht ausgewiesen: Nach den wesentlichen Eckdaten hat die Bauer Media Group 2014 ein lediglich stabiles Ergebnis erzielt. Doch die Geschäftsleitung blickt mehr als optimistisch nach vorn. Gründe dafür: die gegenüber dem Wettbewerb deutlich bessere Marktperformance im Printbereich sowie ein florierendes Auslands- und profitables Digitalgeschäft.

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Auch bei Bauer, dem Traditionalisten der deutschen Zeitschriftenverlage, ist die Zeit nicht stehen geblieben. Doch die verantwortlichen Manager legen Wert darauf, geerdeter zu agieren als so manche Kollegen in anderen Medienhäusern. Das Digitale, so das Credo von Andreas Schoo und Jörg Hausendorf, sei eine große Herausforderung und biete zudem gewaltige Chancen für neue Wachstumsfelder. Nur solle man bitteschön doch nicht vergessen, wie der Verlag die Masse seiner Umsätze macht und weiter machen werde: im Geschäft mit Gedrucktem, wo Bauer 2014 trotz insgesamt rezessiver Verkaufszahlen mehr als drei Viertel seines Jahresumsatzes von 2,263 Milliarden Euro erzielte. Bei Andreas Schoo klingt das so: „Sie sehen hier zwei, die wirklich positiv in die Zukunft schauen“, sagte der Geschäftsleiter beim Round Table-Gespräch mit Medienjournalisten am Montagmorgen, „und das liegt gerade auch daran, dass wir Print machen.“ Jörg Hausendorf ergänzt: „Die Perspektiven sind weiter hervorragend. Aus unserer Sicht wird Print unterschätzt.“ Und nach der Devise „Flat is the new up“ erwartet Hausendorf für 2015 „insgesamt stabile“ Printumsätze – nicht jedes Verlagshaus kann das seriös behaupten.

Seit einigen Jahren ist Bauer bemüht, gegenüber Wettbewerbern den Rückstand in der Digitalentwicklung wett zu machen, allerdings nicht auf Kosten der Fokussierung auf Print. Im achten Stock des Hamburger Verlagssitzes wird diese Dualität deutlich. Logo und altdeutscher Schwarzweißschriftzug der vor 140 Jahren gegründeten Buchdruckerei Bauer sind dort ebenso vertreten wie der in Regenbogenfarben getauchte aktuelle Claim des Familienunternehmens: „We think popular.“ Der Konferenzraum im denkmalgeschützten Kontorhaus heißt Sydney, ein Hinweis auf den globalen Anspruch des Verlags, der inzwischen bereits 65 Prozent seiner Umsätze im Ausland erzielt. Die USA, England, Ozeanien, Polen und nun auch Skandinavien sind die wichtigsten Bastionen, wobei Akquisitionen je nach Markt über alle Mediengattungen erfolgen. Das Konzept der vielen Standbeine stammt noch von Heinz Bauer, der sein Haus gern als „Tausendfüßler“ charakterisierte und es so besonders krisenfest machen wollte. Bauer hat inzwischen Platz gemacht für Tochter Yvonne, die das Wachstum trotz des im Markt nicht zu leugnenden generellen Print-Handicaps weiter vorantreiben will.

Die Formel, auf die man bei Bauer setzt, ist einfach: besser und erfolgreicher zu sein als der Markt. Im Jahr 2014 wurde dieser Anspruch eingelöst. Im Indexvergleich kann Bauer gegenüber dem kollektiven Wettbewerb punkten und damit Marktanteile hinzugewinnen. Jeder zweite Deutsche, sagt Geschäftsleiter Jörg Hausendorf, lese eine Zeitschrift aus dem Bauer-Portfolio, das Haus sei längst der größte Zeitschriftenverlag Europas mit ungebremsten Hang zu Expansion und Innovation. Seit 2011 habe man allein in Deutschland 20 neue Printobjekte gestartet. Auch People, im März in Lizenz der gleichnamigen US-Zeitschrift mit 300.000 Exemplaren im Vertrieb gestartete Gesellschaftsmagazin liege „auf ganzer Linie im Plan“, so Hausendorf, bei der Resonanz der Werbekunden sogar darüber. Zahlen will Bauer aber erst nach sechs Monaten mit Eintritt in die IVW bekannt geben. Die Geschäftsleitung widersprach damit Berichten über einen eher rumpeligen Start des Magazins und in der Anfangsphase schwache Grosso-Verkäufe. Hausendorf und Schoo räumen allerdings ein, dass das Konzept von People immer wieder feinjustiert würde.

Auch im Digitalgeschäft zeigt man sich angriffslustig. Zwar sind auch bei Bauer Klagen über „völlig überhitzte“ Bewertungen für Startups und einem „verückten Marktumfeld“ zu hören, aber die Party, so meint Andreas Schoo, sei noch lange nicht vorüber: „Die digitale Revolution steht noch am Anfang, da werden sich in den nächsten Jahren viele Möglichkeiten ergeben.“ Besondere Hoffnungen setzt man auf das Digitalradio, wo Bauer in England bereits extrem erfolgreich ist. Aber auch hinsichtlich der Reichweite sieht Schoo sein Haus gut aufgestellt. Schließlich erreiche man 140 Millionen Unique User weltweit und liege damit vor etlichen Wettbewerbern. Dass der Umsatzanteil des Digitalen am Gesamtgeschäft immer noch unter fünf Prozent rangiert, ficht Schoo nicht an. Mit fast 100 Millionen Euro 2014 brauche man sich nicht zu verstecken, und: „Unser Digitalsegment ist nachhaltig profitabel.“ Interessant ist dabei der Weg, den die Bauer Media Group eingeschlagen hat: Sie setzt anders als andere Verlage auf eine Trennung von Online und Print und hat zuletzt die Digitalaktivitäten in der Bauer Xcel Media als eigenständiger Gesellschaft ausgegründet. Im Beuteschema der M&A-Spezialisten stehen Geschäftsmodelle, die sich international ausrollen lassen. So ist für Bauer eine Huffingtonpost oder die Viralschleuder Buzzfeed deutlich attraktiver als ein auf den deutschen Markt begrenztes Medien-Startup.

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Die gerade von den Kartellbehörden durchgewunkene Übernahme des Sender-Konglomerats SBS Radio mit 20 Stationen in vier skandinavischen Ländern macht das Bauer-Management zusätzlich optimistisch. „Wir streben weitere Akquisitionen an“, sagt Andreas Schoo und verrät, dass aktuell „fünf oder sechs“ Übernahme-Kandidaten intensiv geprüft würden. Und dabei kann der Verlag auf eigene Mittel zurückgreifen und muss sich nicht mit externen Investoren abstimmen, denn Schulden machen, so Schoo, komme „nicht infrage“. Angesprochen auf das Image des Unternehmens und die Stimmung im Haus sagt Geschäftsleiter Hausendorf: „Andere Verlage verwalten den Niedergang und müssen entlassen. Wir wachsen.“ 50 bis 60 Mitarbeiter seien in den letzten Jahren aus anderen Medienhäusern zu Bauer gestoßen. Einen möglichen Beweggrund nennt Hausendorfs Kollege Andreas Schoo: „Wir garantieren unseren Mitarbeitern einen dauerhaft sicheren Arbeitsplatz. Wer kann das heute schon von sich sagen?“

 

 

 

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