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Die vier spannendsten Trends bei der Mediennutzung in Deutschland

Die Allensbacher Markt- und Werbeträgeranalyse bietet jährlich nicht nur die Reichweiten-Rankings der Printmedien, sondern auch zahlreiche Erkenntnisse über die Mediennutzung der Deutschen – und das mit Daten, die zum Teil Jahrzehnte abdecken. MEEDIA zeigt die vier spannendsten Trends – von Mobile bis Print.

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1. Mobile boomt – selbst bei den Über-50-Jährigen

59% der Internetnutzer in der deutschsprachigen Bevölkerung ab 14 Jahren geht bereits mit einem Smartphone bzw. Handy ins Web. Damit sind die Telefone bereits das zweitstärkste Internet-Gerät. Nur Notebooks und Laptops werden noch häufiger für das Web angeschaltet – von 68% der Nutzer. Dekstop-PCs liegen mit 54% hingegen schon dahinter. Tablets kommen immerhin auf 27%.

Bei den 14- bis 29-Jährigen nutzen bereits 84% das Web mit Smartphone und/oder Tablet. 2012 – also vor nur drei Jahren – waren es ganze 35%. Ein unglaublicher Boom in kurzer Zeit. Spannend: Selbst bei den 50- bis 69-Jährigen liegt die Nutzung des mobilen Webs schon bei 35%. Einzig die Über-70-Jährigen sind Mobile-Muffel – mit 8%. Allerdings ist der Anteil der Web-Nutzer in dieser Altersgruppe mit 42% ohnehin am niedrigsten.

2. Internet ist das Informationsmedium Nummer 1 – aber nicht für tagesaktuelle Nachrichten

Kaum eine andere Statistik zeigt den Siegeszug des Internets so gut wie diese:

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2002 war das Web also noch das Informationsmedium Nummer 5 – weit abgeschlagen hinter Fernsehen und Zeitungen und auch hinter Zeitschriften und Radio. Seit 2014 ist das Netz die Nummer 1 dieser Liste, hat sogar das Fernsehen abgelöst.

Allerdings handelt es sich hierbei um die sehr allgemeine Frage danach, wo man sich näher über ein Thema informiert. Spannend wird es bei der Frage nach tagesaktuellen Infos. Hier liegt das Internet nämlich immer noch nur auf Platz 4. Deutlich hinter dem Fernsehen, der Zeitung und dem Radio. Zwar büßt hier insbesondere die Zeitung Leser ein, doch das Web konnte zwischen 2012 und 2015 nur um 2 Prozentpunkte wachsen.

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Zahlen, die den Machern der großen Online-News-Plattformen nicht gefallen werden. 81% der Nutzer von Nachrichten im Internet gaben zudem an, sich am selben Tag auch in anderen Newsmedien informiert zu haben, 42% verschaffen sich im Web einen Überblick und vertiefen ihn in der Tageszeitung.

3. Die Probleme der Tageszeitungen werden in den kommenden Jahrzehnten riesig

Tageszeitungen sind also noch das zweitwichtigste Informationsmedium für Nachrichten. Ausruhen dürfen sich die Verlage auf dieser Erkenntnis aber auf keinen Fall. Eine Kohortenanalyse der AWA zeigt nämlich, wie sehr die Probleme des Mediums Tageszeitung in den kommenden Jahrzehnten wachsen werden.

Derzeit profitieren die Verlage noch von denjenigen, die schon in jungen Jahren mit der Zeitung aufgewachsen sind. So lasen Leute im Alter von 20 bis 24 Jahren 1970 zu 81,2% eine Zeitung. 45 Jahre später lesen dieselben – inzwischen 65 bis 69 Jahre alt – immerhin noch zu 73% eine Tageszeitung. Auch bei denjenigen, die erst 1980 oder 1990 20 bis 24 Jahre alt waren, nahm die Zahl der Zeitungsleser im Laufe der Jahrzehnte nicht radikal ab. Aus 73,1% Zeitungslesern unter den 20- bis 24-Jährigen im Jahr 1980 wurden z.B. 63,7% unter den 55- bis 59-Jährigen 2015.

Das große Problem: Seit dem Jahr 2000 bricht die Zahl der Zeitungsleser unter den 20- bis 24-Jährigen radikal zusammen. Waren es unter denjenigen, die 1995 dieses Alter erreicht hatten, noch 63,4%, sind es bei den 20- bis 24-Jährigen im Jahr 2015 nur noch 28,9%. Selbst wenn sich die Zahl bei den 30- bis 34-Jährigen noch um ein paar Prozentpunkte steigern sollte, wie es in den früheren Generationen vorkam, werden sich die Verlage auf weitere extreme Auflagenverluste einstellen müssen, wenn die Leute, die heute 45 Jahre oder älter sind, im Laufe der Jahrzehnte sterben.

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4. Junge Menschen interessieren sich weniger für gesellschaftliche Themen und Tagesaktuelles

Nicht nur für die Medien, sondern für die Gesellschaft insgesamt bedenklich ist der Trend, dass sich junge Menschen offenbar immer weniger für die wichtigen Themen interessieren. So ist die Zahl derjenigen, die sich für Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Kunst und Kultur oder Natur- und Umweltschutz interessieren, zwischen 2000 und 2015 bei den 14- bis 29-Jährigen um 15% geschrumpft, bei den 30- bis 44-Jährigen um 12%. Bei den Über 60-Jährigen wuchs sie hingegen sogar um 3%. Der Anteil der politisch Interessierten in der Bevölkerung liegt 2015 in allen Altersschichten zwischen 14 und 59 unter dem aus dem Jahr 2000.

Bestätigt wird das durch eine Analyse zum Interessenhorizont bei den Unter-30-Jährigen: Lag der im Jahr 2000 noch 16% über dem in der Gesamtbevölkerung, fiel er im Jahr 2015 auf das Bevölkerungs-Normalniveau. Das Interessenspektrum der Jugend wird also offenbar immer enger.

Unter dem rückläufigen Interesse an relevanten Informationen leiden vor allem die Printmedien, aber auch das Fernsehen. TV-Nachrichten sehen bei den Unter-30-Jährigen nur noch 62% sehr gern oder gern, vor zehn Jahren waren es noch 70%. Bei den älteren Zuschauern ist hier kein Abwärtstrend erkennbar. Eine Tageszeitung lesen bei den 14- bis 29-Jährigen nur noch 27%, vor zehn Jahren waren es 45%. Das Internet kann diese rückläufigen Zahlen nur bedingt kompensieren. So stieg die Zahl der Internetnutzer, die das Web auch für aktuelle Informationen aus Politik, Wirtschaft, Sport und Kultur nutzen, bei den 20- bis 29-Jährigen seit 2005 zwar von 39% auf 49%, bei den 14- bis 19-Jährigen aber nur von 30% auf 33%. Bei den Unter-30-Jährigen „Weitgehend Printabstinenten“, informieren sich dramatische 53% auch in keinem anderen Newsmedium – auch nicht im Netz. Eine große Herausforderung – nicht nur für die Medien.

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