Griechenland-Krise: US-Medien schießen sich auf Bundeskanzlerin Merkel ein

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Das Drama in der griechischen Schuldenkrise spitzt sich stündlich weiter zu. Während sich zwischen Athen, Berlin und Brüssel die Nachrichtenlage überschlägt, werden jenseits des Atlantiks schärfere Töne angeschlagen. Selten genug sind sich Washington und die Wall Street einig – doch für immer mehr amerikanische Meinungsführer ist klar: Die Hauptschuldige der Krise sitzt im Kanzleramt! In ungewohnter Härte machen US-Medien Angela Merkel für die Griechen-Krise verantwortlich.

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Es braut sich etwas zusammen. In der aktuellen Ausgabe des Spiegel, die den markigen Titel „Die Trümmerfrau“ trägt, beschreibt das Hamburger Nachrichtenmagazin, wie unentwirrbar die Griechenland-Krise inzwischen mit Angela Merkels Vermächtnis verwobenen ist.

So sehr sich Merkel als „Mutti der Nation“ in der deutschen Bevölkerung ungebrochener Beliebtheit erfreut und sich gar zum 10. Jahrestag ihrer Kanzlerschaft auf dem Zenit ihrer Macht befindet, so kritisch wird die deutsche Führung in der inzwischen mehr als fünf Jahre alten Griechenland-Krise im Ausland beäugt.

„Die Deutschen haben beim griechischen Schuldenerlass die Nachkriegsgeschichte vergessen“

Vor allem jenseits des Atlantiks wird die Kritik immer offener formuliert. Nach dem Referendum vom Wochenende scheinen die Fronten aus dem Blickwinkel der amerikanischen Meinungsmacher offenbar final geklärt – mit aus deutscher Sicht erstaunlichem Ausgang: Yaris Varoufakis gelang der Rockstar-Abgang, die Bundeskanzlerin wird dagegen immer öfter als die Hauptschuldige dargestellt, die aus der Geschichte nichts gelernt habe.

Das etwa ist der Tenor eines Leitartikel aus der New York Times von gestern:  „Germans Forget Postwar History Lesson on Debt Relief in Greece Crisis“ – „Die Deutschen haben beim griechischen Schuldenerlass die Nachkriegsgeschichte vergessen“. Der New York Times-Redakteur Steven Greenhouse legt auf Twitter noch mal nach und verpasst Deutschland eine „6“ dafür:

Andere US-Twitterer applaudieren der New York Times dafür:

Die Washington Post knöpft sich unterdessen Bundesfinanzminister Schäuble „(pronounced SHOY-bleh)“ vor und charakterisiert den 72-Jährigen als „Hardliner“:

Interessanterweise werden die schrillsten Töne allerdings inzwischen an der Wall Street artikuliert. Für das Finanzblog Zero Hedge etwa, das die neusten Entwicklungen an die Kapitalmärkten seismographisch genau beobachtet und dabei scharfzüngig kommentiert, wird Merkel von Tag zu Tag kompromissloser:

All das ist jedoch nichts gegen den wohl prominentesten Lautsprecher der Wall Street James Cramer, Gründer der Finanzwebseite TheStreet.com und Börsenberühmtheit auf CNBC. Cramer, der bekannt für klare Worte ist und zuletzt eine regelrechte Kampagne gegen den früheren Twitter-CEO Dick Costolo anzettelte, hat nun ein neues Interessenfeld gefunden: die Politik! Mittendrin: Bundeskanzlerin Merkel, für die Cramer eine persönliche Geschichtsstunde abhält.

Lektion Nummer eins: Angela Merkel hält sich für Margaret Thatcher!

Lektion Nummer zwei: Angela Merkel verkörpert noch viel mehr – nämlich den frühere US-Präsidenten der Großen Depression, Herbert Hoover, und den französischen Staats- und Kriegsminister Georges Clemenceau, der Deutschland 1919 im Versailler Vertrag die hohen Reparationszahlungen aufdrückte:

Lektion Nummer drei: Merkel verfolge in ihrer Griechenland-Politik gar hegemoniale Ziele!

