Störfaktor Leser, Störfaktor Volk: Medien und Politik im selbstgewählten Teufelskreis

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Die Ereignisse rund um die Griechenlandkrise lassen Wahlvolk und Publikum weitgehend ratlos zurück. Die Vertrauenskrise der Politik, die wir hier erleben, weist frappierende Ähnlichkeit mit der Vertrauenskrise der Medien auf. Politische und mediale Klasse haben sich in einen Teufelskreis hineinmanövriert.

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Dem staunenden Beobachter erschließen sich die Feinheiten der Griechenland-Krise schon lange nicht mehr. Griechenland soll noch mehr sparen, damit Hilfszahlungen bewilligt werden können. Mit dem Geld sollen dann aber erst einmal alte Kredite zurückgezahlt werden (IWF! EZB!) und der Rest der neuen “Hilfszahlungen” geht dann womöglich als Eigenkapital für ein versprochenes Investitionsprogramm drauf, das bis 2020 laufen soll. Am Ende wären wieder ein paar Milliarden hin und her geschoben worden, die Griechen hätten mehr Schulden auf dem Konto, aber die Lage wäre weitgehend die gleiche wie vorher. Zeit für den nächsten Krisengipfel und das nächste “Hilfspaket”. Es ist ein Teufelskreis.

Versteht diese Logik des Geldes noch jemand außerhalb des europäischen Apparates? Was ist mit den Journalisten, deren Job es wäre, Zusammenhänge zu erklären und kritisch zu begleiten? Nehmen wir einen Mann wie Rolf Dieter Krause von der ARD. Er saß von 1990 bis 1995 in Brüssel. Seit 2001 sitzt er wieder dort, als Leiter des ARD-Studios. Der Mann mit Schnäuz und Halstuch ist wegen der Dauer-Krise in Griechenland derzeit in der ARD im Dauereinsatz. Wenn Krause in einer Talkshow auftritt, hat man als Zuschauer das Gefühl, dass da der Pressesprecher der EU-Technokratie zugeschaltet wurde. Die griechische Regierungspartei Syriza solle man “zum Teufel jagen”, schimpfte Krause neulich bei “Hart aber fair”. Ein Journalist als politischer Hardliner, vollumfänglich auf Regierungslinie.

Nach vielen, vielen Jahren in Brüssel ist es vielleicht sogar verständlich, dass man das, was da beschlossen und beredet, wird für normal und zwingend logisch hält. Eigentlich sollte es das aber nicht sein.

Die Zeit analysierte neulich in einer großen Titelstory den Vertrauensverlust der Medien in der Bevölkerung. Laut einer Umfrage hat die Mehrheit der Bevölkerung in wichtigen Themen unserer Zeit kein Vertrauen mehr in die Berichterstattung der Medien. Folgt man der Zeit, sind daran weniger die Krauses dieser Welt schuld, sondern das Publikum und Satire-Shows im Fernsehen.

Im Interview mit MEEDIA sagte der Schweizer Journalist Ronnie Grob diese Woche:

Das aktuell große Metathema ist der Vertrauensverlust der Medien. Dieses Problem wird immer noch unterschätzt, dabei ist es sonnenklar: Journalisten, deren Arbeit kein Vertrauen mehr erweckt, sind obsolet. Nehmen wir die Titelgeschichte der “Zeit” kürzlich zur “Lügenpresse”: Ich hatte nach der Lektüre den Eindruck, das größte Problem der Journalisten seien Leser, die sich nicht angemessen verhalten. Und nicht etwa Journalisten, denen die Leser nicht mehr vertrauen.

In der genannten Zeit-Geschichte wurde die Leserschaft, die sich vor allem über die Sozialen Medien des Internets Gehör verschafft, als “fünfte Gewalt” bezeichnet. Diese “fünfte Gewalt”, so die Zeit, sei aber leider unzuverlässig. Sie liefere “auch keine verlässliche Einordnung des Weltgeschehens”. Genau da haben wir das Problem: Das tut die “vierte Gewalt” auch nicht mehr! Bei der Aufgabe, komplizierte, wichtige Dinge zu erklären, scheitern die Medien in Serie. Die Liste an Fehlern und Desinformationen bei der Berichterstattung zur Ukraine- und Griechenland-Krise sind endlos. Es ist nicht die “fünfte Gewalt”, die hier zu allererst versagt, sondern es sind wir, die Medien.

Die Zeit schreibt auch:

Weil eine Prüfung der Fakten im Netz nicht stattfindet, in der kurzen Zeit der Vervielfältigung auch gar nicht stattfinden kann, verbreiten sich seriöse Recherchen und Verschwörungstheorien im selben Tempo, mit demselben Anspruch auf Wahrheit.

Leider ist oft das Gegenteil der Fall. Medien verbreiten Halbgares bis Unwahres, “Echtzeit-Journalismus” allerorten und im Netz findet nachträglich oft ein Faktencheck statt, die die Berichterstattung der Medien Lügen straft. Ob die Medien dabei aus Schlamperei, Unwissen oder böser Absicht fehler- und lückenhaft berichten, ist für den Effekt am Ende egal. Unterm Strich steht immer: Lügenpresse. Das ist auf Dauer schädlich und gefährlich.

Ein aktuelles Beispiel ist der Live-Bericht des ZDF-Athen-Korrespondenten Alexander von Sobeck. In dem Bericht wurde eine Demonstration von Anhängern der Regierungspartei Syriza als Demonstration von Syriza-Gegnern ausgegeben (Stefan Niggemeier hat dies in seinem Blog ausführlich dargestellt).

