Statusreport Sat.1: Fach-Sender für US-Krimiserien. Und sonst?

Sat.1-Geschäftsführer Nicolas Paalzow
Sat.1-Geschäftsführer Nicolas Paalzow

Die Saison-Bilanz von Sat.1 fällt durchmischt aus. Zwar konnte sich der Sender in den beiden jungen Zielgruppen gegenüber 2013/14 leicht verbessern, doch fehlen insbesondere bei den Eigenproduktionen neue Erfolgsformate. Der Vorabend bleibt mit schrumpfendem "Newtopia"-Publikum eine Baustelle.

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Auf den ersten Blick können die Sat.1-Macher mit der TV-Saison 2014/15 durchaus zufrieden sein. Bei den 14- bis 49-Jährigen verbesserte man sich im Vergleich zum Vorjahr von 9,4% auf 9,6%, bei den offiziell für den Sender noch wichtigeren 14- bis 59-Jährigen immerhin von 9,7% auf 9,8%. Das Problem an der Sache: Vor allem in den Randzonen ging es nach oben. Die wichtigen Programmplätze am Vorabend und in der Prime Time bleiben hingegen blass. So erzielte der Sender in den Zeiten von 17 bis 20 Uhr und 20 bis 23 Uhr in den ersten fünf Monaten 2015 jeweils nur unterdurchschnittliche 9,0% bei den 14- bis 49-Jährigen, bei den 14- bis 59-Jährigen in der Prime Time gar nur 8,4%, am Vorabend 9,1%.

Ein Indiz, dass es in der Sat.1-Prime-Time nicht rund läuft ist auch die Tatsache, dass das zuschauerstärkste serielle Format in den Monaten September 2014 bis Mai 2015 am Sonntagvorabend lief – und ungewöhnlicherweise eben nicht am Hauptabend. Für Julia Leischik und „Bitte melde dich“ ist dieser erste Platz natürlich dennoch ein schöner Erfolg. 3,41 Mio. sahen im Durchschnitt zu – selbst „The Voice of Germany“ konnte auf Sat.1 mit 3,36 Mio. Sehern nicht ganz mithalten.

Insgesamt finden sich in der Sat.1-Top-20 der abgelaufenen Saison aber nur wenige Eigenproduktionen. Neben „Bitte melde dich“ und „The Voice“ sind das nur „The Voice Kids“, „Hochzeit auf den ersten Blick“, die beendete Serie „Danni Lowinski“, „Das große Backen“ und „The Taste“. Zudem die Boxkämpfe. Dominiert werden die Sender-Charts stattdessen von US-Krimiserien. „Navy CIS“ mit den beiden Ablegern aus New Orleans und L.A., „Criminal Minds“; Detective Laura Diamond“, „The Mentalist“, „Scorpion“, „Stalker“, „Hawaii Five-0“, „Castle“ und „Crossing Lines“ – elf der 20 Plätze gehen an die Verbrecherjagd aus Hollywood.

TV-Saison 2014/15: Top 20 Sat.1 / Gesamtpublikum
Platz Sendung Sender Zeit Mio.
1 Julia Leischik sucht: Bitte melde dich Sat.1 So., 17.50-18.55 3,41
2 The Voice of Germany Sat.1 Fr., 20.15 3,36
3 Navy CIS Sat.1 So., 20.15-21.15 2,80
4 ran Boxen: Kämpfe Sat.1 Sa., 23.00-00.15 2,67
5 The Voice Kids Sat.1 Fr., 20.15 2,65
6 Navy CIS: New Orleans Sat.1 So., 20.15-21.15 2,55
7 Navy CIS: L.A. Sat.1 So., 21.10-22.15 2,47
8 Criminal Minds Sat.1 Do., 20.15-22.15 2,41
9 Detective Laura Diamond Sat.1 Mo., 20.15 2,36
10 Hochzeit auf den ersten Blick Sat.1 So., 17.55 2,30
11 The Mentalist Sat.1 Mo., 21.15 2,29
12 Scorpion Sat.1 So., 22.00-22.15 2,15
13 Stalker Sat.1 Do., 22.10-23.15 2,08
14 Hawaii Five-0 Sat.1 Mo., 20.15-22.15 2,04
15 Danni Lowinski Sat.1 Mo., 20.15-21.15 1,91
16 Castle Sat.1 So.+Mo., 22.15 1,88
17 Das große Backen Sat.1 Mi., 20.15 1,88
18 Crossing Lines Sat.1 Do., 21.15-23.10 1,85
19 The Taste Sat.1 Mi., 20.15 1,81
20 ran Boxen: Countdown Sat.1 Sa., 22.25-22.35 1,76
Durchschnittswerte vom 1. September 2014 bis 31. Mai 2015, in die Wertung kamen nur Sendungen mit mindestens vier Ausgaben
Quelle: MEEDIA-Berechnungen

