AWA: Printreichweiten schrumpfen – zum Teil dramatisch

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Die Allensbacher Markt- und Werbeträgeranalyse bescheinigt der Mehrzahl der untersuchten Print-Produkte erneut schwindende Leserzahlen. Rund zwei Drittel der etwa 240 Titel büßten Reichweite im Vergleich zu 2014 ein. Für einige ging es um mehr als 10% nach unten, darunter große Programmzeitschriften, der kicker und die Computer Bild.

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An der Spitze der Reichweiten-Rangliste der Publikumszeitschriften finden sich wie gehabt die Apotheken Umschau, die ADAC motorwelt und rtv. Vor allem die ADAC motorwelt büßte dabei aber kräftig ein: 1,10 Mio. Leser gingen ihr abhanden – womöglich eine Folge der ADAC-Skandale Anfang 2014.

Stärkstes am Kiosk erhältliches Blatt ist die Bild am Sonntag mit 7,94 Mio. Lesern pro Ausgabe, auch sie verlor allerdings mehr als 7%. Ohnehin finden sich im Vorderfeld der Tabelle nur wenige Gewinner: Neben rtv sind das in der Top 25 nur der Senioren Ratgeber und die Landlust, also ganze drei von 25 Titeln.

Allerdings hat sich im Vergleich zu 2014 die Hochrechungsbasis, also die Grundgesamtheit verringert. Geschehen ist das durch die Tatsache, dass erstmals die Daten des Zensus verwendet wurden. Dadurch beziehen sich die Reichweite nur noch auf 69,24 Mio. Deutschsprachige ab 14 Jahren und nicht mehr auf 70,52 Mio. wie im Vorjahr. Ein Minus von 1,8% wäre bei den Print-Reichweiten daher normal. Beachtet man diese Tatsache, so kommen zu den drei Gewinnern noch TV14 und der Diabetes Ratgeber, die beide weniger als 1,8% Leser eingebüßt haben. Fünf statt drei Gewinner verbessert die Print-Bilanz der Top-Titel allerdings auch nicht fundamental.

Die deutlichsten prozentualen Rückgänge verzeichnen in der Top 25 TV Spielfilm plus (inklusive TV Today), die Hörzu, TV Movie und der kicker. Für sie ging es jeweils um mehr als 10% nach unten. Knapp unter der 10%-Marke blieb die Brigitte, mehr als 8% verloren haben noch die Sport Bild, Geo und Schöner Wohnen. Für die drei großen Wochenmagazine stern, Spiegel und Focus ging es um 2,5%, 3,9% und 6,0% nach unten.

AWA 2015: Die Top 50 der Zeitschriften
RW in Mio. 2015 vs. 2014
1 Apotheken Umschau Kombi A+B 20,03 -0,86 -4,1%
2 ADAC motorwelt 12,85 -1,10 -7,9%
3 rtv 9,27 0,17 1,9%
4 Bild am Sonntag 7,94 -0,62 -7,2%
5 Stern 7,30 -0,19 -2,5%
6 Prisma 5,96 -0,20 -3,2%
7 Der Spiegel 5,60 -0,23 -3,9%
8 TV Spielfilm plus 5,59 -0,66 -10,6%
9 Senioren Ratgeber 4,84 0,05 1,0%
10 Landlust 4,46 0,29 7,0%
11 Hörzu 4,43 -0,55 -11,0%
12 TV Movie 4,38 -0,66 -13,1%
13 TV14 3,99 -0,04 -1,0%
14 Focus 3,62 -0,23 -6,0%
15 Bild der Frau 3,39 -0,20 -5,6%
16 Sport Bild 3,36 -0,30 -8,2%
17 Test 3,36 -0,12 -3,4%
18 Geo 3,32 -0,29 -8,0%
19 Bunte 3,21 -0,21 -6,1%
20 TV Digital 3,20 -0,11 -3,3%
21 Auto Motor und Sport 2,95 -0,15 -4,8%
22 Brigitte 2,89 -0,31 -9,7%
23 Diabetes Ratgeber 2,81 -0,04 -1,4%
24 Schöner Wohnen 2,73 -0,25 -8,4%
25 Kicker Sportmagazin 2,56 -0,32 -11,1%
Quelle: AWA 2015 / Tabelle: MEEDIA

