Anzeige

„Paul Sahner war ein König der Aufmerksamkeit“

Paul Sahner verstarb im Alter von 70 Jahren.
Paul Sahner verstarb im Alter von 70 Jahren.

Vergangenen Sonntag starb Bunte-Chefreporter Paul Sahner im Alter von 70 Jahren. Die Branche reagierte mit zahlreichen Nachrufen auf den "Doyen der Klatschindustrie", den "Gottvater der Intimbeichte", wie ihn Spiegel und taz nannten. Mit Sahner sei ein "Solitär" gegangen, dessen Verlust auch das Ende der Epoche des "Glamourjournalismus" bedeute, meint beispielsweise Hans-Peter Siebenhaar. Das Medienecho im Überblick.

Anzeige
Anzeige

In der Süddeutschen Zeitung erinnert sich auch Hans Leyendecker und nimmt „Abschied von einem der besten Typen dieser Branche“. Und weiter: „Mehr als 3.000 Interviews hat Sahner geführt. Er hatte die wirklich geheimen Geheimnummern in der Branche in seinem Telefonbuch und sprach bevorzugt über die Liebe in allen Formen, über Alter und Tod. Aufwand scheute er nicht. Mit einem Film-Sternchen umarmte er, weil die junge Frau das so wollte, vor dem Interview einen Apfelbaum. (…) Darüber mag man lächeln, aber seine Recherchetechniken halfen, Menschen zu öffnen, die vorher verschlossen waren.“

Sehr bewegend und persönlich nimmt Sahners langjähriger Kollege Franz-Josef Wagner in seiner Bild-Kolumne Abschied. „Paul Sahner ist tot, mein Freund ist tot, einen Eimer Tränen weine ich.“ Sahner werde jetzt „die süßen Engel im Himmel interviewen, vielleicht auch Maria, die Mutter Jesu“, so Wagner. „Ach, Paul, so viele Sommer hätte ich Dir noch gewünscht. Wenn ein Freund stirbt, stirbt man auch selbst.“

„Nähe zu Prominenten und zu Reichen war für ihn eine Art Lebenselixier“

„Wahrscheinlich war es seine Tonlage … dieses Latte-macchiato-Timbre, dieser Sie-können-mir-vertrauen-Sound. Mit dieser Stimme kriegte Paul Sahner sie alle – Weltstars wie den Dalai Lama oder Michael Jackson, aber auch jeden halbwegs Viertel-Prominenten in Deutschland“, schreibt Thomas Tuma im Handelsblatt und auch über Sahners geplante Zukunft: „In den vergangenen Jahren baute sich der gebürtige Westfale Sahner in Chiemsee-Nähe einen alten Bauernhof um, wo er Journalistenseminare geben wollte. Übers Zuhören hätten auch alte Hasen noch viel von ihm lernen können.“

In seiner Kolumne „Medien-Kommissar“ liefert Handelsblatt-Redakteur Hans-Peter Siebenhaar den vielleicht lesenswertesten Beitrag. Er macht deutlich, dass mit Sahner nicht nur ein bekannter Journalist gegangen ist, sondern mit seinem Verlust auch die Epoche des „Glamourjournalismus“ zu Ende gehe. „Mit dem Tod des Gesellschaftsreporters Paul Sahner verliert die deutsche Publizistik einen Solitär“, so Siebenhaar. „Sahner war ein König der Aufmerksamkeit. Die Fähigkeit, seinen prominenten Gesprächspartnern zuzuhören, dadurch ihr Vertrauen zu gewinnen und daraus für die Leserschaft das Wichtige zu destillieren, besaß der Chefreporter der Bunten wie kein Zweiter im deutschen Glamourjournalismus.“ … „Der Westfale Sahner war ein journalistischer Überzeugungstäter im besten Sinn des Wortes. Bei ihm vermischten sich Berufliches und Privates. Distanz war für ihn kein Thema und nur selten ein Problem. Im Gegenteil, die Nähe zu Prominenten und zu Reichen war für ihn eine Art Lebenselixier.“

Anzeige

„Er war halt ein raffinierter Hund“

„Mit ihm war jeder per du“, heißt es in der Überschrift des Nachrufs von Michael Hanfeld in der Frankfurter Allgemeine Zeitung. „Wer wissen will, wie Paul Sahner zu seinen Geschichten kam, musste ihn nur einmal am Telefon haben. Er hatte nämlich etwas ungeheuer Entwaffnendes. Er schuf für denjenigen, mit dem er sprach und von dem er selbstverständlich etwas wollte, aus dem Stegreif eine vermeintliche Vertrautheit.“

In einem Nachruf für MEEDIA berichtet Beate Wedekind, ehemalige Chefredakteurin und Bunte, über ein Interview, das Sahner mit ihr geführt hat: „Ich war gerade Chefredakteurin von Elle geworden und bin ihm furchtbar auf den Leim gegangen. Er hat mich schwerstens beflirtet, seine blitzenden Augen, seine sonore Stimme mit dem unverwechselbar sanft-rauem Timbre, auf die ich sowieso stand, taten das ihre. So nach einer Stunde stellte er das Tonbandgerät ab und verführte mich zu Äußerungen über Kolleginnen, über die Männer meines Lebens, meine Leidenschaften“ … „Nun, er hat all meine Indiskretionen, die er aus mir heraus charmiert hatte, veröffentlicht. Ich gestehe, sie haben das Interview erst spannend gemacht. Aber ich war stocksauer, und ich wollte eine Zeitlang den Kontakt einschlafen lassen. Irgendwann war ich nicht mehr eingeschnappt, schließlich war ich es, die ihm auf den Leim gegangen war – er war halt ein raffinierter Hund, der Paul.“

„Mit Journalisten wie ihm ist eine vollkommen neue Kategorie von Leute-Personalien entstanden“, meint auch sein Verleger Hubert Burda. „Paul Sahner war ein großer Journalist und ein wunderbarer Mensch.“

 

Anzeige

Mehr zum Thema

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*