„Die ARD hat es wieder vergeigt“: Dokumentarfilmer sauer wegen Talk-Umbau

ARD-Programmdirektor Volker Herres
ARD-Programmdirektor Volker Herres

Sie gehören zu den unangenehmsten Kritikern der ARD-Intendanten. Bereits bei den Millionen-Zahlungen an Thomas Gottschalk wegen des gescheiterten "Gottschalk live"-Experimentes, machten die Dokumentarfilmer richtig druck. Jetzt geht die AG Dok wieder auf die Barrikaden. Die Filmer fühlen sich nach dem Talk-Umbau im Ersten übergangen.

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Mit dem Aus von Günther Jauch und dem Wechsel von Anne Will auf den Sonntagabend hofften die Dokumentarfilmer, dass der so freiwerdende Talk-Sendeplatz von den Intendanten mit Dokumentationen besetzt werden würde.
Umso ärgerlicher war es für sie dann, als sie am gestrigen Montag, im Zuge des Umzuges von Sandra Maischberger vom Dienstag- auf den Mittwochabend, lesen mussten:

Vorrangig in der Sommerpause von „Menschen bei Maischberger“ werden auch im Jahr 2016 Dokumentationen und Dokumentarfilme gezeigt. Das Engagement der ARD bleibt hier unvermindert stark: Geplant sind 12 bis 15 Dokumentationen und Dokumentarfilme nach den „Tagesthemen“. Am Dienstag um 22:45 Uhr werden zukünftig Filme und Reihen gezeigt.

Das heißt: Den festen Sendeplatz können die Doku-Filmer vergessen. Statt journalistischer Filme zeigt das Erst lieber fiktionales. „Die ARD hat wieder einmal die Gelegenheit vergeigt, in ihrem Kernbereich Profil zu gewinnen“, kommentiert die AG Dok.

Tatsächlich wirft der Interessensverband dem Ersten vor, seit Jahren den Anteil der Dokus zu verringern, obwohl im November 2010 von der damaligen WDR-Intendantin Monika Piel noch anderes versprochen worden war („Fakt ist: Es wird nicht eine einzige Doku im Mengengerüst weniger geben“). Fazit der AG Dok: „Peinlich für die Glaubwürdigkeit der ARD-Verantwortlichen: diese Ankündigung war falsch!“

Als Beleg führt der Fachverband einen Bericht der Landesmedienanstalten auf, der zeigen soll, „wie drastisch der Anteil dokumentarischer Sendungen im ARD-Programm seit 2009 gesunken“ sei – „von einstmals 7,3 Prozent des Programms im Jahre 2009 auf nur noch 2,9 Prozent im Frühjahr 2014“.

Die AG Dok kommt zu dem Schluss, dass die ARD mit den aktuellen Programmentscheidung „ihre eigenen Bemühungen zur Außendarstellung ihrer Dokumentarfilm-Kompetenz untergräbt“.

Unter der Das-gebrochene-Wort haben die Dokumentarfilmer nun sogar eine eigene Seite ins Netz gestellt. Anhand verschiedener Statistiken wollen sie den Sendezeit-Niedergang der Dokus belegen.

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