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Rocket Internet-Hauptversammlung: Die Kunst des Nichtssagens

Rocket Internet-Chef Oliver Samwer
Rocket Internet-Chef Oliver Samwer

Es waren nicht die besten Vorzeichen für die erste Hauptversammlung: Seit Monaten befindet sich Rocket Internet in einem stetigen Abwärtstrend, der die Aktie in den vergangenen Tagen auf frische Jahrestiefs beförderte. Aktionäre, die die Samwer-Aktie im vergangenen Herbst gezeichnet haben, sitzen weiter auf Verlusten. Dennoch blieben die Anleger auf der ersten Hauptversammlung in Berlin weitgehend ruhig – CEO Oliver Samwer hatte leichtes Spiel.

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Die Luft ist dünner geworden für die Raketenmänner: Knapp neun Monate nach dem Börsenstart lagen Aktionäre des Berliner Internet-Beteiligungsunternehmens Rocket Internet zu Wochenbeginn weiter zweistellig im Minus – und das in einem Marktumfeld gleichzeitig kräftig haussierender Notierungen.

Nicht die besten Voraussetzungen für das Rocket-Management vor der ersten Hauptversammlung gestern in Berlin. Und doch machten die Aktionäre CEO Oliver Samwer, der – höchst untypisch – mit Krawatte erschienen war, das Leben kaum schwer. Samwer konnte sich „auf das Vorlesen vorbereiteter, rechtssicherer Floskeln“ beschränken, wie Gründerszene bemerkt. „Ich kann verstehen, dass man sich juristisch absichert, aber bitte nicht bis zum Gehtnichtmehr“, zitiert Welt Online einen genervten Aktionärsvertreter.

Samwers holen sich grünes Licht für neue Milliarden

Substanzielle Erkenntnisse von der ersten Hauptversammlung: Mit großer Mehrheit segneten die Aktionäre die von Rocket Internet avisierten Kapitalmaßnahmen ab. So erhielten die Samwers grünes Licht für eine Kapitalerhöhung, bei der bis zu 67 Millionen Aktien emittiert werden können. Mittelzufluss auf Basis des aktuellen Kursniveaus: satte 2,5 Milliarden Euro. Das sind allein etwa 40 Prozent des aktuellen Börsenwerts.

Ebenfalls ließ sich das Berliner Internet-Konglomerat die Option auf eine Wandelschuldverschreibung einräumen, die bis zu zwei Milliarden Euro betragen kann. Über 1,3 Milliarden Euro verfügt Rocket Internet zudem noch aus den Emissionserlösen des Börsengangs und der jüngsten Kapitalerhöhung im Februar.

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Rocket-Beteiligungen bleiben verlustreich

In anderen Worten: Die Blankoschecks für die weitere Expansion haben die Samwers in der Tasche. Die Rocket-Aktie zog angesichts der guten Nachrichten nach dem zuletzt immer kräftigeren Abwärtstrend wieder leicht an und schloss bei 38,70 Euro wieder etwas fester. Seit dem Börsengang im vergangenen Oktober beträgt das Minus indes immer noch knapp zehn Prozent.

Um wieder für mehr Begeisterung an der Börse zu sorgen, müssen die Rocket-Beteiligungen aber offenbar mehr als nur dynamisch nach Umsätzen wachsen – schwarze Zahlen müssten her. Doch selbst die „Proven Winners“, wie die Berliner ihre besten Pferde im Beteiligungsstall nennen, arbeiten weiter hochdefizitär: die deutschen Möbel- und Wohnaccessoire-Versender Home24 und Westwing, veloren im vergangenen Geschäftsjahr etwa 54 bzw. 60 Millionen Euro, während die südostasiatischen Zalando-Klone Zalora und Lazada gar 79 bzw. 135 Millionen Euro verbrannten.

Wie lange die Börse die Samwersche Wachstumswette noch mitträgt, bleibt abzuwarten. Die ersten Banken beginnen, die abgestürzte Rocket-Aktie den neuen Börsenrealitäten anzupassen.  Es wirkt schon bedenklich, wenn Goldman Sachs, immerhin der Konsortialführer des IPOs der Samwer-Beteiligung Zalando, plötzlich sichtbar den Daumen senkt: nach 70 Euro wird der faire Wert von Rocket-Aktien nun bei 56 Euro gesehen. Rocket-Aktionäre würden bei solchen Kursen heute wohl vor Glück schreien – es wäre ein Kursaufschlag von fast 50 Prozent.

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