Das ZDF hat die Falschberichterstattung in der Korrektur-Rubrik, die auf der heute-Website ein Mauerblümchen-Dasein führt, unverständlich “korrigiert”.

Hier haben wir eine wesentliche Gemeinsamkeit von Politik und Medien: Angehörige beider Kasten glauben offenbar, sie können es sich nicht leisten, Fehler wirklich zuzugeben. Kein Politiker würde öffentlich erklären, sich in einer wichtigen Frage geirrt zu haben. Bei Medien ist es ähnlich. Transparenz und Fehlerkorrektur wird in den allermeisten Fällen nur in homöopathischer Dosierung oder gleich komplett als Placebo verabreicht.

Dabei ist es ein Allgemeinplatz, dass Fehler und Fehleinschätzungen gerade bei komplizierten Themen unausweichlich sind. Die Redaktion von ARD Aktuell erklärt dann im “Tagesschau”-Blog gerne mal, warum ein dummer, kleiner Fehler passiert ist, man im großen und ganzen aber doch eigentlich alles wieder superrichtig gemacht hat. Beim ZDF “korrigieren” sie ihre Fehler nun in einer Mini-Rubrik ganzen unten auf der heute.de-Startseite.

Regelmäßige Korrektur-Spalten oder -Rubriken finden sich bei kaum einem großen Medium. Die Zeit versucht es nun mal wieder mit einem speziellen Blog, in dem Leserkritik aufgenommen wird und auch Fehler thematisiert werden sollen – man darf gespannt sein. Bisher war die Zeit jedenfalls auch nicht direkt durch einen überbordenden Hang zur Selbstkritik auffällig geworden.

Noch etwas, in dem Politik und Medien erkennbar schlecht sind: erklären. Bei all den Artikeln und unzähligen Talkshows zum Thema Griechenland, kreisen wir seit Monaten um die immergleichen Fragen und Behauptungen. Wurden mit den ganzen Hilfs-Milliarden (fast) nur die Banken gestützt und ist bei der griechischen Bevölkerung wirklich nichts angekommen? Oder war die Bankenrettung in Wahrheit auch eine Maßnahme für die “kleinen Leute”? Stimmt es, dass Portugal und Rumänien so viel mehr gespart haben und nun selbst für die Griechen-Rettung zahlen müssen? Hat die Tsipras-Regierung seit Amtsantritt wirklich gar nichts gemacht? Wer hat wen “erpresst”? Ist der IWF nun für oder gegen einen Schuldenschnitt?

Fragen wie diese tauchen immer und immer wieder auf. Wäre es nicht eine gute Idee der Bundesregierung gewesen, zum Beispiel eine Info-Seite mit Fakten zur Griechenland-Krise ins Internet zu stellen, auf der Haltung und Maßnahmen der deutschen Politik erklärt werden. Am besten auch noch auf Englisch und Griechisch? Und warum kommt nur die kleine, links-alternative taz auf die gute Idee, aktuelle Texte zu Griechenland auch auf Englisch und auf der internationalen Plattform Medium.com zu veröffentlichen?

Die politische Klasse hat in Sachen Kommunikation und Legitimation ganz ähnliche Probleme wie die Medien. Dass der griechische Staatschef Alexis Tsipras auf die Idee kam, das Volk zu befragen, versetzte den EU-Apparat kurzzeitig in eine Art Schockstarre. Wie kann der nur!? Dem Volk wird in EU-Kreisen eher wenig Urteilskraft zugetraut, so scheint es. Man hat Angst vor Populismus und vor Entscheidungen, die nicht in die politische Agenda passen (hätte man in den Euro-Ländern jeweils das Volk gefragt, hätten wir womöglich gar keinen Euro).

Volksbefragungen sind unbequem. Mindestens ebenso unbequem wie Leser oder Zuschauer, die sich erdreisten, das Geschriebene oder Gesendete plötzlich zu hinterfragen und öffentlich zu kritisieren. Natürlich gibt es auch die unsachliche Pöbelei und den ganzen Hass im Web. Diese negativen Vibrations können doch aber keine Entschuldigung dafür sein, sich mit dem Volkswillen und berechtigter Kritik nicht auseinanderzusetzen.

Die Politik fürchtet den Populismus, der hinter einer Volksbefragung lauert. Die Medien schrecken vor zu viel Transparenz und einer echten Fehlerkultur zurück – vermutlich auch, weil sie fürchten weniger glaubwürdig zu werden, wenn sie ihre Fehler in vollem Umfang zugeben. Beide Handlungsweisen haben aber interessanterweise den gegenteiligen Effekt: Indem die Politik das Volk aussperrt, schürt sie gerade den Populismus und die Wähler-Verdrossenheit, die sie gerne vermeiden würde. Indem Medien versuchen, ihre Fehler zu vertuschen, machen sie sich unglaubwürdiger. Es ist ein Teufelskreis.

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Alle Kommentare

  1. Viele gute Kommentare!

    Hier steht praktisch schon alles was man als Journalist wissen und beherzigen muss.

    Dann mal los, Herr Winterbauer, versuchen sie der Mann zu sein, der den deutschen Journalismus rettet.

