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„Der weibliche Körper ist kein Sexobjekt“: Twitter-Empörung zu #Hotpantsverbot

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Temperaturen weit über 30 Grad und leicht bekleidete Schülerinnen – das ist den Lehrern einer Werkrealschule in Horb-Altheim (Schwarzwald) zu heiß. Deshalb setzen sie nun eine strenge Regelung durch: Keine nackte Haut mehr in der Schule. Bei Twitter entbrannte daraufhin unter dem Hashtag #hotpantsverbot eine hitzige Debatte.

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„In letzter Zeit mussten wir gehäuft feststellen, dass Mädchen in der Werkrealschule sehr aufreizend gekleidet sind. Diese Entwicklung stimmt uns nachdenklich und wir haben entschlossen, dass wir an unserer Schule keine aufreizende Kleidung dulden wollen“, steht in dem Brief einer Schulleiterin an die Eltern. Deshalb würde nun die Regel eingeführt werden: „Wer zu aufreizend gekleidet ist (zum Beispiel bauchfreies Shirt, Hotpants,…), der bekommt von der Schule ein großes T-Shirt gestellt, das er/sie bis Schultagsende anziehen muss.“

Anne Wizorek, die im Jahr 2013 bereits die Sexismus-Debatte #aufschrei ins Leben gerufen hatte, veröffentlichte diesen Brief am Montag bei Twitter, prägte den Hashtag #hotpantsverbot – und betonte, dass diese Regel letztendlich ausschließlich Mädchen betreffen dürfte:

Mit ihrem Tweet brachte Wizorek eine Empörungswelle ins Rollen:


https://twitter.com/Kittglo/status/618149417552609280

Besonders laut wird der Vorwurf, die Mädchen würden so von außen auf ihre Sexualität degradiert:

Gegenüber der Tageszeitung Schwarzwälder Bote erklärte die Schulleiterin der Werkrealschule, für sie persönlich sei das Thema nicht so dringend. Doch ihre Kollegen hätten sie gebeten, dringend zu handeln. „Manche meiner männlichen Kollegen wissen nicht, wie sie das Thema bei den Schülerinnen ansprechen sollen“, so Brissaud.

„Die Schule ist nicht berechtigt, die eigene Moralvorstellung zum Gradmesser für eine korrekte Kleidung zu machen“, zitiert der Schwarzwälder Bote eine Sprecherin des Kultusministeriums. Doch wenn Hotpants allerdings den Schulfrieden gefährden würden – zum Beispiel wenn die Jungs eher auf die Beine der Mädchen anstatt an die Tafel schauen – dürfe die Schule eingreifen.

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Alle Kommentare

  1. Ich dachte Kleidervorschriften für Frauen und Mädchen hätten wir in 1970ern hinter uns gelassen. Offensichtlich gibt es Dinge, die sich nie ändern, Nämlich die Scheinheiligkeit von Lehrer/innen. Es spielt keine Rolle, was die Weiblichkeit trägt, es wird immer Männer geben, die sich am Anblick von Frauen aufgeilen, und Frauen, die Jugend und Schönheit an anderen Frauen am liebsten verbieten lassen würden. Lesen Sie auch hier:
    http://wort-woche.blogspot.de/2015/07/verbot-von-hotpants-in-horb.html

  2. Die Frage ist doch immer was definiere ich als Hotpant. Meiner Ansicht nach haben Hotpants bei denen man das halbe Gesäß entblößt nichts an Schulen verloren. Genau so wenig wie Jogginghosen (abgesehen vom Sportunterricht natürlich) oder bauchfreie Tops.
    Warum aber sollte ich nicht eine kurze Hose anziehen dürfen, die nichts zeigt?
    Warum werden meine angeblichen Absichten so stark sexualisiert?
    Und mit welchem Recht unterstelle ich jedem männlichen Geschöpf an der Schule jederzeit sexuell übergriffig werden zu wollen (oder vielleicht besser zu müssen, da es ja triebgesteuert ist) und das allein aufgrund des Anblicks nackter Frauenbeine?
    Im Übrigen ist ein übergroßen T-Shirt wohl auch nicht die Masterlösung, da es dann ausschaut als hätten die Mädels tatsächlich nichts mehr drunter.

    Also sollte der erste Schritt zur Lösung der „Problems“ vielleicht in der Kindererziehung beginnen, in dem Eltern ihren Sprösslingen beibringen welche Kleidung wann angemessen ist.
    Und ja, man kann auch 16jährigen Teenagern erklären, dass es nicht angebracht ist den Lehrerinnen und Lehrern den halben Hintern zu zeigen.

    PS: zur massiven Störung des Unterrichts durch nackte Beine kann ich nur sagen, dass man die damals vor langer, langer Zeit (1 Jahr her) als ich noch zur Schule ging unter’m Tisch stehen hatte. Wenn sich Lehrer dadurch belästigt fühlen, empfehle ich ihnen auf die Gesichter der Schüler zu achten, statt auf die Beine, dann erkennen sie vielleicht auch wann ihr Unterricht unerträglich langweilig wird.

