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Fünf gute Gründe für eine Fusion von Axel Springer und P7S1 (und fünf gute Gründe dagegen)

Alles alpha? Axel Springer-CEO Mathias Döpfner (l.), P7S1-CEO Thomas Ebeling
Alles alpha? Axel Springer-CEO Mathias Döpfner (l.), P7S1-CEO Thomas Ebeling

Die Nachricht, dass es im frühen Stadium Gespräche zwischen der Axel Springer SE und der ProSiebenSat.1 Media AG über einen (wie auch immer gearteten) Zusammenschluss gibt, elektrisiert die Branche. MEEDIA hat fünf gute Gründe gesammelt, warum eine solche Mega-Medien-Fusion eine sehr gute Idee wäre. Und fünf Gründe, warum es eine furchtbar schlechte Idee wäre …

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Eine Fusion zwischen Axel Springer und ProSiebenSat.1 wäre eine gute Idee, weil …

1. … mit P7S1/Axel Springer ein deutscher Medien Player von Weltrang entstünde

Im internationalen Geschäft kommt es durchaus auf die Größe an. Gemeinsam hätten ProSiebenSat.1 und Axel Springer beim Kampf um die besten Startups mehr Finanzpower. Kauf und Entwicklung von viel versprechenden Digital-Unternehmen würde leichter fallen. In der digitalen Welt haben gobal aufgestellte Medienunternehmen zudem deutliche Vorteile. Durch den Wegfall vom Vertriebskosten, sind Digital-Medien per Definition immer auch globale Medien. P7S1 und Axel Springer hätten gemeinsam die Kraft, eine globale Medienmarke von Deutschland aus zu entwickeln. Der immer noch größte deutsche Medienkonzern, Bertelsmann, tut sich erkennbar schwer, seine Wachstumsziele im Mediensektor zu erreichen und setzt mittlerweile verstärkt auf Bildung. Gemeinsam könnten P7S1 und Axel Springer Bertelsmann eines Tages sogar überholen und größtes deutsches Medienhaus werden.

2. … beide Firmen organisch an Wachstumsgrenzenstoßen – eine Fusion wäre eine Lösung

Sowohl Axel Springer als auch ProSiebenSat.1 sind exzellent gemanagt, stoßen mittlerweile aber an Wachstumsgrenzen. Die Bild-Gruppe bei Springer ist durchoptimiert bis zum Gehtnichtmehr. Gleiches lässt sich von den Sendern der P7S1-Gruppe sagen. Wachstum ist im traditionellen Stammgeschäft organisch nur noch im Minimal-Bereich möglich und auch dies ist mühsam. Die einzige realistische Option auf einen deutlichen Wachstumsschub sind große Zukäufe oder eine Fusion. Die Börse honoriert solche Fantasien: Nachdem die News über (frühe) Fusionsgespräche durchgesickert war, machten die Aktien beider Unternehmen einen Sprung nach oben.

3. … beide Firmengemeinsam enorme Mittel hätten, um die digitale Transformation durchzustehen

Bei Axel Springer haben sie längst erkannt, dass die Umsätze und Gewinne aus dem Print-Geschäft weiter sinken werden. Dem TV-Geschäft steht diese Erfahrung womöglich noch bevor. Noch boomt das Geschäft mit Werbung im Free-TV, aber das Wachstum ist deutlich abgeflacht und durch neue Entwicklungen, wie veränderte Sehgewohnheiten durch Streaming, könnten Erlöse aus TV-Werbung stagnieren und mittel- bis langfristig sogar sinken. Trotzdem brauchen die Medienhäuser die immer noch hohen Erlöse aus dem traditionellen Mediengeschäft, um den Übergang zum Digitalen zu finanzieren. Gemeinsam hätten P7S1 und Axel Springer hier enorme Mittel zur Verfügung.

4. … P7S1 Springer Bewegtbild-Kompetenz liefert

Der Videokonsum im Internet steigt ungebrochen. Bei Axel Springer wird schon heute massiv in den Ausbau der Bewegtbild-Kompetenz investiert. Teilweise wandelt sich Bild.de in eine Art Internet-TV-Angebot um -mit eigenen Sendungen und Moderatoren. ProSiebenSat.1 als TV-Konzern hat von Haus aus die Mittel, Bewegtbild in Hülle und Fülle zu produzieren. Die TV-Gruppe verfügt über zahlreich eigene Formate, an denen sie die Rechte hält – ein entscheidender Vorteil.

5. … Springer P7S1 Info-Kompetenz liefert

Was P7S1 fehlt, ist die Expertise im News-Geschäft. Der hauseigene Nachrichtenkanal N24 wurde bereits abgegeben und ist über den Umweg des Management Buyouts schon bei Springer gelandet. Bild- aber vor allem Welt-Journalisten könnten ProSiebenSat.1 im Meinungsmarkt wieder Gewicht verleihen. Derzeit ist P7S1 fast komplett als Entertainment-Konzern aufgestellt.