  2. Erstens habe ich meine Informationen nicht von Kopp. Zweitens war das Thema nicht, was S i e richtig finden, sondern die Frage wie Dinge in den Medien dargestellt werden, also ob als eindeutig und klar, oder als kontrovers, was die Darstellung verschiedener Sichtweisen, inkl. der Wertfreiheit gegenüber den einzelnen Standpunkten in den Medien, angeht, damit der Leser sich selbst ein Urteil bilden kann und keines vorgesetzt bekommt. Werden abweichende Standpunkte nicht dargestellt, was ja durchaus auch eine Widerlegung im Sinne der wertfreien Darstellung davon wieder abweichender Standpunkte ermöglichen würde, so haben wir eben eine einseitige Berichterstattung. Das bedeutet natürlich auch, dass Journalisten ertragen müssten, was Ihnen offenbar auch schwer fällt, nämlich dass es andere Ansicht, oder zumindest abweichende Daten gibt.

  3. Chapeau, Herr Hainke, bei Ihnen wusste ich erst nach dem zweiten Satz, dass man vom Rest der darauf folgenden “Informationen” keinen Erkenntnisgewinn zu erwarten braucht.

    P.S. Kopp Medien sind nicht die richtige Antwort auf „Lügenpresse“.

    1. @Nichts zur Sache – Sagender

      Schön daß Sie glauben, daß Sie es sind, der festlegt, wie, wo und warum man sich seine Informationen in einer abgerutschten Medienlandschaft zusammensucht. Der Wert von freien Medien entfaltet sich nicht dadurch, daß man diese klassifiziert.

      Kein Wunder, daß Sie sich als Gefangener eines zweiten Satzes outen.

      Lügenpresse ist eine emphatische Bezeichnung für das, was bei uns vorgeht. Sie impliziert ein vorhandenes Wissen, welches in lenkender Absicht verborgen wird.

      Was, wenn es lediglich an einer individuellen Souveranität der Schreiber fehlen würde, die Dinge möglichst objektiv darstellen zu wolle?

      Wenn der Vorwurf, persönliche Meinung von Faktendarstellung nicht zu trennen letztlich garnicht greift, weil wir es mit Feiglingen zu tun haben. Mit Menschen, die andere zwar (oder gerade deswegen) gerne belehren, diese aber dabei in die falsche Richtung führen müssen, weil sie sich aus dem Konsens-Umfeld ihrer Umgebung nicht herauszulösen trauen ?

      Wenn man gegen die Bezeichnung Lügen-Presse argumentieren möchte, dann sollte man bedenken, am Ende bei einer Klarstellung enden zu können, die sich nicht ins Positive wenden dürfte.

      Lügenpresse, das ist eine schmeichelhafte Bezeichnung, welche das Treiben der Medien als ein Kollektiv verschleiert, um die Tätigkeit der Individuen nicht hinterfragen zu müssen.

    2. So, lieber „Nichts zur Sache“, ich habe mich jetzt betr. Kopp mal sachkundig gemacht. Da konnte ich nur leider nichts zum Klimawandel finden. Stattdessen fand ich den Vater der Unterschlagung und Verdrehung von Fakten, den Lehrmeister von so manchem Journalisten: Erich von Däniken. Sorry, aber den habe ich leider noch nie ernst nehmen können. Sie haben da also offenbar etwas verwechselt.

      Und damit der Vorwurf der Unterschlagung von Fakten nicht so frei im Raum hängt, ein Beispiel. Neulich trafen sich in Lindau am Bodensee 65 Nobelpreisträger. 36 davon verabschiedeten ein Papier zum Thema Klimawandel. In meiner Zeitung las sich das so, als hätten alle unterschrieben (auch wenn das natürlich aus juristischen Gründen nicht so deutlich ausgesprochen, sondern nur suggeriert wurde) 29 aber unterschrieben nicht, was in meiner Zeitung nicht stand. Was haben die gemacht? Waren die schon abgereist, saßen die in der Lobby und tranken einen, waren die an dem Thema nicht interessiert, oder hatten die abweichende Ansichten? Schon dass nicht alle unterschrieben haben musste ich selber recherchieren, ich konnte es der Presse nicht entnehmen. Und auf der Seite des Veranstalters konnte ich immerhin erfahren, dass wenigstens einer nicht einverstanden war, nämlich der Physiknobelpreisträger von 1973. Aber ein Nobelpreisträger versteht davon sicher weniger als ein Journalist, weshalb man ihn ruhig unter den Tisch fallen lassen kann.

      Verstehen Sie, was ich meine? Es geht nicht darum, ob ich oder Sie anderer Ansicht sind, sondern darum, dass man ständig alles nachrecherchieren muss, dass nicht beide, oder manchmal auch mehr, Seiten gezeigt werden. Ein Glück aber, dass es das Internet gibt. Aber Sie haben recht, auch da muss man misstrauisch bleiben und alles gegenchecken.

  4. Leider geht es ja nicht nur um Griechenland. Es geht auch um andere Dinge, wie z.B. den Klimawandel, wobei die Behauptungen die besten Wissenschaftler der Welt würden beim IPCC arbeiten (was nachweislich nicht der Fall ist, siehe Donna Laframboise), Stürme würden bei höheren Temperaturen zunehmen (obgleich sie doch das Ergebnis großer Temperaturgegensätze sind, die bei steigenden Temperaturen eher abnehmen), mehr CO2 in der Atmosphäre würde die Temperaturen ansteigen lassen (wo doch bereits jetzt die Transmissionsrate im Bereich von CO2 bei nahezu null liegt), und so weiter und so fort. Um nur e i n weiteres Thema anzuschneiden.

