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Account und Tweets gelöscht: Was bleibt von WDR_Leaks?

WDR-Hörfunkdirektorin Valerie Weber
WDR-Hörfunkdirektorin Valerie Weber

Der Twitter-Account @WDR_Leaks, auf dem WDR-Mitarbeiter anonym interne Informationen preisgaben, wurde gesperrt und sämtliche Tweets gelöscht. Sie hätten ihr Ziel erreicht und auf die Missstände beim Sender aufmerksam gemacht, betonten die Verantwortlichen. Doch der despektierliche Tonfall der Tweets sowie persönliche Beleidigungen dürften die Situation nur weiter verschärft und eine konstruktive Debatte erschwert haben.

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Am Dienstag startete bei Twitter @WDR_Leaks: ein anonymer Account, auf dem nach eigenen Angaben „sachdienliche Inhalte“ zur „fragwürdigen“ und „stillen“ Programmreform veröffentlicht wurden. Die Whistleblower verbreiteten interne Dokumente aus Konferenzen und beschwerten sich über Sparmaßnahmen und Qualitätsverlust.

„Der Account ist eine Ohnmacht“

Die anonymen Betreiber des Accounts kämpften sowohl für bessere Arbeitsbedingungen („Der letzte Zuarbeiter geht um 21 Uhr nach Hause. Bis 24 Uhr sitzt der verantwortliche Redakteur (Dienstleister) allein da. #unfassbar“) als auch für die redaktionelle Qualität des Senders. Dass alle Nachrichten der Radiosender (bis auf 1Live) vereinheitlicht und auf 3,5 Minuten gekürzt werden sollen, halten sie für „journalistisch nicht vertretbar“.

Diese Kritik beziehungsweise die Sorgen der für den Twitter-Vorstoß Verantwortlichen sind durchaus berechtigt – und auch ihre große Verzweiflung wird deutlich. Offensichtlich sahen sie keine andere Möglichkeit mehr, auf die mangelhaften Zustände hinzuweisen. „Keiner traut sich intern oder öffentlich noch was zu sagen. Der Account ist eine gewisse Ohnmacht, weil wir nicht mehr weiterwissen“, erklären sie im Interview mit Radiowatcher. Außerdem würden viele „da oben“ gar nicht wissen, was die „da unten“ für Sorgen haben; Intendant Tom Buhrow zum Beispiel hätte keine Ahnung, was schief läuft.

Persönliche Anfeindungen und Spott

Die Stimmung in der Sendeanstalt scheint katastrophal – und Hörfunkdirektorin Valerie Weber ein regelrechter Tyrann. Eine „Alleinherrscherin“ ohne Kompetenz und ohne Gesprächsbereitschaft. Radiowatcher zitiert die Whistleblower: „Sie platzt in Redaktionsbesprechungen rein, hat keine Ahnung von den Öffentlich-Rechtlichen und auch von journalistischen Grundkenntnissen haben wir wenig mitbekommen.“

An dieser Stelle wird @WDR_Leaks jedoch problematisch, schließlich greifen die Verantwortlichen hier eine Einzelperson direkt, öffentlich – und vor allem persönlich – an. Sie bezeichnen Weber bei Twitter despektierlich als „verantwortliche Dame“ und als „Elefant im Porzellanladen“. Und sie spotten schadenfroh über das Chaos, was sie hervorgerufen haben: „War heute übrigens ein ganz schönes Gewirbel in der WDR-Chefetage und Frau Weber ziemlich aufgeregt. Die arme.“

Die Mitarbeiter sind frustriert – womöglich zu Recht – doch der bissige Tonfall, mit dem sie unter dem Schutzmantel der Anonymität auf die Problematik hinweisen, ist fragwürdig – und dürfte vor allem wenig zu einer konstruktiven Debatte beitragen. Valerie Weber warf den Verantwortlichen hinter @WDR-Leaks bereits am Mittwoch Illoyalität vor – und zeigte sich ihrerseits frustriert: „Deshalb enttäuscht es mich besonders, dass solche kreativen Prozesse in dieser filigranen Phase des Entstehens – wenn noch gar nichts entschieden ist – nach außen getragen werden.“

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Der Account wurde geschlossen und Tweets gelöscht

Am Donnerstag verkündeten die anonymen Mitarbeiter, den Account am kommenden Samstag schließen zu wollen und löschten kurz darauf beinah alle bislang veröffentlichten Tweets. Sie hätten ihr Ziel, Aufmerksamkeit für die Situation, erreicht. Bereits am Freitagvormittag war @WDR_Leaks dann komplett verschwunden, was bei einigen Twitter-Nutzern für Verwunderung sorgte:

Es fällt nicht schwer, sich die Stimmung beim WDR nach den Leaks vorzustellen: Unsicherheit, Misstrauen auf beiden Seiten und – sowohl in der Chefetage als auch bei vielen Mitarbeitern – die drängende Frage, wer die Whistleblower wohl sein mögen.

Die Köpfe hinter WDR Leaks betonten, sowohl freie als auch feste WDR-Mitarbeiter würden um ihre Jobs fürchten. Es ist unwahrscheinlich, dass diese Angst nun geringer geworden ist. Ebenso fraglich ist, ob die Gesprächsatmosphäre durch die Aktion verbessert wurde und welche Folgen @WDR_Leaks haben wird. Denn mit persönlichen Anfeindungen dürften die verhärtete Fronten nicht aufgeweicht werden – eher im Gegenteil.

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