  3. Warum entbrennt die Hotpants-Frage erst dieses Jahr? Weil Hotpants letztes Jahr noch nicht in Mode waren. Ich denke, die Kinder/ Jugendlichen orientieren sich an einer Mode, die keinen vernünftigen Dresscode mitliefert. D.h. Hotpants wären o.k. am Strand, aber nicht in der Schule. Ein Rock oder Bermudas sind nicht ungemütlicher und wären opportun. Sie sind aber gerade nicht in Mode, also völlig uncool. Ich habe genau dieses Problem mit meiner 11-jährigen (voll entwickelten) Tochter, die im Frühling unter den Hotpants Leggings getragen hat. Bei diesen heißen Temperaturen lässt sie die Leggings weg. Natürlich finde ich das nicht gut, aber ich kann ihr nicht andere Kleider aufzwingen. Also hole ich sie von der Schule ab, weil ich Angst um sie habe. Das Grundproblem heutzutage sind ganz einfach die falschen Vorbilder.

  4. Stellt sich für mich ganz einfach dar:
    Wer sich kleidet wie ein Flittchen, muss damit rechnen, genau so behandelt zu werden.

    Verstehe nicht, dass ausgerechnet Frauen, die sich vehement dagegen wehren, als Sexobjekt angesehen zu werden, Wert darauf legen, sich wie eines anziehen zu dürfen.

    1. …Sie liegen sehr, sehr falsch. Und Sie haben wahrscheinlich keine Ahnung was an Ihrer Aussage so fürchterlich ist.

      1. Ich finde er liegt sehr, sehr richtig. Wieso ziehen denn junge Mädels aufreizende Kleidung an? Wohl eher nicht weil sie das von ihrer Mutter vorgelebt bekommen. Wohl eher von ihren Idolen aller Beyonce. Und wieso vermarktet diese Frau ihren Körper knapp verhüllt? Aus einem Grund: sex sells. Es ist nun mal im Genpool des Mannes verankert, dass er auf optische Reize reagiert. Das ist die Natur. Wer meint dieses durch die Natur ausgelöste Interesse mit Regeln aller „erzieht den Jungs das ab“ zu „bekämpfen“ wäre sinnvoll, ist für mich kein deut besser als die Kirche die damals sagte, dass Homosexualität heilbar wäre.

  5. Der Vorgang zeigt doch lediglich, wie verrückt das Land geworden ist. Wenn Jungs auf die Beine der Mädchen starren, ist das fürchterlicher Sexismus und schon vielleicht „optischer Mißbrauch“ (das wäre doch was Innovatives für Herr Maas). Ob nun den Mädchen einfach zu heiß ist oder ob sie die Jungs aufreizen wollen (auch das soll es ja geben), so ist es immer weibliche Selbstbestimmung, die unbedingt und überall schützenswert ist. Vielleicht hatten die Lehrer auch nur Angst, dass sie „falscher Blicke“ bezichtigt würden. Dies ist also nichts anderes als eine Umkehr der Hexenverbrennung, wo hauptsächlich das „böse Weib“ der Kern aller Probleme war. Z. Zt. werden natürlich Jungs noch nicht verbrannt. Dem Land würde es dennoch nicht schaden, wenn die „politisch Korrekten“ aller Coleurs einfach mal den Satz „Wenn Du geschwiegen hättest, wärst Du ein Philosoph geblieben“ verinnerlichen würden. Die jungen Leute sollten nicht gegängelt werden, sondern die Fähigkeiten vermittelt bekommen, die sie zur Bewältigung ihres Lebens benötigen. Dies allerdings durchaus mit der nötigen Konsequenz.

    1. Ich glaube, Sie haben da etwas völlig falsch verstanden. Es redet doch niemand von „optischem Missbrauch“, also bitte nicht gleich wieder losschäumen.

      Hotpants können aber wirklich eine massive Störung des Unterrichts bedeuten. Denn dort sollen Jungs halt auf die Tafel starren. Zudem ist der Kleidungsstil vieler Teenager bereits die Folge eines durchsexualisierten Selbstbildes. Das ist doch das Traurige, dass so viele Mädchen glauben, nur etwas Wert zu sein, wenn sie sich „geil“ anziehen und damit alle Blicke auf sich ziehen. Dass dies dann auch für Lehrer gilt, ist nun wirklich nicht verwunderlich.

      Verbote sind da in der Tat sinnlos. Aber, Anja: Nicht die postpubertierenden Junge müssen „gerüffelt“ werden, sondern alle Jugendliche müssen aufgeklärt werden über innere und äußere Werte, über Youporn und Intimität. Doch wer soll das tun? Die Lehrer?

    2. Ja. Ja und nochmals ja. Das ist genau der Punkt. Lass die Mädchen sich anziehen wie sie mögen, bringt den Jungs bei damit umzugehen. Und lasst, um Himmels Willen, pubertierende jugendliche dass sein was sie sind.