    Darüberhinaus gibt es ein prinzipielles Problem. Die Aufgabe der Journalisten ist es die mündigen Bürger mit den Informationen zu versorgen, die diese brauchen um sich selbst ein Urteil bilden zu können. Es gibt aber kaum noch eine derartige Berichterstattung. In Zeitungen, Radio- und Fernsehsendungen werden immer mehr Meinungen verbreitet. Der Bürger wird für unmündig erklärt, dem man sagen muss was richtig ist, da er sonst zu falschen Schlüssen kommen könnte. Man erfährt kaum noch was passiert ist, sondern eher, was man davon zu halten habe. Dies wird entweder ganz klar benannt, oder auch mit suggestiven Adjektiven lanciert. Da werden Menschen, die den Anteil von CO2 am Klimawandel bezweifeln als Klimaleugner bezeichnet, was eine Assoziation zum Holocaustleugner herstellen soll (und was natürlich Quatsch ist, da niemand das Klima leugnet), oder Menschen, die das Abtrennen von Köpfen als eher intolerant ansehen, wird eine Islamphobie attestiert, oder Ökonomen, die einen Grexit als Vorteilhaft für die griechische Wirtschaft ansehen, werden als Propagandisten eines nationalstaatlichen Europas bezeichnet, die Kriege auf dem europäischen Kontinent heraufbeschwören wollten. Das ist alles unsachlich und untergräbt zusätzlich zu den substantiellen Zweifeln (siehe oben) die Glaubwürdigkeit der Journalisten. Es reicht eben nicht ein guter 68er zu sein, um gute journalistische Arbeit abzuliefern.

  5. Glaubwürdigkeit … wenn tagtäglich ein Brennpunkt gesendet wird, in dem seit Tagen wenn nicht widerlegte, dann doch wenigstens kontroverse Aussagen („großzügiges Investitionsprogramm“) schon im ersten Satz als gegebene Tatsache wiedergekäut werden, weiß man, dass man vom Rest der darauf folgenden „Informationen“ keinen Erkenntnisgewinn zu erwarten braucht.

    Dass entgegen ihrem Auftrag politisch gesteuerte Medien inzwischen so verfahren (müssen) wie die Boulevardpresse, sei ihnen nachgesehen. Dass die meisten anderen Redaktionen aber auch darin versagen, der Vereinfachung und dem damit häufig einhergehenden Nationalismus nicht das Wort zu reden, und statt eigenständigem Recherchieren und Denken sich im Wiedergeben der verkündigten vorgefilterten Meinungsbilder Dritter gefallen und sich dabei auch noch gerieren, wie Kleingott und Bundestrainer in Personalunion, ist für die Betreffenden peinlich, aber für die Meinungsbildung fatal.

    Der Allgemeinplatz, dass man sich als Journalist oder Redaktion „nicht mit einer Sache gemein machen“ sollte, taugt nicht als Ausrede dafür, sich an den Rand des Spielfelds zurückzuziehen und die Spieler definieren zu lassen, was sachlich wahr oder falsch, was für die Sache relevant oder irrelevant ist. Politik ist mehr als eine PR-Sprecher-Casting-Show.

    Die „alten“ Medien haben immer noch nicht ganz begriffen, dass dadurch, dass heute Jeder internationale Presse lesen kann, die verschiedensten Standpunkte und Informationen in den Meinungsbildungsprozess einfließen, und dadurch oft mehr Fragen als Antworten entstehen. Die kann man als Internetnutzer für sich zu klären versuchen und wird auch oft fündig. So ist ‚die Leserschaft‘ heute weniger homogen, aber in Teilaspekten oft tiefer informiert, und so ist Jeder auch ‚Experte‘ in den Aspekten, die er vertieft hat (oder hält sich zumindest dafür).

    Dass in zusammengesparten Redaktionen in Eile zusammengeschriebene Texte dagegen als löchrig und oberflächlich wahrgenommen werden, ist daher fast natürlich. Dass die Reaktion darauf nicht eine Reflexion und Neuorientierung in Richtung besserer eigener Recherche, kein Aufgreifen der geposteten Informationen, sondern eine Publikumsbeschimpfung ist, liefert ein armseliges Bild von Hilflosigkeit angesichts der Tatsache des eigenen Bedeutungswandels. Solange dieser Wandel nur als Verlust wahrgenommen wird, solange Verlage und Redaktionen die Rettung vor dem Internet in Schneller-Höher-Weiter-Rationalisierungsmaßnahmen sehen, wird ihr Ansehen zurecht weiter schwinden.

  6. „Props“ an Herrn Winterbauer, immerhin scheint ihn das Problem wirklich zu interessieren.

    Keiner gibt eigene Fehler gerne zu, bei den Medien ist aber das Hauptproblem, die meisten Fehler passieren erst weil man jeder Sache unbedingt „den richtigen Spin“ verpassen will.

    Eigentlich ist die Sache einfach, sich an die Fakten halten, keine Fakten selektiv verschweigen und sich grundsätzlich immer gegen die Mächtigen positionieren.

    Die taz ist in dieser Beziehung übrigens ein ganz schlechtes Beispiel, keine Zeitung lässt mehr Fakten unter den Tisch fallen, wenn diese nicht ins gewünschte Weltbild passen.