Ein paar mehr Aufsteiger – sieben an der Zahl – gibt es auf den Rängen 26 bis 50. Leser hinzu gewonnen haben hier Mein schöner Garten, die Edeka-Zeitschrift Mit Liebe Das Genussmagazin, Ratgeber – Meine Apotheke, Gruppe Mein Eigenheim, Wohnglück, Tina plus und Baby und Familie.

Mehr als 10% verloren aber auch hier diverse Titel: Essen & Trinken, Computer Bild, Freizeit Revue, TV Hören und Sehen, Die Aktuelle und Cosmopolitan.

AWA 2015: Die Top 50 der Zeitschriften
RW in Mio. 2015 vs. 2014
26 Mein schöner Garten 2,55 0,05 2,0%
27 Mit Liebe Das Genussmagazin 2,50 0,17 7,3%
28 Essen & Trinken 2,38 -0,41 -14,7%
29 Ratgeber-Meine Apotheke 2,38 0,11 4,8%
30 Auto Bild 2,33 -0,25 -9,7%
31 Neue Apotheken Illustrierte 2,30 -0,21 -8,4%
32 Gala 2,23 -0,18 -7,5%
33 Computer Bild 2,18 -0,26 -10,7%
34 Freundin 2,10 -0,18 -7,9%
35 Gruppe Mein EigenHeim 2,07 0,02 1,0%
36 Super illu 2,06 -0,16 -7,2%
37 Freizeit Revue 2,02 -0,23 -10,2%
38 Reader’s Digest 2,02 -0,06 -2,9%
39 Auf einen Blick 1,99 -0,21 -9,5%
40 Für Sie 1,99 -0,14 -6,6%
41 KinoKombi 1,98
42 Wohnglück 1,80 0,01 0,6%
43 Tina plus 1,80 0,10 5,9%
44 TV Hören und Sehen 1,77 -0,32 -15,3%
45 Baby und Familie 1,77 0,21 13,5%
46 Die Aktuelle 1,76 -0,29 -14,1%
47 Gong plus 1,70 -0,08 -4,5%
48 Meine Familie & ich 1,70 -0,07 -4,0%
49 Cosmopolitan 1,61 -0,19 -10,6%
50 ADAC reisemagazin 1,56 -0,15 -8,8%
Quelle: AWA 2015 / Tabelle: MEEDIA

Die Landlust führt mit ihrem Leser-Plus von 290.000 wie im Vorjahr die Liste der größten AWA-Gewinner an. Auf den weiteren Rängen folgen Baby und Familie, Mit Liebe und rtv.

AWA 2015: Die Top-10-Aufsteiger nach Reichweite (nur Zeitschriften)
RW in Mio. 2015 vs. 2014
1 Landlust 4,46 0,29 7,0%
2 Baby und Familie 1,77 0,21 13,5%
3 Mit Liebe Das Genussmagazin 2,50 0,17 7,3%
4 rtv 9,27 0,17 1,9%
5 Lust auf Genuss 0,52 0,15 40,5%
6 Vital 0,63 0,13 26,0%
7 Ratgeber-Meine Apotheke 2,38 0,11 4,8%
8 Chrismon 1,11 0,10 9,9%
9 Tina plus 1,80 0,10 5,9%
10 Landidee 1,00 0,10 11,1%
Quelle: AWA 2015 / Tabelle: MEEDIA

Der größte Verlierer nach absoluten Zahlen ist die erwähnte ADAC motorwelt. Die Apotheken Umschau büßte 860.000 ihrer über 20 Mio. Leser ein. Bei den Kiosk-Titeln verloren vor allem Programmies; TV Spielfilm plus, TV Movie, Hörzu und TV Hören und Sehen finden sich allesamt in der Flop Ten.

