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„Recherchen immer in Begleitung von Polizisten“: Über das Leben nach dem Charlie Hebdo-Anschlag

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Das Satire-Magazin Charlie Hebdo ist durch den blutigen Anschlag für viele Menschen zu einem Symbol der Meinungsfreiheit geworden. Wie stark die Redaktion noch immer unter den Nachwirkungen des Attentates leidet, erzählt Chefredakteur Gérard Biard im neuen Focus. "Viele meiner Kollegen sind seit dem Anschlag in psychologischer Behandlung, sie sind erschöpft." Dabei geht es dem Magazin wirtschaftlich so gut wie nie zuvor.

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Doch Geld ist nicht alles. Denn der Alltag ist für die Satiriker alles andere als einfach: „Alle stehen unter ständigem Polizeischutz, in der Redaktion, aber auch auf Recherchen und im Privatleben. Das ist schon schwierig. Stellen Sie sich vor, bei Recherchen immer in Begleitung von Polizisten aufzulaufen. Aber das muss wohl sein.“

Tatsächlich zeichnet der Blattmacher im Nachrichtenmagazin kein sonderlich glückliches Bild seiner Redaktion: „Wir wollen unsere Leser auch zum Lachen bringen und darum wird bei der Arbeit eigentlich viel gelacht. Aber auch das Lachen ist schwieriger geworden. Wir sind ein Symbol geworden – das ist nicht gut, denn es ist nicht die Rolle einer Zeitung.“

Am 7. Januar hatten zwei islamistische Terroristen die Redaktionsräume in Paris gestürmt und insgesamt elf Menschen erschossen. Darunter auch die bekanntesten Zeichner des Magazins, Stéphane Charbonnier (Charb) und Jean Cabut (Cabu).

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Innerhalb weniger Stunden solidarisierten sich Millionen Menschen unter dem Slogan „Je suis Charlie“. Das Magazin erlebte eine riesige Welle der Hilfsbereitschaft. So kamen insgesamt mehr 4,3 Millionen Euro an Spendengelder zusammen. Diese sollen an die Familien der getöteten Mitarbeiter verteilt werden.

Zudem schnellte die Zahl der Abonnenten von 8.000 auf etwa 200.000 nach oben.  Die Kioskverkäufe stiegen von 30.000 auf rund 150.000 Exemplare. „Bis zum 7. Januar wussten wir oft nicht, ob wir im nächsten Monat noch existieren würden. Und dann regnet es plötzlich diese Millionen“, sagt Biard dem Focus.

Redaktionell muss es nach den Anschlägen weiter gehen. So denkt der neue Chef mittlerweile über einen Relaunch des Magazins und den Ausbau der Online-Aktivitäten nach. Einen konkreten Fahrplan oder ein fertiges Konzept scheint es jedoch noch nicht zu geben.

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