Drei Abende bestreitet der Sender derzeit mit US-Serien, zwei weitere mit US-Filmen. Für Eigenproduktionen bleiben da derzeit nur der Mittwoch und der Freitag. Die Tatsache, dass Formate wie „The Taste“ trotzt überschaubarer Quoten in weitere Staffeln gehen, zeigt zudem, dass die Ideen für Innovatives nicht allzu groß zu sein scheinen.

So sieht die Bilanz der eigenproduzierten Neustarts 2014/15 auch bescheiden aus: Stefan Göddes „Was weiß ich?!“ wurde schon nach zwei von vier geplanten Ausgaben abgesetzt, das Promi-Magazin „Gossip“ dürfte nach 6,7% bei den 14- bis 49-Jährigen und 6,4% bei den 14- bis 59-Jährigen ebenfalls nicht weiter gehen. Die Prime-Time-Wiederbelebung von „Nur die Liebe zählt“ wurde ebenso bereits nach zwei Ausgaben wieder abgesetzt. Auch die Freitagspätabend-Wochenschau „Luke! Die Woche und ich“ ist bisher nicht der erhoffte Erfolg – mit 8,9% bei den 14- bis 49-Jährigen erreicht sie nur das Mittelmaß. Der einzige Erfolg unter den eigenproduzierten Neuheiten: das Sonntagvorabend-Format „Hochzeit auf den ersten Blick“, das im Durchschnitt 12,8% (14-49) bzw. 12,0% (14-59) erzielte.

Immerhin laufen ein paar neue US-Serien recht gut: „Detective Laura Diamond“, „Scorpion“ und „Stalker“ liegen allesamt über der 10%-Marke. Würden die Sender-Verantwortlichen es sich einfach machen, würden sie weitere Abende für amerikanische Krimis frei räumen – der Quote würde das sicher nicht schaden. Wohl aber dem Image, wenn Sat.1 ein solches überhaupt noch hat. Längst weiß der Zuschauer kaum noch, für welche Programmfarben Sat.1 noch steht – abgesehen eben von den US-Krimis.

Und dann gibt es noch „Newtopia“. Als große teure Hoffnung für die Belebung des Vorabends gestartet, gingen der Realityshow nach einigen Skandälchen zu viele Zuschauer abhanden. Nach einem Premieren-Marktanteil von über 17% bei den 14- bis 49-Jährigen und mehr als 10% in den ersten drei Wochen sind davon inzwischen nur noch um die 7% übrig geblieben. Viel zu wenig für eine lang- oder auch nur mittelfristige Zukunft des Formats. Als potenzieller Ersatz dürfte ab Herbst schon die angekündigte Soap mit Susan Sideropoulos in den Startlöchern stehen.

Unschön für den Sender: Trotz des leichten Marktanteilsgewinns geht es bei den Brutto-Werbeumsätzen derzeit gegen den Branchentrend bergab. Obwohl das Gesamtmedium TV in den Monaten Januar bis Mai 2,6% über dem Vorjahr liegt, verlor Sat.1 1,8% seiner Umsätze aus 2014. Einschränkend muss natürlich dazu gesagt werden, dass es sich eben um Brutto-Zahlen handelt, die Rabatte und Gegengeschäfte nicht mit einberechnen, doch allzu viel Vertrauen scheinen die Media-Agenturen derzeit nicht in den Sender zu haben. Will er das ändern, sollte er noch stärker in Eigenproduktionen investieren. Irgendwann werden die nötigen Hits schon dabei sein.

Den „Statusreport RTL“ lesen Sie an dieser Stelle. Weitere „Statusreports“ werden folgen.

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