Digital News Report: der unaufhaltsame Aufstieg von Smartphones und Social Media

Ein Phone sie zu knechten …
Ein Phone sie zu knechten ...

Digital Economy Das Reuters Institute for the Study of Journalism der britischen Oxford Universität hat die umfangreiche Studie “Digital News Report 2015” vorgelegt. Die Kernbotschaft für Medienunternehmen: Es bleibt schwierig. Nachrichtenkonsum verlagert sich aufs Smartphone, Facebook wird wichtiger, Digital-Werbung schwächelt und das Publikum will nicht zahlen.

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Top-Trend in der Reuters-Institute-Studie ist der unaufhaltsame Aufstieg des Smartphones als Nummer-1-Gerät auf dem Nachrichten digital konsumiert werden. Weltweit wächst die Nutzungsdauer des Smartphones. Was den Nachrichten-Konsum angeht, so findet dieser auf Smartphones hauptsächlich in Browsern statt. Ein Hinweis darauf, dass die meisten Nutzer nicht direkt News-Apps ansteuern, sondern über Links in Social Networks (Facebook) oder E-Mails (Newsletter!) zu News-Artikeln geleitet werden. Eine Ausnahme ist Großbritannien, wo 46 Prozent der Nutzer Apps für News-Konsum bevorzugen, vor allem die der BBC. Diese Dominanz einer einzelnen Medienmarke ist weltweit ziemlich einmalig.

Insgesamt nutzen die Menschen aktiv nur sehr wenige Nachrichtenquellen auf ihren Smartphones:  im Schnitt über alle untersuchten Länder verteilt nur 1,52 News-Quellen pro Person. Obwohl 70 Prozent eine News-App auf ihrem Smartphone installiert haben, nutzt nur ein Drittel der Befragten die News-App regelmäßig.

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Die anhaltende Stärke von TV

Die Nutzung von TV-News bleibt in allen untersuchten Ländern mehr oder weniger stabil hoch. In den USA und Großbritannien lässt die Nutzung von TV-Nachrichten leicht nach, vor allem was die junge Zielgruppe und programmierte Sendungen betrifft. 31 Prozent der unter 45-Jährigen schauen in den USA programmierte TV-Nachrichten. Zwei Jahre zuvor waren es noch 42 Prozent. In GB sank die Nutzung der TV-News bei den Unter-45-Jährigen von 56 auf 46 Prozent von 2013 bis 2015.

In Deutschland ergibt sich ein anderes Bild. Hierzulande ist die Nutzung von TV-Nachrichten auch in der jungen Zielgruppe fast unverändert hoch. 58 Prozent der Unter-35-Jährigen schauen programmierte TV-Nachrichten. Der Aufstieg von Social Media bei den News ist hierzulande weniger stark ausgeprägt als in anderen Ländern. Deutschland, Frankreich und Japan haben in der Studie die stärksten Affinitäten zu traditionellen Medien und sind langsamer, was die Akzeptanz von Digitaltrends betrifft. Diese Durchschnittswerte verschleiern aber eine tiefe Kluft der Generationen, so die Autoren der Studie. Junge Deutsche sind in ihrem News-Konsumverhalten US-Amerikanern oder Finnen ähnlicher als älteren Landsleuten: Auch junge Deutsche bevorzugen Online News und Social Media gegenüber TV, Radio und Print.

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König Facebook, Herrscher im Social-Media-Reich

Am Smartphone kommt in Sachen Digital-News keiner vorbei. An Facebook auch nicht. Die Reuters-Studie hat ergeben, dass 41 Prozent der Befragten Facebook für den Nachrichtenkonsum nutzen, ein Plus von sechs Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Dazu kommt, dass der Messaging-Dienst WhatsApp und die Foto-Community Instagram, die bei jungen Leuten immer populärer werden, auch zu Facebook gehören.

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Es gibt zudem einen großen Unterschied, wie Facebook und Twitter bezüglich News genutzt werden. Facebook wird “generell” genutzt und Nutzer “stolpern” dort über Nachrichten. Twitter dagegen wird von Nutzern aktiv genutzt, um Nachrichten zu konsumieren. Es ist die schiere Größe von Facebook, die dafür sorgt, dass News-Anbieter die mit Abstand meiste Reichweite von dem Social Network bekommen. Twitter-Nutzer suchen dagegen aktiv nach News.

Das veränderte Nutzerverhalten (Mobile, Social Media) sorgt auch dafür, dass Nutzer tendenziell immer weniger über die Homepages zu den Nachrichten-Inhalten gelangen. Wobei das Verhalten der Nutzer von Land zu Land sehr unterschiedlich ist: In Italien, Spanien, Frankreich und Deutschland gelangen die meisten Leute über Suchmaschinen (Google!) zu News-Artikeln. In Australien und dem städtischen Brasilien spielt Social Media die größte Rolle. In Großbritannien, Dänemark und Finnland gelangen immer noch die meisten News-Konsumenten über die Marken-Angebote, also Apps oder Website-Homepages, zu den News.

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Wer soll das bezahlen?

Während der Niedergang der Zeitungs-Auflagen ein weltweiter Trend ist, ist die Bereitschaft, für Online-Nachrichten zu zahlen sehr schwach ausgeprägt.

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Und auch mit Digitalwerbung stehen die Aussichten nicht zum Besten. Der Trend hin zu mobilen News macht die Werbevermarktung schwieriger. Im stationären Internet sind Ad Blocker weltweit auf dem Vormarsch. 47 Prozent der Befragten in den USA und 39 Prozent in GB haben zu Protokoll gegeben, Ad Blocker zu nutzen. Rund ein Drittel der Befragten gab zudem an, Online-Werbung zu ignorieren, rund 30 Prozent gaben an, Websites zu meiden, bei denen Anzeigen den Konsum der Inhalte stören. Dass Apple mit dem nächsten Update seines Mobil-Betriebssystems iOS erstmals Ad Blocker auf iPhones möglich macht, dürfte die Lage hier nicht entspannen.

Fazit

Die Medien-Nachrichten-Industrie befindet sich inmitten in einer zweiten Disruptionsphase durch den Aufstieg von Mobile und Social Media. Während das traditionelle Geschäft unverändert stark unter Druck steht, gibt es immer noch keine digitalen Erlösmodelle, die wegfallende Erlöse des traditionellen Geschäfts ersetzen könnten. Dies ist ein weltweites Phänomen, auch wenn es regional bezüglich Geschwindigkeit und Heftigkeit der Disruption Unterschiede gibt. Abgemildert werden die Effekte dieser Disruption noch dadurch, dass die Über-45-Jährigen ihre alten Medien-Nutzungsgewohnheiten weitgehend beibehalten haben. Diese Generation nutzt die digitalen Medien zusätzlich zu traditionellen Medien. Die junge Generation dagegen weist ein komplett anderes Nutzungsverhalten auf, das die Medien-Nachrichten-Industrie vor noch größere Herausforderungen stellt, als das stationäre Internet.

Die Bereitschaft, für digitale News-Inhalte zu zahlen ist weltweit schwach ausgeprägt. Das Geschäft mit digitaler Werbung tendenziell stagnierend bis rückläufig. Google und Facebook schicken sich an, den digitalen Werbekuchen weltweit unter sich aufzuteilen. Was also, ist zu tun?

Überraschung, die Autoren des Digital News Report wissen es auch nicht:

Against this backdrop, news companies face another year of intense pressure and will have to be more inventive than ever with editorial and business strategies if they are to survive.

Es bleibt schwierig.

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