Anzeige

„Medienhaus ohne Journalismus – ja, das geht!“ Die Gegenrede auf MEEDIAs Heftig-Artikel

PR-Berater Thomas Huber
PR-Berater Thomas Huber

MEEDIA befasste sich vergangene Woche kritisch mit dem Konzept der Viral-Plattform Heftig.co. Wir bewerteten das Konzept von Heftig dabei als wenig nachhaltig und empfahlen Medienmachern, sich eher an dem Modell des us-amerikanischen Buzzfeed zu orientieren. Der frühere G+J-Kommunikator und PR-Berater Thomas Huber macht Öffentlichkeitsarbeit für Heftig.co und meint, auf der Suche nach neuen digitalen Erlösmodellen und dem Content der Zukunft lohne sich ein Blick auf Heftig.

Anzeige
Anzeige

Ein Gast-Kommentar von Thomas Huber

MEEDIA empfiehlt deutschen Verlagshäusern einen großen Bogen um heftig.co zu machen und stattdessen besser mit Buzzfeed zu flirten. Der Vergleich mit der amerikanischen Medienplattform ist natürlich eine große Ehre, zumal heftig.co seine aktuelle globale Reichweite von mehr als 50 Millionen Uniques im Monat (davon 74% ausserhalb Deutschlands) mit einem Bruchteil des Buzzfeed-Budgets und nur 16 engagierten Mitarbeitern geschafft hat. Dass MEEDIA heftig.co mit der amerikanischen Buzzfeed vergleicht und nicht mit dem deutschen Ableger, ist natürlich auch sehr freundlich. Und sehr verständlich: Hierzulande tingelt seit einem Jahr die Chefredakteurin von wohlwollendem Interview zum nächsten, während die deutsche Plattform in Sachen Performance unterhalb der Wahrnehmungsschwelle vor sich hindümpelt.

So ehrenvoll es auch ist, auf Augenhöhe mit buzzfeed.com verhandelt zu werden, so falsch ist doch der Vergleich. heftig.co folgt ausdrücklich nicht journalistischen Kriterien und hat überhaupt keinen Anspruch, journalistischen Content zu produzieren. Heftig erweitert dagegen den Medienbegriff und bietet eine Form von Unterhaltung an, die von klassischen Medien (zu Recht) auch nicht geliefert wird. Deshalb ist es auch müßig, sich – kulturkritisch herablassend – über die dort so massenhaft geteilten Inhalte lustig zu machen. Hier geht es nicht um Trash. Die mittlerweile weltweit auf 3,8 Millionen angewachsene Fangemeinde der Heftig-Familie will auch gar keine Nachrichten. Die Fans suchen das Bedeutungsvolle in der Informationsflut. Sie sind sehr neugierig darauf, wie es anderen echten Menschen in vergleichbaren Lebenssituationen ergeht und wie sie ihre Probleme und Krisen bewältigen. heftig erzählt die kleinen Geschichten und Sensationen des Alltags. Hier geht es um pure Emotion und Empathie.

Es gibt offenbar Millionen von Menschen, die Bedarf an dieser Art von Infotainment haben. Tatsache ist, dass der klassische Journalismus und sogar die deutschen Boulevardmedien einschließlich Bild und Bunte diese User gar nicht erreichen.

Wenn deutsche Verlagshäuser intensiv auf der Suche nach neuen digitalen Erlösmodellen jenseits des ungeliebten Giganten Google sind und alle digitalen Spezialisten von Publishern und Agenturen über den Content der Zukunft nachdenken, der auch in Zeiten von Big Data und Industrie 4.0 gut funktioniert, dann lohnt sich eben auch ein Blick auf das erfolgreichste Medienprojekt Europas: heftig.co.

Heftig verfügt von allen Portalen über die höchste Shareability. Die Statistik spricht hier eine sehr klare Sprache: Keine andere Website hat ein so gutes Verhältnis zwischen Reichweite und Interaktionen. Das zeigen die aktuellen Zahlen von Storyclash, nachdem Bild mit 1,466 Mio Shares/Likes bei 317 Mio Visits (ivw) eine Shareability-Rate von nur 0,46% erzielt und heftig.co mit 1,180 Mio Shares/Likes bei 22 Mio Visits eine Rate von 5,36%.

Anzeige

Auch die Zahlen von 10000flies beschreiben ein ähnliches Verhältnis:

Hier wurden für Bild 3,212 Mio Shares/Likes ermittelt, die bei 317 Mio Visits einer Shareability-Rate von 1,0% entsprechen. heftig.co erzielte mit 1,422 Mio Shares/Likes bei 22 Mio Visits eine Rate von 6,46%. Das ist ein mehr als respektables Ergebnis, da Bild.de pro Monat ein Vielfaches der 90-120 Artikel von heftig.co postet. Insofern ist der Inhalt, den heftig.co unter einem Klick anbietet, für die Zielgruppe offenbar sehr relevant und wertvoll.

Deshalb hat die von Facebook letztes Jahr vorgenommene Änderung des Auslieferungs-Algorithmus heftig.co nicht geschadet, sondern sogar genutzt. Seither stellt Facebook Posts schlechter, wenn die Verweildauer oder das Verhältnis zwischen Klicks und Interaktionen darauf hinweisen, dass der Inhalt den User eher enttäuscht hat. Generiert ein Link also im Verhältnis zu seinen Klicks deutlich weniger Interaktionen (Likes, Kommentare und Shares), liefert Facebook diesen Post weniger Usern aus als zuvor. heftig.co ist aufgrund der hohen Shareability also immun gegen solche anti-virale Massnahmen. Auch von den aktuellen Facebook-Plänen, relevanten Content künftig weiter zu stärken, wird das Heftig-Modell deshalb profitieren.

Die Zahlen beweisen auch: heftig ist eben keine Produktenttäuschung. Hinter einem Klick bei heftig.co lauert kein potemkisches Dorf, sondern eine offenbar sehr relevante Information. Das Erfolgsgeheimnis: Heftig misst von Anfang an auf ihrer Website bei jedem Link das Verhältnis zwischen Klickrate und Engagement. „Schlechte“ Inhalte werden dann bei Facebook gar nicht erst gepostet und enttäuschen deshalb dort auch keine Leser. Diese Arbeit erledigt übrigens kein Algorithmus, sondern ist durchaus intelligente Handarbeit. Deshalb geht das in Journalistenkreisen gern gepflegte Ressentiment – hier der leidenschaftliche Vollbutjournalismus, dort der seelenlose Roboter-Content – heftig ins Leere. 

Zum Autor:

Thomas Huber war Leiter Unternehmenskommunikation bei Gruner + Jahr und berät mit seiner Berliner Agentur für strategische Kommunikation semanticom u.a. heftig.co, C3, DOOB GROUP, Otto Group und EVONIK Industries AG.

Anzeige

Mehr zum Thema

Anzeige
Anzeige

Alle Kommentare

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*