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Testgarage.com: Computer Bild will bei US-Nerds mit „German Gründlichkeit“ punkten

Computer Bild-Chefredakteur Axel Telzerow: „American innovation meets German Gründlichkeit“
Computer Bild-Chefredakteur Axel Telzerow: "American innovation meets German Gründlichkeit“

Alles andere als eine German-Kleinigkeit: Springers Computer Bild wagt den Sprung in die USA und startet Testgarage.com. Dahinter verbirgt sich ein höchst interessantes Konzept. Unter dem Label der "German Gründlichkeit" übersetzt das Team um Chefredakteur Axel Telzerow nun die umfangreichen Technik-Testreihen aus dem Hamburger Cobi-Labor ins Englische.

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In den USA fehlt bislang ein vergleichbarer Dienst. Fragt sich nur, ob sich die technikaffinen US-Verbraucher für penible teutonische Prüfreihen begeistern können. Denn bislang überzeugen die US-Medien vor allem mit ihrem sehr praktischen und hemdsärmeligen Usecase-Ansatz. Es zählt dabei die Praxis und weniger das Labor.

Bildschirmfoto 2015-06-26 um 13.51.18Die Startseite von Testgarage.com

Das will Telzerow – zumindest ein Stück weit – ändern. Die Idee hinter dem neuen Springer-Projekt folgt der interessanten Frage, was eigentlich passiert, wenn „American innovation“ „German Gründlichkeit“ trifft. Immerhin rühmen sich die Hamburger, dass sie längst mehrere Millionen Euro in Text-Equipment investiert hätten. „Wir testen neue Produkte mit rigider Genauigkeit und folgen dabei einem exakten Kriterien-Katalog“, heißt es auf der neuen Seite.

„American innovation meets German Gründlichkeit“

Für die Macher ist die Testgarage nach über 20 Jahren in Deutschland „der nächste logische Schritt. Computer Bild goes west!“. Allerdings geht der Verlag nun auch nicht mit den ganz großen Druck in das Projekt. Für Springer ist es eher ein Experiment, ob man mit solch einen Ansatz in den USA erfolgreich sein könnte.

„Wir wollen hier einmal etwas ganz Neues ausprobieren und sind jetzt sehr gespannt, wie unser Experiment angenommen wird“, erklärt der Chefredakteur gegenüber MEEDIA. „Unsere Gründlichkeit hat uns zum Marktführer in Europa gemacht und uns auf die Idee gebracht, dass auch amerikanische Nutzer unsere Tests schätzen könnten. Damit im Internet nicht nur Branchen-Klatsch und Jubel-Arien zu neuen Produkten stattfinden, sondern knallharte, fundierte und unabhängige Tests. Wir freuen uns sehr, dass die Testphase jetzt gestartet ist und sind gespannt, wie das Portal ankommt.“

Aufgeteilt ist das Portal in die Rubriken Tech, Cars und Life. Unter letzteres fallen alle Artikel aus den Bereichen Watches, Trackers und E-Bike. Um was es bei Cars geht, dürfte klar sein. Allerdings zeigt sich hier bereits, dass die Stärke der Testgarage nicht gerade die Aktualität ist. Denn hierzulande berichten gerade alle, dass ab sofort die selbstfahrenden Google-Autos über die Straßen Kaliforniens rollen. Also ein typisches Technik/Computer Bild/US-Thema. Auf Testgarage.com fehlt dazu noch jeder Hinweis. Alle anderen Inhalte lassen sich bequem unter dem Oberbegriff Tech sammeln. Ob nun Kopfhörer, Smartphones oder Kameras.

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Bildschirmfoto 2015-06-26 um 13.51.45Am Anfang von jedem Test-Artikel gibt es eine Zusammenfassung

Alle Nutzer, die hinter den Reviews ellenlange Tabellen mit Prüf- und Messergebnissen erwarten, werden jedoch enttäuscht sein. Der Computer Bild gelingt es, die Ergebnisse leserfreundlich zusammenzufassen. Am Anfang jeden Testes bekommt das Produkt zudem einen Score (0 bis 100 Punkte). Zudem gibt es gleich auf dem ersten Screen die Pro und Cons des jeweiligen Gadgets.

Nicht ohne einen gewissen Stolz weisen die Hamburger darauf hin, dass die Computer Bild Europas wichtigster Guide durch den immer dichter werdenden Hardware- und Technik-Dschungel darstellt. Aus dieser Perspektive ist die Testgarage auch alles andere als ein kleines Tech-Blog, das nun auch ein paar Inhalte für US-Amerikaner übersetzt.

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Tatsächlich handelt es sich wohl um den größten Versuch einer deutschen Medienmarke mit hierzulande erstellten Inhalten auf dem US-Markt zu bestehen.

Allerdings schneiden die Hamburger bei ihrer neuen Seite auch etwas auf. So zeigen sich im About-Teil auch die Teams hinter dem Projekt. Natürlich verfügt die Computer Bild nicht über solch eine riesige Mannschaft nur für die Testgarage. Die Fotos stammen aus der Redaktion in der Hamburger Hafencity. Die US-Adresse des Neulings liegt in Mountain View. Also in direkter Nachbarschaft zu Google.

Natürlich kommt der Neuling nicht auch ohne einen Verweis auf Steve Jobs und die Garage aus, in der der erste Apple-Computer gebaut wurde und auch nicht ohne einen kleinen Seitenhieb auf die Konkurrenz der US-Techportale und ihre Praxisorientierung und schnelle Begeisterungsfähigkeit. Angeblich geht es den Computer-Bild-Nerds nicht darum, neue Technologien zu feiern, sondern deren Herzschlag zu messen.

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Alle Kommentare

  1. Hier, in der Lokalredaktion vom Hinterdupfinger Tagblatt, würde ich jedem Redakteur, der mir so ein schräges Bild wie „Testgarage“ für ein Übersetzungsbüro verkaufen will, den Marsch blasen. Für Bild könnt’s aber passen.

  2. Seer Ei wisch matsch fan…

    Grundsätzlich ist es den Versuch wert. Dennoch: Wenn die einfach die Testergebnisse aus Deutschland ins US-Englische übersetzen, wird das ein Rohrkrepierer. Nicht nur ticken US-Markt und US-Verbraucher anders – auch scheinbar baugleiche Produkte unterscheiden sich im Detail dann wegen anderer Vorschriften gern mal – die Ergebnisse sind also nicht 1:1 übertragbar.

    Wenn’s ganz dumm läuft, kann die US-Version eines Produkts auch mal völlig anders ausfallen als die europäische… Viel Spaß auch dabei, US-Typenbezeichnungen zu recherchieren – viele bauähnliche Produkte haben in den USA völlig andere Typenbezeichnungen.

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