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WSJ: ProSiebenSat.1 und Axel Springer verhandeln über Fusion

ProSiebenSat.1-Vorstandschef Thomas Ebeling
ProSiebenSat.1-Vorstandschef Thomas Ebeling

Paukenschlag nach Handelsschluss: Wie das Wall Street Journal berichtet, erwägen ProSiebenSat.1 und Axel Springer eine Fusion. Die Gespräche befänden sich allerdings noch in einem frühen Stadium, ist beim Murdoch-Blatt zu lesen. Klar ist: Mit einem doppelt so hohen Börsenwert hätten die Münchner die Hosen im fusionierten Konzern an. Die Aktien der MDax-Mitglieder legen im nachbörslichen Handel deutlich zu.

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Die Börse schreibt seit jeher verrückte Geschichten. Fast zehn Jahre ist es nun schon her, dass Axel Springer das Münchner TV-Konglomerat ProSiebenSat.1 übernehmen wollte. Der Kaufpreis für Springer seinerzeit: 2,5 Milliarden Euro. Doch aus dem Deal wurde bekanntlich nichts: das Bundeskartellamt hatte etwas dagegen.

Die Behörde hatte damals argumentiert, durch ein mögliches Zusammenspiel der TV-Sender von ProSiebenSat.1 mit der Markt- und Meinungsmacht von Springers “Bild”-Zeitung ergebe sich eine schwerwiegende Verschlechterungen des Wettbewerbs in der TV- und Zeitungslandschaft. Neun Jahre und unzählige Gerichtsverfahren später war klar: Springer wurde die Übernahme zu Unrecht verwehrt.

Monströse Börsenrallye macht ProSiebenSat.1 plötzlich zum Seniorpartner

Eine Dekade später werden die möglichen Synergieeffekte in den Medienhochburgen Berlin und München offenkundig immer noch ähnlich beurteilt – was sich verändert hat, ist die Rollenverteilung. Nach der bemerkenswertesten Turnaroundstory der jüngeren deutschen Wirtschaftsgeschichte, die ProSiebenSat.1 an der Börse Kurszuwächse von mehr als 4500 Prozent in nur sechs Jahren bescherte, befinden sich die Münchner plötzlich in der Rolle des Seniorpartners: mit knapp zehn Milliarden Euro wird die Münchner Sendergruppe inzwischen bewertet und gilt damit bereits als heißer Dax-Kandidat.

Die Axel Springer SE kann seit den Mehrjahrestiefs auf dem Höhepunkt der Finanzkrise in den vergangenen sechs Jahren ebenfalls stattliche Zuwächse verbuchen – das Plus von rund 200 Prozent fällt indes ungleich kleiner aus. Die Folge: Mit einer Marktkapitalisierung von weniger als fünf Milliarden Euro wäre das Berliner Verlagshaus in Falle der Fusion der Medienriesen eindeutig der Juniorpartner.

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Fusionierter Börsenwert von mehr als 15 Milliarden Euro

Der Zusammenschluss, sollte er denn zustande kommen, hätte durchaus den Charakter einer Übernahme – der neue Konzernchef dürfte kaum Mathias Döpfner, sondern müsste nach den Kräfteverhältnissen Thomas Ebeling heißen. Ob es allerdings tatsächlich soweit kommt, ist nach den Übernahme-Erfahrungen von 2005 recht fraglich.

Das Wall Street Journal, das den Scoop vermeldete, berichtet, dass sich die Fusionsgespräche in einem frühen Stadium befänden. Im nachbörslichen Handel reagierten die Aktien beider Medienkonzerne ausgesprochen positiv auf die Neuigkeit: Anteilsscheine von Axel Springer verteuerten sich in der Spitze um 11 Prozent auf 52 Euro, Papiere von ProSiebenSat.1 legten um sechs Prozent auf 47 Euro zu. Zusammen würde es der fusionierte deutsche Medienriese damit auf einen Börsenwert von mehr als 15 Milliarden Euro bringen – ein Dax-Aufstieg wäre dann Formsache.

Update, 07.07.: Axel Springer hat in einer Stellungnahme betont, dass die „Kontinuität der Kontrolle“ durch den Konzern und Friede Springer nicht zur Disposition stünden.

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