  7. Endlich traut sich ein Journalist mal, das Problem beim Namen zu nennen. Übrigens: Es handelt sich hier nicht um einen Artikel im Sinne eines Berichts, sondern um einen Kommentar. Es ist die Einschätzung des Journalisten, seine Interpretation, seine Meinung. Allein daduch, dass man diese Trennung zwischen Faktenbericht und Meinungsartikel wieder konsequent umsetzte, würden die Medien Glaubwürdigkeit zurückgewinnen. Dass dies und eine echte Fehlerkultur nicht existieren, könnte man als Verfallssymptom der Demokratie werten. Denn, wie der Autor des Kommentars, schließe auch ich aus diesem Verhalten, dass das Volk/die Wähler/die Leser nicht mehr respektiert werden. Schon in den kleinsten Lokalblättern nimmt man es mit den Berichtigungen nicht mehr so genau. Auch wenn Beschwerden kommen. Da werden dann intern die Journalisten gerügt, nach außen darf aber nichts dirngen. Ich kenne freie Journalisten, die sich dann persönlich bei den Lesern entschuldigen – zumindest per E-Mail – und ihren Fehler eingestehen. Das ist aber eine Minderheit. Eine Minderheit, die sich darum kümmert, dass das Vertrauensband zu ihren Lesern nicht abreisst. Denn wenn dies nicht geschieht, können die Journalisten auch nicht mehr auf die Einwilligung, etwa zu einem Interview, rechnen. Aus einer aufrichtigen Kommunikation mit denjenigen, die sich über einen Fehler beschwert haben, enstehen aber oft auch wieder interessante Kontakte. Menschen erzählen wieder, geben Tipps, was sie beobachtet haben usw. Im besten Fall steht der Journalist dann wieder mit einer neuen, interessanten, weil erhellenden Geschichte da. Würde unsere Zunft das wieder flächendeckend praktizieren, dann hätten wir eine profunde Reflexion über Demokratie, komplexe Zusammenhänge, in der Gesellschaft. Wir kämen in der Lösung unserer Probleme in Europa endlich wieder weiter. Wer hat denn gesagt, dass ein solches politisch und wirtschaftlich hoch komplexes System einfach so, ohne unser Zutun, ohne unsere Fehler-Erfahrungen funktionieren würde?

  8. Erst der Vergleich mit ausländischen Medien belegt, wie straff die deutschen inzwischen auf die Merkel/NSA-Linie gleichgeschaltet sind. In der relativ unverdächtigen „Le Monde Diplomatique“ las ich Analysen der so-genannten Krimannexion, die allem ins Gesicht schlugen, was unsere Presse bisher dazu zu sagen hatte. Slowenische Tageszeitungen und Fernsehbeiträge kommentieren die EU/NATO-Politik mit einer Unverfrorenheit, die bei uns nicht einmal die heute-show wagen würde: In einem ganzseitigen Beitrag wurde da kürzlich gegenüber gestellt, wie die „kremltreuen“ und „pentagontreuen“ Medien jeweils die Gegenseite mit haargenau den gleichen Mitteln beharken, der anderen aber ebendiese vorwerfen. Da bekommt das Schlagwort von der „Lügenpresse“ einen ganz anderen Klang. Ebenso kritische Medien bräuchten wir in Deutschland – und haben wir längst nicht mehr.

  9. Das ist wieder einmal ein sehr schönes Beispiel, dass ein großer Teil der Medienkritik selbst nicht leistet, was sie von den Medien verlangt.

    Medienkritik erschöpft sich zunehmend darin, zu verurteilen, dass bestimmte Medien die eigene Position nicht teilen.

    In Wirklichkeit haben zahllose Medien unzählige faktische Darstellungen vorgelegt. So gibt es zum Beispiel den exzellenten Live-Blog auf faz.net, der immer wieder auch auf ökonische Studien beider Seiten verlinkt. U.a. auch auf Untersuchungen der IfW zur strukturellen Produktivitätsschwäche der griechischen Wirtschaft oder Berechnungen des Harvard-Ökonomen Kenneth Rogoff zum Netto-Zufluss an Hilfkrediten (ein sehr großer Teil der abgeflossenen Gelder gingen übrigens nicht an irgendwelche Banken zu deren Rettung, sondern sind von griechischen Bürgern in den Wochen vor den Kapitalverkehrkontrollen abgezogen worden).

    Dass z.B. Rolf Dieter Krause, wenn er aus Brüssel zugeschaltet wird, die Position der Troika darlegt, dürfte genau daran liegen: dass er aus Brüssel zugeschaltet wird und von dort die Positionen der Troika erläuern soll.

    Der Mann ist jedenfalls Tag und Nacht im Einsatz, hat vermutlich zahlreiche Quellen und kennt somit das Verhandlungsgeschehen besser als seine Kritiker aus der Berliner Linksintellektuellen-Blase. Und selbstverständlich ist es Krauses Recht, in einer Talkshow (!) seine Sicht der Dinge kommentierend darzulegen.

    Mir persönlich gibt es hingegen zu viele unkritische Reportagen über jammende Rentner und verzweifelte Gastwirte. Und mich wundert, warum die Gastwirte nie gefragt werden, wie sie es früher mit der Mehrwertsteuer gehalten haben.

    Ähnliches gilt für andere Politikbereiche. Noch nie habe ich eine Medienkritik gelesen, die zu WENIG Pro-TTIP Medienbeiträge bemängelte, obgleich ich mir sicher bin, dass eine seriöse quantitative Inhaltsanalyse ergäbe, dass die deutschen Medien TTIP eher negativ sehen.

    Substanziell unterscheidet sich somit die linksintellektuelle Medienkritik nicht von der am rechten Rande, wo ein angeblicher, zu flüchtlings- und homofreundlicher „Meinungsterror“ beklagt wird.

    Kurzum: Eine Medienkritik, die seriösen Journalismus immer dann in Gefahr sieht, wenn er die eigene Position nicht teilt, macht sich unglaubwürdig.

    1. hallo herr klardeutsch,

      helfen Sie mir mal; wo beim thema bankenrettung mein denkfehler ist. ich dachte immer bankenrettung bedeutet versorgung mit liquidität; damit banken die forderungen ihrer gläubiger – das sind die girokonteninhaber – erfüllen können. wenn dies also passiert, ist der zweck der bankenrettung erfüllt und die bank ist nicht pleite. oder?

