„Technischer Fehler“: Welt Online erklärt Helmut Kohl fälschlicherweise für tot

Altkanzler Helmut Kohl: Nachrichten von seinem Tod sind stark übertrieben
Altkanzler Helmut Kohl: Nachrichten von seinem Tod sind stark übertrieben

Publishing Peinliche Panne: Welt Online veröffentlichte in der Nacht kurzzeitig die Falschmeldung vom Tod des Altkanzlers Helmut Kohl. Über die Nachrichtenagentur dts wurde die Meldung blitzschnell auch über andere Onlinemedien verbreitet. Welt Online bezeichnete die Falschmeldung auf Twitter als "technischen Fehler" und entschuldigte sich.

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(Update mit Agentur-Sellungnahme unter dem Artikel)

Die Blitz-Meldung von Welt Online hatte Breaking News-Charakter: „Kanzler der Einheit: Helmut Kohl ist tot“. In der Nacht zum Freitag sei er gestorben, so der Anfang der Eilmeldung. Aber: Helmut Kohl lebt, offenbar wurde eine vorbereitete Meldung zum Tod des Altkanzlers versehentlich veröffentlicht.

Der Fauxpas legt einmal mehr eine grundlegende Problematik bei Internet-News offen: Über die Nachrichtenagentur dts aus Halle/Saale wurde die falsche Meldung vom Tod Helmut Kohls in Windeseile verbreitet und offenbar automatisch bei diversen Online-Seiten ungeprüft veröffentlicht, wie ein Screenshot dokumentiert, den der Journalist Richard Gutjahr in der Nacht twitterte.

So sah die Meldung auf der Welt-Homepage aus:

So reagierte die Welt bei Twitter:

Die Agentur dts rühmt sich auf ihrer Internetseite damit „Nachrichten-Content für Internetseiten ohne Zeitverzögerung“ zur Verfügung zu stellen. Offenbar auch ohne Prüfung. Bei einer so existenziellen Nachricht wie der Tod einer prominenten Person, sollte vor Verbreitung auf jeden Fall eine Prüfung stattfinden. Nur: In den Nachtstunden arbeiten nur noch die wenigsten Redaktionen, Content wird trotzdem weiter automatisch veröffentlicht.

Nachdem Welt Online die Falschmeldung offline gestellt hatte, war sie über Google allerdings noch eine Zeit lang auffindbar:

Bei Welt Online war man wegen der Sache offenbar schon leicht genervt:

Glück im Unglück, dass die Falschmeldung mitten in der Nacht versehentlich veröffentlicht wurde und bis zum Morgen wieder eingefangen werden konnte.

Und wenn es um Helmut Kohl geht, darf einer natürlich nicht fehlen:

Update: Die Agentur dts, die die Welt Online-Falschmeldung vom Tod Helmut Kohls in der Nacht verbreitete, betont in einer Stellungnahme, dass ihre nächtliche Blitzmeldung nur aus folgendem Satz bestand: „Welt-Online berichtet über Tod von Helmut Kohl – keine Bestätigung“ und dieser Satz korrekt gewesen sei. Außerdem, so die Agentur weiter, sei aus mehren Gründen nicht zu vermuten gewesen, dass es sich um eine versehentliche Falschveröffentlichung handelt. Zitat aus der Stellungnahme der Agentur:

1. Zunächst sind Medien des Axel-Springer-Verlags bezogen auf das Privatleben des Altkanzlerns durchaus als Primärquelle anzusehen. Es ist bekannt, dass Kohl eine besondere Nähe beispielsweise zum Chefredakteur der „Bild“-Zeitung hat. Kohl ist Diekmanns Trauzeuge, Diekmann ist Trauzeuge Kohls. Wenn der Altkanzler irgendwann das Zeitliche segnet, die Medien aus dem Axel-Springer-Verlag werden es als erste melden.

2. Es ist in der Branche zwar weithin bekannt, dass viele Redaktionen schon lange einen fertigen Nachruf auf den Altkanzler – wie auch auf andere prominente Persönlichkeiten – in der digitalen Schublade liegen haben. Wäre ein solcher Nachruf online gestellt worden, man hätte durchaus vermuten können, dass hier „ein falscher Knopf“ gedrückt wurde. Doch bei der von „Welt-Online“ verbreiteten Meldung handelte es sich nicht um einen fertig vorbereiteten Nachruf. Stattdessen wurde eine Kurzmeldung verbreitet, in der explizit davon die Rede war, dass der Altkanzler „in der Nacht auf Freitag“ verstorben sei.

Dass solche Kurzmeldungen ebenfalls vorbereitet werden, ist keineswegs üblich und es ist auch nicht notwendig. Es müsste dann ja eine Version „in der Nacht auf Freitag“, „am frühen Samstagmorgen“, „am Samstagvormittag“, usw. geben.

Es würde länger dauern, die „richtige“ Version zu suchen, als diese zwei Sätze einzutippen. Dass also, wie der stellvertretende „Welt“-Chefredakteur Oliver Michalsky schreibt, hier ein„nicht zur Publikation vorgesehenen Artikel“ versehentlich publiziert wurde, anstatt ihn zu speichern, erscheint für uns unwahrscheinlich. Und es war in dem Moment der Veröffentlichung von „Welt-Online“ daher für uns auch nicht zu vermuten.

Außerdem habe man versucht, sowohl das Büro von Helmut Kohl als auch die Redaktion der Welt zu erreichen, so dts, es sei aber niemand ans Telefon gegangen.

(swi)

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Alle Kommentare

  1. … und anscheinend werden die Nachrichten hier auch nicht gegengelesen. „Nach“(t) und „wenigsten Redaktion“(en)

  2. Schlimmer wäre ein solcher Fehler am Tag gewesen. Bis zum Widerruf nach zehn Minuten hätte Focus Online längst vier SEO-Nachdreher veröffentlicht 😉

  3. Technischer Fehler? Welche „Technik“ hat denn diese Meldung formuliert, konkret mit Todestag und so?

  4. Nun gut, soetwas kann ja durchaus einmal passieren, wir sind alle nur Menschen, aber die Frage die sich mir nur stellt: wieso bereitet man einen „Artikel“ bzw. eine Kurzmeldung über den Tod einer Person -> mit Sterbetag und Altersangabe <- vor, die noch lebt ? Die Hintergründe hierzu würden mich wirklich interesieren ?!

    1. Ganz einfach: Es gibt fertige Todesanzeigen für quasi jeden von öffentlichem Interesse.
      Sachen wie der Zeitpunkt der Veröffentlichung sowie das Alter der Person werden bei der Veröffentlichung automatisch ausgerechnet und eingefügt.

      Wenn jetzt jemand aus Versehen den veröffentlichen Knopf drückt, werden die Daten eingefügt und der Artikel „aktiv“ geschaltet.

  5. OK, Fehler passieren.
    Aber bei so einem Knaller hätte ein wenig Abbitte dazugehört.
    Also um Verzeihung bitten, höflich.
    Ich finde den Ton in den beiden Tweets hier ziemlich frech. Das geht gar nicht. Tschüss Qualitätszeitung!

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