Vom Wackel-Video bis zur News-Show: der Bewegtbild-Check zum Greferendum

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Das Griechenland-Referendum war auch ein Test, wie Verlage mit dem Trend Digital-Video bei aktuellen Groß-Ereignissen umgehen. Eine Sichtung nach dem Tag des Referendum zeigt, wie unterschiedlich Spiegel Online, Bild.de, FAZ.net & Co. das Thema Bewegtbild umsetzen - sowohl vom Konzept her, als auch vom betriebenen Aufwand.

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Den mit Abstand größten Aufwand betreibt Bild.de. Springers Boulevard-Portal produzierte eine moderierte News-Show mit Namen „Update“ zum Thema „Referendum in Athen“. Moderator Moritz Wedel präsentierte Schalten nach Griechenland zu Bild.de-Chefredakteur Julian Reichelt und Bild-Reporter Paul Ronzheimer. Im Hintergrund laufen Reuters-Videos oder unscharfe Handy-Videos, wahlweise von Geldautomaten oder feiernden Griechen. Dann gibt es noch Standbilder des vor einer Bank zusammengebrochenen Rentners und ein paar Aussagen einer griechischen Journalistin, wobei bei der Übersetzung „Dollar“ mit „Drachme“ übersetzt wurde.

Moderator Wedel macht seine Sache souverän, das digitale Studio ist hoch-professionell. Bild betreibt mit großem personellen und finanziellen Aufwand Video-Berichterstattung in all ihren Spielarten. Egal ob Live-Übertragungen mit Periscope, das neue mobil-optimierte News-Format „Bild Daily“ oder die eher an konventionelle TV-Nachrichten angelehnte Sendung „Bild Update“  – Bei Bild meinen sie es mit dem Thema Video offenbar sehr ernst.

Bei der zweiten Medienmarke aus dem Hause Axel Springer, der Welt, werden dagegen fleißig die Synergien mit dem hauseigenen Nachrichtensender N24 genutzt. Alle Videos zum Thema Griechenland, die wir bei Welt.de gefunden haben, waren N24-Produktionen. Da Springer Die Welt und N24 ohnehin zusammengespannt hat, ergibt das natürlich auch Sinn, zumal die Welt digital auf diese Weise Zugriff auf professionell produziertes Bewegtbild-Material in Hülle und Fülle hat. Dazu nutzte Martin Heller, Head of Video bei Welt und N24, auch fleißig die Live-App Periscope für Stimmungsberichte:

Keine Synergien feststellbar waren dagegen bei Spiegel Online. Obwohl der Spiegel Verlag mit Spiegel TV auch eine TV-Firma im Haus hat, finden sich bei Spiegel Online zum AUfgang des Referendums vor allem Agenturvideos von Reuters. Bei Spiegel Online wird sogar ein kommentarloses Reuters-Video, dass den griechischen Staatschef Alexis Tsipras bei der Stimmabgabe zeigt und das offenbar eher zur Bebilderung von einem gesprochenen Text gedacht war, einfach mit dem Zusatz „no comment“veröffentlicht. Eigene Produktionen, die das Ergebnis des Referendums aufarbeiteten, suchten wir vergeblich.

Bei den Online-Präsenzen von Süddeutscher Zeitung, Frankfurter Allgemeinen Zeitung und stern sieht es ganz mau aus mit aktuellen Videos zum Griechenland-Referendum. Franz Nestler, der FAZ-Mann vor Ort in Athen, stellte zwar einige Vine-Kurzvideo in seinen Twitter-Feed:

Auf der Seite FAZ.net findet sich allerdings kein aktuelles Bewegtbild-Material zum Thema. Schade, dass dort noch nicht einmal die Vine-Videos des eigenen Reporters eingebunden werden. Bei SZ.de oder stern.de ist auch kein eigenes Videomaterial zu finden. Aktueller ist da Focus Online, wo ein Wackel-Video der Athen-Korrespondentin präsentiert wird und einen energischer Kommentar, den ein Redakteur vor einem Paravent eingesprochen hat. Das wirkt ein wenig improvisiert und ist Welten entfernt von der Aufbereitung des Themas bei Bild.de – aber immerhin hat man sich bemüht, aktuelles, eigenes Bewegtbild-Material, wenn auch mit bescheidenen Mitteln, zu liefern.

(swi)

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Alle Kommentare

  1. Mit der „Berichterstattung“ über das Griechenland-Referendum haben sich die Mainsream-Medien ihre eigenes Grab geschaufelt: Nur Idioten können diese Art der „Berichterstattung“ noch halbwegs ernst nehmen.

    Die Firmen werden es an ihren Verkaufserlösen merken und damit werden auch die geheimen Stützungsgelder der Geheimdienste und Lobbygruppen zurückgehen …

    Die Journaille hat den Bogen einfach überspannt.

    Gut so.

    Verschwörungstheorien?

    Die Gaußsche Normalverteilung sagt klar das, was auch die Griechen sagen und mit ihnen sechzig Prozent ALLER wirklichen Europäer:

    Nein!

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