Lektion Nummer vier: Merkel verzögert alles und will, dass die griechischen Bankautomaten kein Geld mehr ausspucken

Lektion Nummer fünf: Eigentlich verstehen Merkel und die Große Koalition gar nicht, worum sich die Griechenland-Krise tatsächlich  dreht:

Und was macht die Vielgescholtene? Weiter wie bisher und gute Miene zu bösen Kommentaren. Inzwischen immerhin auch im Neuland Internet:

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Alle Kommentare

  1. Die Spur der Troika: Todesstoß für Griechenland!

    Am 11. 09.2015 wurde im Phönix-TV eine Dokumentation mit dem Titel „Spur der Troika“ zur Arbeit dieses Gremiums zur „ökonomischen Sanierung“ von Griechenland ausgestrahlt. Hier die wesentlichsten Fakten dieses Beitrages: Zum Auftakt kam der ehemalige Finanzminister Varoufakis zu Worte (der am 20.08.2015 zurücktrat), der prägnant äußerte, dass nicht ein Cent von den bisherigen Hilfspaketen bei den Griechen selbst angekommen ist, sondern europäische Banken damit finanziert und saniert wurden. Anhand eines absurdem ökonomischen Beispiels brachte er den ganzen ökonomischen Irrsinn der Troika zum Ausdruck: Die Reinigungskräfte aller Ministerien, die für einen Mindestlohn von 751 € arbeiteten, mussten sofort entlassen werden. Es wurde auch von der Troika gefordert, den Mindestlohn von 751 auf 586 € im gesamten Land zu senken, obwohl sogar Unternehmer und Unternehmerverbände dagegen waren. Der amerikanische Nobelpreisträger für Ökonomie Paul Krugman kritisierte die von der Troika geforderten massiven Sparmaßnahmen aus ökonomischen Gründen und führte diese Forderung ad absurdum, weil makoökonomische betrachtet, Geldkreisläufe immer am Leben gehalten werden müssen. Wenn Löhne massiv gekürzt werden, dann bricht der Binnenmarkt eines Landes zusammen, weil schlichtweg niemand mehr etwas kaufen kann! Das Endergebnis: Massenhaft gehen dann auch Firmen infolge dieses Geschehens zugrunde, weil sie nichts einnehmen können! Von der Troika wurde auch gefordert, das Gesundheitssystem auf 6 Prozent der Wirtschaftsleistung des Landes zurückzufahren. Das Endresultat: Das gesamte Gesundheitssystem ist damit in Griechenland zusammengebrochen und hunderte Menschen sterben daher monatlich aufgrund von medizinischer Unterversorgung und fehlender Krankenversicherung. Das ganze Land liegt nunmehr in Agonie! Die Frechheit der inkompetenten, unkontrolliert agierenden Troika, die niemandem rechenschaftspflichtig ist (Resümee und Fazit der Sendung), war aber, dass Minister und Mitglieder der griechischen Regierung erniedrigt, diffamiert und beleidigt wurden. Da liegt die legitime Frage nahe: Wird Europa von einer Mafia regiert? Zu diesem Eindruck musste man aufgrund der reflektierten Fakten der Doku unweigerlich gelangen.
    Wenn man sich die obigen Fakten zur Griechenlandkrise vor Augen hält, dann muss man unweigerlich zur Schlussfolgerung gelangen, dass ein Großteil der Abgeordneten bei der Abstimmung im Bundestag zum dritten Hilfspaket für Griechenland von ca. 87 Milliarden am 20.08.2015 wohl kaum die Konsequenzen, die faktisch daraus erwachsen, verstanden haben. Denn das Wirtschaftswachstum wird nun endgültig abgewürgt und Griechenland wurde somit der ökonomische Todesstoß versetzt! Warum? Weil die 87 Milliarden in den nächsten drei Jahren dazu dienen, die deutschen und französischen Banken mit Milliarden Euro zu bedienen, wie bereits zuvor mit 17 und 20 Milliarden Euro. Bei den Griechen selbst wird kein einziger Cent ankommen! Im Gegenteil: Weitere Kürzungen werden bei den Sozialleistungen, wie beim Arbeitslosengeld, bei den Renten und bei den Löhnen erfolgen. Die Erhöhung der Mehrwert- und Umsatzsteuer auf 23 Prozent wird den Binnenhandel völlig zum Erliegen bringen! Wenn sogar die Präsidentin des IWF, Christine Lagarde forderte, Griechenland durch einen Schuldenschnitt zu entlasten, damit Griechenland wirtschaftlich wieder auf die Beine kommen kann, dann wundert man sich sehr, welche unlogische Entscheidung der größte Teil der Abgeordneten des Bundestages am 20. 08.2015 traf. Um Griechenland wieder ökonomisch auf die Beine zu helfen, bedarf es eines Marshallplanes. Es sollen wohl 36 Milliarden Euro an finanzielle Fördermittel für Griechenland in der EU bereitliegen und von Griechenland abberufen werden können, allerdings unter der Bedingung, dass ein Eigenanteil von Griechenland geleistet werden müsste. Welch eine Bürokratie und Technokratie, welch eine Infamie und Irrsinn! Könnten diese finanziellen Mittel nicht direkt für Griechenland durch die EU ohne Vorleistungen zur Verfügung gestellt werden?
    Siegfried Marquardt, Königs Wusterhausen

