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„Es war ein Fehler“: Vapiano rudert nach Warnung vor WamS-Reporterin zurück

Vapiano hatte bereits im Mai versucht, Recherchen der Welt am Sonntag mit Hilfe von Anwälten zu stoppen. Die Manager sollen ihre Angestellten außerdem explizit vor der Reporterin Anette Dowideit gewarnt haben. Fotos von ihr hingen angeblich in Mitarbeiterräumen und wurden sogar in WhatsApp-Gruppen verschickt. Gegenüber MEEDIA räumt Vapiano ein: "Es war ein Fehler". Doch Vorstand und Zentrale hätten nichts davon gewusst.

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„Ich weiß, wer du bist. Wir sollen mit dir nicht reden. Dein Foto hängt bei uns im Mitarbeitteraum.“ Mit diesem Satz begrüßte ein Mitarbeiter der Restaurantkette Vapiano die Welt-am-Sonntag-Reporterin Anette Dowideit. Sie war unterwegs, um die tatsächlichen Arbeitszeiten der Angestellten zu recherchieren.

Arbeitsstunden wurden manipuliert

Wie die Welt am Sonntag berichtet, hätte die Redaktion außerdem wenige Tage zuvor Screenshots mehrerer Nachrichten zugespielt bekommen, in denen ein Bezirksmanager seine Restaurantchefs vor der Reporterin warnt. Via WhatsApp seien Fotos von Dowideit verschickt worden, die offenbar aus dem Internet heruntergeladen wurden. Am Samstagmittag habe außerdem ein Manager aus der Konzernzentrale bei der Welt am Sonntag angerufen und sich nach dem Stand der Recherche erkundigt. Auf die Fotos von Anette Dowideit angesprochen, habe er betont, davon nichts zu wissen.

Dowideits Recherchen waren trotz der Hindernisse aufschlussreich, und sie sprach sowohl mit einem Ex-Manager als auch mit Ex-Auszubildenden der Restaurantkette. In der aktuellen Ausgabe sowie in einem Video berichtet die Welt am Sonntag darüber, dass die Arbeitszeiten der Mitarbeiter offenbar manipuliert werden. Ehemalige Mitarbeiter erheben schwere Vorwürfe gegen Vapiano: In vielen Filialen würden Arbeitnehmer systematisch um ihren Lohn geprellt und die Arbeitsstunden nachträglich manipuliert. Für die Azubis hätten, so der Bericht, außerdem 12-Stunden-Tage selbstverständlich zum Arbeitsalltag dazu gehört – die Überstunden würden jedoch nicht bezahlt.

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Vapiano-Vorstandsmitglied Jochen Halfmann reagierte am Sonntag in einer offiziellen Stellungnahme auf die schweren Vorwürfe: „Mich machen die geschilderten Fälle der Vergangenheit des Mitarbeiters Patrick S. und der Auszubildenden Selina M. und Stefanie R. sehr betroffen. So etwas darf nicht passieren. Ich habe daher die unabhängige Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers mit einer schonungslosen und rückhaltlosen Aufklärung der Vorfälle beauftragt. Bei aufgedecktem Fehlverhalten werden wir personelle Konsequenzen ziehen.“

Ein übereifriger Bezirksmanager verschickte WhatsApp-Warnungen

Gegenüber MEEDIA betonte Mirko Kaminski, CEO der Kommunikationsagentur achtung!, die für die Betreuung der Kette zuständig ist, Vorstand und Zentrale von Vapiano hätten die WhatsApp-Nachricht vor dem Hinweis von Anette Dowideit nicht gesehen und schon gar nicht veranlasst. „Ein Bezirksmanager war offenbar übereifrig und wollte vermutlich unter anderem dafür sorgen, dass Frau Dowideit bei einem etwaigen Besuch in den Berliner Restaurants dieses Mal einen wirklich perfekten Service vorfindet“, erklärt er. Im Mai hatte die Reporterin bereits die „chaotischen Zustände“ vor allem in den Berliner Restaurants kritisiert.

Generell seien zwar alle Restaurants angehalten, bei formellen Presseanfragen vor Ort an die Presseabteilung zu verweisen. Doch Kaminsky räumt ein: „So oder so: Es war ein Fehler. Und Vorstand und Zentrale sind alles andere als glücklich darüber. Alle Bezirksleiter sind aus diesem Anlass sensibilisiert worden, welche Wirkung ein solches Handeln haben kann.“

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Alle Kommentare

  1. „…in vielen Filialen würden Arbeitgeber systematisch um ihren Lohn geprellt…“ – bevor ich Mitleid mit den Chefs kriege, bitte korrigieren.

  2. Eine wichtige Ergänzung: Der Bezirksleiter, von dem die What’s App-Nachrichten verschickt wurden, war nicht der aus Berlin. Es gab die Warnung also in mindestens zwei Bezirken.

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