    2. Ganz recht und gut gebrüllt. Nur geht es eben gerade nicht ums Detail, sondern ums Große und Ganze. Die eigene Position zu Detailfragen spielt in der obigen Kritik jedenfalls keine große Rolle. Aber die grundsätzliche Frage nach dem Komplexität und viele Seiten ausleuchtenden Journalismus lässt sich eben sehr gut an Beispielen wie Brüssel-Krause festmachen. Bei dem wie bei vielen anderen Leitartiklern wird nun mal nicht ausgeleuchtet, sondern schwarz/weiß gepinselt. Und das Krause, weil er aus Brüssel berichtet, gerne eine Brüssler Position einnehmen könne, ist ja wohl ein schlechter Scherz. Journalistenschule Klasse 1. Es geht ums Hinterfragen, nicht ums Gemeinmachen – übrigens seit den Anfängen der sogenannten Aufklärung. Da nutzen die Alibi-Richtigstellungen und meinetwegen auch gut gemachte Blogs der Mainstreammedien gar nichts. Denn noch immer zählt, was auf Seite 1 geschrieben wird.

  10. dem Artikel kann ich eigentlich nur zustimmen. Auch ich sehe und lese die Mainstream-Medien nur noch selten und mit einer großen Portion Skepsis und empfinde die Beiträge oft als irreführend bzw. linientreu. Die gescholtenen Satire-Sendungen finde ich viel erhellender, vor allem „Die Anstalt“ – hervorragend und besser als je zuvor.
    Auch alternet.org (für die USA) und deutsche-wirtschafts-nachrichten.de finde ich empfehlenswert.
    Wenn z.B. Brzezinski gesagt haben soll, dass die BRD die Ehre hat, tributpflichtiger Vasall der USA zu sein, dann offenbart sich unser ganzes poltisches System als Riesen-Farce.
    Brot und Spiele – seit Rom scheint sich nicht viel geändert zu haben. Solange es Aldi und Lidl (Brot) und div. Sendungen auf Privatsendern und in den öffentlich-rechtlichen (= Spiele) gibt, ist die Welt für die meisten unserer Zeitgenossen wohl noch in Ordnung

  11. danke für diesen Artikel! In der Tat ist es so das der mediale Mainstream aus einem von der Politik infiltrierten Medienpool kommt in dem die Regenbogenpresse ebenso vertreten ist wie einige wenige Nachrichtenagenturen, der Rest schreibt ab!
    Deshalb wird uns permanent die Altmeiersche/Seibertsche Stellung der Bundesregierung über alle Kanäle aufgezwungen, Journalismus ist somit abgeschafft!
    Vielleicht ist das im regionalen Bezug zwischen Bayrischen Wald und Osterzgebirge noch anders im westlich weltweiten Medien ist es so oder hat den Anschein. Was schlußfolgern wir daraus: Eine vorgegebene Meinung zu kopieren und dem Volk, oder was sich dafür hält ein y als ein z zu verkaufen bedeutet doch nichts anderes als eine Einschränkung der Meinungsfreiheit.
    Das erinnert stark an totalitäre Systeme, auch die arbeiteten unter dem Deckmantel der Demokratie.
    Zur gegenwärtigen Situation von Griechenland über Ukraine bis zur NSA:
    Es sind Konflikte entstanden die nur mit Taten gelöst werden können!
    Jede Unsicherheit und das zur Schmierenkomödie verkommene Handeln der EU aber auch der nationalen Politik führt nicht nur zum Vertrauensverlust in Medien sondern auch in Politikverdrossenheit!
    Das kann natürlich auch eine Triebkraft sein! Was Europa und Deutschland braucht sind Visionen, außerhalb vom Internet und Mainstream,
    Unsere Wurzeln in Deutschland liegen in ehrlicher Arbeit, nicht in Möchtegern wir sind die Größten-Politik. Die Welt dreht sich weiter und wir entfernen uns immer weiter von Realitäten- denkt mal drüber nach!

  12. Die ganze Entwicklung um uns herum ist m E unglaublich gefährlich. Wenn man die ganzen Unruheherde betrachtet (Griechenland vs. EU, Ukraine vs. Russland, USA vs. Russland und China uvm., Russland vs. Schweden, IS vs. alle anders Gläubigen) schleicht sich der Eindruck ein, dass es bis zum großen Konflikt/ Krieg nicht mehr allzu weit ist.

    Wenn man sieht welche Auswirkungen die Finanzen auf das Volk (speziell in Griechenland) haben, scheint es so, als befänden wir uns schon mitten in einem gewaltigen Konflikt, der die einzelnen Völker gegeneinander aufhetzt.

    Und wenn wir (also die EU) – berechtigt oder nicht – den Geldhahn zudrehen, gibt das eine zivile Katastrophe die m E einem Genozid gleichzusetzen ist. Woher soll denn das griechische Volk noch irgendetwas nehmen? Wenn das Benzin (mangels Rechnungsbegleichung) ausgeht, wird nicht nur der einzelne Bürger ausgebremst, sondern die ganze Industrie. Wenn es kein Geld mehr (in den Automaten) gibt, bricht der Tourismus noch mehr zusammen und noch weniger Geld wird in die Staatskasse gespült. Und so weiter und so weiter …

    Und nun die Binsenwahrheit: Griechenland kann nur Geld an Gläubiger abtreten, wenn es Einnahmen hat. Mit dem derzeitigen Sparprogramm wüsste ich nicht, woher und von welcher Industrie überhaupt Geld kommen sollte. Selbst der Einzelhandel bricht zusammen, wenn man kein Geld mehr zum Einkaufen hat. Über welchen Weg also soll bitte Geld in die griechische Staatskasse gespült werden?

