Nähe zu dubiosen Dating-Portalen? Medienanwalt Höcker widerspricht Welt-Bericht

Ist als Aufsichtsrat der Internetone AG zurückgetreten: Anwalt Ralf Höcker
Ist als Aufsichtsrat der Internetone AG zurückgetreten: Anwalt Ralf Höcker

Ist Ralf Höcker, der prominente Medienanwalt, der u.a. auch den Wetterexperten Jörg Kachelmann vertritt, in ein dubioses Netzwerk unseriöser Dating-Agenturen verstrickt? Diesen Eindruck erwecken Berichte von Welt am Sonntag und Aboalarm.de. Höcker dementiert und legt gleichzeitig sein Aufsichtsratsmandat bei einer im Artikel erwähnten Firma nieder. Weil er sich “persönlich nicht weiter spekulativen Anwürfen aussetzen will”.

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Die Welt am Sonntag hat in einem Bericht Geschäfts- und Kündigungsbedingungen von verschiedenen Dating-Plattformen im Internet angeprangert. Websites wie Parwise.de oder Dateformore.de sollen laut den Recherchen von Welt am Sonntag und Aboalarm.de Nutzer in Abofallen gelockt haben. Schnupper-Zugänge seien automatisch in länger laufende Premium-Mitgliedschaften umgewandelt worden, E-Mail-Kündigungen seien nicht angenommen worden. Angeblich geprellte Nutzer befinden sich in rechtlichen Auseinandersetzungen.

In den Artikeln taucht auch ein Name auf, der in Juristen- und Medienkreisen nicht unbekannt ist: der Kölner Anwalt Ralf Höcker, der von der WamS als “TV-Anwalt” bezeichnet wird. Höcker ist Autor verschiedener Bücher (u.a. “Einspruch! Das große Buch der Rechtsirrtümer”), hatte früher mal eine Sendung bei RTL und war vor allem in seiner Rolle als Anwalt des früheren ARD-Wetterexperten Kachelmann gern gesehener Talkshow-Gast. Und: Höcker befindet sich für Kachelmann derzeit in einer rechtlichen Auseinandersetzung mit der Axel Springer AG, in der die Welt am Sonntag aber auch Bild-Zeitung und Bild.de erscheinen. Für seinen Mandanten Kachelmann fordert Höcker ein Rekord-Schmerzensgeld in Höhe von 2,25 Mio. Euro wegen zahlreicher Persönlichkeitsrechtsverletzungen in Bild, Bild.de und auch Welt.de bei der Berichterstattung über den Vergewaltigungsprozess gegen Kachelmann (er wurde freigesprochen). Eine gütliche Einigung scheiterte, das Urteil in der Schmerzensgeldsache wird am 2. September erwartet.

Nun wird Höcker von der Welt am Sonntag als “Hintermann” einer dubiosen Kette von Dating-Plattformen in zwielichtiges Licht gerückt. Was hat der Anwalt Höcker mit den Dating-Websites am Hut? Jetzt wird es ein bisschen kompliziert: Hinter den Dating-Websites steht ein Geflecht an Firmen, Anwälten und Adressen. WamS und Aboalarm.de identifizierten die beiden Firmen Frontline Digital GmbH und Ideo Labs GmbH aus Berlin als Betreiber. Eigentümer beider Firmen war über Zwischenstufen die Corso Rechtsanwaltsgesellschaft mit Rechtsanwalt Andreas Lenz als Geschäftsführer, bei Frontline ist sie es bis heute. Corso agiert hier als Treuhänder, weil der eigentliche Betreiber ungenannt bleiben möchte.

Die Verbindung zu Höcker ist eine Kölner Firma namens Internetone AG. Recherchen von Aboalarm.de haben ergeben, dass bei Besuchen von Dating-Seiten von Frontline Digital und Ideo Labs Cookies gesetzt wurden, die den Namen “internetone” enthielten. Außerdem soll Internetone an der Programmierung der Dating-Websites beteiligt gewesen sein. Die Internetone AG ist eine Internet-Marketingagentur aus Köln. Dort ist, bzw. war Höcker der Aufsichtsratsvorsitzende. Der stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende bei Internetone ist laut Welt am Sonntag jener Andreas Lenz, der über Corso als treuhänderischer Eigentümer der Datingportale eingetragen ist. Höckers Kanzlei hat sowohl Frontline Digital als auch Ideo Labs und Internetone schon rechtlich vertreten. So hat die Kanzlei Höcker u.a. für die Frontline-Website Parwise eine einstweilige Verfügung gegen das Partnervermittlungsportal Elite Partner erwirkt. Stein des Anstoßes war, dass Elite Partner für das Erstellen von Persönlichkeitsanalysen 99 Euro berechnete, selbst wenn Kunden ihren Vertrag widerrufen hatten. Es herrscht nicht immer ungetrübte Harmonie in der Welt der Dating-Websites und Paar-Agenturen.

Rechtsanwalt Ralf Höcker weist gegenüber MEEDIA zurück, mit dem Betrieb von Datingportalen operativ etwas zu tun zu haben und er erklärt seinen Rückzug aus dem Internetone-Aufsichtsrat: „Als Spezialist für Medienrecht war ich als Aufsichtsratsvorsitzender der Internetone AG berufen. Mit dem operativen Geschäft der Firma und dem Betrieb von Datingportalen durch Kunden der Internetone AG habe und hatte ich niemals etwas zu tun, ebenso hatte ich zu keinem Zeitpunkt Firmenanteile oder Beteiligungen oder war deren Treuhänder oder Treugeber. Entsprechende in einem Bericht der Welt verbreitete Gerüchte entbehren sachlich jeglicher Grundlage. Das musste der Welt auch klar sein. Da ich mich aber auch persönlich nicht weiter spekulativen Anwürfen aussetzen will, habe ich mein Aufsichtsratsmandat mit sofortiger Wirkung niedergelegt.“

Höcker weist außerdem daraufhin, dass die Allgemeinen Geschäftsbedingungen der Welt beim Aboverkauf jenen der kritisierten Datingportalen gleichen würden: “Vielleicht sollten die Herren Investigativ-Rechercheure der Welt-Redaktion mal einen Abstecher in ihre eigene Vertriebsabteilung machen. Denn die vermeintlich so seriöse Welt benutzt beim Verkauf ihrer Online-Abos die gleiche Widerrufsklausel zum Erlöschen des Widerrufsrechts wie die genau dafür als Abzocker kritisierten Datingportale. Und bei Zahlungsverzug droht Die Welt mit harschen Worten und einem Inkassobüro  – muss die Welt-Geschäftsführung und der Springer-Vorstand jetzt zurücktreten?”

Wir lernen zwei Dinge: 1. Augen auf beim Abschließen von Online-Abos ist immer eine gute Idee, und zwar egal ob bei digitalen Zeitungen oder Dating-Plattformen. 2. Der Anwalt Ralf Höcker und die Axel Springer AG werden vermutlich keine Freunde mehr.

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