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Eine Fusion zwischen Axel Springer und ProSiebenSat.1 wäre eine schlechte Idee, weil …

1. … Friede Springer die Kontrolle nicht abgeben wird

Nachdem die Spekulationen über Fusionsgespräche die Runde gemacht haben, verschickte Axel Springer eine Stellungnahme, in der deutlich gemacht gemacht wird, dass Friede Springer die Kontrolle über das Unternehmen behalten will. Spekulationen über die Abgabe dieser Kontrolle entbehrten jeder Grundlage, heißt es in der Stellungnahme. Für eine Fusion kann diese Bedingung ein möglicherweise unüberwindliches Hindernis darstellen. Die ProSiebenSat.1 Media AG ist an der Börse doppelt so viel wert wie die Axel Springer SE. P7S1-CEO Thomas Ebeling gilt als sehr machtbewusst. Die Stellungnahme der Springer-Seite ist aber auch kein Dementi der Gespräche – im Gegenteil. Es wird explizit gesagt, dass “Wachstumsoptionen” erschlossen werden sollen. Vielleicht geht es am Ende ja nur um einen Zusammenschluss in Teilbereichen oder ein Joint Venture – all dies ist noch völlig unklar. Klar aber ist: Nach üblichen Börsenregeln – das Unternehmen mit dem höheren Marktwerkt hat die Hosen an – erteilt Springer einem kompletten Zusammenschluss schon jetzt eine Absage.

2. … ein digitaler Gemischtwarenladen entstehen würde

Im Digitalgeschäft konzentriert sich Axel Springer auf Medien, Vermarktung und Classifieds, also Rubrikenanzeigen. ProSiebenSat.1 hat seine digitalen Stärken im E-Commerce mit Fokus auf Reise und Beauty. Beide Geschäftsmodelle haben- außer, dass sie digital sind – wenig gemeinsam. Ob sich hier die berühmten Synergien ausbilden würden, scheint sehr fraglich.

3. … beide Firmen (und ihre CEOs!) Alpha-Ansprüche haben

Mathias Döpfner bei Axel Springer und Thomas Ebeling bei ProSiebenSat.1 sind grundverschiedene Manager-Typen. Hier der feinsinnige Kunstkenner und Opern-Fan Döpfner, da der hemdsärmelige Kickboxer Ebeling. Beiden gemeinsam ist, dass sie absolute Alpha-Manager sind. Nicht vorstellbar ist, dass einer von beiden freiwillig in die zweite Reihe einrücken würde. Manager-Egos finden keinen Niederschlag in Unternehmensbilanzen, sind aber gerade bei Fusionen kein Fakt, den man außer Acht lassen sollte.

4. … die Kartellbehörden noch ein Wörtchen mitzureden haben

Der erste Anlauf für einen Zusammenschluss von ProSiebenSat.1 und Axel Springer wurde 2005 unternommen. Damals war freilich nicht von einer Fusion die Rede, sondern Springer wollte P7S1 übernehmen. Wie man an den Börsenwerten sieht, haben sich die Machtverhältnisse heute umgekehrt. 2006 untersagten sowohl das Bundeskartellamt als auch die Aufsichtsbehörde KEK die Übernahme. Springer klagte gegen die Entscheidungen. Im Fall des KEK-Verbots bekam das Medienhaus vergangenes Jahr (neun Jahre später!) vor dem Bundesverwaltungsgericht recht. Das Verbot des Bundeskartellamts hätte jedoch Bestand gehabt. Seit 2006 hat sich freilich einiges getan: Springer hat u.a. große Teile seines Print-Geschäfts an die Funke Gruppe verkauft. Es ist auch möglich, dass im Lichte von international dominierenden Digital-Unternehmen eine deutsche Medien-Mega-Fusion heute anders bewertet werden würde. Trotzdem bleibt die Kartellfrage ein Risiko. Bei einer Fusion würden die Kartellbehörden erneut prüfen, der Ausgang ist ungewiss und selbst wenn ein mögliches Kartell-Verbot rechtlich nicht Bestand hätte – die Vergangenheit zeigt, dass es viele Jahre dauern kann, bis ein solcher Prozess ausgefochten ist.

5. … Mega-Fusionen selten unter einem guten Stern stehen

In der Vergangenheit hat sich immer wieder gezeigt, dass mit Groß-Fusionen allzuoft in erster Linie die Macht-Fantasien von Managern befriedigt werden und die Unternehmen selten langfristig profitierten. So erwies sich die Mega-Medien-Fusion von TimeWarner mit AOL als veritable Fehlentscheidung, die unter großen Schmerzen wieder revidiert wurde. Außerhalb des Mediensektors ist hierzulande die verkorkste Fusion von Daimler mit Chrysler in Erinnerung. Auch diese “Hochzeit im Himmel” (Ex-Daimler-Chef Jürgen Schrempp über den Merger) entpuppte sich als Alptraum im Alltag und wurde wieder geschieden. Eine Fusion zweier großer  Einheiten ergibt in den seltensten Fällen wirklich Sinn und Synergien. Im Falle von P7S1 lockt vor allem die Aussicht auf Marktmacht und Wachstum – sind dies bei einer Fusion aber die einzigen Ziele und vergisst man dabei, wie unterschiedlich zwei Unternehmen in ihrer DNA sind, dann verkommt eine Fusion zum Selbstzweck und ist am Ende zum Scheitern verdammt.

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Alle Kommentare

  1. Egal ob Google, Amazon, Facebook, Netflix oder Alibaba- noch nie ist auch nur irgendwo ein wirklich bedeutendes digitales Unternehmen durch Größe oder Fusionen entstanden. Auch aus einer Fusion Springer/ProSiebenSat1 wird nichts von Bedeutung für die digitale Medienzukunft entstehen. Es funktioniert nicht nach den traditionellen Regeln. Nur wer das versteht wird überhaupt eine Chance auf „digitale Transformation“ bekommen. Und ja, Springer hat sich in Sachen „Bewegtbild“ auf den Weg gemacht. Genauso wie ProSiebenSat1. Aber sie haben noch nicht „verstanden“.

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