    War es damals vor dem 2. WK nicht schon ähnlich, dass eine Nation (also wir) finanziell mit dem Rücken zur Wand standen und daher empfänglich waren für jemand der das „Problem“ regelt? Das ist natürlich stark vereinfacht ausgedrückt und rechtfertigt nicht, was eine handvoll Verrückte nachher draus machen.

    Man möchte ja nichts unterstellen, aber mir scheint es, dass die derzeitige griechische Regierung sein Volk in die Problemlösung einbeziehen will und daher einige alte Gepflogenheiten brechen muss (Rüstungsetat kürzen zum Beispiel), wozu die NATO und auch Deutschland als Hauptnutznießer nicht einverstanden sind. Gespart wird (wie hierzulande) hauptsächlich am eigenen Volk.

    Und auch wenn sich Griechenland unrechtmäßig in die EU geschlichen hat, kann man das Volk jetzt nicht wie im Belagerungszustand aushungern lassen. Wir als einer der großen Nutznießer der Globalisierung und Rüstungsgüterexporteure haben da auch eine Verantwortung gegenüber denen, denen wir wirtschaftlich das Wasser abgraben …

    1. Man sieht an ihrem Text, sie sind Opfer selektiven Medienkonsums.

      Griechenland ist voller Reichtum, der Staat könnte sich alleine durch Zwangsanleihen jahrelang finanzieren.

  13. Ein guter Artikel. Respekt.

    Zum Hauptproblem jedoch sind wir noch nicht vorgestoßen. Das besteht in der Einsicht, daß wir alle dumm sind, dumm sein müssen, und daß Demokratie die einzige Regierungsform ist, die daraus etwas Positives machen kann. Indem wir, die Dummen, in Meinungs-Blöcke zerfallen und daraufhin sich Mehrheiten bilden, die durch Wahl entscheiden, wie wir glauben es weitergehen zu lassen. Wer also an die Macht kommt.
    Die Aufgabe der Medien besteht darin, so viel wie möglich unterschiedliche Informationen, Blickwinkel bereitzustellen, damit die Dummen sich ein dennoch immer unvollständiges, aber besseres Bild machen und daraufhin abwählen, fall ihrer Meinung nach etwas nicht funktioniert. Also durch Wahlen eine neue Richtung vorgeben.

    Ist dies bei uns noch möglich?

    Leider hat sich der Journalismus insgesamt aus der Rolle des Informanten in die Rolle des Deuters, des Erklärers bewegt, des Lehrers, des Pädagogen, der ansagt, wie es richtig sei.

    Nicht mehr die Sach-Information, es wird gleich die fertige Meinung, (hier häufig: linke Meinung) als zu akzeptierendes Ergebnis transportiert. Widersprüche münden nicht in eine Diskussion, sondern werden als Ehrverkürzung bekämpft und mit Diffamierungen belegt. Putin- Verstehe. Rechts-Populist, Klima-Leugner. Wut-Bürger. Nazi.

    Ach wenn die Leute doch ahnten, was Nazitum tatsächlich bedeutet.

    Leider, und da hat Winterbauer erneut völlig recht, sind dieselben Fehler unter unseren Politikern zu beobachten. Auch hier die Position des Oberdeuters, des Besserwissers, der den Willen des Bürgers nicht zur Entfaltung kommen lassen darf. Sich dem nicht unterwerfen will. Demokratisches Votum: nur in vorgegebenen Grenzen. Reine Show. Denn Wahlen haben inzwischen nicht mehr die Funktion, der Gesellschaft eine andere Richtung geben zu können. Der Bürger wurde entmachtet, indem die Parteien übereingekommen sind, die elementaren Dinge unserer BRD nicht mehr zur Wahl zu stellen. So entgeht man als Politiker-Kollektiv einem abweichenden Votum des Bürgers, Man ist Elite.

    Beispiele der Entmachtung: Euro- Einführung. Übergabe der BRD an die EU.

    Die bereits sichtbaren Folgen aus dieser Entmachtung will ich nicht aufzählen, unser Berliner Parlament hat das Stadium seiner Überflüssigkeit längst erreicht. Wir haben inzwischen auch keinen Rechtsstaat mehr. Wer das bestreitet und dabei auf den EuGH verweist, (geschieht unentwegt) der sollte sich mal untersuchen lassen.

    Journalisten und Politikern ist also gemeinsam, daß sie sich für klüger halten als das Volk. Was im Einzelfall durchaus stimmen mag.

    Aber sie haben in ihrer Klugheit nicht kapiert, daß Wahlen dennoch sinnvoll sind, weil die Dummen durch das Instrument der Wahl ihre Gesellschaft zu Veränderung, und damit auch zu Anpassungen führen, egal wie dumm ein Souverän sein mag, der Effekt ist vorhanden.

    Die Kontrolle über die Macht der besserwisserischen Klugen darf nicht auch in deren eigenen Händen liegen.

    Dieser dümmlichen Überheblichkeit ist der Souverän des Grundgesetzes inzwischen schutzlos ausgeliefert, entmachtet und damit entfällt der wirksame Effekt einer Demokratie, einen unblutigen Machtwechsel herbeiführen zu können.

    Diese Entmachtung, die darin gefühlte Bevormundung ist die Ursache des Verfalls von Ansehen von Politikern und Medien.

