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Anne Will wäre mit Sicherheit die beste Günther-Jauch-Nachfolgerin, aber …

Günther Jauchs Vorgängerin Anne Will wäre auch seine beste Nachfolgerin
Günther Jauchs Vorgängerin Anne Will wäre auch seine beste Nachfolgerin

Günther Jauchs Talk-Abschied bei der ARD zum Jahresende setzte sogleich das Spekulations-Karussell um die Nachfolge in Gang. Die offensichtlichste und beste Lösung wäre, dass Anne Will den Jauch-Sendeplatz am Sonntagabend nach dem “Tatort” wieder übernimmt. Aber Vorsicht, es gibt da ein paar ARD-typische Stolperfallen …

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Der Abschied von Günther Jauch vom politischen Talk ist zunächst einmal eine gute Nachricht. Ob es nun am Geld lag (angeblich wollte die ARD ein bisschen weniger zahlen, als die kolportierten 10,7 Mio. Euro pro Jahr für die Produktion) oder an den Nörgeleien der “Gremien-Gremlins” oder den Mecker-Journalisten – oder ob Jauch vielleicht sogar selbst eingesehen hat, dass der Polit-Talk nix für ihn ist: Egal, Hauptsache er hört auf.

Was uns zur Frage nach der Nachfolge bringt. Jauchs Installation 2011 sorgte für einige programmliche Verwerfungen in der ARD. Anne Will musste mit ihrer Talkshow auf den sehr späten Mittwochabend ziehen, “Hart aber fair” mit Frank Plasberg” rückte auf den ungünstigen Montag, Reinhold Beckmann auf den sehr späten Donnerstagabend. Sandra Maischberger durfte mit ihrem Gesellschaftstalk auf dem Dienstag bleiben. Fünf Talkshows wurden allgemein als zu viel des Geredes erachtet. Irgendwann hatte Beckmann ein Einsehen und tat der ARD den Gefallen, freiwillig einen Rückzieher zu machen.

Alle anderen hatten sich mehr oder weniger mit der Situation arrangiert. Anne Will muss man hoch anrechnen, dass sie aus dem undankbaren Sendeplatz am meisten macht. Ihre Talkshow ist eine im besten Sinne politische Veranstaltung, souverän, kenntnisreich und charmantmoderiert und ohne Angst auch vor sperrigen Themen. Sie wäre also die Idealbesetzung, wenn es um die Nachfolge auf den Jauch-Sendeplatz geht. Der Jauch-Ausstieg bedeutet für die ARD die einmalige Gelegenheit, die verkorkste Programmreform von damals geradezubiegen. Wenn, ja, wenn …

Es gibt zwei große “Aber”.

Aber 1:

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Aber Anne Will war nicht immer immer so gut, wie sie heute ist. Als die ehemalige “Tagesthemen”-Moderatorin auf dem Sendeplatz nach dem Sonntags-”Tatort” anfing, tat sie sich ähnlich schwer wie heute Jauch. Der Sendeplatz wurde unter Sabine Christiansen zu einer Art außerparlamentarischen Polit-Stammtisch. Minister drücken sich hier die Klinke in die Hand, wenn jemand aus dem Berliner Betrieb etwas mitzuteilen ist, ist der Sonntagabend nach dem “Tatort” die beste Medien-Bühne, die das Land zu bieten hat. Entsprechend ist der Druck auf die Sendungsmacher. Die Themen müssen Gewicht haben, die Gäste namhaft sein. Dabei alles bitteschön ausgewogen im Sinne der Merkel’schen Konsens-Demokratie. Wer sich an frühere “Anne Will”-Sendungen erinnert, dem mag dämmern, dass damals im beigebraunen Studio allzuoft lähmende Langeweile regierte. Will wurde erst richtig gut, als sie den Prestige-trächtigen Sendeplatz weggenommen bekam. Die Gefahr, dass sie und ihre Redaktion sich auf dem alten Sendeplatz wieder dem Diktat lähmenden Labern hingeben, darf nicht unterschätzt werden. Der Premium-Sendeplatz nach dem “Tatort” ist darum zugleich Fluch und Segen.

Aber 2:

Aber der ARD-Proporz ist auch noch da! Die Besetzung und Anzahl der Polit-Talkshows war innerhalb der ARD selbst ein Politikum. Welcher Sender wie viele Talkshows hat, wurde penibel zwischen den beiden Groß-Sendern NDR und WDR austariert. Vom WDR kommen “Hart aber fair” und “Menschen bei Maischberger”, vom NDR “Günther Jauch”, “Anne Will” und früher “Beckmann”. Nach dem Abgang von Beckmann und Jauch hätte der NDR mit “Anne Will” nur noch eine Polit-Talkshow im Programm. Möglich, dass dies einigen Großkopferten im Sender sauer aufstößt und man versucht, eine weitere Talk-Persönlichkeit aufzubauen. “Tagesthemen”-Frau Caren Miosga oder Washington-Korrespondent Ingo Zamperoni wurden schon als Kandidaten genannt. Möglich wäre auch, dass Anne Will den Sonntagabend zurückbekommt und eine der genannten Personen oder jemand ganz anderes auf den Mittwoch rückt. Das wäre eine ausbalancierte Lösung nach bester ARD-Manier.

Für die Zuschauer wäre es in jedem Fall besser, “Anne Will” würde wieder den Sonntagabend machen und dabei alle Freiheiten bekommen. “Hart aber fair” könnte von dem ungünstigen Montag wieder auf den Mittwoch rücken. Drei Polit-Talkshows wären aus Zuschauersicht vollkommen ausreichend.

Nur: Was das Beste für die Zuschauer ist, darum geht es bei der ARD leider oft nicht.

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Alle Kommentare

  1. Ich schlage mal folgendes vor,

    Den Sendeplatz bekommen die HR-Katzen. Der Informationsgehalt wäre ähnlich hoch wie bei Jauch und Tiere bringen immer eine gute Quote…

  2. Ich freue mich tierisch für Anne Will. Nachdem sie Platz machen musste für den ach so wichtigen ARD-Einkauf Jauch, hat sie allen nochmal gezeigt, wie Talkshow geht. Sie ist sooo gut, ruht sich nicht auf ihrem Erfolg aus und moderiert super-schwierige Themen mit leichter Hand. Dazu tolle Gäste und nicht nur die üblichen Verdächtigen.

  3. ich finde es Schade das Herr Jauch die Sendung nicht mehr macht. Ich habe keine verpasst. die anderen Politikshows kommen immer sehr spät. Außer Hart aber fair und das ist gut so. Ich möchte die ARD bitten die Politikshows nicht so spät zu senden da es viele Menschen gibt die noch arbeiten müssen. So spät ist kein Mensch mehr Aufnahme fähig. Allso denken Sie bitte daran bei der Änderung ihres Programmes in Zukunft.

  4. Es gibt in Deutschland kaum lebendige und qualitativ hochwertige Moderatoren / – innen.
    Greift man ins aktuelle Regal potentieller Kandidaten, findet man blutleere Routine und professionelle Deformation ohne jeden Esprit. Die ARD sollte mutig sein. Die einzige Kadidatin, der man qualitativ auch in ernsten Genres Potential zutrauen könnte, die angstfrei mit Situationen und Gruppen „spielen“ kann, ist….:
    Anke Engelke.
    Das wäre mal ein Schritt: für Engelke, die ARD und für die Zuschauer. Ich würde es versuchen.

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