Dramatisch sind die 30,9%, die Computer Bild Spiele einbüßte. Aus 1,36 Mio. wurden 940.000. Und selbst diese Zahl dürfte angesichts der verkauften Auflage von nur noch etwas mehr als 70.000 noch eine sehr optimistische Hochrechnung sein. Abseits der Flop Ten ging es für einige Titel ebenfalls noch um mehr als 20% nach unten: PC Welt büßte 24,4% ein, die Bravo 23,8%, Ein Herz für Tiere 21,7%, Das Neue 26,3%, Super TV 21,1%, TV klar 25,9%, Bravo Girl 24,0% und Spektrum der Wissenschaft 20,0%.

AWA 2015: Die Flop-10-Absteiger nach Reichweite (nur Zeitschriften)
RW in Mio. 2015 vs. 2014
1 ADAC motorwelt 12,85 -1,10 -7,9%
2 Apotheken Umschau Kombi A+B 20,03 -0,86 -4,1%
3 TV Spielfilm plus 5,59 -0,66 -10,6%
4 TV Movie 4,38 -0,66 -13,1%
5 Bild am Sonntag 7,94 -0,62 -7,2%
6 Hörzu 4,43 -0,55 -11,0%
7 Computer Bild Spiele 0,94 -0,42 -30,9%
8 Essen & Trinken 2,38 -0,41 -14,7%
9 Kicker Sportmagazin 2,56 -0,32 -11,1%
10 TV Hören und Sehen 1,77 -0,32 -15,3%
Quelle: AWA 2015 / Tabelle: MEEDIA

Bei den Tageszeitungen konnte die Süddeutsche Zeitung ihre Leserschaft von 1,27 Mio. im Vergleich zu 2014 bestätigen, die restlichen Titel verloren zwischen 4,5% und 6,5%. Die regionalen Abo-Tageszeitungen, die von der AWA nur gemeinsam ausgewiesen werden, verloren 800.000 ihrer 29,66 Mio. Leser – ein Minus von 2,7%. Für die regionalen Kaufzeitungen ging es um heftige 10,5% auf 2,05 Mio. nach unten – eine Bestätigung der IVW-Auflagenentwicklung.

AWA 2015: Tageszeitungen nach Reichweite
RW in Mio. 2015 vs. 2014
1 Bild mit B.Z. 8,84 -0,45 -4,8%
2 Süddeutsche Zeitung 1,27 0,00 0,0%
3 Frankfurter Allgemeine Zeitung 1,06 -0,05 -4,5%
4 Die Welt Gesamt 0,75 -0,05 -6,3%
5 Handelsblatt 0,43 -0,03 -6,5%
Quelle: AWA 2015 / Tabelle: MEEDIA

Positiver sieht es bei den drei Wochen- und Sonntagszeitungen aus: Zeit, WamS und FAS gewannen allesamt Leser hinzu, die Welt am Sonntag mit 110.000 die meisten.

AWA 2015: Wochen- und Sonntagszeitungen nach Reichweite
RW in Mio. 2015 vs. 2014
1 Die Zeit 2,25 0,05 2,3%
2 Welt am Sonntag 1,43 0,11 8,3%
3 Frankfurter Allgemeine Sonntagsz. 1,13 0,02 1,8%
Quelle: AWA 2015 / Tabelle: MEEDIA
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Alle Kommentare

  1. Diejenigen, die sich über die böse Werbung aufregen, sollen wissen, dass an der Werbebranche unheimlich viele Arbeitsplätze hängen und auch dass die Werbung die vielen kleinen Heftchen überhaupt erst bezahlbar macht. Ohne Werbung in den Zeitungen/Zeitschriften wären die Verkaufspreise viel zu hoch.
    Mir gefällt es auch nicht, doch es hängt sehr viel an der Werbung, und am Ende kann man es doch einfach überblättern.