  6. Darf man am redlichen Verstand der Sprecherin des Kultsministeriums und der Kommentatorin Anja zweifeln? Man muss! Hanna dagegen scheint den Vorgang richtig erfasst zu haben..

  7. Es ist wohl noch niemand auf die Idee gekommen, dass es sich um sexuelle Belästigung den Lehrern gegenüber handeln könnte… Nur weil es sich um minderjährige Mädels handelt, sind diese keine Unschuldsengel – sexuelle Belästigung kommt auch a, bei Jugendlichen (sowohl Täter wie auch Opfer), und b, durchaus vom weiblichen Geschlecht ausgehend, vor. Auch wenn das die Wenigsten wahrhaben wollen.
    Und im Übrigen sexualisiert nicht das Verbot den weiblichen Körper – vielmehr tut das unter anderem die Länge der Hotpants. Man muss nicht in Unterwäsche rumlaufen, um nicht zu überhitzen, oder machen das die Beduinen etwa?
    Hat die Hosenlänge also nicht vielleicht doch was mit Mode, und damit verbunden Attraktivität/Sexappeal zu tun? Warum ziehen wir uns denn an, wie wir uns eben anziehen?
    Allen Leuten, die sich über die Schulleitung bzw das Verbot aufregen, zufolge müsste also jeder überall das anhaben, was bequem und funktional ist und in dem er/sie sich wohlfühlt (und natürlich will niemand sexy sein, vor allem keine 16jährigen Mädels).

    1. Nachtrag:
      Natürlich möchte ich niemanden diskriminieren. Dass ich mich vor allem an den Mädels aufhänge, ist dem geschuldet, dass sich Jungs oder Männer im Allgemeinen nicht so sehr entblößen. Natürlich gilt all das, was ich bereits oben geschrieben habe, auch für das männliche Geschlecht – wenn ein Schüler mit nacktem Oberkörper bspw in der Klasse sitzt, nimmt sich das nicht viel im Vergleich zu den Hotpants. Seltsamerweise sehe ich persönlich aber nicht 50% aller männlichen Schüler mit freiem Oberkörper rumlaufen. Ist denen etwa nicht warm?!

      1. Doch, allerdings scheinen sie es eher zu erdulden oder sind zu sehr damit beschäftigt den Mädchen auf die Beine zu schauen 😉 .

  8. Ich bin auf eine christliche Privatschule gegangen. Spaghetti-Tops, sowie zu kurze Röcke und Hotpants waren seit der ersten Klase tabu und daher nie ein Thema. Weder für uns Mädchen noch für die Lehrer.

  9. Das finde ich so unaussprechlich furchtbar. Wenn Jungs auf die Beine der Mädchen schauen und nicht auf die Tafel, dann wird als „Lösung“ empfohlen, dass die Mädchen ihre Beine bedecken müssen. Wie wäre es stattdessen mit einem kräftigen Rüffel für die Jungs???!!! Oder mit spannenderem Unterricht? Wird das alles eigentlich nie besser? Auch im 21. Jahrhundert nicht? Und wenn die männlichen Lehrkräfte sich durch nackte Mädchenbeine bereits gestört fühlen – dann heben die werten Herren wohl ihren Beruf verfehlt! Sie sollten das Problem bei sich suchen, nicht bei den jungen Frauen.

    1. Ich darf Deinem Kommentar zustimmen, dass der Unterricht spannender gemacht werden sollte.
      Allerdings gebe ich zu bedenken, dass ein „Rüffel“ nichts bringen würde, weder den Jungs noch den Mädchen. Damit würde den Jungs beigebracht, dass sich Mädchen immer bekleiden dürfen wie sie wollen und das es Jungs egal sein soll und sie dieses ignorieren sollen.

      Erstens fühle ich mich als Mann derzeitig massiv belästigt, da manche/r Frau/Mann meint am besten gar nichts anziehen zu müssen und dieses mit Freiheit und Toleranz begründen. Heißt das nun im Umkehrschluss ich muss mich in meiner Wohnung verstecken um das alles nicht sehen zu müssen? Wo ist meine Freiheit?

      Zweitens will ich meiner Tochter und meinem Sohn nicht das Gefühl vermitteln, das nur „sexualisierte“ Kleidung angebracht sei. Welches Bild vermittle ich dann Ihnen und komme ich dann meiner Aufgabe als Erziehungsberechtigter noch nach?

      Ein Lösungsvorschlag meinerseits, es mag altmodisch sein, aber ich bin der Meinung man kann bei der Hitze auch leichte luftige Kleidung tragen, die wenigsten einen gewissen Teil des Körpers verdeckt, wohl gemerkt Frau und Mann. Mir schwebt dort bei allen Geschlechtern folgendes vor, ein leichter Ausschnitt, Schultern bedeckt und Kleidung bis oberhalb der Knie.

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