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Neue Studie kritisiert: ARD/ZDF-Politmagazine zu unpolitisch

Vier der politischen Prime-Time-TV-Magazine: Monitor, Report Mainz, Spiegel TV und Frontal 21
Vier der politischen Prime-Time-TV-Magazine: Monitor, Report Mainz, Spiegel TV und Frontal 21

Die Studien der Otto Brenner Stiftung sind nicht dafür bekannt, die Medienwelt allzu rosig zu sehen. Unter der Federführung des ehemaligen Geschäftsführers des Grimme-Instituts, Bernd Gäbler, schaute sich das Gesellschaftsforum der IG Metall nun "Monitor", "Panorama", "Kontraste" & Co. genau an.

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Die Untersuchung kommt zu dem Ergebnis, dass die meisten Formate tatsächlich zu unpolitisch seien und mit ihren Beiträgen meist zu spät kommen würden.

„Generell aber gab es zu wenige Highlights, zu viele durchschnittliche Berichte, die teilweise eher in Regionalmagazinen gut aufgehoben gewesen wären, als dass man den politischen Magazinen dauerhaft und nachhaltig die Eigenschaft hätte zusprechen können, für das Agenda Setting eine bedeutende Kraft sein“, heißt es im Resümee. „Dies hat aber sehr viel mit der Themenauswahl und der Art der Berichterstattung zu tun. Selbst wenn zu konstatieren ist, dass die politischen Magazine immer wieder interessante Einzelheiten präsentieren, wagen sie sich zu selten an große Themen heran.“

Gäbler kritisiert, dass die Sendungen zu oft über Einzelschicksale berichten würden, ohne deren gesellschaftliche Relevanz deutlich zu machen. Vieles werde „nicht gesendet, damit ein Thema dadurch relevant wird, sondern sie gelangen erst ins Fernsehen, wenn sie bereits Relevanz besitzen“.

Bei der ARD kritisiert der Autor „eine ungenügende Markenführung“. Sechs Magazine an zwei Sendeterminen. Das seien zu viele. Insbesondere „Kontraste“ und „Fakt“ hätten im  Beobachtungszeitraum wenig eigene Recherchen aufzuweisen und kaum außergewöhnliche Beiträge entwickelt.

Sechs unterschiedliche ARD-Formate sind zu viele

Weit besser kommt das ZDF bei Gäbler weg. So bietet „Frontal 21“ am meisten Abwechslung, allerdings fehle es aber an redaktioneller Stärke „für ein kontinuierlich hohes Niveau der Beiträge und an einer langfristigen Recherchestrategie“.

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Zu Spiegel TV heißt es, dass es zwar immer wieder einzelne gute Beiträge gibt, doch gleichzeitig beobachtet der Autor eine Entwicklung zu einem „bunten Gesellschaftsmagazin“. Eine Mitschuld soll RTL tragen, die das Format auch nicht gerade „pfleglich“ behandeln würden.

Bernd Gäbler diskutiert mit Betroffenen seiner Studie über Politik-Magazine #nr15

Ein von Alexander Becker (@axbecker) gepostetes Foto am

Grundsätzlich kommt die Otto Brenner Analyse zu dem Ergebnis, dass insgesamt sechs unterschiedliche Formate zu viel seien, „um mit den politischen Magazinen tatsächlich neue Strahlkraft zu entwickeln.“ Gäbler empfiehlt eine „Reduktion auf zwei Formate“.

Für seine Untersuchung schaute und analysierte Gäbler alle Ausgaben und Einzelbeiträge der ARD-Sendungen „Monitor“, „Panorama“, „Fakt“, „Kontraste“, „Report Mainz“, „Report München“, „Frontal 21“ (ZDF) sowie Spiegel TV Magazin (RTL), die von September bis Dezember 2014 ausgestrahlt wurden.

„Die jahrelange ARD-interne Debatte ist beendet“

In einer ersten Reaktion lehnte das Erste die Resultate von Gäbler erst einmal ab:  „Die jahrelange ARD-interne Debatte ist beendet“, sagte ARD-Chefredakteur Thomas Baumann der Deutschen Presse-Agentur. „Wir haben sechs sehr starke, eingeführte Marken. Es gibt keinen Grund, sie preiszugeben, zumal diese auch journalistische Vielfalt widerspiegeln.“

Die betroffenen Sendungen halten ebenfalls wenig von der Analyse. So zweifelte „Panorama“-Moderatorin Anja Reschke während des Journalisten Treffens von Netzwerk Recherche überhaupt die Wissenschaftlichkeit von Gäblers Arbeit an. „Ich war enttäuscht, weil es keine Studie ist“. Deshalb sollte es eher heißen: „Bernd Gäbles Meinung zu den politischen Magazinen“.

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