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Statusreport ProSieben: Das Raab-Aus ist nicht das einzige Problem

ProSieben-Chef Wolfgang Link
ProSieben-Chef Wolfgang Link

Für ProSieben war die TV-Saison 2014/15 eine Saison der vertanen Chance. Obwohl RTL 0,8 Marktanteilspunkte verlor, ging es auch für ProSieben nach unten. Bei den Werbeumsätzen büßte der Sender 2015 sogar 4,8% ein. Die nächsten Monate muss ProSieben nutzen, um sein Programm zu reformieren - nicht nur wegen des Abschieds von Stefan Raab.

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11,1% erreichte ProSieben in den Monaten September 2014 bis Mai 2015 bei den 14- bis 49-Jährigen. Das sind 0,2 Zähler weniger als in der Saison 2013/14 und ein ganzer Punkt weniger als noch vor fünf Jahren. Die Chance, die die RTL-Probleme ProSieben vor allem in dieser jungen Zielgruppe bieten, lässt ProSieben weitgehend ungenutzt.

Dabei ist die Prime Time derzeit noch nicht das größte Problem. Dort liegt der Sender – in den ersten fünf Monaten des Jahres 2015 – bei 11,2% und damit 0,3 Punkte über dem Vorjahreszeitraum. Deutliche Verluste gab es hingegen zwischen 9 Uhr und 20 Uhr, vor allem zwischen 17 und 20 Uhr, wo man innerhalb von einem Jahr von 11,1% auf 10,3% fiel. Ein Format wie „Galileo“ liegt dort z.B. nur noch bei 10,4%.

Zu den Problemen am Vorabend und in der Daytime könnten in der neuen Saison dann auch größere Prime-Time-Probleme hinzu kommen. Angesichts des Abschieds von Stefan Raab muss der Sender zahlreiche Prime-Time-Programmplätze mit neuem Material füllen. Wie wichtig ein Format wie „Schlag den Raab“ für den Sender z.B. ist, zeigt der Blick auf die Top 20 der seriellen Formate in der abgelaufenen Saison. Platz 2 mit 2,89 Mio. Sehern, nur „The Voice of Germany“ war bei ProSieben noch erfolgreicher. Neben der zahlreichen Raab-Events legte aber selbst „TV total“ in der Saison 14/15 wieder zu: von 9,9% auf immerhin 11,1%.

Sollte der Sender mutig sein, wird er versuchen, die frei werdenden Flächen mit ähnlichen Formaten zu füllen: eine neue Late-Night-Show, eine große Samstagabendshow, die Raab-Events vielleicht ohne Raab, usw. Fehlt der Mut, könnte ab Januar 2016 auf den Programmslots Hollywood-Ware zu sehen sein. Doch genau damit würde man das Problem nur nach hinten verschieben. Denn: Spielfilme erzielen längst nicht mehr so gute Quoten wie einst – nicht zuletzt durch das Plus an Pay-TV-Abonnenten in der jüngeren Vergangenheit und neue Wettbewerber wie Netflix & Co.

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TV-Saison 2014/15: Top 20 ProSieben / Gesamtpublikum
Platz Sendung Sender Zeit Mio.
1 The Voice of Germany ProSieben Do., 20.15 3,78
2 Schlag den Raab ProSieben Sa., 20.15 2,89
3 Germany’s Next Topmodel – by Heidi Klum ProSieben Do., 20.15 2,43
4 Under the Dome ProSieben Mi., 20.15 2,04
5 The Flash ProSieben Di., 20.15-21.15 2,03
6 Galileo Big Pictures ProSieben div., 20.15 2,02
7 The Big Bang Theory ProSieben Mo., 21.10-21.45 1,99
8 Die Simpsons ProSieben Mo., 20.15-21.40 1,62
9 Two and a half Men ProSieben Di., 20.15-21.45 1,55
10 Grey’s Anatomy – Die jungen Ärzte ProSieben Mi., 20.15-22.15 1,54
11 Gotham ProSieben Di., 21.45-22.15 1,51
12 2 Broke Girls ProSieben Di., 21.05-21.45 1,38
13 Galileo + Spezial + Extra ProSieben tgl., 19.05 1,35
14 red! Stars, Lifestyle & More ProSieben Do., 22.15-23.00 1,31
15 Vikings ProSieben Fr., 20.15-22.10 1,24
16 The Big Bang Theory ProSieben div., 21.50-23.15 1,18
17 Devious Maids ProSieben Mi., 21.15-22.20 1,13
18 Circus Halligalli ProSieben Mo., 22.15 1,04
19 Mike & Molly ProSieben Di., 22.10-22.45 1,04
20 Mom ProSieben Di., 22.05-22.40 1,00
Durchschnittswerte vom 1. September 2014 bis 31. Mai 2015, in die Wertung kamen nur Sendungen mit mindestens vier Ausgaben
Quelle: MEEDIA-Berechnungen

Serien aus Hollywood hat ProSieben zwar einige recht erfolgreiche im Programm, doch ein Hit wie „The Big Bang Theory“ wird schon jetzt so oft wiederholt, dass bei einer weiteren Ausweitung Abnutzungserscheinungen unausweichlich wären. Zur Einordnung: Allein in den neun Monaten der TV-Saison 2014/15 zeigte ProSieben unfassbare 1.643 „The Big Bang Theory“-Episoden, also an jedem Tag durchschnittlich sechs. Und: Es sind überhaupt erst 171 unterschiedliche „TBBT“-Folgen in Deutschland gelaufen, jede wurde also im Durchschnitt zehnmal gezeigt. Und das wie gesagt allein in den neun Monaten der Saison 14/15. Dass das nicht mehr lang gut gehen kann, ist klar. Weitere Comedy-Hits sind zudem nicht in Sicht, Serien wie „2 Broke Girls“, „Mom“ oder „Mike & Molly“ sind längst nicht so erfolgreich.

