Fall Mansur: ROG sieht Verdacht auf „politisch motivierte Inhaftierung“

Die Journalistenorganisation Reporter ohne Grenzen (ROG) fordert die Bundesregierung dazu auf, die Umstände für die Festnahme des Al Dschasira-Journalisten Ahmed Mansur aufzuklären. Es müsse festgestellt werden, ob es sich um eine politisch motivierte Festnahme handelt, so Reporter ohne Grenzen.

Anzeige

Bundespolizisten hatten den 53-Jährigen, der in Ägypten in Abwesenheit zu einer langen Haftstrafe verurteilt worden war, am Samstag am Flughafen Berlin-Tegel festgenommen. Gegen eine Auslieferung ohne weitere Prüfung des Sachverhalts protestiert die internationale Reporter-Organisation scharf. ROG-Geschäftsführer Christian Mihr. „Deutschland darf sich nicht zum Komplizen des ägyptischen Regimes machen.“ Die Bundesregierung müsse klären, wie es zur „zweifelhaften Entscheidung“ gekommen ist, den Journalisten festzuhalten.

Nach wie vor ist unklar, wie die Inhaftierung des Al-Dschasira-Journalisten juristisch einzuordnen ist. Reporter ohne Grenzen fürchtet, dass eine Auslieferung trotz dubioser und möglicherweise haltloser Vorwürfe stattfinden könnte. Mansur war vergangenes Jahr zu 15 Jahren Haft verurteilt worden. Der Tatvorwurf: Er habe 2011 in Kairo bei einer Folter eines Anwalts mitgewirkt.

Mit der Festnahme von Mansur wurde auch die Kritik laut, Deutschland beuge sich dem ägyptischen Staat, der womöglich kritische Berichterstatter mundtot machen wolle. Die dortige Regierung sieht Al-Dschasira als Sprachrohr der Muslimbrüderschaft. Laut Sender Al-Dschasira hat sich Mansur von Interpol, auf dessen Fahndungsliste er stehen soll, versichern lassen, dass der internationale Haftbefehl gegen ihn nicht aufrecht erhalten werde. Deshalb vermute er eine bilaterale Übereinkunft zwischen Deutschland und Ägypten. Erst vor zwei Wochen war der ägyptische Staatspräsident Abd al-Fattah as-Sisi zu Besuch im Bundeskanzleramt. Im ROG-Ranking der Pressefreiheit liegt Ägypten auf Platz 158 von 180.

Mansur zählt zu den bekanntesten Journalisten der arabischen Welt. Er hat sowohl die ägyptische als auch die britische Staatsangehörigkeit. Laut ROG war der Fernsehreporter  für seinen Auftraggeber Al-Dschasira nach Deutschland gekommen, um ein Interview mit dem Nahost-Experten Guido Steinberg zu führen. Ob der Haftbefehl aufrechterhalten wird, hängt von der Berliner Generalstaatsanwaltschaft ab.

 

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige