Abflug: Twitter-CEO Dick Costolo tritt zurück – Jack Dorsey übernimmt

Twitter-Boss Dick Costolo
Twitter-Boss Dick Costolo

Eine Überraschung ist es nicht: Dick Costolo ist künftig nicht mehr Vorstandschef von Twitter. Der 51-Jährige übergibt den CEO-Posten des 140-Zeichen-Dienstes zum 1. Juli an Mitbegründer Jack Dorsey, der allerdings nur interimsmäßig die Geschäfte leiten soll. Vorausgegangen war eine turbulente Geschäftsentwicklung mit zuletzt immer höheren Verlusten und einem drastischen Absturz an der Börse.

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Der Tag X ist da: Nach Handelsschluss an der Wall Street gab der Mikroblogging-Dienst den lang erwarteten Managementwechsel bekannt –  natürlich auf seine ganze eigene Weise: in 140 Zeichen.

Bemerkenswert: Der scheidende Vorstandschef hieß seinen Nachfolger bereits eine Minute später ebenfalls in 140 Zeichen willkommen.

Und das ist beileibe kein Unbekannter. Jack is back! Twitter-Mitbegründer Jack Dorsey, der zwischen 2006 und 2008 bereits den Vorstandsposten innehatte, dann aber aus dem Social Media-Unternehmen gedrängt wurde und mit dem Bezahldienst Square sein eigenes Start-up aufbaute, kehrt zum 1. Juli auf Interims-Basis als CEO zurück (und bleibt gleichzeitig Vorstandschef von Square).  

„Es rankt sich ein unglaubliches Drama um  Twitter“

Eine der hollywoodreifsten Unternehmensgeschichten unserer Zeit ist damit um in weiteres Kapital reicher. „Es rankt sich ein unglaubliches Drama um  Twitter“, erklärte  New York Times-Reporter Nick Bilton bereits vor Jahren anlässlich der Veröffntlichung seines Buches über den 140-Zeichen-Dienst „Eine wahre Geschichte von Geld, Macht, Freundschaft und Verrat“, das sich stellenweise liest wie ein moderner Wirtschaftsthriller.

Legendär sind die Machtkämpfe um den CEO-Posten, der zwischen Jack Dorsey, Evan Williams und Dick Costolo in den ersten Jahren wie ein Wanderpokal wechselte. Nachdem der ehemalige Comedian Dick Costolo 2010 den Chefposten von Mitgründer Evan Williams übernahm schien endlich Ruhe beim hoch gewetteten Social Media-Liebling einzukehren, der in den ersten Jahren sogar als Facebook-Herausforderer gehandelt worden war.

On- und Off-Beziehung mit der Wall Street: Auf einen furiosen Börsengang…

2013 debütierte Twitter unter Costolo furios an der Wall Street. Die Aktie schoss bereits am ersten Handelstag um 75 Prozent in die Höhe und legt in der Spitze gegenüber dem Ausgabekurs sogar um 200 Prozent zu. Auf dem Allzeithoch im November 2013 wurde Twitter zu Kursen von 75 Dollar bereits mit 40 Milliarden Dollar bewertet.

Was zunächst furios begann, hat sich binnen der nächsten eineinhalb Jahre zur veritablen  On-Off-Beziehung zwischen Twitter und der Börse entwickelt.  Nach einem Traumstart mit einer Kursverdreifachung gegenüber dem Ausgabekurs folgte der brutale Absturz. Im vergangenen Jahr entwickelte sich Twitter zur schlechtesten Internetaktie 2014 – mit Abstand.

…folgte der brutale Absturz

Wie konnte das passieren? Der Kurznachrichten-Dienst und vor allem CEO Dick Costolo gibt Anlegern bis heute Rätsel auf: So vermeintlich kurz, prägnant und direkt die Kommunikation in 140 Zeichen verläuft – so unklar ist bis heute, was Twitter eigentlich sein will.

Daran änderte sich auch nach den immer wieder durchwachsenen Quartalsbilanzen nichts. Erst Ende April fiel die Bilanz des ersten Geschäftsquartals 2015 auf ganzer Ebene bei Anlegern durch: Während die Erlöse zwar um 74 Prozent auf 436 Millionen Dollar anstiegen, explodierten jedoch die Verluste. Nun schon 162,4 Millionen Dollar verbrannte der 140-Zeichen-Dienst in den ersten 90 Tagen des Jahres – vor einem Jahr betrug das Minus noch 132 Millionen Dollar.

Twitters Hauptproblem: Hohe Verluste und zu langsames Nutzerwachstum

Twitter bleibt damit im neunten Jahr des Geschäftsbestehens den Beweis schuldig, dass es auch nur annähernd schwarze Zahlen schreiben kann. Noch schockierender: Seit dem Börsengang im November 2013 hat der einstige Social Media-Emporkömmling mehr als eine Milliarde Dollar vernichtet.

Zuletzt befeuerten die Spekulationen um eine Ablösung des streitbaren CEOs Dick Costolo und ein möglicher Einstieg einflussreicher Investoren wie Carl Icahn zuletzt immer wieder den Kurs. „Ich glaube, die Aktie würde wieder bei 55 bis 60 Dollar notieren, wenn der Aufsichtsrat einen anderen CEO berufen würde“, watschte CNBC-Marktkommentator James Cramer Costolo zuletzt öffentlich bei CNBC ab.

Börse reagiert mit Kurssprung von 8 Prozent auf Costolo-Rücktritt

Das wird nun Wirklichkeit. Tatsächlich zeigte die Twitter-Aktie im nachbörslichen Handel sofort eine erkennbare Reaktion und schoss um 8 Prozent auf 38 Dollar nach oben. Damit ist der hoch defizitäre Microblogging-Dienst allerdings noch weit von Cramers Kursziel entfernt.

Zu viele Unsicherheiten verleiden Investoren nach den zahlreichen Bilanzenttäuschungen und den immer höheren Verlusten offenkundig den Einstieg. Die Frage, wann Dick Costolo nun seine Twitter-Bio ändert, dürfte kaum oben auf der Agenda stehen…

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