„Bild Daily“: Die erste „Tagesschau“ fürs Smartphone im MEEDIA-Check

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Die Bild startet ein neues tägliches Bewegtbild-Nachrichtenformat für die Generation Smartphone und macht zumindest bei der ersten Folge vieles richtig. Der Themenmix der fünfminütigen Sendung: Drei Minuten Griechenland, eine Minute Frauen-Fußball-WM, 30 Sekunden die betrunkene Nicole Scherzinger und 30 Sekunden wichtige Termine des Tages. Vor allem im Privat-TV gibt es einige schlechtere News-Sendungen.

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Zum Start des neuen Formates ziehen die Berliner erst einmal alle PR-Register und spielen ein Statement-Schnipsel von Jogi Löw ein: „Hochkant, das klingt schon einmal sehr spannend“, nuschelt der Bundestrainer ins Bild-Mikro. Natürlich liegt der Weltmeister-Coach auch mit dieser Einschätzung völlig richtig.

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Tatsächlich will die Sendung, neben ihren Inhalten, auch und gerade mit dem Format punkten. So dreht und sendet die Redaktion hochkant. Damit passt sich „Bild Daily“ vor allem den Handy-Nutzungsgewohnheiten an. Denn durch den Siegeszug des mobilen Internets konsumieren immer mehr Menschen Videos auf ihrem Smartphone hochkant, also ohne das Display zu drehen. Neue Dienste wie Periscope befeuern diesen Trend zudem noch.

Als weitere Reaktion auf die neuen Nutzungsgewohnheiten sind fast alle Bilder mit Untertiteln und textlichen Zusatz-Informationen versehen. So ist es möglich, die Nachrichtensendung zu verstehen, auch wenn der Ton ausgestellt ist. Ein Service, über den sich vor allem Pendler und Angestellte in Großraumbüros freuen dürften.

Auf ihrer Startseite werben die Berliner mit dem Claim „Was heute wirklich wichtig ist“ und ganz Bild-untypsich sind das – zumindest in der Premieren-Sendung – erst einmal politische Themen. Oder genauer: die Griechenland-Krise. Allerdings ist diese ja irgendwie auch längst eines der größten Bild-Themen der vergangenen Monate und Jahre. Rund drei Minuten räumt die Redaktion dem Thema ein. So berichtet Reporter Paul Ronzheimer direkt aus Griechenland. Im Anschluss wird dann Chefredakteur Julian Reichelt von der Moderatorin Laura Schlüter befragt.

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So löblich der starke Fokus auf das politische Geschehen ist, ähnelt das Grund-Setting natürlich etwas dem alten „Samstag Nacht“-Format „Zwei Stühle, eine Meinung“: Ein Bild-Reporter berichtet und eine Bild-Moderatorin befragt den Bild.de-Chefredakteur.

Zweiter Programmschwerpunkt ist das WM-Aus der Fußballfrauen gegen die USA. An dieser Stelle wird erstmals so richtig klar, dass die Bild wirklich ein gelungenes Produkt präsentiert. Denn die Berliner reden nicht nur über das Spiel, sondern zeigen auch die entscheidenden Szenen. Viele Fußball-Berichte in Web-Video-Formaten leiden seit jeher darunter, dass es an dem nötigen Bewegtbildmaterial fehlt. Natürlich könnte die Frauen-WM auch eine Ausnahme sein. Bei der ersten Sendung wirkt das jedenfalls schon einmal sehr professionell.

Zum Abschluss gibt es noch eine bunte Meldung über Nicole Scherzingers Party-Nacht auf Mykonos und eine halbe Minute, in der Laura Schlüter aufzählt, welche wichtigen Termine heute anstehen. Verbindendes Element aller Berichte ist ein Counter, der stets runterzählt, wann es Zeit für das nächste Thema ist.

Apropos Zeit. Die Macher sollten noch einmal über die Startzeit nachdenken. 10 Uhr ist zu spät. Die Pendler sind längst im Büro. Alle Angestellten kämpfen bereits mit der täglichen Arbeitsflut. Bis zur ersten Kaffeepause gibt es möglicherweise schon eine neue Nachrichtenlage.

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Alle Kommentare

  1. @Rainer Maria Ehrhardt: Soweit ich weiß gibt es dafür (noch) keine extra App, das Video kann mobil aber trotzdem über die klassische BILD App oder über die mobile Seite (m.bild.de) angesehen werden.

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