  2. Die Leute benutzen ihr Smartphone und alles Gratis, dazu haben sie in der EU weniger Geld (Eurobetrug minus 50-70% Kaufkraft) dazu wollen sie nicht mehr gerne belogen werden (Mainstream ist so) dazu sind diese Zahlen warscheinlich noch sehr geschönt..

  3. Besonders verlässlich sind die Zahlen vermutlich nicht. Dass dieser Werbe- und Propaganda-Dreck so ein Minus macht, erlaubt aber immerhin die Hoffnung, dass die Menschheit vielleicht doch nicht blöd genug ist, dafür auch noch Geld zu zahlen. Klar, dass jetzt auch die Printmedien eine Zwangsgebühr (via GEZ) fordern werden: wg. „Demokratie“ und „Bildung“ und Blablablabla…

  4. Mal abgesehen, ob der Bericht hier nicht ganz stimmt, bin ich über die Zahlen nicht wirklich überrascht. TV Zeitungen machen keinen Sinn mehr, wenn immer mehr Leute sich ihr TV Programm via. Amazon, Netflix, Maxdome…. und wie sie nicht alle heißen, selber gestallten.

    Oder ein Beispiel die Computer Bild. Ganz ehrlich, irgendwann hatte ich mal vor Jahren eine Zeitschrift davon gekauft. Diese war dermaßen schlecht. Sie Software müllt einen den Rechner so voll, so dass man der Festplatte danach erstmal einen Grundputz unterziehen muss. Der Inhalt ist unstrukturiert und bringt einen auch nicht viel.

    Weiteres Beispiel die Nachrichten Magazine Spiegel, Focus..usw. Ich vertraue denen einfach nicht mehr. Ich lese darin und habe ein Gefühl des Misstrauens.
    Es wurde nun mal viel Schindluder in der frühen Vergangenheit bezüglich Nachrichten Berichterstattung getrieben. Also spare ich lieber mein Geld.

    Im Schnitt gibt es kaum Magazine, die einem wirklich nutzen.
    Magazine im Bereich Körper und Ernährung kommen immer wieder mit dem selben Themen oder Diäten die meist nicht funktionieren.
    Fachzeitschriften bringen generell auch hier nur oberflächliches Wissen mit.
    Ich hole mir dann lieber ein gutes Fachbuch mit Tiefgang ;-).

    Ich könnte noch viele Beispiele schreiben.

    Die letzten Magazine oder Zeitungen die ich gelesen habe, waren beim Arzt im Wartezimmer :-). Und das war nicht so oft… zum Glück ;-).

    Bin gespannt wie sich das Thema weiterentwickelt.

    1. Schließe mich Sascha Scheil voll umfänglich an. Kaufe und lese lieber ein Fachbuch, als eine mit Werbung vollgemüllte Zeitung oder ein Magazin, die zudem mit Pseudo-News, -Nachrichten und -Wissen und netten Bilder nur so strozt. Das braucht wirklich kein Mensch mehr.
      Aprobo Wartezimmer: „ging mir ebenso“. Textliche und inhaltliche Banalitäten en gros. Bin aber nicht auf die Zukunft der Medielandschaft gespannt. Das Sterben der Presse hat seine Berechtigung- alles nur eine Frage der Zeit.

  5. Ein Minus von 1,8% wäre bei den Print-Reichweiten daher normal?

    In Mathe war ich immer schlecht, dennoch wage ich den Einwand, dass sich bei verringerter Bezugsgröße (weniger Bevölkerung), die Reichweite bei gleichbleibender Leserzahl erhöhen müsste.

    Ich bin der Meinung, dass ein Plus von 1,8 % „normal“ wäre.

  6. Deutsche Sprache – schwere Sprache: Sorry, aber „gingen ihr abhanden“ gibt’s nicht: „kamen ihr abhanden“ oder „gingen ihr verloren“ wäre korrekt. … „in der Top 25“ passt auch nicht, und der „Hochrechungsbasis“ fehlt ein „n“. „Dadurch beziehen sich die Reichweite“ – häää? … Ich mag jetzt gar nicht weiterlesen!

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