    Die Konsequenzen werden freilich wir tragen müssen.

    Man kann sie bereits erahnen, fast schon greifen.

  14. Zur Griechenland-Krise gibt es wie zur Ukraine-Krise zu wenig Fakten, aber viel zu viel Meinung. Der Block Politik/Medien klärt die Bürger nicht hinreichend auf.

  15. Bravo Herr Winterbauer,

    Sie haben völlig Recht, auch was den „EU-Sprecher“ Krause angeht. Die Propaganda von Merkel, Schäuble & Co. ist unerträglich dümmlich, wird aber von den meisten Journalisten brav wiedergekäut, wie manche Kommentare hier wieder bestätigen. Fakten sind Mangelware in den Medien und politische Weitsicht ebenfalls.

  16. Es ist doch ganz einfach, wer auch immer zu oft beim Lügen und Tricksen erwischt wird, verliert die Glaubwürdigkeit. Dies gilt für alle von Ihnen genannten Spieler. Wenngleich man vielleicht verstehen kann, dass der Durchschnittsgrieche bei seinen Vorbildern keine gesteigerte Lust hat, seine Steuern zu bezahlen, wird allerdings nicht deutlich, warum es dann die restlichen Steuerzahler in der Eurozone dann doch tun sollen. In Deutschland mögen die Politiker vielleicht, weniger aus wirklicher Überzeugung als aus politischer Zweckmäßigkeit, mit dem Apell an „die Vergangenheit“ Kritiker zum Schweigen bringen, aber das klappt leider nicht in den anderen Staaten, deren Steuerzahler ja auch zur Kasse gebeten werden sollen. Wenn dann noch ein SPD Finanzminister das Bargeld verbieten will, dann wird selbst dem Dümmsten klar, dass wohl nicht sosehr die Geldwäsche abgeschafft sondern das Bankkonte der Bürger im Bedarfsfall abkassiert werden soll. Vielleicht ist es doch besser in Europa auf die alten Römer und Ihr „pacta sunt servanda“ zu setzen, als auf sämtliche poltisch korrekten aber letztlich hohlen Phrasen von Politikern und Mainstreampresse, von der die taz aber wohl auch nur die etwas clevere Ausgabe zu sein scheint.

  17. „Das Volk“ gibt’s nicht, das ist der Grundfehler solcher Reflexionen. Aus der Nähe gesehen, zerfällt „das Volk“ in lauter Einzelindividuen (was ja auch ganz natürlich ist). Und je nach eigener Interessenlage wird ganz unterschiedlich entschieden beziehungsweise abgestimmt.

    Nehmen wir nur die Energiepolitik. Niemals wird es in Deutschland absolute Einigkeit über den Verlauf von Stromtrassen oder den Standort von Kraftwerken oder „Endlagern“ geben. Immer wird jemand sagen, „das Volk“ sei übergangen worden. Und meint damit sich selbst.

    Und auch in Sachen Ukrainekrise wird es keine einheitliche Meinung „des Volkes“ geben darüber, wer hier „die Guten“ und wer „die Bösen“ sind. Und das ist auch gut so.

    Und wer weiß denn wirklich, ob ein Leser außer im Rahmen seiner eigenen beruflichen Kompetenz etwas besser weiß als ein Journalist, der sich vielleicht schon seit Jahren mit dem jeweiligen Thema beschäftigt? Vielleicht kann man auch darüber mal kritisch nachdenken.

    1. Na dann mal los. Jedes Individuum bekommt seinen eigenen Journalisten zur Seite gestellt. So ein Blödsinn. Nach welchen Kategorien soll man denn berichten? Nach Sinus-Milieus? Schnee setzt sich auch aus unendlich vielen verschiedenen Eiskristallen zusammen. Aber insgesamt bleibt es Schnee.

      1. „Schreiben, was ist!“ – wie der olle Augstein immer gesagt hat. Spaß beiseite, ich sage lediglich, dass es per se keinen (zum Beispiel) Zeitungsartikel geben kann, der auf die Zustimmung ALLER stößt. Schon die Aufmachung und Platzierung im Blatt wird bei einigen die Meinung provozieren, er sei zu groß oder zu klein geraten und verrate damit schon eine Tendenz. Ich bleibe dabei, dass die Auffassung, die Politiker handelten nicht, wie „das Volk“ es will (in einigen längeren Posts auch hier wieder nachzulesen), ins Leere läuft, weil sich der Wille „des Volkes“ nicht ermitteln lässt. Es wird nie eine „hundertprozentige“ Zustimmung zu politischen Entscheidungen oder zu Medienberichten geben, es sei denn sie ist erzwungen. Und das kann ja wohl niemand wollen.

  18. Schöner Artikel – nur auf Wolf-Dieter Krause lasse ich nix kommen. Meiner Meinung nach ist er der einzige Journalist ( neben Anja Kohl) der Tacheles redet.
    Er tut eigentlich genau das, was Sie, lieber Herr Winterbauer, fordern!
    Und das die Bumdesregierung bzw Frau Merkel ihre Position NICHT im Netz veröffentlicht, nennt man übrigens Diplomatie! Es wäre doch ein Affront ohne gleichen gegen Griechenland und die anderen EU Staaten, mitten in Konsultationen eine feste Position irgendwo niederzulegen.

    1. Unfug! Nur weil Krause Ihre Meinung vertritt, handelt er noch lange nicht nach journalistischen Grundsätzen. Wenn Krause die Leute bekehren will, soll er in die Politik gehen, nicht aber seine Tiraden als Journalismus tarnen.

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