  2. Die Amis sind in ihrer Ahnungslosigkeit ganz schön peinlich – insbesondere weil es sich hier ja um die angeblich so gebildete Ostküsten-Elite handelt.

    Ist zwar ein Tabuthema, aber man muss sich nur die Namen der meisten Kritiker ansehen, insbesondere aus der Finanzelite, hier gibt es wohl noch jede Menge offene Rechnungen mit Deutschland.

  3. Die Amerikaner sollten sich an die eigene Nase fassen und erstmal Geld in die Länder pumpen in denen sie Kriege angezettelt haben. Sie werden das aber nicht tun, sie werden neue Kriege anzetteln und diese Länder ausbeuten. Die Flüchtlinge landen dann wieder bei uns. Die sollten sich schämen so über uns zu reden. Denen geht es doch nur ums Geld. Weiterhin sollten sie nicht vergessen das nicht nur sie die Deutschen befreit haben, nein da waren auch die Russen dabei. Auch wenn man das jetzt gerne vergisst. Glaubt mir ihr Amerikaner, die normalen Deutschen werden nicht in Richtung Russland marschieren. Nur die Dummen.

  4. Sage ich doch schon immer: Merkel tut Deutschland, der EU und der Welt nicht gut.
    Sie hat keinen politischen Anstand, keinen Sinn für Gerechtigkeit und lebt ihren machtwilligen Egoismus ungebremst aus. Sie kann nicht denken und auch nicht nachdenken. Sie kann nicht in Zusammenhängen.

    Wer sie jemals als „Mutti oder Mutter der Deutschen“ bezeichnet hat, muss eine sehr, sehr schlechte Mutter gehabt haben. Denn Merkel lebt Diktatur und die kennt sie von klein auf.

    Darum freue ich mich, dass jetzt endlich auch amerikanische Medien wach werden und merken, was sich hier abspielt. Eine Neuauflage der alten DDR.

    Besten Dank für diesen Artikel.

  5. Ich persönlich glaube, dass ist Deutschlands späte „Genugtuung Rache“vieler Deutschen, die noch immer bedauern den Krieg verloren zu haben.

    Aber man kann an diesem Beispiel sehr genau erkennen, was mediale einseitige von Vorurteilen geleitete Berichterstattung in Deutschland wieder auslösen kann und es auch tut.

    Deutschland sollte eigentlich aus der Geschichte gelernt haben, nachdem Deutschland ungerechtfertigter Weise aus meiner heutigen Sicht.

    Denn ein Land, dass es alleine nur der Großzügigkeit der internationalen Gläubiger bei der Londoner Schuldenkonferenz 1953 zu verdanken hatte, den wirtschaftlichen Wiederaufstieg zu schaffen, ein so kleines Land wie Griechenland einfach zu erpressen, kann und hat nicht viel aus der Geschichte gelernt,.

    Und eigentlich kommt mit dieser Haltung, nur zum Ausdruck dass die meisten in Deutschland nur bedauern den Krieg verloren zu haben. Viele in Deutschland sind immer noch ideologisch 1933 verhaftet.

    Denn liebe Deutsche das sei Ihnen ins Stammbuch geschrieben, hätten die internationalen Gläubiger bei der Londoner Schuldenkonferenz 1953, nicht aus der Geschichte gelernt, sondern mit internationaler Macht die Austerität damals in Deutschland durchgesetzt (verdient hätten viele es allemal) dann wäre Deutschland noch heute am Tropf der internationalen Gläubigergemeinschaft auf immer und ewig verdammt.

    Deutschland hatte doch einst unter Brünning schmerzhaft erfahren müssen, was Austerität bedeutet, Millionenfache Arbeitslosigkeit, Obdachlosigkeit und Verelendung von Millionen von Deutschen, und wer danach kam wissen doch wohl noch einige oder?

