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Tagesspiegel führt Sperrstunde für Leserkommentare ein

Markus Hesselmann übernimmt Tagesspiegel Leute
Markus Hesselmann übernimmt Tagesspiegel Leute

Der Umgang von Medien mit Leserkommentaren ist ein Dauerbrenner. Vor einiger Zeit reformierte SZ.de die Kommentar-Sektion, indem die freie Diskussion in soziale Medien, vor allem Facebook, ausgelagert wurde. Einen solch radikalen Schritt macht der Tagesspiegel nun nicht. Allerdings kündigt die Berliner Zeitung an, künftig keine Kommentare rund um die Uhr mehr zuzulassen.

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Online-Chef Markus Hesselmann und Community-Chef Atila Altun  kündigen an, dass die Kommentareingabefunktion künftig ab 23 Uhr abgeschaltet wird. Kommentare, die zwischen 21 und 23 Uhr abgegeben werden, werden von der Redaktion erst am nächsten Morgen bearbeitet und sollen in der Regel bis 8 Uhr veröffentlicht sein, insofern sie nicht gegen die Community-Regeln verstoßen.

„Wir sind vor allem an engagierter, aber stets fairer Rede und Gegenrede interessiert und ehrlich gesagt weniger an rasch noch hingeworfenen Kommentaren, bei denen es auf eine Reaktion der anderen Kommentatoren, also auf den eigentlichen Sinn einer Debatte, oft gar nicht so anzukommen scheint“, schreiben die Tagesspiegel-Leute auf ihrer Website. Weiter heißt es: „Wir versichern Ihnen, dass dies kein Schritt in die Richtung ist, die Kommentarfunktion bei Tagesspiegel.de abzuschaffen oder unsere Community in die Social Media auszulagern.“

Die Süddeutsche Zeitung hat für ihr Online-Angebot Kommentare mittlerweile auf spezielle Debatten-Foren beschränkt, um Diskussionen besser steuern zu können. Dies hat in der Branche auch zu Kritik geführt. Beim Tagesspiegel geht man nun einen anderen Weg. So sollen längere Leserkommentare künftig auch als Gastkommentare im redaktionellen Teil veröffentlicht werden. Wer meint, einen würdigen Gastkommentar beitragen zu können, kann diesen auch per Mail an eine eigens eingerichtete Mailadresse (debatten@tagesspiegel.de) senden.

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Die Frage, wie mit Leserkommentaren richtig umgegangen wird, wird immer wieder diskutiert. Gerade bei sensiblen Themen, wie der Berichterstattung zur Ukraine-Krise, gibt es häufig eine Flut von Kommentaren, die teilweise stark moderiert werden müss(t)en, wozu vielen Redaktionen aber die Manpower fehlt. Die Tagesspiegel-Lösung wirkt wie ein vertretbarer Kompromiss.

 

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Alle Kommentare

  1. Dies ist vollkommenrichtig.
    Es ist unerheblich, ob ein Kommentar sachlich verfasst ist oder auch nicht. Trifft er beim Berliner Tagesspiegel nicht die Meinung bzw. Weisung der Redaktion bzw. Autoren, wird er unterschlagen.

    Politisch korrekt nennen sie das natürlich nicht Zensur, de facto handelt es sich allerdings exakt eben darum.

    Parallelen zur deutschen Geschichte sind natürlich rein zufällig – Der Tagesspiegel gefällt sich darin, nein, man kann es leider nicht mehr „tendenziös“ nennen – Andere oft unberechtigt als „Rechtsextrem“ oder „Nazi“ zu titulieren, dabei allerdings aber ebenso zu handeln wie man es sich als Otto-Normalbürger von Rechtsextremen vorstellt.

    Schweigen, Zensieren, Falschdarstellen, Unterschlagen, ganz offen Lügen. Es findet sich dort alles davon.
    Leider. Ein reines Propagandablatt – mehr nicht.

  2. Gerade beim Tagesspiegel wird sowieso schon extrem zensiert.

    Meinungen die nicht Mainstream sind werden nicht veröffentlicht.

    Na ja. Die werden schon wissen ob dies der Auflage nutzt oder nicht.

    1. Ich kann das „Zensur“-Geschreie nicht mehr hören! Was hat es mit der Einschränkung der Meinungsfreiheit zu tun, wenn man als Redaktion auf Sachlichkeit und einen wenigstens rudimentär anständigen Umgangston achtet?

      1. Gegen das Löschen von Trollpostings oder wirklich rüden Beiträgen hätte ja kaum jemand was. Aber wie schon geschrieben wurde, es werden sehr oft auch Beiträge gelöscht, die lediglich nicht auf der redaktionellen Linie liegen. Z.B. SPON ist in dieser Hinsicht berüchtigt. FAZ und Welt sind dagegen vergleichsweise liberal. Im Vergleich fällt auf, dass bei den eher linksliberalen Medien deutlich schärfer zensiert wird als bei denen, die als eher konservativ gelten.

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