Bei den Drama-Serien hat ProSieben das Problem, dass es in der US-Saison 2014/15 kaum Hitverdächtiges Neues gab. Ein US-Hit wie „Empire“ ist bei ProSieben zum Start völlig durchgefallen, andere Serien sind zu langweilig oder zu Mainstream-untauglich. Die größten Drama-US-Hits im ProSieben-Programm waren 2014/15 „Under the Dome“, „The Flash“, „Grey’s Anatomy“ und „Gotham“. Die Neulinge „The Flash“ und „Gotham“ verloren dabei schon nach wenigen Wochen massiv und rutschten sogar unter die ProSieben-Normalwerte, „Grey’s Anatomy“ erreicht derzeit mit neuen Folgen nur noch Marktanteile an der 10%-Marke.

Die wichtigsten Herausforderungen für ProSieben sind zusammengefasst also: ein frischerer Vorabend muss die Marktanteilsverluste beenden, die vielen Stefan-Raab-Sendeplätze müssen adäquat ersetzt werden, neue US-Serien – Drama und Comedy – müssen gefunden werden, um nicht zu viele Wiederholungen im Programm zu haben. Sollte all das nicht gelingen, könnte sich das Minus in der Werbeumsatz-Bilanz noch ausweiten. Dort ging es für ProSieben in den Monaten Januar bis Mai laut Nielsen brutto um 4,8% bzw 46 Mio. Euro nach unten. Kein anderer Sender verlor so deutlich.

Die Statusreports RTL und Sat.1 lesen Sie an dieser und an dieser Stelle.

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Alle Kommentare

  1. Also Stefan Raab und tv total wird Mir schonmal sehr fehlen! War seit über 10 Jahren IMMER was zum Lachen dabei.
    Stefan blieb immer Up to Date (auf dem laufenden, für uns ältere Leute).

    Ich hoffe das die Letzte Tv Total Show viele Gäste hat!
    Darunter wünschen sich sicherlich viele die beiden Klassiker schlecht hin:
    Regina Zittlau („Maschen-Droot-Zhaun“) und Verna Mae Bentley Krause („Isch liebe deutsche Land“)!?!?!?! Ich jedenfalls sehr…

    Aber zum Problem:

    Was macht Pro7 nach tv total? Wie wird der Platz umgesetzt?
    „tv total Classics“ und „Best of’s“ wären ja nur Fair für Publikum, Fans und Freunde!! Oder was sagt Ihr dazu??

    Elton als Nachfolger für Stefan einzusetzen wäre Quatsch! Elton kam ca. 2002, als Praktikant zur Show. Und überhaupt, es gäbe NIEMANDEN der Stefan ersetzen/beerben könnte!!!

    Schlussendlich noch zum am Sonnabend anstehenden, leider leider letzten tv total Turmspringen:

    Schade! …das da soviele Floppies dabei sind! Hoffte auf u.a. Lucy Diakovska, Verona Pooth, H.P. Baxxter, Michael Mittermeier und solche Giganten die einfach in Jeder Kennen Sollte und Müsste!

  2. Das Problem mit fortlaufenden Serien ist, dass man diese nicht mehr im TV schaut, sondern per Stream. Da kann man entscheiden wie viel man sehen will und die gesamtstory geht nicht flöten, wenn man mal eine Folge verpasst.

    Pro7 sollte daher mehr auf serien setzen, die kurzweilig sind. Sprich eher serien, wie tbbt oder himym.
    Vor allem klassiker könnten da sicherlich sehr erfolgreich sein: friends, full house, bel air etc. Kurzfristig würde das sicherlich helfen, die kurz-mal-durchzappen zuschauer zu halten.

    1. Wie man mit Serien richtig umgeht zeigt RTL 2. Ja, richttig gelesen. Ma zeigt Games of Throns nur ein mal im Jahr, als Apetitanreger für die neue Staffel. Dann gleich mehrere Folgen am Stück, womit man diese aufnehmen kann und selbst entscheidet, wieviel man schaut. Sind die alten Staffeln durch, sendet man die aktuelle in Doppelfolge. Dann darf man wieder ein Jahr warten.

      Was Pro 7 fehlt sind eigene Formate. Schaut z.B. mal auf das Programm vom MDR. Spielfilme zihen, auch aufgrund der unangebrachten Preispolitik nicht. Für ein HD-Ready Signal muss man bezahlen & darf bei Aufnahmen nicht mal Werbung rausschneiden. Bei guten Filmen ist daher schnell mal zur BR gegriffen und beim Rest hilft Netflix.

      Pro 7 muss mut beweisen und produzieren. Z.B. hatte Kalkhofes Mattscheibe durchaus Potenzial. Oder Stromberg, der Kultstatus erreichte.

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