    Austerität hat noch nie in der Geschichte funktioniert, sondern immer nur in die Verarmung, Verelendung von Millionen geführt.

    Völker dieser Welt schaut auf das kleine Griechenland, und erklärt euch solidarisch.

  6. Cramer und Castro.

    500 Milliarden (500 000 mal ne Millionen) haben die Griechen in der EU bisher verbrannt, an EU Subventionen, Abschreibungen von privaten Banken, und nun öffentliche Gelder der EU, der EZB, des IWF.

    Griechen setzen keine Restrukturierungsmaßnahmen um, weil sie dies beleidigt, und sie zahlen die fälligen Gelder nicht zurück, verlangen stattdessen neues Geld, u.a. weil der EU-Lissabon- Vertrag nicht vorsieht, daß man sie an die frische Luft setzt. Sowas kann man mit uns nur verhandeln, weil unsere Politiker um die Dämlickeit ihrer entmündigten Bürger wissen.

    Dazu halten die Griechen ein Referendum ab, das man als Tritt auch gegen die Bürger, Arbeiter Unterprivilegierten des restlichen Europas bezeichnen könnte, die die bisherig geflossenen Gelder in den Kamin schreiben müssen. Schön zu erleben, wie ein Castro, wie die Linke zu differenzeren weiß. Zwischen den Interessen der eigenen und fremden Unterprivilegierter.

    Mehr braucht ein Journalist eigentlich nicht zu wissen, all dies ließe sich mühelos recherchieren. Alan Greenspan, zur Einführung des Euro: Unterschiedliche Wirtschaftskraft ( Mentalitäten) gleicht sich entweder durch die Wechselkurs einer Währung, oder durch Transferzahlung innerhalb einer Währungszone aus.

    Es existiert keine dritte Möglichkeit.

    Dies muß man nun weder als Journalist, noch als Politiker recherchieren, denn das wird uns mittlerweile tagtäglich seit 5 Jahren vorgeführt.

    Aber da es sich hier um Disziplinen handelt, deren Einsicht abgekoppelt ist von persönlicher Verantwortung, tut man sich b.a.w. schwer damit, Falscheinschätzungen eingestehen und korrigieren zu wollen.

    Daher darf als sicher gelten: es wird noch katastrophaler kommen.
    Was sonst?

    1. „…500 Milliarden (500 000 mal ne Millionen) haben die Griechen in der EU bisher verbrannt, an EU Subventionen, Abschreibungen von privaten Banken, und nun öffentliche Gelder der EU, der EZB, des IWF…“

      Es tut mir Leid ihne dies sagen zu müssen, aber allein diese sinnentleerte Zusammenstellung von absolut unterschiedlichen, zusammenhanglosen Sachverhalten zeigt, daß Sie von der Materie keine Ahnung haben und nur nachplappern, was ihnen das deutsche Boulevard vorgibt. Das ist armselig.

      1. Nö, ist nicht armselig.

        Sie können sicher sein, die Amis z.B. kennen diese Zahlen nicht und haben auch sonst keinerlei Ahnung von Transfers innerhalb der EU.

  7. Keiner hindert die USA daran, 200 Mio. oder 300 Mio. Dollar für Griechenland lockerzumachen. Was, die wollen das nicht? Solche Schufte!

  8. Außer Hetze, Meinungsmache und Bevormundungsduktus habe ich bei den US-Äußerungen keine objektiven Argumente herauslesen können.
    Aber was hindert den die Amis daran, wen sie daran glauben, das Griechenland ohne Reformen wieder auf die beine kommt, den Griechen mit ein paar zig-Milliarden unter die Warme zu greifen. Oder die Wallstreet-Broker, fleißig griechische Staatsanleihen zu kaufen?
    Oder haben die Amis etwa schon einiges in Griechenland investiert, und sehen nun ihre Felle wegschwimmen?

  9. Da sieht man mal wieder, wie sich die deutschen Medien im Wohnzimmer von Frau Merkel breitgemacht haben. Immer schön die Krümel, die vom Tisch gefallen sind, jubilierend hochgeschrieben. Kein Wunder, dass man hier auf Satiresendungen ausweichen muss, um Hintergründe zu erfahren. Das Ausland scheint hier ein weiterer Anlaufpunkt für Infomationen zu werden, die man hierzulande nicht mehr bekommt. Von Bild bis Tagesspiegel, nur noch nervige Hetzerei, Meinungsmache und Bevormundungsduktus.

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