Was passiert, wenn Instant Articles-Inhalte gegen die FB-Regeln verstoßen? „Wir löschen sie“

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Digital Economy Alles ist "awesome", alles ist "cool", alles ist "fun": Chris Cox, Chief Product Officer von Facebook ist in Berlin und plauderte eine Stunde mit Zeit Online-Boss Jochen Wegner und Studenten der TU. In den gut 60 Minuten schaffte es der Erfinder des News-Feeds, jede kritische Frage gekonnt zu umschiffen. Nur beim Thema Instant Articles gelang dies nicht ganz.

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Es gibt nur wenige Personen, die aktuell so viel Einfluss darauf haben, wie Millionen von Menschen Nachrichten konsumieren, wie Chris Cox. Der smarte US-Amerikaner ist Chief Produkt Officer bei Facebook, er gehört zu ersten Angestellten des Unternehmens und gilt als Vater des News-Feeds. Also des Status-Feeds, mit dessen Hilfe hunderte Millionen von Facebook-Nutzern erfahren, welche Nachrichten gerade – nach Meinung von Facebook – wichtig sein könnten.

An der technischen Universität in Berlin stellte er sich eine Stunde lang den Fragen von Zeit Online-Chefredakteur Jochen Wegner und der Studenten. Ob es nun um Privatsphäre, Datenschutz oder andere kritische Punkte ging. Cox verstand es meisterlich, seine Antworten möglichst allgemein zu halten.

Einzige Ausnahme: Instant Articles. Der Facebook-Manager erläuterte erst noch einmal genau die Beweggründe für das Social Network, den innovativen Service einzuführen. So erkannte sein Team, dass viele Inhalte großer Medienmarken auf Mobilgeräten extrem lange Ladezeiten hätten, weil diese nicht für Smartphones, sondern für Web-Browser optimiert sind. Also entschloss man sich im Facebook-Hauptquartier, den Medienhäusern zu helfen und ihnen anzubieten, ihre Storys direkt bei Facebook einzustellen, mit den angenehmen Effekt, dass eine schwere Multimedia-Reportage nun höchst flink startet.

Erst wich Cox der Diskussion zu der Frage, ob die Verlage nicht damit auch die Kontrolle über ihre Inhalte aufgeben würden, aus. Dann musste er jedoch zugeben, dass eine Story gelöscht wird, sobald sie gegen die Facebook-Richtlinien verstößt. Selbst wenn sie von den Redaktionsregeln des veröffentlichen Mediums gedeckt wäre. Tatsächlich haben die Redaktionen doch nicht die hundertprozentige Kontrolle über ihre Inhalte bei den Instant Articles. Also steht im Extremfall bei den Instant Articles wieder die FB-Regeln gegen die Pressefreiheit.

Die Richtlinien, nach denen Facebook Inhalte löscht, sind immer wieder Gegenstand von Diskussionen. So wollen die US-Amerikaner beispielsweise keinen Content, der Terrorismus unterstützt oder zu pornografisch ist. Über letzteren Punkt lässt sich allerdings schon gleich kontrovers diskutieren. So könnte ein Bild einer stillenden Mutter, deren Brustwarze deutlich zu sehen ist bereits gegen die Richtlinien des Unternehmens verstoßen. Es ist aber nicht so, dass Facebook nicht lernwillig wäre. Die Richtlinien befinden sich in einem stetigen Fluss und werden immer wieder angepasst.

Ansonsten scheint der FB-Manager ein rechter Kinofan zu sein. So verriet er, dass die Idee zu den automatisch startenden Videos im News-Feed von Harry Potter inspiriert gewesen wäre. Die Zeitungen in der magischen Welt, haben nämlich auf ihren Titelseiten selbststartende Aufmacher-Videos. „Als wir den Film sahen, dachten wir nur: cool. So muss es sein“.

Ähnlich „awesome“ war sein Bewerbungsgespräch. „Als ich Morgens in dem kleinen Büro ankam schlief Mark Zuckerberg noch. Es war nur sein Mitbewohner aus dem Studentenwohnheim da“. Dann fuhr Cox schmunzeln fort: „Auch Justin Timberlake war gar nicht da. Das war schon anders als im Film“. Das war tatsächlich funny.

Nachtrag (23. Juni, 11.15 Uhr):
Gegenüber MEEDIA kommentiert eine Facebook-Sprecherin: „Bezüglich Ihrer Berichterstattung zu Chris Cox‘ Äußerung über Instant Articles möchten wir klarstellen, dass es NICHT um einen Eingriff in die journalistische Hoheit geht. In der TU wurde Chris Cox gefragt was mit den Facebook Community Standards sei und wie gegenbenenfalls bei einem Konflikt mit journalistischen Inhalten umgegangen würde. Daraufhin erläuterte Chris Cox diese Community Standards, die seit jeher gelten und Inhalte wir Bullying/Mobbing, Hassrede oder Nacktheit verbieten. Es geht nicht im journalistische Inhalte, die ja nichts davon beinhalten. Die journalistische Hoheit liegt bei den beteiligten Zeitungen und Verlagen.“ Das bedeutet jedoch nicht, dass Facebook einen Instant Articles nicht löschen würde, wenn er gegen die Richtlinien beispielsweise in Sachen Nacktheit verstößt.

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