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Apple killt mobile Werbung mit dem nächsten iOS-Update

Apples neues Mobil-Betriebssystem iOS 9 hält eine unliebsame Überraschung für Verlage bereit
Apples neues Mobil-Betriebssystem iOS 9 hält eine unliebsame Überraschung für Verlage bereit

Die US-Website NiemanLab weist auf eine bislang wenig beachtete aber folgenreiche Neuerung in der nächsten Version von Apples mobilem Betriebssystem, iOS 9 hin: Erstmals  werden AdBlocker auf iPhones möglich.

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Apple erlaubt in der kommenden Version der iPhone-Betriebssoftware,  iOS 9, erstmals Erweiterungen für den mobilen Safari-Browser, die Content blockieren. NiemanLab zitiert aus der Dokumentation von iOS 9:

The new Safari release brings Content Blocking Safari Extensions to iOS. Content Blocking gives your extensions a fast and efficient way to block cookies, images, resources, pop-ups, and other content.

Das bedeutet nichts anderes, als dass AdBlocker Apps fürs iPhone technisch möglich werden. Und dass sie kommen werden, daran kann kein Zweifel bestehen. Bei der Desktop-Variante von Apples Safari-Browser ist ein AdBlocker die bei Nutzern beliebteste Browser-Erweiterung. Die Nutzerzahlen von AdBlocker-Software steigt seit Jahren kontinuierlich, vor allem in der jungen Zielgruppe.

iPhones waren bislang noch eine AdBlocker-freie Zone. Dabei steckt das Geschäft mit Werbung auf Mobilgeräten ohnehin noch in den Kinderschuhen. Die New York Times beispielsweise erzeugt die Hälfte ihrer digitalen Reichweite mit Inhalten auf mobilen Geräten, aber nur zehn Prozent der digitalen Werbe-Erlösen stammen von Anzeigen auf Mobilgeräten. Bei vielen anderen Medienunternehmen dürfte das Missverhältnis noch krasser sein.

Eine populäre AdBlocker App für iPhones könnte einen massiven Dämpfer für das noch zarte Pflänzchen Mobilwerbung darstellen. AdBlocker sind bei Verlagen nämlich verhasst, auch in Deutschland klagen einige Medienhäuser gegen Anbieter von AdBlockern (bislang ohne großen Erfolg). Warum spuckt Apple den Verlagen hier in die Suppe?

Apple hat auf seiner jüngsten Entwicklerkonferenz mit Apple News auch eine neue Lese-App für Medien-Inhalte vorgestellt. Das Erlösmodell dieser Apple News App basiert auf der Apple-eigenen Anzeigentechnologie iAds, die bislang noch nicht so recht zum Fliegen kommen wollte. Und jetzt raten Sie mal, welche Art von Mobil-Anzeigen von potenziellen AdBlocker-Apps auf iPhones und iPads garantiert nicht unterdrückt werden würde – genau: iAds.

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Und: Welches Unternehmen macht weltweit mit mobiler Werbung den meisten Umsatz und ist zudem ein großer Konkurrent von Apple? Richtig: Google! Mit einem Safari-AdBlocker würde Apple aus seiner Sicht zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen, nämlich Erz-Konkurrent Google schwächen und die bislang überschaubar erfolgreichen iAds promoten. Cupertino setzt hier die Marktmacht seiner enorm erfolgreichen iPhone-Reihe hier als Hebel ein.

Für Medienunternehmen bedeutet dies vor allem zweierlei:

1. Apple ist kein Freund der Medienhäuser

Neue Features wie die Apple News App mögen wunderbar aussehen, letztlich braucht Apple die Medien aber nicht. Das Geschäft von Apple ist der Verkauf von hochpreisiger Hardware. Hübsch aufbereitete Medien-Inhalte auf iPhones sind für Apple nice to have aber nicht entscheidend. Apple braucht die Medien sogar noch viel weniger als Facebook (Facebook und Medien verdienen beide mit Werbung Geld – oder versuchen es zumindest).

2. Werbung ist nicht die Lösung

Das Geschäft mit Digital-Werbung ist schwierig, das mit mobiler Digital-Werbung noch viel schwieriger. Und es wird “dank” neuer Entwicklungen, wie dem Trend hin zu AdBlockern, immer schlimmer. Medienhäuser sind also gut beraten, nach Erlösmodellen abseits klassischer  Werbung zu suchen. Hier gibt es derzeit zwei Strategien: Paid Content und alternative Werbe-Modelle (Native Advertising, Content Marketing). Wer diese beiden Felder außen vor lässt, setzt seine digitale Zukunft aufs Spiel.

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Alle Kommentare

  1. > Warum spuckt Apple den Verlagen hier in die Suppe?

    Zum gefühlten 100x… Apple interessiert sich für die User. Vor allem für die bestmögliche Usability und User Experience.

    Die (mal wieder “zufällig” ?) gewählte Formulierung ist m.E. eine falsche Interpretation und schon fast wieder an der Grenze zum in den Medienhäuser allseits beliebten populistischem Gejammere.

  2. Sorry Leute, aber hier springt hier etwas zu kurz. Die Möglichkeit diverse Dinge in Safari zu blocken dient auch dem Datenschutz. So kann zum Beispiel verhindert werden, dass Seiten wie Facebook und andere alle möglichen Daten abziehen. Es geht hier also bei weitem nicht nur um das blockieren von Werbung sondern eben auch um Datenschutz und die Möglichkeit selbstbestimmt mit diesem Thema umzugehen.

    Gruß
    Andreas

    1. Facebook wird auf Smartphones aber vor allem in Apps genutzt. Das Blocken von Cookies wird mit der Erweiterung theoretisch auch möglich. Das könnte sogar (negative) Auswirkungen auf Paywalls mit Metered Model haben.

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